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    Wann wird es besser?

    Liebes Forum,

    ich schreibe euch, weil ich weiß, dass hier wahrscheinlich einige mit mehr Lebenserfahrung unterwegs sind, als ich sie bislang gesammelt habe. Und weil ich mir einfach mal ein paar Zeilen von der Seele schreiben und hier in das weite Internet schicken will.

    Ich werde bald 30. Seit bald zwei Jahren steht mein Leben kopf und ich frage mich, ob ich irgendwann wieder zur Normalität zurückkehren werde. Angefangen hat alles mit einer riesigen Explosion: Mein Ex-Partner, mit dem ich 7 Jahre zusammen war und auch zusammen gewohnt habe, hat sich von einem Tag auf den anderen von mir getrennt. Mein Vater wurde sehr krank. Und irgendwie ist alles um mich herum zusammengebrochen. Das erste Jahr war furchtbar. Ich bin in ein extrem tiefes Loch gestürzt mit Angstzuständen, Panikattacken, extremem Gewichtsverlust und allem, was man sich so vorstellen kann. Erschwert wurde das natürlich durch die Sorge um meinen Vater und die Auflösung des gemeinsamen Lebens mit meinem Ex (das lief alles extrem unschön von seiner Seite aus, weiter möchte ich die Geschichte eigentlich nicht aufwärmen).

    Ich habe mich dann selber in Therapie begeben und dort festgestellt, dass ich eigentlich schon länger eine Depression mit mir herumtrage und auch entsprechend schon länger einem ziemlichen Leidensdruck ausgesetzt war. Was dann folgte war hart. Zum Glück bin ich ziemlich schnell gut medikamentös eingestellt worden und bin inzwischen seit etwa einem halben Jahr stabil. Dank einer tollen Therapeutin habe ich auch die Corona-Zeit gut überstanden. Meinem Vater geht es heute wieder gut. Dafür hat nun meine Mutter eine Krebsdiagnose bekommen.

    Mein Ex hat sich ein paar Monate nach der Trennung eine signifikant jüngere Freundin gesucht (sie ist Anfang 20 und studiert noch) und sich kein Jahr später direkt mit ihr verlobt. Um mich herum finden meine Freunde tolle, neue Jobs und Partner(innen). Ich "arbeite" beständig daran, dass auch bei mir die Dinge langsam wieder voran gehen. Ich bewerbe mich auf Jobs, da ich schon länger wechseln wollte, "verliere" aber in jeder Endrunde gegen einen älteren männlichen Mitbewerber. Ich gehe auf Dates und versuche offen zu bleiben, aber gleichzeitig an dem, was mir bei einem Partner wichtig ist, festzuhalten.

    Aber ich komme nicht umhin, mich müde zu fühlen. Es liegt so viel Weg hinter mir und meine Freunde sagen mir immer wieder, wie stolz sie auf mich sind, wie sehr sie mich bewundern für das, was ich geschafft habe-woran sie aber natürlich auch einen großen Anteil hatten. Aber ich habe das Gefühl, dass ich schon so lange einen Marathon laufe und das Ziel einfach so weit entfernt ist. Ich möchte (noch) nicht heiraten oder Kinder bekommen.

    Ich möchte einen Partner, einen neuen Job und mir keine Sorgen um die Gesundheit meiner Eltern machen müssen (abgesehen von altersbedingten Wehwehchen natürlich). Das sind doch eigentlich nicht so ausgefallene Wünsche?

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    AW: Wann wird es besser?

    Willkommen im Forum!


    Zitat Zitat von lise-line Beitrag anzeigen
    ... ich frage mich, ob ich irgendwann wieder zur Normalität zurückkehren werde.
    (...)
    Ich möchte einen Partner, einen neuen Job und mir keine Sorgen um die Gesundheit meiner Eltern machen müssen
    Du bist mitten drin in der Normalität.

    Beziehungen können (leider) zerbrechen, neue Partner können auf sich warten lassen, die Suche nach einem neuen Job ist derzeit vermutlich noch schwieriger als sonst, und sich um nahestehende liebe Menschen zu sorgen ist auch nichts Außergewöhnliches.

    Wünsche gehen leider nicht auf Bestellung in Erfüllung, und sich selbst Druck aufzubauen
    ist nicht unbedingt hilfreich.

    Du bist seit einem halben Jahr wieder emotional stabil, das ist schon mal eine gute Grundlage für all die kommenden Herausforderungen. Hab ein wenig Geduld mit Dir
    selbst - und nimm den Fokus von den tollen neuen Jobs der Freunde und deren Beziehungen. Zu all dem gehört auch eine gute Portion Glück ... darauf darfst Du
    ebenfalls vertrauen.

    .

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    AW: Wann wird es besser?

    Deine Frage ist: "wann wird es besser?"

    Wie wäre es, wenn du zuerst einmal erkennst, dass es schon viel besser geworden ist

    Wenn wir einen großen Berg besteigen, dann machen wir oft mittendrin mal Pause. Wir werden weitergehen, aber ab und zu mal anzuhalten und genießen, was man schon geschafft hat- tut sehr gut!
    Das ändert nichts an dem Wunsch, dass man den Gipfel erreichen möchte, aber es wäre doch seltsam, wenn einer bei so einer Rast nur umzufrieden ist, dass er noch nicht oben ist- stimmts?

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    AW: Wann wird es besser?

    Kenzia, das Bild mit dem Berg finde ich sehr schön und passend. Sowas muss ich mir selbst auch öfter sagen.

    Liebe lise-line, ich kann dich sehr gut verstehen, wir sind im selben Alter (ich werde dieses Jahr 29).

    Deine Wünsche sind auch für mich die Pfeiler eines erfüllten Lebens und ich hab viele Jahre versucht, alles auf einmal zu erreichen - erfolglos. In den letzten Wochen habe ich mich von dem Gedanken frei gemacht, dass ich all dies sofort brauche, um glücklich zu sein und mich auf einen Punkt, der mir im Leben wichtig ist, konzentriert: meine Wohnsituation. Und schwups, innerhalb von zwei Wochen habe ich mir ein wunderbares neues Zuhause organisiert, in das ich Mitte September einziehen werde.

    Will sagen: Deine Wünsche sind legitim und nicht "zu viel verlangt", aber es kann helfen, den Druck rauszunehmen, indem man sich auf eine Sache konzentriert. Das heißt nicht, dass alles andere komplett aufgeschoben werden muss, aber man muss ja nach einem langen Tag auf der Arbeit nicht noch Bewerbungen schreiben UND dann um 23 Uhr versuchen, online den Traumprinzen zu finden.

    Bei mir stoppt jetzt erst mal bis zu meinem Umzug die Bewerbungsphase (ist nicht soo wichtig aktuell) und das Online-Dating. Ich glaube daran, dass sich das Leben fügt wie ein Puzzle und wenn das Puzzleteil "Wohnung" fertig ist, passt vielleicht bald ein weiteres Stück ins Bild? Ich hoffe es.

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    AW: Wann wird es besser?

    Hallo Lise,

    alles, was ich bei dir lese, klingt nach: Lösung. Aber leider: Jede Lösung braucht auch ihre Zeit!
    Du bist deinen Weg sehr mutig und lösungsorientiert gegangen. Auch im Job bist du bereits dabei, deinen Weg zu machen. Wenn du schreibst, "Endrunde", heißt es ja auch, dass du öfter in die zweite Runde gekommen bist - also ganz nah vorm Ziel. Arbeite frohgemut weiter an allen: Bald hast du es geschafft, da bin ich ganz, ganz sicher!

    Auch, dass du datest, ist ein Super Zeichen. Ich kann dir auch hier nur raten: Weiter machen, in der Ruhe liegt die Kraft.

    Man sagt ja, dass die letzten Schritte direkt vor dem Ziel stets die schwierigsten sind. Es ist das Schlagen gegen die gläserne Decke bis der Durchbruch kommt.

    Der wird kommen - auch bei dir!

    Da bin ich ganz sicher.


    Ich bin einen ähnlichen Weg auch gegangen vor vielen Jahren. Mit Panikattacken, einer gescheiterten Beziehung im Gepäck in Therapie inkl. mittelschwerer Depression. Wie sehr hat sich diese Therapiezeit im Nachhinein ausgezahlt: Ich habe alles nach geholt und tatsächlich alle Wünsche erfüllt, die ich hatte UND habe auch alle Ziele erreicht. Und jetzt gibt es wieder ganz neue Ziele - aber, dass ich diese Therapiezeit und die Zeit "des Darbens" auch gut durchwandert bin, davon profitiere ich heute noch jeden Tag!


    Bleib mutig, stay tuned, liebe Lise,
    es ist nicht mehr weit

    Blue
    Be a voice not an echo.

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    AW: Wann wird es besser?

    Liebe alle,

    habt vielen Dank für eure einfühlsamen Beiträge.

    Ja, es kommt mir so oft so vor, als wenn ich gar nichts geschafft habe. Dass es immer noch Tage gibt, an denen ich stolz bin, wenn ich aufstehe und das Haus verlasse.Und dann denke ich mir so häufig: Wie soll ich denn auch "mehr" erreichen, wenn ich gerade mal das Minimum schaffe, um meinen Alltag zu meistern.

    Gleichzeitig kommt natürlich auch irgendwo die biologische Uhr dazu. Ich möchte schon irgendwann ein eher klassisches Familienmodell leben und bin bald 30, das ist so alt und so jung zugleich. Jung, wenn man dann den entsprechenden Partner hat - ich habe mir eh nie vorgestellt, vor Anfang/Mitte 30 Kinder zu haben. Und alt, sollte man ihn nicht treffen.

    Bei manchen Dates frage ich mich auch: Ist es das jetzt? Muss man sich irgendwann arrangieren, um diesen biologischen "Plan" noch einhalten zu können? Dabei muss es noch nicht mal der Traumprinz sein, sondern einfach jemand, der sich "richtig" für mich anfühlt.

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    AW: Wann wird es besser?

    Liebe Lise

    Erst mal ist es toll, dass du trotz der Schicksalsschläge ins Tun gekommen bist, mit Therapie, Bewerbungen, Dating.... ich kann dir nur wünschen, dass du das Durchhaltevermögen hast dranzubleiben. Es wird sich bestimmt auszahlen!

    Zitat Zitat von lise-line Beitrag anzeigen
    Ja, es kommt mir so oft so vor, als wenn ich gar nichts geschafft habe. Dass es immer noch Tage gibt, an denen ich stolz bin, wenn ich aufstehe und das Haus verlasse.Und dann denke ich mir so häufig: Wie soll ich denn auch "mehr" erreichen, wenn ich gerade mal das Minimum schaffe, um meinen Alltag zu meistern.
    Das Gefühl kenn ich gut, ich hatte auch solche Phasen. Was mir dabei extrem geholfen hat:
    - Ein Dankbarkeitstagebuch: jeden Abend vor dem Einschlafen kurz den Tag durchgehen und 3 Sachen aufschreiben, die an dem Tag schön, lehrreich, effizient, eindrücklich etc. waren und für die ich dankbar bin. Das kann auch was ganz simples sein, das schöne Wetter, ein Anruf von einen Freund, die Tatsache dass ich eine Aufgabe erledigt habe....
    - Klare Ziele: morgens nach dem Aufstehen mal in aller Ruhe überlegen, was ich heute Abend unbedingt gemacht haben will. Anfangs vielleicht auf eine einzige Sache beschränken: ein Gespräch das ich mit jemandem suchen will, eine Bewerbung die ich verfassen möchte, etwas Wichtiges was im Haushalt zu erledigen ist.... Und diese Sache dann auch ganz schnell angehen und nicht aufschieben :) Damit stellt sich schon mal ein Gefühl von "ich hab was geschafft" ein und man kann mit einem ganz anderen Gefühl durch den Tag gehen.

    Ich hoffe dass dir das etwas Inspiration gibt und wünsche dir alles Gute!

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    AW: Wann wird es besser?

    hast du noch kontakt zu deiner therapeutin?

    ein halbes jahr- ist bei schon länger bestehenden problemen- zeitlich gesehen: nix.

    und nur tabletten bringt dich nicht weiter. tabletten sind eine krüke, die dich stützt. aber laufen musst du dennoch allein.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

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    AW: Wann wird es besser?

    Zitat Zitat von lise-line Beitrag anzeigen
    ....Gleichzeitig kommt natürlich auch irgendwo die biologische Uhr dazu. Ich möchte schon irgendwann ein eher klassisches Familienmodell leben und bin bald 30, das ist so alt und so jung zugleich. Jung, wenn man dann den entsprechenden Partner hat - ich habe mir eh nie vorgestellt, vor Anfang/Mitte 30 Kinder zu haben. Und alt, sollte man ihn nicht treffen.

    Bei manchen Dates frage ich mich auch: Ist es das jetzt? Muss man sich irgendwann arrangieren, um diesen biologischen "Plan" noch einhalten zu können? Dabei muss es noch nicht mal der Traumprinz sein, sondern einfach jemand, der sich "richtig" für mich anfühlt.
    Mach einfach ein bisschen halblang ! Das hört sich alles furchtbar verkrampft an! Und wenn eine neue "Bekanntschaft" spürt, nur als Erfüller deiner Kinderwünsche mit "klassischem Familienmodell" zu dienen und das möglichst zackig, dann ist das sehr unsexy und schreckt ab.

    Ich rate dir, dich auf dein eigenes Leben zu fokussieren (was machst du denn beruflich?), dann klappt es auch mit dem Rest.

    Ich habe den Vater meiner Tochter erst mit Anfang 30 kennengelernt, meine Tochter wurde geboren, als ich noch einige Jährchen älter war. Ob und wann du wieviele Kinder hast, das hängt zum großen Teil von Faktoren ab, die du nicht im Griff oder auf die du letztendlich keinen oder kaum Einfluss hast. Das ist meine Meinung, viele andere sehen das anders.

    Gruß Elli
    Geändert von elli07 (05.10.2020 um 07:35 Uhr)
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)

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