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    Kindheit - sie lässt mich nicht los

    Liebe alle,

    Ich wurde wegen PTBS behandelt, dh. ich leide unter plötzlich zurückkehrenden Erinnerungsfetzen, die teilweise massiv meine Konzentration einschränken und mich auch zeitweise "komisch" machen. Ich ziehe mich daher zurück, da ich dann eben manchmal komisch sein muss oder stundenlang weinen muss. Wenn diese Anfälle abklingen, geht alles wieder normal.

    Eine Warnung vorab, es geht hier teilweise um missbräuchliches Verhalten.

    Ich bin mit drei Charakteren aufgewachsen, die kontrollbesessen sind. Eine davon ist sadistisch veranlagt. Sie hat mich sexuell missbraucht. Die anderen beiden sind eher mit sich selbst beschäftigt und somit etwas berechenbarer in den Motiven. Mein Vater hat versucht mich da raus zu holen, er ist gescheitert und früh verstorben, weshalb ich wohl auch "festhänge". Mein kindlicher Hoffnungsschimmer war abrupt weg. Und übrig blieb ich zwischen Leuten, die hochgradig emotional waren, meine Mutter litt unter Depressionen, die in Richtung Bipolar gehen, dh. sie kann wirklich unglaubliches schaffen und dann schwingt das Pendel in die andere Richtung und alles um sie herum wird schwarz. Meine echte ältere Schwester ist ähnlich, schafft enormes und dann driftet sie ab in selbstzernagende Magersucht.
    Die dritte war die Sadistin, Zeit ihres Lebens arbeitslos oder sie hat mit Managern geschlafen um ihren "Ruhm zu erweitern".

    Klingt krude, ist es leider auch.

    Ich war irgendwie normal, man nannte mich dann "introvertiert", aber jetzt merke ich die Auswirkungen immer mehr. Ich hatte nie wirkliche Probleme mit Geld, außer am Ende meines Studiums, Freunde hatte ich auch immer und inzwischen eine lange Beziehung, in der ich sehr glücklich bin.

    Vielleicht hat mich das auch zur Ruhe kommen lassen, damit ich mich dieser schwarzen Vergangenheit zuwenden kann. Vorher habe ich mich eher mit Arbeit zugepflastert und bin geflüchtet. Corona hat auch ein bisschen Ruhe reingebracht.

    Leider sind meine Therapiestunden fast zu Ende mit weiteren Sprechstunden alle 1,5 Monate.
    Wir haben EMDR gemacht, um überhaupt an die Erinnerungen zu kommen, die Abspaltung meiner Gefühle und mir ist relativ ausgedehnt.

    Es soll hier nicht um die drei Protagonisten meines Lebens gehen, die aber auch wirklich alles versucht haben unter ihre Kontrolle zu bekommen, ich kam ja da weg aus eigener Kraft, insofern hat mich irgendeine Art Resilenz und Selbstwert beschützt.

    Ich dachte ich finde hier vielleicht Menschen, denen ähnliches in der Kindheit passiert ist:
    Komplette Kontrolle und Besitzanspruch und wie sich das bei euch im Leben jetzt auswirkt. Erlaubt ihr euch glücklich zu sein?
    Eigene Gefühle zu haben?


    Für viele Menschen mag sich das komisch anhören, aber wenn man aufgewachsen ist mit jemanden, der "ich und du" nicht auseinander halten kann und in dem das kleinste bisschen Eigensinn wie - einen anderen Brotaufstrich mögen - zu emotionaler Folter ausartet und extrem viel bestimmt wurde, was andere wollten, dann ist es jedes Mal ein größerer Akt des Selbstvergewisserns, ob man auch wirklich sich selbst sein darf.

    Ich freue mich auf einen Austausch mit euch!
    Margaret (die sich wundert, dass dieser Nickname noch frei war)
    Geändert von magaret (20.07.2020 um 22:07 Uhr)

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    AW: Kindheit - sie lässt mich nicht los

    Hallo Magaret,

    willkommen hier im Forum Bri

    Ich kann mit dir zu diesem Thema in keinen Austausch gehen, den du dir wünschst- möchte aber dennoch ein paar Gedanken dazu schreiben.

    Zum einen- gibt es für dich keine anderen Therapiemöglichkeiten, die du nutzen kannst?
    Es gibt soviele unterschiedliche Methoden- könntest du dir vorstellen, diesen Weg weiter zu gehen?
    Hast du je an einen Aufenthalt in einer Klinik nachgedacht- traumatherapeutisch?

    Und ich würde dir nahelegen, dich mit deinem Thema lieber in einer Gruppe - die du hier im Forum erstellen kannst- ein wenig zu isolieren.
    Momentan sind deine Beschreibungen nicht konkret, sie werden es aber womöglich nach Fragen von usern - frag dich, ob du wirklich sehr private Einzelheiten hier im Forum öffentlich machen möchtest (JEDER, der Internet hat, kann hier lesen!).

    liebe Grüße und alles Gute für dich
    kenzia

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    AW: Kindheit - sie lässt mich nicht los

    Zitat Zitat von kenzia Beitrag anzeigen

    Zum einen- gibt es für dich keine anderen Therapiemöglichkeiten, die du nutzen kannst?
    Es gibt soviele unterschiedliche Methoden- könntest du dir vorstellen, diesen Weg weiter zu gehen?
    Hast du je an einen Aufenthalt in einer Klinik nachgedacht- traumatherapeutisch?

    Und ich würde dir nahelegen, dich mit deinem Thema lieber in einer Gruppe - die du hier im Forum erstellen kannst- ein wenig zu isolieren.
    dem stimme ich komplett zu- das braucht einen anderen Rahmen als hier und eine Therapie- am besten in einer Klinik, die sich darauf spezialisiert hat

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    AW: Kindheit - sie lässt mich nicht los

    Eigene Gefühle - ich glaube, ich habe sehr früh Gefühle unterdrückt oder abgespalten und noch heute kommen die Gefühle zeitverzögert.
    Ob ich mir erlaube, glücklich zu sein: Obwohl ich heute mein Leben so ausgerichtet habe, dass es für mich passt und nicht, wie man es macht, kann ich diese Frage gar nicht beantworten.
    Geändert von durchdieblume (22.07.2020 um 21:25 Uhr)

  5. gesperrt

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    AW: Kindheit - sie lässt mich nicht los

    margaret
    ich wuerde mal schauen, ob du eine selbsthilfegruppe zum dauerhaften austausch findest

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    AW: Kindheit - sie lässt mich nicht los

    Liebe margaret,

    es gibt auch PTBS-Foren, dort findest Du Menschen mit ähnlicher Vergangenheit.

    Alles Gute.

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    AW: Kindheit - sie lässt mich nicht los

    Zitat Zitat von magaret Beitrag anzeigen

    Ich dachte ich finde hier vielleicht Menschen, denen ähnliches in der Kindheit passiert ist:
    Komplette Kontrolle und Besitzanspruch und wie sich das bei euch im Leben jetzt auswirkt. Erlaubt ihr euch glücklich zu sein?
    Eigene Gefühle zu haben?
    Hallo magaret,

    Ich hatte ja ähnliche Erlebnisse in der Kindheit. Obwohl es immer anders ist und man schlecht vergleichen kann.

    Auch man selbst ist ja unterschiedlich.

    Manchen Dinge habe ich überraschend gut verarbeitet ander weniger.

    Ich glaube, das ich großes Glück hatte in diversen Heimen untergebracht worden zu sein und daher nicht bis zum 18 ten Geburtstag der Hölle ausgesetzt wurde.

    Dadurch ergaben sich zwar auch diverse Probleme, aber ich denke wirklich das es die bessere Wahl war...

    Mit 18 war ich endlich frei, kein Vormund mehr und frei entscheiden zu dürfen.

    Ich stürzte mich ins Leben und wollte allen und auch mir beweisen was ich alles erreichen kann. Ich wurde aber aufgrund der Erlebnisse selbst zum Kontroll freak.

    Irgendwann ging mir im wahrsten Sinn die Luft aus.... Ich war ausgebrannt/müde und bin es heute auch noch teilweise.

    "Normal" werde ich wahrscheinlich nie werden. So eine Kindheit und die Erlebnisse prägen einen so sehr, daß keine Therapie der Welt dagegen ankommt. Man lernt nur damit besser umzugehen, es zu akzeptieren und auch Vorteile zu erkennen.

    Ich war seit jeher sehr impulsiv und bin es auch heute noch. Es wird mit zunehmenden Alter weniger aber immer noch weit über dem Durchschnitt.

    Ich habe kein urvertrauen und beneide oft die Menschen die diese Fähigkeit haben.
    Mein Mann ist der einzige Mensch, zu dem ich viel vertrauen habe. Aber auch hier niemals zu 100 %.... Diese Fähigkeit ist mir einfach nicht gegeben.

    Bei mir ist alles ein aufrechnen.... Ich kann jemanden nur so viel vertrauen entgegenbringen, wie ich im Fall des aus nützen, das auch ertragen kann.

    Ich bin pragmatisch geworden und sehe alles sehr nüchtern. Nicht negativ sondern eher wie ein Optimist mit Erfahrung....

    Erlaube ich mir glücklich zu sein?

    Was ich mir mittlerweile erlaube.... Meine Gefühle zu spüren und zufrieden zu sein.

    Das kommt meiner persönlichen Definition "Glück" sehr nahe.
    Before you argue with someone, ask yourself, is that person even mentally mature enough to grasp the concept of different perspectives. Because if not, there's absolutely no point.

    Grab nicht zu weit in dem Mist rum, dann stinkt's nur noch mehr. Geh davon weg, und merk dir, wie's gerochen hat, damit du beim nächsten Verlierer früher Lunte riechst. (Zitat Wildwusel)

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    AW: Kindheit - sie lässt mich nicht los

    Hallo Margret,
    da sich die Geschichten oft in Teilen gleichen oder in ihren Facetten auch nicht, fällt mir ne allgemeingültige Empfehlung schwer....

    FÜR MICH:
    waren folgende Dinge hilfreich:

    1.)An Tag X habe ich entschieden, dass ich kein Opfer mehr sein will. DENN mMn bleibt man so lange Opfer , so lange man der Kindheit dieses Gewicht, diese Wertigkeit zugesteht....Als ich entschied, Kindheit war so, wie sie war, ändern lässt sich da nix mehr. Entscheidend ist und war für mich:Ich habe überlebt, und dass nur, weil ich stark genug war. Punkt....
    Kindheit ist für mich etwas weit Entferntes, Unveränderbares....Inzwischen bin ich erwachsen, TROTZ oder WEGEN???? Keine Ahnung....

    2.) absoluter Kontaktabbruch zu Allen, die das Konstrukt gestützt und bedient haben

    LG UC
    Einfach machen...wird gut

    Ich hol mir mein Spiel zurück!!!!!

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    AW: Kindheit - sie lässt mich nicht los

    Kurze Antwort (die lange ist nicht notwendigerweise interessant):
    Ja, ich erlaube mir das

    Ist deine Frage, ob - und wie - es geht?
    Auch da exec summary: ja, es geht. Sich stur auf die eigenen Bedürfnisse konzentrieren (bis man diesen Entwicklungsschritt aufgeholt hat), Trial and Error, dranbleiben. Und ja, Therapie - einen offenen Beinbruch heil ich ja auch nicht zuhause aus.

  10. User Info Menu

    AW: Kindheit - sie lässt mich nicht los


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