Tatsächlich kenn ich auch wenig Frauen, die sich mit ihren Finanzen beschäftigen wollen. Deshalb triggert es mich auch so, wenn das an den Mann delegiert wird, als ob es einen gar nicht interessieren braucht.
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09.07.2020, 21:04Inaktiver User
AW: O Kapitän... Mein Kapitän.... Wer rudert bei euch?
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10.07.2020, 07:27
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10.07.2020, 07:36Inaktiver User
AW: O Kapitän... Mein Kapitän.... Wer rudert bei euch?
Ich weiß ja nicht wie alt deine Mutter ist, meine ist Ende 70 und war da nie hilflos. Ganz im Gegenteil, mein Vater hat gerne
die Gelddinge an meine Mutter deligiert. Und man glaubt es kaum, selbst komplexe Geldanlagen...das klingt leicht arrogant... konnte sie managen
Und ich kenne jede Menge Frauen dieses Alters, die nicht nur 4 Zahlen am Geldautomaten eingeben können.
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10.07.2020, 08:55Inaktiver User
AW: O Kapitän... Mein Kapitän.... Wer rudert bei euch?
Meine Mutter ist sogar deutlich jünger als deine. Man muss natürlich jeden Lebensentwurf respektieren, aber ich finde diese erlernte Hilflosigkeit ziemlich bedrückend.
Ich kenne schon auch ältere Damen wie deine Mutter, die immer die Familienfinanzen gemanaged haben. Aber völlig untypisch ist meine Mutter nicht.
Damit ich nicht falsch verstanden werde: Im Alltag ist meine Mutter der absolut domierende Part und mein Vater wäre alleine noch weniger lebensfähig als meine Mutter.
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10.07.2020, 09:23Inaktiver User
AW: O Kapitän... Mein Kapitän.... Wer rudert bei euch?
Das betrifft dann aber auch den Ehemann, der sich um die Finanzdinge kümmert.
Hier geht es ja nicht um Expertenwissen (Kleingedrucktes und Fallstricke aus 15-seitigen Vertragstexten kennen), sondern um Alltagskompetenzen, wie Geld abheben, Konten eröffnen, Versicherungen abschließen, kündigen ...
Da gebe ich Fyona Recht: Das kann (und wird auch) im Ernstfall jeder rasch lernen bzw. sich aneignen, auch eine Ehefrau, die sich vorher jahrzehntelang nicht damit beschäftigt hat. Einfach, weil man es dann muss, und weil es nicht besonders kompliziert ist. Dann geht man durch eine kurze Phase, in der man sich seiner erlernten Hilflosigkeit bewusst wird und sich drüber ärgert, aber dann überwindet man das und hat neue Dinge gelernt. Diese kurze Phase ist jetzt keine schlimme Katastrophe, oder so, vor der frau sich un-be-dingt unter allen Umständen schützen muss.
Meine Mutter hat mit knapp 80 z.B. auch überhaupt keine Lust auf Geldautomaten, Kartenzahlung, Online-Bestellung, Online-Banking, etc. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass sie diese Dinge, wenn sie müsste, auch rasch "könnte".
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10.07.2020, 10:07
AW: O Kapitän... Mein Kapitän.... Wer rudert bei euch?
Ich wollte nochmal klarstellen, was ich mit meinem Beispiel bzgl. Geldautomaten, Tanken etc. meinte:
Keinesfalls sehe ich eine biologische Komponente, und es geht auch keineswegs speziell um Frauen (Mein Vater z.B. war mit der Bedienung einer Kaffeemaschine überfordert, als meine Mutter mal im KH war).
Sondern ich sage einfach nur, dass es Nachteile hat, wenn man so stark arbeitsteilig unterwegs ist, wie es hier manchmal geschildert wurde, je länger und strikter diese Arbeitsteilung ist und je älter man ist, wenn man sich dann doch mit diesen lang ignorierten Dingen befassen muss, und natürlich auch, je komplexer diese Sache ist.
Die meisten Dinge wird man doch noch lernen können, aber oft spielt dann auch eben die eigene Unsicherheit eine große Rolle. Bei meiner Mutter auch eine ausgeprägte Scheu vor allem, was nach Technik, Computer oder allgemein "neumodischem Zeug" roch, und die Angst, etwas kaputtzumachen oder allgemein einen riesigen, nicht wieder gutzumachenden Fehler zu begehen.
Und daher plädiere ich dafür, möglichst neugierig und offen und lernbereit zu bleiben, auch wenn etwas anderes bequemer ist. Warum durch ein "Tal der Tränen" gehen, wenn man es auch vermeiden kann.
Das hat nichts mit Kontrolletti zu tun für mich und auch nicht damit, dass man nichts delegieren sollte.
Meine Mutter jedenfalls hat ausdrücklich bedauert, dass sie erst so spät gemerkt hat, dass sie das alles sehr wohl kann und all die Jahre einen unnötigen Respekt vor den Dingen hatte."Never take things personally. [...] Always give the benefit of doubt, until evidence to the contrary. Never assume malice. We are all going through things and you never know the inner battles some of us fight, so it‘s best to check your ego at the door.“
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10.07.2020, 13:55
AW: O Kapitän... Mein Kapitän.... Wer rudert bei euch?
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10.07.2020, 14:00Inaktiver User
AW: O Kapitän... Mein Kapitän.... Wer rudert bei euch?
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11.07.2020, 09:04
AW: O Kapitän... Mein Kapitän.... Wer rudert bei euch?
Ich lese das öfter in der Bri. Und stets scheint in dieser Betonung so eine Arroganz zu liegen, die besagt: "Guck mal, wie toll ich selber das mache! Ich gehöre zu den modernen Frauen!" Es hat fast schon sowas "sich Verteidigendes", als müsste man sich selbst etwas beweisen.
Warum ich das so empfinde?
Weil ich felsenfest davon überzeugt bin, dass diese Ansicht über Frauen komplett überholt ist. Alice Schwarzer wird auch nicht müde, zu betonen in ihren Interviews, "dass viele Frauen im Alter bei der Rente ein böses Erwachen haben". Da ärgere ich mich. Weil sie damit im Grunde nur betont, dass Frauen dämlich sind. Ich kenne keine einzige Frau - wirklich keine einzige! - die sich noch NICHT mit ihrer Rentensituation befasst hat. Der Großteil der Frauen überblickt die Situation.
Vielleicht irritiert mich auch das Betonen des finanziellen Desinteresses von Frauen so sehr, weil ich das gänzlich anders erfahren habe! Ich bin als kleines Kind bei meiner Oma aufgewachsen. Die war 1920 geboren! Hat Weltkrieg und 3 Kinder und Scheidung und 3x Krebs erlitten. Und ist wahrlich in einer Zeit groß geworden, wo man als Frau noch wenig galt.
Sie war 62, als ich zu ihr kam. Da war ich ca. 5. Diese Frau hatte ihre Finanzen glasklar im Blick, sie legte ihr Geld an, sie investierte in Aktien, befasste sich mit dem Aktienkurs und Steuern. Sie war ihr Leben lang Hausfrau, hatte nur einen Realschulabschluss und verdiente sich ein Zubrot als Schneiderin. Dennoch: Ging es um Geld, Verträge oder sonstwas, passte sie auf wie ein Adler.
Sie schleppte mich mit 5 schon zu allen Bankterminen mit. Für mich war es selbstverständlich.
So, wie es heute selbstverständlich ist, dass ich die finanzielle Lage vollständig überblicke. Ebenso überblicke ich meinen finanziellen Sachstand - auch gänzlich unabhängig von meinem Mann.
Für mich ist das...ja, normal?!
Es ist nichts, was ich betonen müsste. Es ist eine Selbstverständlichkeit.
Ich erinnere mich da an etwas, was Harpe Kerkeling mal irgendwo gesagt hat. Dass es mit den Schwulen und Lesben dann endlich geschafft ist, wenn keiner mehr drüber redet, weil es einfach schon so selbstverständlich ist. Man muss nichts betonen, nichts aufwerten, nichts kritisieren.
Es ist, weil es eben "ist".Be a voice not an echo.
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11.07.2020, 09:34
AW: O Kapitän... Mein Kapitän.... Wer rudert bei euch?
Das ist Deine Prägung, Blue. Ich hab es leider mein Leben lang anders erlebt. In der eigenen Familie und im Umfeld/auf der Arbeit.
Und das auch bei jungen/mittelalten Frauen. Die stehen dann wirklich da, und brauchen Hilfe mit all den Dingen, die für uns Beide selbstverständlich sind.
Verstehen werde ich das nie, aber wenn ich kann, helfe ich. Meine Nachbarin (ca. 40) wusste nach dem Tod ihres Mannes nicht mal, wie man mit einer Geldkarte im Supermarkt bezahlt und hat sich dann fürchterlich geschämt. Ihr verstorbener Mann hat einfach Bargeld auf den Tisch gelegt und gut war's.
Unglaublich, würde man meinen, im 21. Jahrhundert, aber leider weiter verbreitet als wir denken.


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