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    Warum lässt mich plötzlich die Vergangenheit nicht los?

    Hallo ihr Lieben,

    ich bin ganz neu hier angemeldet. Ich suche hier den Austausch weil ich hoffe, dass der ein oder andere vielleicht schon in einer ähnlichen Situation war und Tipps hat und weil ich auch das Bedürfnis habe, einfach mal alles los zu werden.

    Vor acht Jahren ist mein Vater nach längerer Krankheit verstorben und vor fünf Jahren meine Mutter, ebenfalls nach sehr langer Krankheit. Im August 2018 habe ich mich von meinem Mann getrennt, mit dem ich fünf Jahre verheiratet war und insgesamt zehn Jahre zusammen. Die Trennung ging von mir aus. Ich war mir schon vor der Hochzeit unsicher und nachdem meine Mutter gestorben war habe ich immer mehr gemerkt, dass die Ehe so nicht mehr funktioniert. Dass wir die letzten beiden Jahre beruflich bedingt auch noch eine Wochenendehe führten, hat uns wahrscheinlich den Rest gegeben. Am Ende waren wir nicht mehr als eine Wohngemeinschaft, die sich die Miete teilte. Ich habe diese Unzufriedenheit so lange mit mir herum getragen, dass die Trennung für mich eine enorme Erleichtung war. Streit gab und gibt es mit meinem Ex aber nicht und mittlerweile ist die Scheidung so gut wie durch. Wir warten nur noch auf den Bescheid vom Gericht.

    Seit März letzten Jahres habe ich einen neuen Partner. Wir waren bisher sehr glücklich. Erst vor kurzem saß ich noch neben ihm und konnte mein Glück kaum fassen, dass ich jemanden wie ihn gefunden habe und dass ich mich auch nach einem Jahr noch verliebt wie am ersten Tag fühle.

    Seit ca. einem Monat ist aber plötzlich irgendwie alles anders. Ich kann nicht sagen warum, denn es kam total plötzlich. Ich vermisse meine Eltern und mein „früheres Leben“ mit meinem Ex ganz schrecklich und ich sehne mich nach der dieser Zeit zurück. Ich muss so oft daran denken, wie wir alle zusammen bei uns Zuhause Geburtstage gefeiert haben und wie sehr sich meine Mama damals über unsere Hochzeit gefreut hat. Teilweise kommen mir wie aus dem Nichts plötzlich Tränen und die Trauer übermannt mich. Ich kenne mich so gar nicht. Ich bin eigentlich ein sehr positiver Mensch, der immer nach vorne Blickt. Selbst in meiner eigentlichen Traumwohnung fühle ich mich momentan nicht mehr wohl. Am liebsten würde ich mich in meinem Bett verkriechen und alleine sein.

    Woher kann so etwas so plötzlich kommen? Und wie komme ich da raus? Ich versuche mich schon so gut es geht abzulenken, aber so richtig gelingt mir das momentan nicht.

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    AW: Warum lässt mich plötzlich die Vergangenheit nicht los?

    Zitat Zitat von MiniMaus84 Beitrag anzeigen
    Seit ca. einem Monat ist aber plötzlich irgendwie alles anders. Ich kann nicht sagen warum, denn es kam total plötzlich. Ich vermisse meine Eltern und mein „früheres Leben“ mit meinem Ex ganz schrecklich und ich sehne mich nach der dieser Zeit zurück. Ich muss so oft daran denken, wie wir alle zusammen bei uns Zuhause Geburtstage gefeiert haben und wie sehr sich meine Mama damals über unsere Hochzeit gefreut hat. Teilweise kommen mir wie aus dem Nichts plötzlich Tränen und die Trauer übermannt mich. Ich kenne mich so gar nicht. Ich bin eigentlich ein sehr positiver Mensch, der immer nach vorne Blickt. Selbst in meiner eigentlichen Traumwohnung fühle ich mich momentan nicht mehr wohl. Am liebsten würde ich mich in meinem Bett verkriechen und alleine sein.

    Woher kann so etwas so plötzlich kommen? Und wie komme ich da raus? Ich versuche mich schon so gut es geht abzulenken, aber so richtig gelingt mir das momentan nicht.
    Liebe MiniMaus,
    das, was du beschreibst, kenn ich von mir selber auch.

    Die Auslöser waren - und sind bis heute - banal:

    Ein Lied, dass ich mit der damaligen Situation in Verbindung bringe, die Jahreszeit, in der sich bestimmte Phasen abspielten, ein Geruch, der mich triggert - egal, was... es überkommt mich manchmal... und ich sehne mich nach dem, was du oben geschildert hast, obwohl mein Verstand haargenau weiß, dass es Blödsinn ist, dies wiederhaben zu wollen, womit man abgeschlossen hat.

    Aber hat man wirklich damit abgeschlossen?

    Irgendwas muss da ja sein, was einen immer noch nach Jahren beschäftigt...

    Ich bin keine Freundin davon, sich abzulenken, wenn etwas auftritt, was mich so beschäftigt.
    Im Gegenteil: Ich geh in sowas fast masochistisch rein und durchlebe den Schmerz so, als sei er erst gestern gewesen.
    Ich weine dann sehr viel und oft und analysiere es immer und immer wieder - so lange, bis es mir wieder besser geht.

    Ich habe in meinem Leben schon so oft abgeschlossen und wieder neu angefangen.

    Manchmal konnte ich die Vergangenheit nicht loslassen und habe dann - nach vielen Jahren - Orte und Menschen aufgesucht, um mich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen. Ich habe festgestellt, dass das für mich der richtige Weg ist.

    Warum?
    Weil vieles aus der Erinnerung auch falsch interpretiert wird.
    Die Erinnerung kann einem sehr viele Streiche spielen.
    Vieles wird auf ein Podest gestellt und verklärt...
    Man erinnert sich daran, wie viel Hoffnungen, Vorstellungen und Wünsche man hatte und wie schön damals doch alles war...

    Das ist etwas was einem mal sehr wichtig war - heute aber nicht mehr existent ist.
    Trotzdem fühlt man es noch von Zeit zu Zeit.... und trotzdem taucht es von Zeit zu Zeit auf.

    Mit Abstand lässt sich auch vieles klären, was in akuten Situationen vielleicht nicht möglich war.

    Meine Meinung ist:
    Egal, wie man es handhabt, wehren sollte man sich nicht, wenn die Vergangenheit an die Tür klopft.
    Irgendwas ist da, was sich meldet und bearbeitet werden will.

    Mein Rat:
    Lenk dich nicht ab, sondern guck dir die Vergangenheit an.
    Guck dir an, was dich da einholt.
    Ich bin mir sicher, dass da was dahinter steckt, dessen du dir jetzt noch nicht bewusst bist.
    Nach manchem Gespräch mit einem Menschen hat man das Verlangen, einen Hund zu streicheln,
    einem Affen zuzunicken und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen.

    (Maxim Gorki)

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    AW: Warum lässt mich plötzlich die Vergangenheit nicht los?

    Liebe Magalie,

    lieben Dank für deine Erfahrung.
    Ich habe mich gestern mal einen Tag rausgenommen und auch mal das Weinen zugelassen. Das war für mich wie eine Erleichterung.
    Was mir dabei aufgefallen ist: Scheinbar sehne ich mich auch mit Mitte 30 noch nach dem Segen meiner Eltern. Sie kannten und mochten meinen Ex. Mein Papa hat mal gesagt, dass er froh ist, dass ich in so guten Händen bin.
    Nun gibt es diese Ehe nicht mehr und ich habe einen neuen Partner. Es tut weh, dass sie ihn nicht kennenlernen werden und es für mich dieses Leben, das meine Eltern kannten, nicht mehr gibt.

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    AW: Warum lässt mich plötzlich die Vergangenheit nicht los?

    Dein Post berührt mich, ich glaube, ich kann es nachempfinden. Der Tod der Eltern ist ein tiefer Einschnitt. Dieses Gefühl, dass da noch jemand ist, der einen auffängt, egal was passiert, ist weg. Selbst dann, wenn das eigentlich nie so war, dass die Eltern immer da waren. Es ist ein sonderbares Gefühl, nicht mehr Kind zu sein. Nie wieder. Ich habe für mich begriffen, dass es ein längerer Prozess ist, das Loslassen, dass es ähnlich wie die Trauer kommt und geht, mal weiter vorn und mal weiter hinten ist. Ich versuche mir klarzumachen, dass ich nichts falsch gemacht habe, dass das Leben eben so ist, dass es sogar der natürliche Gang des Lebens ist, dass Dinge sind ändern, dass man selbst etwas ändert, sich selbst ändert, dass man gute Gründe dafür hat, und dass, was geschehen ist, eben geschehen ist.

    Ich glaube, das heißt nicht einmal, dass man sich diese Zeit zurückwünscht, auch wenn ich manchmal denke, dass das so ist. Schöne Zeiten sind in mir, in meiner Erinnerung, sind Teil von mir. Aber die Zeit selbst kommt halt nicht wieder. Das ist manchmal schmerzhaft, aber manchmal halt auch gut und erleichternd.

    Loslassen heißt, sich zu erleichtern. Ich bin froh, dass manche familiäre Zwänge eben nicht mehr da sind. Loslassen heißt, die Hände frei haben. Neues anfangen. Neues ist aufregend, wunderbar.

    Ich denke, es sind so Phasen, und je gelassener ich damit umgehe und mir Sätze sage wie: "So ist es auch gut", desto besser kann ich damit umgehen.

    Wobei ich immer wieder darüber staune, wie schwer die einfachsten Dinge des Lebens zu begreifen sind. Hinter einem Satz wie "Es ist vorbei" tun sich Abgründe auf. Der Kopf begreift, das Herz kommt nicht hinterher.

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    AW: Warum lässt mich plötzlich die Vergangenheit nicht los?

    Zitat Zitat von MiniMaus84 Beitrag anzeigen
    Ich habe mich gestern mal einen Tag rausgenommen und auch mal das Weinen zugelassen.
    Und das finde ich gut so! Das darf so sein!
    Es ist wichtig, dass wir mit Dingen abschließen, um unser Leben weiterleben zu können.
    Aber ich finde, man muss nicht alles immer loslassen. Man darf auch festhalten. Ich kenne diese Momente auch, in denen mich die Vergangenheit überwältigt und emotional total aufwühlt. Aber das ist in Ordnung. Solange es kein Dauerzustand ist und Dein heutiges Leben für Dich dadurch nicht an Bedeutung und Wichtigkeit verliert.
    Weine um Deine Eltern und um die vergangene Zeit. Verkriech Dich ruhig auch mal einen Tag in Deinem Bett.
    Und dann steh wieder auf, wenn die Tränen versiegt sind.
    Aber verdräng es nicht.
    Manche Menschen leben so vorsichtig, die sterben wie neu.


    "In Deinem Alter..."
    "Ich bin nicht in meinem Alter!"


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    AW: Warum lässt mich plötzlich die Vergangenheit nicht los?

    Ich kenne das auch. So ganz unvermittelt spült so eine Wehmut über mich hinweg, eine allesverzehrende Trauer, tiefes Bedauern über die Vergänglichkeit an sich, über alles was war, was hätte sein können, was nie mehr sein wird. Dieses große "Nevermore".

    Manchmal schreckt mich das sehr, wie ein schwarzer, kalter Abgrund. Manchmal empfinde ich so eine Art umfassendes Mitgefühl mit allen und mir selbst.

    Ich ergebe mich dem dann auch für eine kleine Weile und empfinde die Sehnsucht und das Vermissen.

    Manchmal seufze ich auch ganz albern und weinerlich zu meinem Partner. "Ach, ich möchte wieder jung sein."

    Der Wunsch zurückzukehren zu einem Ort des Wohfühlens, der Geborgenheit, zu einer Zeit, die vielversprechend war und in der es noch unzählige Möglichkeiten gab.

    Und als die Lebenszeit noch endlos schien wie das weite Meer.

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    AW: Warum lässt mich plötzlich die Vergangenheit nicht los?

    Glaube nicht alles, was du denkst

    Elliot bzw Daylong

    R.I.P Mama 22.04.2019

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    AW: Warum lässt mich plötzlich die Vergangenheit nicht los?

    Zitat Zitat von Saruma Beitrag anzeigen

    Der Wunsch zurückzukehren
    gekürzt von mir

    Das ergeht mir anders. Ich möchte nicht zurückkehren, nicht mehr jung sein, die Zeit nicht nochmal erleben.
    Gerade dadurch, dass sie vorbei ist, bekommt sie etwas Besonderes.
    Und auf allem, was war, liegt so eine wunderschöne Patina, die eben nur entsteht, wenn Zeit vergangen ist.
    Und diese Patina hat so einen bittersüßen Geschmack.
    Diese gelebte Zeit kann mir niemand mehr nehmen. Sie gehört zu mir und ich trage sie mit mir herum.
    Manche Menschen leben so vorsichtig, die sterben wie neu.


    "In Deinem Alter..."
    "Ich bin nicht in meinem Alter!"


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    AW: Warum lässt mich plötzlich die Vergangenheit nicht los?

    Zitat Zitat von Mediterraneee Beitrag anzeigen
    Und auf allem, was war, liegt so eine wunderschöne Patina, die eben nur entsteht, wenn Zeit vergangen ist.
    Und diese Patina hat so einen bittersüßen Geschmack.
    Ach, schön. Ja, das fühle ich auch. Gleichzeitig quasi.

    Manchmal ist es ein ungläubiges Staunen, wie alles im Wandel ist. Und die Erinnerungen immer älter werden. Eine andere Qualität bekommen, nicht mehr so unmittelbar sind.

    Manchmal ist es eben auch ein verzweifeltes, kindliches Aufbegehren: Ich will nicht, dass alles schon vorbei ist.

  10. Moderation

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    AW: Warum lässt mich plötzlich die Vergangenheit nicht los?

    Liebe MiniMaus, ich kann das auch gut nachvollziehen und kann den vorherigen Posts nur zustimmen, besonders dem von Zimmerbrunnen und Magali.
    Ich habe in den letzten 12 Monaten beide Eltern verloren, plötzlicher als noch vor 15 Monaten gedacht. Dieser Schritt in die neue ‘Ära’ macht erstmal Unbehagen oder auch etwas Angst, vielleicht passiert das sogar auch nur unbewusst. Auch wenn man im Alltag nicht allein ist, kann das Gefühl trotzdem da sein, dass man da nun etwas allein schaffen muss, ohne dass die Eltern es mitbegleiten (selbst wenn man wie ich schon über ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat und viel geschafft hat).
    Du kannst alles, was jetzt neu passiert, nicht mehr mit ihnen teilen. Und das tut weh. Hast du Geschwister? Das Gefühl, jetzt die Einzige aus der Kernfamilie zu sein, macht mir zumindest schwere Gedanken.
    Aber andererseits gibts da auch das Freiheitsgefühl. Mit der Sicherheit im Rücken, die deine Eltern dir mitgegeben haben.
    Wenn du tief in dich reinhörst, hörst du sie vielleicht, und das, was sie dir zu deinem Neuanfang wünschen würden.
    Vielleicht kannst du ihnen deinen neuen Mann ja auch auf andere Weise vorstellen?
    “We cannot confront these issues alone, none of us can. But the answer to them lies in a simple concept that is not bound by domestic borders, that isn’t based on ethnicity, power base or even forms of governance. The answer lies in our humanity." Jacinda Ardern, 29.3.19

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

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