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    Gestörtes Verhältnis zur Liebe

    Woher weiß man, dass man Liebe empfindet?
    Ist es möglich, dass die ganze Familie einen so verrückt macht mit ihrem Psychoverhalten, dass man gar nicht weiß, was normale Liebe ist und diese zerstört, wenn sie einem begegnet?

    Ich habe Ende 2017 den Heiratsantrag meines Ex-Freunds abgelehnt.. und komme bis heute nicht klar damit.
    Wir waren zu dem Zeitpunkt knapp 4 Jahre zusammen, hatten schon 1,5 Jahre zusammen in einer Wohnung gelebt, und als er mich ganz süß und romantisch auf einer Italienreise auf einer Brücke gefragt hat, ob ich ihn heiraten will, konnte ich nur noch heulen. Ich habe in dem Moment einfach nicht die Gewissheit gespürt und das Hochgefühl, von dem ich meine, dass es einen doch befallen sollte, wenn man es auch will..

    Danach war natürlich alles furchtbar, wobei er es fast mit mehr Fassung getragen hat als ich (ich habe nur noch geheult, er meinte sogar noch, lass uns wenigstens den Urlaub noch ein bisschen genießen). Ich habe ihm in dem Moment das Herz gebrochen und es tut mir so unendlich leid. Aber damit nicht genug: nach der Rückkehr zuhause meinte er zu mir, es sei ok, wenn ich ihn nicht heiraten wolle, aber er wüsste gerne, was das nun für unsere Beziehung heißt. Ich habe ihm weitere 6 Monate keine klare Antwort darauf geben können. Auf der einen Seite habe ich ihn wieder so gerne gehabt, auf der anderen in mir das dringende Gefühl gehabt, ausziehen zu müssen. Und immer wieder das Gefühl, ich liebe ihn nicht so, wie ich es mir vorstelle, dass ich das tun müsste. Ich hatte während unserer gesamten Beziehung nie Schmetterlinge im Bauch. Aber ich habe mich immer so wohl gefühlt mit ihm.

    Er hatte dann schließlich die Nase voll und ist nächtelang weggeblieben und wollte nicht mehr in einem Bett mit mir schlafen. Ein Termin bei einem Paartherapeuten endete wieder nur damit, dass ich heulte und mich wie das Monster fühlte. Der Therapeut sagte damals zu mir, ich müsse aufhören "den Traummann zu suchen". Ich hatte riesige Angst davor, das auszusprechen, was mir immer wieder durch den Kopf geisterte, denn ich wusste, was die Konsequenz sein würde. Schließlich meinten wir, vielleicht sollte ich eine Weile ausziehen und wir machen eine Pause - und dann schauen wir mal, wie es uns damit geht. Ich habe mich also wieder auf die Suche nach Wohnungen/WGs gemacht (jetzt aber nicht mehr heimlich), und dann relativ unüberlegt nach einen Mietvertrag unterschrieben (er hatte meine Info zu der Wohnung direkt als Tatsache angesehen, also nicht so, dass wir das jetzt besprechen, sondern, dass es damit feststeht, dass ich dorthin ausziehe, und ich habe aus lauter schlechtem Gewissen nicht diskutieren wollen). Ich habe danach kalte Füße gekriegt und meine Entscheidung bereut. Wieder saß ich da und heulte und habe ihm gesagt, dass ich das Gefühl habe, dass es doch keine gute Idee sei. Wieder und wieder habe ich ihm gesagt, dass ich ihn nicht verlieren will.

    Letztendlich bin ich Ende 2018, auch mit seinem Drängen, in eine WG ausgezogen (die Wohnung hatte ich zum Glück wieder aufgelöst bekommen, die Sache hatte wirklich einen schlimmen Haken). Er hatte mir gesagt, wir könnten in Kontakt bleiben. Und bis zum Februar 2019 hatten wir den auch, mehr von mir ausgehend, aber immerhin hat er noch geantwortet. Dann kam seine Info, dass er aus unserer gemeinsamen Wohnung auszieht und Berlin verlässt, und ich 2 Wochen Zeit habe, all meine restlichen Sachen aus der Wohnung zu holen (größtenteils war das Inventar von mir, da meine Eltern mich schon immer mit viel Zeug zugeballert haben und mein Exfreund ständig Geldprobleme hatte). Ich habe ihm noch geholfen, alles zu packen und habe den Laster bezahlt und gefahren, weil ich so ein schlechtes Gewissen hatte. Und die Sorge um ihn war auch immer da. Er hatte den Job, den er im selben Jahr, als wir zusammengezogen waren, voller Stolz begonnen hatte, auslaufen lassen. Später fand ich heraus, dass er auch seine Miete gar nicht mehr gezahlt hatte und dafür die Kaution, welche ich ursprünglich mal bezahlt hatte, einfach draufgehen lassen hat.

    Er hatte schon im Dezember 2018 ein Foto mit einer neuen Frau an seiner Seite gepostet.. und nach seinem Umzug weg aus Berlin sah ich ab Mitte 2019 wieder Posts, die darauf hindeuten, dass er wieder in einer festen Beziehung ist. Ich vermute, er ist glücklich. Vor kurzem kam bei mir ein Anruf von einem Inkasso-Unternehmen wegen ihm, ich habe ihn geschützt. Ich schäme mich immer noch so sehr, und ich will ihn mit meiner ganzen Ungewissheit und Zerrissenheit nicht belasten und verwirren, und gleichzeitig blutet mir das Herz, weil ich ihn trotzdem vermisse. Es gibt so viele kleine Dinge, die mir an ihm gefallen haben. Besonderheiten, die für mich kein anderer Mensch hat. Mein Verstand weiß nach wie vor, was mich damals gestört hat: dass er nie mit dem Rauchen aufgehört hat, wie er es mehrfach postuliert hat, dass er sich im Haushalt immer nur auf das nötigste eingebracht hat, dass er nie Sport gemacht hat, dass er seine Schulden nicht in Angriff genommen hat und dafür sämtliche Hilfe, die ich ihm angeboten habe, immer abgelehnt hat unter der Behauptung, dass er das schon hinkriege (was ja aber ganz offensichtlich nicht der Fall war). Ich wollte ein Team sein, er 2 Einzelpersonen. Und trotz all dieser Schwächen vermisse ich ihn. Er war nämlich auch so einfühlsam, warm, ruhig, witzig und romantisch. Wir haben die schönsten Momente zusammen erlebt und er hat mir gezeigt, was es heißt, ein Zuhause zu haben.

    Ich weiß einfach nicht, wie ich für mich damit abschließen soll. Ich habe während der Beziehung immer gezweifelt, weil ich parallel auch ständig anderen Männern hinterher geschaut habe und für diese sogar manchmal mehr Gefühle gespürt habe (z.B. für einen Kollegen). Aber das war immer anders. Bei meinem Exfreund habe ich mich einfach wohl gefühlt und mich über so viele kleine Dinge mit ihm verbunden gefühlt. Ihm konnte ich hundertprozentig vertrauen, ich konnte ich selbst sein, er hat auf alle meine Nachrichten geantwortet, nicht zuviel und nicht zu wenig. Bei den anderen Männern war es halt oberflächliche Anziehung, die dann leider aber halt vom Gefühl her stärker war als die, welche ich für meinen Exfreund gespürt habe. Und da ich bei ihm so "schwach" war, dachte ich, meinen Exfreund nicht genug zu lieben.

    Heute denke ich mir, zu lieben ist doch auch eine Entscheidung. Gerade trotz der vielen Schwächen, die man an der anderen Person sieht. Und vielleicht kann ich mich gar nicht so verlieben, wie es "normale" Menschen tun?
    Was ist nur falsch mit mir?

    Ich habe gelesen, dass man sich selbst lieben muss um andere lieben zu können. Und vermutlich habe ich da ein großes Defizit. Ich habe mich mit Beginn meines Studiums immer schnell alleine und einsam gefühlt. Es ist mittlerweile schon besser geworden, aber auch heute - und insbesondere nach dem Scheitern der 4-jährigen Beziehung zu meinem Exfreund - gibt es diese Momente, wo ich einfach nur jemanden an meiner Seite haben möchte, dem ich vertrauen kann, mit dem ich mich entspannen kann und der mich in den Arm nimmt. Das ist eine Art von Intimität und Geborgenheit, die man sich nicht alleine geben kann. ODER?

    Mittlerweile bin ich 33 Jahre alt. Alle meine Freundinnen sind in Beziehungen, etliche haben Kinder, sie sind gefestigt und wissen, wo ihr Zuhause ist. Wenn sie Probleme hatten, konnten sie immer zu ihren Eltern gehen.
    Teil meines inneren Drucks, ausziehen zu müssen, hing mit dem Drang zusammen, dass ich beruflich noch nicht weiß, was ich will. Ich hatte das Gefühl, ich konnte mich nicht festlegen auf so etwas wie Heirat, wenn ich mich selbst noch gar nicht so ganz kenne und vielleicht nochmal einige drastische Veränderungen durchmache. Dieser Wunsch nach Veränderung begleitet mich schon lange, vor allem der Wunsch, ins Ausland zu gehen und neu anzufangen.. und doch ist es auch die größte Angst in meinem Leben, da ich mich gleichzeitig nach Sicherheit sehne.
    Heute denke ich mir, ich Vollidiot, keine Veränderung kann so groß sein, als dass ich sie nicht auch in einer Beziehung bestreiten kann. Das Leben ist ja nicht festgefroren, sobald man verheiratet ist.

    Ich glaube, ich hatte 2017 einfach noch keine realistische Vorstellung davon, was eine Ehe ist. Ich habe es mir damals wie eine Art "Glückszustand" vorgestellt, auf den man als Paar hinarbeitet, nachdem man erstmal einige Höhen und Tiefen gemeinsam überwunden hat und dann endlich "angekommen" ist... wie die Kirsche auf der Torte. Nicht wie ein Anfang, sondern ein Höhepunkt. Ich dachte mir, man muss so eine Art riesiges Glücksgefühl haben, wenn der Antrag kommt. Ich hatte schon so ein Gefühl, Wochen bevor der Antrag kam, dass es passieren könnte - und da war nur ein Gefühl der Angst.

    Und ich frage mich, warum ich überhaupt solche komischen Vorstellungen habe.. über alles, was mit Gefühlen, Liebe und Beziehungen und mir selbst zu tun hat.

    Ich weiß, dass vieles in der Kindheit begründet ist. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich 7 oder 8 Jahre alt war. Mein Vater hatte meine Mutter ein paar Mal geschlagen und die Ehe scheiterte - so wie ich das sehe - aufgrund mangelnder Reife meiner Eltern (sie hatten sich wie üblich in DDR-Zeiten schon früh kennengelernt, geheiratet und meinen Bruder bekommen) und schlechter Kommunikation. Die beiden haben das ganze auch bis heute nicht aufgearbeitet und es reißt immer wieder einen Graben auf. Grundsätzlich geben beide Seiten jeweils der anderen die Schuld am Scheitern der Ehe, insbesondere bei meinem Vater und seiner Familie wird gerne auf meiner Mutter herumgehackt.

    Während meiner Jugend habe ich meinen Vater meistens als unerreichbar und teils befremdlich wahrgenommen (er hat nach der Trennung seine Jugend nachgeholt und dabei ein paar merkwürdige Hobbies gehabt), gleichzeitig aber auch als weltoffener und jemand, der mit uns etwas unternimmt (z.b. Inline skaten, Radfahren), wenn er dann mal da war. Meine Mutter hat meinen Bruder und mich im Grunde alleine aufgezogen, und mir später gesagt, dass mein Vater den Unterhalt auch öfters nicht gezahlt hat, sodass sie ständig in Geldnot und Sorgen war. Ich weiß auch noch, wie oft sie geweint hat - allerdings auch wegen anderer Dinge. Meine Mutter hat nämlich leider auch einen starken Minderwertigkeitskomplex (fühlt sich von ihren Eltern nicht geliebt) und lebt in dem Zusammenhang auch in einer Art Opferhaltung. Zudem ist sie sehr emotional und betreibt gerne mal emotionale Erpressung (z.B. wenn man ihr nicht zuhört, dann wird man als "herzlos" oder "egoistisch" bezeichnet).

    Ich kann mir nach all meinen Erfahrungen mit ihr vorstellen, dass mein Vater damals aus Verzweiflung geplatzt ist, denn sie ist nicht so gut fähig zur Selbstreflexion und auch ganz schön stur. Sie lebt selbst in einer Art Sehnsuchtshaltung - wenn sie damals hätte Abitur machen dürfen (wurde ihr in der DDR verwehrt), dann hätte sie Medizin studieren können und würde heute besser dastehen. Sie hat auch nie akzeptieren können, dass mein Vater vor etwa 12 Jahren nochmal eine andere Frau geheiratet hat, und schickt bis heute Grüße an die Schwiegermutter und versteht nicht, warum sie nicht bei deren Feiern eingeladen wird und man nicht mit ihr telefonieren will.

    Ich habe das Gefühl, ich wiederhole dieses Verhalten auch gerade bei meinem Exfreund - ich kann nicht verstehen, wie er so schnell in eine neue Beziehung gehen konnte.. und wie er sich so konsequent von mir entfernen konnte, obwohl ich ihm doch deutlich gezeigt habe, dass ich sehr wohl noch Gefühle für ihn habe und er mir wichtig ist.
    Mein Verstand weiß, dass es falsch von mir ist, irgendwelche Erwartungen an ihn zu stellen, nach allem, was ich ihm angetan habe. Ich will ihm auch nicht mehr weiter wehtun, deshalb habe ich keine großen "Rückeroberungsversuche" gestartet - aus Furcht, dass ich es am Ende noch schlimmer mache. Und trotzdem ringe ich immer wieder mit meinen Gefühlen und heule mich in den Schlaf.

    Zu meiner Familiensituation kommt seit einigen Jahren leider erschwerend hinzu, dass sich mein Bruder sehr schwierig entwickelt hat. Schon in der Pubertät, als meine Mutter soviel gearbeitet hat (um uns "über die Runden zu bringen", aber ich vermute auch, um sich von der Trauer abzulenken), und mein Bruder und ich sehr viel alleine waren, fing er an, sozial auffällig zu werden. Zuhause wurde er zunehmend PC-süchtig und aggressiv und in der Schule versuchte er immer, den Clown zu machen um Aufmerksamkeit zu bekommen. Er blieb auch 2x sitzen, war zeitweise in meiner Klassenstufe und ich schämte mich immer mehr für ihn. Eines Tages kam er, einfach so, braun angemalt und verkleidet in die Schule (es war kein Halloween), weil er wissen wollte, wie es sei, ein "Schwarzer" zu sein. Alle haben ihn ausgelacht und ich habe mich in den Boden geschämt.

    Generell habe ich mich in der Öffentlichkeit öfter mal für meine Mutter und meinen Bruder fremdbeschämt, weil sie oftmals hysterisch kreischend und er mit obszönen Worten donnernd miteinander stritten. Auch zuhause flogen oft die Fetzen. Ich war lange Zeit eher die Schlichterin und stand zwischen den Stühlen. Für meine Mutter immer wieder die Kummerbox. Weihnachten und Feiertage gab es für uns zu dritt praktisch nicht mehr, weil mein Bruder sich über die Jahre immer mehr weigerte, mitzumachen und sich immer asozialer und ekelhafter benahm. Aber meine Mutter beschwor immer, dass wir doch eine Familie seien und war nur zufrieden, wenn wir alle drei da saßen. Ich musste mich sehr oft zusammen reißen, um "des lieben Friedens Willen" meinem Frust über sein respektloses Verhalten keinem Raum zu geben.

    Meine Mutter hat auch lange versucht, bzw. versucht es auch heute noch, mich in die "Rettung" meines Bruders zu involvieren. Erst hieß es, ich dürfe nicht vor ihm ausziehen, da er ja der ältere sei. Dann sollte ich doch mal versuchen, ihn mit ein paar "vernünftigen Leuten" bekannt zu machen, damit er nicht auf die falsche Bahn gerate. Irgendwann sollte ich mein Zimmer im Studentenwohnheim ihm überlassen und wieder zu ihr ziehen, damit er endlich mal rauskomme. Damals ist mir der Kragen geplatzt und ich habe 2 Monate lang nicht mit ihr geredet. Jahrelang sollte ich bei meinem Vater ein gutes Wort für meinen Bruder einlegen - und das war leider auch vergebens, da mein Vater meinen Bruder zunehmend nur als Versager ansah. Das scheint auch schon in der Kindheit angefangen zu haben. Ich erinnere mich, dass mein Bruder oft ins Fettnäpfchen getreten ist, im Versuch, irgendwie gute Stimmung zu machen, und dann Wut und Verachtung aushalten musste. Unser Vater wollte uns auch mal aussetzen, als wir 4 und 5 1/2 Jahre alt waren (meine Mutter hatte ihn damals wohl daran gehindert), ich kann mich nur ganz verschwommen daran erinnern, aber mein Bruder meint es noch ziemlich genau zu wissen.

    Ich vermute, mein Bruder hat tatsächlich so einige schlimme Erfahrungen gemacht. Und aus heutiger Sicht kann ich mir gut vorstellen, dass er sich von meinem Vater nie besonders geliebt gefühlt hat - mein Vater ist zwar sehr belesen und kann super witzig und einfühlsam sein, ist aber als Elternteil eher negativ und schnell am schlecht reden. Ich habe ihn eigentlich immer nur wie einen "Kumpel" erlebt. Als ich ihn während meiner 20er Jahre gebeten habe, mich doch auch mal öfter anzurufen, sagte er immer nur, er möge nicht das gezwungene, ich könne mich doch immer bei ihm melden. Dass ich mich dann aber so fühle, als habe er kein Interesse an meinem Leben, wollte er nicht verstehen. Es gab dann mal eine Zeit, wo wir zu dritt (mit meinem Bruder) einmal die Woche Tischtennis gespielt haben, aber da hat er uns nie Fragen gestellt - das ist auch meinem Exfreund aufgefallen - und mir absolut niemals Mut gemacht, meine Wünsche oder Träume in die Tat umzusetzen (auf meine Äußerung, dass ich Modedesign toll fände, sagte er nur mal trocken "das kannst du nicht, dafür bist du nicht zäh genug").

    Mein Bruder hat sich über die Jahre immer mehr gehen lassen, eine massive psychische Störung entwickelt und befindet sich aktuell in einer Klinik. Meine Mutter ist ko-abhängig oder einfach der letzte Mensch, der noch an ihn glaubt. Meiner Meinung nach hat mein Bruder eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, und jetzt, wo er die Drogen nicht mehr nimmt, kommt die zugrunde liegende Depression zutage. Er redet viel davon, dass er keinen Sinn sieht im Leben. Ich muss gestehen, etwa einmal pro Woche geht es mir auch so. Aber ich weiß, dass es sich lohnt, zu kämpfen und irgendwie dran zu arbeiten. Dass das Leben viele schöne Seiten hat.

    Nur mit meiner verdammten Verwirrtheit in den Gefühlen zweifle ich immer mehr, ob ich es jemals schaffe, aus meinem Leben noch etwas vernünftiges zu machen. Ich wünsche mir auch Kinder, eine intakte Ehe, eine harmonische Beziehung. Ich möchte meinen Kindern ein gutes Leben vorleben und raus aus dieser Trauerkloß-Spirale. Nur es überkommt mich immer wieder: ich sehe den Wasserkocher an, der in unserer gemeinsamen Wohnung stand, und denke an ihn. Ich habe einen schönen Moment mit jemand anderem und denke an ihn. Ich wache morgens auf mit Panik und Reue.

    Ich sehe wie glücklich meine Freundinnen sind und bin neidisch auf sie. Teilweise empfinde ich sie sogar als verlogen, weil sie immer sagen, wie schade es sei, dass man nicht mehr Zeit miteinander habe, aber dann sind sie auch immer diejenigen, die absagen. In der Schulzeit habe ich sie als eine Art Familienersatz gesehen. Danach sind sie alle ins Ausland gegangen um woanders zu studieren und ich kam mir erstmal sehr verlassen vor. Dieses Muster hat sich leider auch mit vielen weiteren Menschen, die mir im Laufe der Jahre begegnet sind, wiederholt. Ja, das liegt ja auch an mir, da ich selbst nur auf der Stelle trete. Aber wie soll ich es sagen, ein Teil von mir denkt sich auch, die haben nicht so eine Scheiße zuhause laufen wie ich. Eine Mutter, die ständig um Hilfe und Aufmerksamkeit bittet, einen Bruder, der arrogant ist und sich zunehmend asozial verhält, und einen Vater, der immer nur enttäuscht und verbittert schnauft.

    Mein Exfreund hat eine noch schlimmere Kindheit durchgemacht, würde ich sagen (und mit Sicherheit gibt es noch viele andere Menschen, die schlimmeres als ich erlebt haben). Wir sind ganz ursprünglich mal zusammen auf dieselbe Schule in die 5. Klasse gegangen und ich weiß noch, wie ich mich immer gewundert habe, warum er nie seine Hausaufgaben macht. Während unserer Beziehung hat er mir dann erzählt, dass seine Mutter depressiv und tablettenabhängig war, und sein Vater sich aus dem Staub gemacht hat, als er noch ein Baby war. Er wurde also sehr vernachlässigt als Kind.
    Meine Mutter meinte dann auch während unserer Beziehung mit einem mitleidigen Ausdruck öfters zu mir, sie habe sich jemanden "fröhlicheres" für mich gewünscht. Obwohl ich ihren Eindruck verstehen kann, hat mich das jedoch auch sehr geärgert. Es ist wie ein Fluch. Sobald ich jemanden für mich kennenlerne und mag, und ihr dann von dieser Person erzähle oder sie ihr vorstelle, zerstört sie mir die Freude, wenn sie etwas an dieser Person auszusetzen findet. Und meine Mutter hat leider auch stereotype Vorstellungen davon, wie ein Schwiegersohn zu sein hat - so Typ Kai Pflaume halt.

    Ich glaube, mein Exfreund hat mir den stetigen, andauernden Rückhalt, die Geborgenheit, die Ruhe und die Harmonie gegeben, welche ich in meiner Familie so stark vermisse (bzw dort nur ganz selten mal habe). Und jetzt könnte man sagen, das kann ich in jeder anderen Beziehung ja auch wieder finden. Oder in mir selbst. Doch WIE, wenn jetzt nur noch der Sturm da ist. Und der Schmerz.

    Und: ich IHN als Menschen einfach wirklich mag. Ich habe seit der Trennung auch andere Männer kennengelernt. Ich kann mich nicht mal beschweren, es waren sehr intelligente, interessante, schöne Männer dabei. Doch ich vermisse das Schnarchen und das ulkige Lachen von meinem Exfreund. Ich vermisse die kleinen Gesten, die ganz eigene, feinsinnige Sichtweise auf die Dinge, die er hat.
    Ich vermisse nicht die Probleme, aber ich mache mir selbst Vorwürfe, dass ich damals wegen ihnen all das andere aufgegeben habe.

    Vielleicht heule ich auch nur rum, weil ich niemand "Besseren" getroffen habe?

    Doch bisher kann ich mir mit niemandem den Grad an Zufriedenheit und seelischer Verbundenheit vorstellen, den ich mit ihm hatte. Mit niemandem könnte ich mir jetzt eine Ehe vorstellen außer mit ihm. Ich weiß auch noch, dass ich damals immer dachte, er wäre mit Sicherheit ein guter Vater und dass ich mir vorgestellt habe, mit ihm Kinder zu haben. Aber mich auf eine Hochzeit einlassen, auf dieses große, ewige Versprechen, mit all den Hochgefühlen, das ging damals irgendwie nicht.

    Und nun ist es zu spät. Er hat schon damals, bei meinem Auszug, gesagt, dass er mich nicht mehr liebe.. ein paar Monate später aber wieder, dass schon. Aber er reagiert nicht mehr auf meine Nachrichten. Ich glaube, selbst wenn ich jetzt auf "Rückeroberungsmission" gehe, wieso sollte er sich aus einer scheinbar sehr glücklichen Beziehung lösen um sich wieder auf das Risiko, das ich darstelle, einzulassen?
    Ich kann mir einfach nicht verzeihen, dass ich das kaputt gemacht habe.

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    AW: Gestörtes Verhältnis zur Liebe

    Hallo wastuichbloss,

    Zitat Zitat von wastuichbloss
    Ich hatte schon so ein Gefühl, Wochen bevor der Antrag kam, dass es passieren könnte - und da war nur ein Gefühl der Angst.
    so ganz einfach scheint dein exfreund deinen schilderungen doch nicht gewesen zu sein (und ist es noch immer nicht) und vielleicht hat dich da nur dein bauchgefühl geleitet und hatte gute gründe dafür.

    Ansonsten ist mein eindruck, dass dir eine menge im kopf herumschwirrt und du das ganze nicht sortiert und nicht verarbeitet bekommst und es damit auch nicht loslassen kannst. Und daraus folgend für dich keine sinnvollen möglichkeiten und orientierungen erkennbar sind.

    Vielleicht solltest du dir therapeutische beratung, begleitung, coaching suchen, um für dich das ganze zu sortieren, einzuordnen und letztlich abzulegen (im sinne von aktenablage), damit dahinter dein(e) weg(e) sichbar werden kann / können.

    arabeske
    Wenn die Hand eines Mannes
    die Hand einer Frau streift,
    berühren sich beide bis in alle Ewigkeit.
    Khalil Gibran

    ***********************************
    Querdenkerin seit mindestens 50 Jahren... und kreuz... und auch schräg... und manchmal um die ecke.

  3. Moderation

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    AW: Gestörtes Verhältnis zur Liebe

    Liebe Wastuichbloss,

    Ich schließe mich Arabeske an. Da sind viele Gedanken und Gefühle, und nach meinem Eindruck so Fragen wie, wie hängen die Erfahrungen in meinem Leben zusammen?, hatte ich das Recht, zu fühlen, wie ich gefühlt habe?, vielleicht auch, wer bin ich, was ist mein Kern, was sind meine ureigenen Anliegen und Bedürfnisse in diesem Wust?

    Du liest dich reflektiert und kohärent, und dennoch fehlt für mein Empfinden der gefühlsmäßige Faden, oder die Sicherheit im Empfinden. Du bist Anfang dreißig und hast eine Menge zu sortieren. Ich würde mir dazu auch Hilfe holen.
    that was the river - this is the sea


    Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum

  4. User Info Menu

    AW: Gestörtes Verhältnis zur Liebe

    Hallo wastuichbloss,

    wenn ich das alles von dir lese, dann glaube ich, dass deine Entscheidung, den Heiratsantrag nicht anzunehmen, genau das Richtige war!
    Du darfst also dein schlechtes Gewissen ruhig gegen das Vertrauen eintauschen, dass du perfekt für dich (und auch für deinen Exfreund) entschieden hast

    Dir fehlt die Orientierung - und wenn ich nicht weiß, wo ich stehe, weiß ich auch nicht, wo ich hingehe.
    Für dich ist auch das Ziel unklar- einzig, dass der Weg immer weitergeht, ist Gewissheit.

    Ich schließe mich den Vorschreiberinnen an- finde einen qualifizierten Begleiter und damit den Weg zu dir.

  5. Inaktiver User

    AW: Gestörtes Verhältnis zur Liebe

    Zitat Zitat von wastuichbloss Beitrag anzeigen

    Und nun ist es zu spät. Er hat schon damals, bei meinem Auszug, gesagt, dass er mich nicht mehr liebe.. ein paar Monate später aber wieder, dass schon. Aber er reagiert nicht mehr auf meine Nachrichten. Ich glaube, selbst wenn ich jetzt auf "Rückeroberungsmission" gehe, wieso sollte er sich aus einer scheinbar sehr glücklichen Beziehung lösen um sich wieder auf das Risiko, das ich darstelle, einzulassen?
    Ich kann mir einfach nicht verzeihen, dass ich das kaputt gemacht habe.
    Es ist aber nun so. Du musst damit leben, dass dein Verhalten Konsequenzen hat. An Deiner Beziehungsfähigkeit kannst du arbeiten und dich realistisch auf die Suche nach deinem Traummann machen. Du weißt ja nun, was es zu bearbeiten gilt. Und lass deinen Ex bitte in Ruhe. Er hat gesagt, dass er dich nicht mehr liebt und hat eine Neue.

  6. User Info Menu

    AW: Gestörtes Verhältnis zur Liebe

    Zitat Zitat von wastuichbloss Beitrag anzeigen
    Woher weiß man, dass man Liebe empfindet?
    Ist es möglich, dass die ganze Familie einen so verrückt macht mit ihrem Psychoverhalten, dass man gar nicht weiß, was normale Liebe ist und diese zerstört, wenn sie einem begegnet?
    Eine Familie kann es schaffen, daß man seine Gefühle völlig unterdrückt.

    Man kann seine Gefühl alle wieder hervorholen. Bei mir ging das mit Yoga und Cantienica. Therapien haben mir nicht geholfen, im Gegenteil, ich hatte mit Therapeutinnen ständig Zoff und habe Therapien abgebrochen.

    Du hast die richtige Entscheidung getroffen und hast den Mann nicht geheiratet. Vielleicht war es dein Unterbewußtsein, was dich gerettet hat oder dein Bauchgefühl. Es gibt Gründe, warum du die Beziehung nicht mehr wolltest. Die kannst du jetzt nicht erkennen. Es wird Zeit brauchen bis dir klar ist, was da passiert ist. Bis die Zeit gekommen ist, hör auf dich fertig zu machen, lerne aufzuhören dich fertig zu machen.
    Ich bin eine Raupe und du ein Reh. Doch ich werd ein Schmetterling und du wirst Filet.

    Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch (Dalai Lama)

    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)


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    AW: Gestörtes Verhältnis zur Liebe

    Zitat Zitat von wastuichbloss Beitrag anzeigen
    Ich kann mir einfach nicht verzeihen, dass ich das kaputt gemacht habe.
    Du hattest damals deine Gründe, warum du seinen Antrag nicht angenommen hast.
    Aus deiner Sicht, waren es gute Gründe.
    Hättest du auch nur den geringsten Zweifel an der Ablehnung des Antrags gehabt, wärst du vermutlich jetzt sein Ehefrau.

    Er hat deine Entscheidung akzeptiert und sich ein neues Leben aufgebaut.

    Das solltest du auch.
    Und zwar ein Leben mit DIR.

    Dazu gehört, dass du zu deiner Entscheidung stehst.
    Ich teile die Meinung meiner Vorschreiberinnen und würde an deiner Stelle ebenfalls professionelle Hilfe suchen.

    Vorerst meine ich...
    ...solange du dir das nicht verzeihen kannst, sabotierst du dich selber.

    Solange du darüber nachdenkst, was hätte sein können und was wäre, wenn... kommst du aus der Gedankenschleife der Vergangenheit nicht heraus.

    Selbstvorwürfe blockieren dich, das zu erkennen, was wichtig für die Gegenwart und Zukunft ist.
    Die Sache mit deinem Ex ist vorbei. Das ist traurig und tut weh - aber leider ist es so.

    Das Gute daran ist: Du weißt jetzt, wie es sich anfühlt, den "richtigen" Partner an deiner Seite zu haben.
    Denn so, wie es es aus deinen Zeilen gelesen habe, ist dir das alles erst im Nachhinein bewusst geworden, dass dein Ex der war, der dein Lebensmensch hätte sein können...

    Diesmal hat es nicht sein sollen...

    Nimm das, was du jetzt erkannt hast, mit in die nächste Beziehung.
    Vergleiche die nächste nicht mit der Beziehung zu deinem Ex!
    Aber höre darauf, ob du einem potentiellen Partner so vertrauen kannst, wie es bei deinem Ex der Fall war.
    Meiner Meinung nach ist Vertrauen das absolute A und O in einer Beziehung...

    Frag dich, was du willst, was du brauchst und was der Partner bereit ist zu geben.

    Versuche, ganz tief in dich hinein zu spüren...

    Das kannst du auch jetzt schon.. ohne Partner...
    Aber... bitte... hör auf, dich zu quälen, indem du dir nicht verzeihen kannst...

    Noch eine Frage zum Schluss:
    Wenn ein Mensch sich dir gegenüber fehl verhalten hat und sich bei dir entschuldigt...
    ...verzeihst du ihm dann?

    Wenn du die Frage mit "ja"beantworten kannst, dann ist das ein Zeichen einer großen Zuneigung, Güte und Wohlwollen demjenigen gegenüber.

    Sei genauso wohlwollend und gütig zu dir
    Nach manchem Gespräch mit einem Menschen hat man das Verlangen, einen Hund zu streicheln,
    einem Affen zuzunicken und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen.

    (Maxim Gorki)

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    AW: Gestörtes Verhältnis zur Liebe

    Liebe wastuichbloss, du hast deine Situation, deine Gefühle, sehr schön, gut nachfühlbar, in einer guten Breite dargestellt. Alle Achtung. Wie ein schöner kurzer Roman. Gut geschrieben.

    Das Gefühl das ich bei deiner Geschichte habe ist, dass du nicht richtig und nicht falsch gehandelt hast im Zuge der Trennung.

    Beides, deinen Freund zu heiraten, wie dich von ihm zu trennen wäre und ist zum Teil richtig und zum Teil ein Fehler.

    …. so wie viele Dinge in unseren Leben nicht 100% sind …. in unser aller Leben ….

    Kann es sein das du nicht nur in dieser Beziehungsfrage ein Problem damit hast "Nägel mit Köpfen" zu machen, etwas zu entscheiden und das dann zu tun … und durchzuhalten, dran zu bleiben … auch wenn es Gegenwind gibt, auch wenn es dann doch nicht so klappt, auch wenn du anfängst zu Zweifeln?

    Beim Wohnen?
    Im Beruf?
    Was ist in deinen Freundschaften?
    Wie sah es in deiner Ausbildungswahl und Zeit aus?

    Wenn du eine Wahl triffst, dann schaffst du Tatsachen. Diese Tatsachen gilt es auszuhalten, auch die nicht so idealen Aspekte der Tatsache, der Entscheidung. Ich würde mal sagen, jede Entscheidung hat solche nicht idealen Aspekte.

    (Ich denke gerade darüber nach wie das bei mir ist und ob mir etwas einfällt das zu 100% perfekt ist und ich zu 100% garantiert mir nichts anders vorstellen könnte oder möchte.)

    Du mußt es jetzt aushalten das du deinen Exfreund vermißt und dich fragst wie es geworden wäre wenn du geblieben wärst.

    Du müßtest es aushalten dich zu fragen ob du allein oder mit einem anderen Mann glücklicher geworden wärst wenn du bei deinem Freund geblieben wärst.

    Wie es sich anhört wärst du so und so nicht aus dem Schneider was Mißgefühle betrifft.

    In Summe würde ich aus meiner Warte aus sagen ist es deshalb richtiger alleine zu sein und deine Zweifel mit dir auszutragen als dieses Spiel mit einem Partner zu durchleben den du permanent verunsicherst, frustrierst und der damit auch nicht glücklich werden kann. So kann dein Freund, wenn er der Typ dazu ist glücklich zu sein, mit einem anderen Leben glücklich sein, mit einer anderen Frau eine sichere Beziehung leben.

    Für dich ändert sich insofern nur die Art, der Grund deines Zweifels, nicht der Zweifel, die Unsicherheit insgesamt.

    summary: Entscheidungen treffen und die Konsequenzen gut nehmen lernen; bzw. dann die Vorteile, die "pro`s" der Situation höher bewerten als die eventuellen Unsicherheiten oder Nachteile.

    Solltest du versuchen deine Gefühle deinem Exfreund mitzuteilen, solltest du versuchen eure Beziehung anzustupsen (ob er mittun würde oder nicht steht auf einem anderen Blatt)? Ich würde meinen ja, nachdem du deine wahren Impulse erforscht hast was genau dich jetzt so sehr sehnen und zweifeln läßt (ob es tatsächlich die Person und das Zusammensein mit diesem Mann ist oder ob es ein grundsätzliches Hadern ist, dass in dir lebt und relativ abgekoppelt von diesem oder jenem Außen immer auftreten würde - also auch im Grunde nichts mit diesem Mann zu tun hat. Es wäre unfair ihn wieder wo rein zu ziehen solange das nicht fest steht.)

    Wenn es fest stünde, hypothetisch, würde ich durchaus noch einmal alles offen vor ihm ausbreiten. So ähnlich wie du es hier getan hast, vielleicht sogar als Brief. Du berichtest vieles das du gefühlt hast und fühlst, dass du ihm gegenüber nie so gesagt haben dürftest. Er weiß also vieles nicht was in dir -- vielleicht für ihn --- vorhanden war und ist. So wie es für ihn ausgesehen haben muß, war es wohl einfach nur "sie steht einfach nicht auf dich".

    Auch wenn es dann doch nichts mehr werden würde, könnte, sollte, möchte, nach doch einigen Jahren Beziehung fände ich es stimmig und passend, sich dem anderen dort noch einmal zu öffnen, wo man glaubt da ist etwas Wesentliches noch nicht gesagt, wo man vermutet da gibt es etwas, wo man ungleichen Wissenstand hat, das aber für die Beurteilung der Beziehung im nachhinein oder für heute oder die Zukunft wichtig ist.

    Durchsage:

    "Achtung, es wurde eine herrenlose Damenhandtasche gefunden ..."

  9. Moderation

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    AW: Gestörtes Verhältnis zur Liebe

    Was ich interessant (und vielleicht auch bezeichnend) fand bei Deiner Schilderung war die Abfolge.

    Du beschriebst, wie sehr Du Deinen Ex-Freund verletzt hast und in mir machte sich langsam tatsächlich das Gefühl und die Vorstellung breit im Sinne von:
    Ach je, der Arme, es muß sehr schmerzhaft, verletzend und emotional destabilisierend sein, wenn der liebevolle Antrag in der Beziehung nicht angenommen wird.


    Du hattest - bei mir- durch Deine Schilderung also erstmal das Bild entworfen, daß da einem anderen Menschen gewissermaßen tatsächlich "Unrecht" geschah.

    Erst danach, und das finde ich extrem wichtig und aufschlußreich, hast Du beschrieben, was an seiner Persönlichkeit und seinen Handlungen Faktoren waren, die Dich (verständlicherweise, wie ich denke) davon abhegalten haben, ihm voll zu vertrauen, Dich emotional anzuvertrauen, was zu dem Beginn einer Ehe ja gehören sollte.

    Ich würde für mich selbst mal betrachten und hinterfragen, ob Du nicht einfach ein gutes, gesundes Bauchgefühl hattest, das Dich vor zuviel emotionaler und tatsächlicher Unzuverlässigkeit geschützt hat, das aber nun vielleicht gleichzeitig kollidiert mit einem (möglicherweise anerzogenen) Glaubensgrundsatz, daß Du Menschen stabilisieren mußt.

    Wären all Deine Schilderungen seiner Unzuverlässigkeit nicht gekommen, dann wäre es bei meinem Ersteindruck geblieben, dann wärest Du für mich in der Dynamik die Wankelmütige, Unzuverlässige gewesen.

    So aber interpretiere ich Deine Entscheidung als funktionierenden Selbstschutz.
    Und falls bzw. wenn das so wäre, dann wäre die wichtigere und interessantere Frage, warum gesteht Dein Selbst Dir diesen Selbstschutz (noch?) nicht zu


    Du schreibst:
    Heute denke ich mir, zu lieben ist doch auch eine Entscheidung. Gerade trotz der vielen Schwächen, die man an der anderen Person sieht. Und vielleicht kann ich mich gar nicht so verlieben, wie es "normale" Menschen tun?
    Was ist nur falsch mit mir?
    An Dir ist gar nichts falsch, Du hast aber sehr wahrscheinlich einen ziemlich großen und schweren Rücksack aus Deiner Kindheit aufgebuckelt bekommen.

    Ich denke auch, daß es hilfreich wäre, Dich in Deiner Gesamtheit erstmal wirklich kennenzulernen.
    Viele verdrängen Wichtiges aus Selbstschutz sehr lange, aber irgendwann ist dann doch der Zeitpunkt gekommen, den Rucksack mal auszupacken, zu betrachten, zu sortieren und wahrscheinlich auch aufzuarbeiten.
    Für mich geht es nach Deinen Beschreibungen nur vordergründig um die Thematik mit Deinem Ex, zugrunde liegen dieser Thematik aber wahrscheinlich noch viele andere Faktoren.

    Lerne Dich wirklich kennen, lerne Dich verstehen, dann wird es zukünftig wahrscheinlich um einiges leichter.


    Wie gesagt, alles nur (m)eine Interpretation Deiner Schilderungen, aber vielleicht kannst Du damit ja etwas anfangen.


    Alles Gute.
    Sternenfliegerin
    Geändert von Sternenfliegerin (11.04.2020 um 13:41 Uhr)
    I don´t know where I´m going- but I´m on my way... Carl Sagan

    Vielleicht geht es auf dem Weg gar nicht darum, irgendwas zu werden.
    Vielleicht geht es darum, alles abzuwerfen, was wir nicht sind,
    so daß wir das sein können, wofür wir bestimmt sind.
    Paulo Coelho



    Moderatorin in den Foren:
    Beziehung im Alltag, Der "gebrauchte" Mann und im Tierforum
    - ansonsten normale Nutzerin

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    AW: Gestörtes Verhältnis zur Liebe

    @Silberklar,

    Unsere TE, @wastuichbloss, hat davon berichtet, dass ihr Ex-Freund ihr bereits gesagt hat, dass er sie nicht mehr liebt und in einer neuen Beziehung ist.
    Er hat sogar Fotos davon gepostet.

    Auf Nachrichten von ihr reagiert er nicht mehr!

    Soll sie sich nach diesen Fakten und dem Ende der Beziehung komplett nackig und zum Affen machen und ihm mitteilen, wie es um sie steht?
    Soll sie um eine Beziehung werben, die kaputt ist... und die vermutlich gar nie zustande kommen sollte....?

    Das, was da passiert ist, hat meiner Meinung schon seinen Grund.
    Ohne das hätte @wastuichbloss sich nie hingesetzt und dieses wunderbar reflektierte Post abgesetzt.

    Sie weiß schon, wo der Hase in etwa langläuft...sie muss nur die richtige Spur finden.

    Was spricht dagegen, mit dieser Beziehung endgültig abzuschließen und nach vorne zu blicken?

    Es klingt doof.. ist aber so: Da, wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.
    Vielleicht nicht heute oder morgen... aber irgendwann schon...
    Nach manchem Gespräch mit einem Menschen hat man das Verlangen, einen Hund zu streicheln,
    einem Affen zuzunicken und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen.

    (Maxim Gorki)

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