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  1. Registriert seit
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    soziale Moblität nach unten - wie geht's euch damit

    Hallo liebes Brigitte-Forum,

    ich wende mich an euch, weil ich mit niemandem sonst darüber reden kann. Meine Geschichte geht so:

    Ich komme aus einer wohlhabenden (manche würden sagen reichen) Familie, in der auf Bildung viel Wert gelegt wird. Nun sind die intellektuellen Fähigkeiten meiner Eltern aber ein Stück weit an mir vorbeigegangen, weshalb ich mich für einen sozialpädagogischen Ausbildungsberuf entschieden habe und nicht wie alle meine Schulfreunde studiere.
    Seit über 3 Jahren bin ich also in einem Umfeld, in dem fast alle meine peers einen anderen "sozio-ökonomischen Hintergrund" haben, wie Soziologen das, glaube ich, nennen.
    Meine Schwierigkeit besteht darin, dass ich mit den Leuten nicht warm werde, obwohl ich mich wirklich bemühe aufgeschlossen, freundlich, etc. aufzutreten.
    Trotzdem schlägt mir immer wieder Ablehnung, Widerwillen und Reserviertheit entgegen.
    Mich beschäftigt das schon eine ganze Weile und ich würde wirklich gerne wissen, ob es an mir liegt, oder ob auch generell Vielfalt einfach nicht gern gesehen wird, wenn sie von "oben" kommt. Beim Thema Vielfalt/Diversität denkt man ja zunächst an das Aufsteigen von (ehemals) benachteiligten Minderheiten in eine höhere Stellung, der gegenteilige Fall kommt (zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung) seltener vor.

    Ist eine von euch in einer ähnlichen Situation und kann mir ihre Erfahrungen schildern?
    Vielen Dank schonmal im Voraus
    matsuyama


  2. Registriert seit
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    AW: soziale Moblität nach unten - wie geht's euch damit

    Hallo Matsujama,
    kannst Du vielleicht ein paar Beispiele nennen? Ich kann mir so nicht vorstellen, was Du meinst.
    Danke! :-)


  3. Registriert seit
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    AW: soziale Moblität nach unten - wie geht's euch damit

    Zitat Zitat von matsuyama Beitrag anzeigen
    Trotzdem schlägt mir immer wieder Ablehnung, Widerwillen und Reserviertheit entgegen.
    Ich verstehe das nicht ganz.
    Ist dein familiärer Hintergrund in deinem Ausbildungsumfeld denn bekannt und wenn ja, warum?

  4. Inaktiver User

    AW: soziale Moblität nach unten - wie geht's euch damit

    Ich glaube, das Problem ist, dass Du Dich als "oben" siehst.


  5. Registriert seit
    23.09.2017
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    AW: soziale Moblität nach unten - wie geht's euch damit

    Daher fragte ich nach Beispielen...bevor wir uns hier wieder "einspekulieren".


  6. Registriert seit
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    AW: soziale Moblität nach unten - wie geht's euch damit

    Der familiäre Hintergrund ist nicht bekannt, man sieht ihn mir auch keineswegs an, meine Klamotten z.b. sind ( aus Nachhaltigkeitsgründen) alle second-hand. Ich vermute aber, dasss man mir mein "Anderssein" an der Art zu reden anmerkt. Ein Thema in der Ausbildung war mal "Bildungssprache vs Alltagssprache" und eine Mitschülerin meinte (scherzhaft ?) "Bildungssprache ist das was matsuyama grundsätzlich von sich gibt". Außerdem verfüge ich über ein großes Allgemeinwissen.

    Die Ablehnung drückt sich allgemein darin aus, dass wenig Kontaktaustausch stattfindet, wenn ich mich von mir aus um Kontaktaufnahme bemühe, wird knapp geantwortet und sich dann wieder anderen Leuten zugewendet. Bei Gruppenarbeiten war ich auch nie 1. Wahl.

  7. Inaktiver User

    AW: soziale Moblität nach unten - wie geht's euch damit

    Hm, ich weiß nicht. Ich denke Haltung, Sprache, Stil und dergleichen sind sicher entscheidend, ob man jemanden kennenlernt oder nicht (Automatismen der Burteilung des Gegenübers in der ersten Sekunde).

    Aber...Elternhaus? Job? Bildungsgrad? Das sind - für meine Begriffe jedenfalls - zweitrangige Kriterien, wenn überhaupt.

    Ist man im Gespräch mit Bekannten, mit Menschen die man häufiger mal sieht, dann entscheidet aus meiner Sicht die "Persönlichkeit" des Gegenübers, ob aufrichtige Sympathie vorhanden ist und man wirklich auf "einer Wellenlänge" liegt - oder eben nicht. Das wird nicht vom Werdegang des Gegenübers bestimmt, sondern davon, wie er sich mir gegenüber verhält, wie wir denken, wie wir Leben (nicht im materialistischen Sinn). Gibt es da Schnittmengen, die groß genug sind, ist doch alles gut.

    Aber das passt wohl nicht so besonders oft auf beiden Seiten in einer Art und Weise, die tiefere Freundschaften entstehen lässt.

    ...und das klappt auch nur, wenn beide in ähnlichen Kriterien denken. Ich kenn tatsächlich auch Menschen (eben keine Freunde oder nähere Bekannte), die z. B. felsenfest der Meinung sind, sie als Akademiker müssten den Traumpartner zwingend auch ausschließlich im akademischen Umfeld finden (ob da ein gewisses Partnerportal zuviel Werbung gemacht hat?). Klar bedingt das wohl Gemeinsamkeiten, aber es für so völlig unvorstellbar zu halten, dass der passende Mensch fürs Leben auch einfach nen Handwerksjob haben könnte... muss ich nicht verstehen. Denen könnte der Traum-Wunschpartner gegenüberstehen, wenn er kein Akademiker wäre, wäre jedes gewechselte Wort dennoch verloren.



    Zitat Zitat von matsuyama Beitrag anzeigen
    obwohl ich mich wirklich bemühe aufgeschlossen, freundlich, etc. aufzutreten.
    Versuch nicht zu sein, wie du glaubst dass du sein müsstest. Sei einfach du selbst. Hilft erfahrungsgemäß immer noch am besten.


  8. Registriert seit
    06.10.2018
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    AW: soziale Moblität nach unten - wie geht's euch damit

    Ich denke schon, dass alle von uns einen "Stallgeruch" haben. Und wenn man sich in der Mittagspause o.ä. mit Kollegen unterhält, kommen ja auch private Themen auf. Somit merkt mangerade unter Azubis sicher recht schnell, welcher sozialen Schicht die anderen angehören.
    Da gibt es nunmal Unterschiede.
    Das hat dann nichts mit dir zu tun. Was tust du denn, um dazu zu gehören? Was erzählst du, hast du anderen privaten Interessen als die anderen Azubis?

    Und manchmal kommt man halt aufgrund dieser sozialen Unterschiede niemals in eine Gruppe rein. Das sollte man dann aber auch nicht wollen, wenn die Leute auch nach längerem Beschnuppern und bemühen deinerseits eine geschlossene Gruppe bleiben. Manchmal liegt es halt doch nicht an einem selber, sondern an den anderen...
    Geändert von freilebig (24.02.2020 um 20:46 Uhr)


  9. Registriert seit
    05.09.2018
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    AW: soziale Moblität nach unten - wie geht's euch damit

    Beiß Dich durch, das wird.

    Kann aber dauern.


    Ich kenne nicht genau Dein Phänomen, aber etwas Ähnliches: Ich bin theoretisch "Aufsteiger", in Deinem Vokabular, das aber schon mit der Schulwahl.

    Bedeutet, ich falle im akademischen Umfeld tatsächlich nicht als solcher auf.

    Dafür hatte ich z.B. Studentenjobs im nichtakademischen Umfeld - und musste erstmal lernen, dass ich da wieder auf meine "Herkunftsmanieren" umschalten muss.

    Was heißt muss.......ich bin eben nie wirklich "drinnen", wenn ich es nicht tue.

    Eine Freundin von mir kennt das so wie Du, Bildungsbürgerkind mit einem zeitintensiven Hobby, in dem sich sehr viele Leute mit weniger formaler Bildung tummeln (vergleichbar: Professorenkind im Brennpunktfußballverein, ok nicht ganz so stark).

    Bei ihr hat es auch Jahre gedauert (sagt sie), bis sie wusste, wie sie sich im "Fußballumfeld" am besten benimmt.



    Ein gewisses Talent dafür, erstmal ein paar Wochen eher still zu sein und zuzuhören und dabei festzustellen
    -wie die Sprache ist
    -wie die Themen sind
    -was ok ist und was nicht

    hilft.


  10. Registriert seit
    30.09.2009
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    AW: soziale Moblität nach unten - wie geht's euch damit

    Die Sprache macht tatsächlich viel aus. Ich komme zwar nicht aus dem klassischen Akademikerumfeld, aber aus einer Kleinunternehmerfamilie. Ich selbst habe ein Studium abgeschlossen. Da mein Vater und meine Mutter aus völlig unterschiedlichen Gegenden kommen, habe ich nie Dialekt gesprochen. Ich kann zwar meinen Heimatdialekt, nutze ihn aber nicht. Viele attestieren mir, dass ich eher hochdeutsch spreche. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das zu einer gewissen Distanz in bestimmten Kreisen führen kann.

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