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  1. Avatar von schafwolle
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    AW: Sich nicht einlassen können...

    Zitat Zitat von daisymiller2 Beitrag anzeigen
    Ehrlich gesagt habe ich nicht die geringste Ahnung, wo ich anfangen könnte, diese Situation, dieses Gefühl zu verändern.
    Nun ja, die Situation (= Deine Lebensumstände) könntest Du schon ändern, wenn Du
    es wirklich wolltest. Aber genau das glaube ich eher nicht.

    Ich meine das nicht (ab)wertend - aber da ich auch den Großteil Deiner anderen Stränge
    kenne, habe ich die Vermutung, dass Du selbst eine verläßliche Produzentin Deiner
    Probleme bist.

    Ganz flapsig ausgedrückt, würde ich sogar sagen, Dir geht's einfach zu gut.

    Deine beschriebenen Gefühle kenne ich ebenfalls aus eigenem Erleben, kam aber bisher
    nie auf die Idee, sie verändern zu wollen. Ich habe sie für mich akzeptiert und integriert.
    Alles andere hätte ich (für mich) wie einen Kampf gegen Windmühlen empfunden.

  2. gesperrt
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    AW: Sich nicht einlassen können...

    Zitat Zitat von daisymiller2 Beitrag anzeigen
    Nun war mein Mann ein paar Tage nicht daheim und ich habe sehr viel Zeit zum Nachdenken gehabt.(...) Endlich fiel die ganze Anspannung von mir ab, ich hatte das Gefühl, ich könnte "ich" sein.
    Gib dir mehr davon

    Sich selbst finden, erfordert Raum und Zeit. möglichst unstrukturiert.

    Gleichzeitig machte mir das Gefühl wahnsinnig Angst, ich fürchtete, eine richtige Eigenbrötlerin zu werden und womöglich den Bezug zur Außenwelt zu verlieren.
    ach, so schnell passiert das nicht.

    Ich suche aktiv regelmässig das Alleinsein - widme dem auch gern meine Urlaubszeit - einmal jährlich zwei Wochen brauch ich schon, damit ich mich nicht verliere im Aussen. Aber es könnte auch noch mehr drin liegen.

    Plus immer wieder, ein zwei Stunden jeden Tag, einen Tag jede Woche... ist so mein Minimum.

    und ich fühle, das ERHÄLT mich sozialkompatibel, das macht mich nciht schräg und eigenbrötlerisch, ganz im Gegenteil, es gibt mir eine gesunde Basis.

    solang nichts tun, bis richtig Langeweile kommt - und hinter der Langeweile, dann die Kreativität.

    Viel Spass dabei.

    gruss, barbara


  3. Registriert seit
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    AW: Sich nicht einlassen können...

    Zitat Zitat von print Beitrag anzeigen
    Verstehe ich das richtig: wenn du das Gerüst, welches du dir in deinem Leben geschaffen hast, nicht aufrecht erhältst - dann stürzt du?

    Wohin?

    In eine Leere?
    Oder eine Art Verwahrlosung?
    Oder vielleicht stürzt du auch "nur" ins Unbekannte - das noch nicht Bekannte.
    Das ist eine gute Frage... also, vor "Verwahrlosung" habe ich keine Angst, ich habe nicht das Zeug zum Messie, Aber vielleicht etwas Einsiedlerhaftes, oder wie meine Schwester meinte, etwas "Nerdiges". Als ich vor ein paar Jahren eine Woche in einem Zen-Zentrum war und da in einer kleinen Klause wohnte, fühlte ich mich richtig wohl. Ein überschaubarer Raum, mitten in der Natur, fast angelehnt an das benediktinische "ora et labora", körperliche Arbeit und Zeit und Raum zum Nachdenken. Ich habe gerade das Gefühl, gerade das letztere entspricht meiner Idealvorstellung von Leben

    Zitat Zitat von print Beitrag anzeigen
    Es sieht so aus, als hättest du es nie wirklich ausprobiert, wie das ist. Was den meisten Menschen so ergeht, nur bemerken die das nicht. Spüren da auch keine Distanz oder ähnliches. Man ist ja immer irgendwie und irgendwo eingebunden, in Familie, Beruf, Freundeskreise.
    Wie fühlt sich das an? Ist es eher Angst oder (auch) Sehnsucht?.
    Ich habe schon immer gespürt, dass ich da was verdränge.

    Wenn ich mir meine Zeilen oben anschaue, dann ist da schon ein bisschen Angst dabei (der Mensch ist ein soziales Wesen und wenn ich Dinge ganz anders mache, dann stelle ich mich womöglich selber ins Abseits). Aber da ist auch sehr viel Sehnsucht. Kürzlich hatte ich erst mit meinem Mann halb im Scherz darüber gesprochen, dass wir, spätestens wenn ich in Rente gehen, unsere Wohnung verkaufen und uns ein großes Grundstück mit zwei Tiny-Houses kaufen (unsere Wohnung ist deutlichh größer), in denen jeder von uns so leben kann, wie er möchte und wir uns immer wieder besuchen können

    Die Begeisterung hielt sich leider noch in Grenzen.

    Wenn du jetzt eine berufliche Auszeit nehmen kannst wäre das doch eine gute Gelegenheit, das mal näher zu erforschen. Sieht so aus, als wärst du schon dabei.
    Kannst du dir vorstellen. mal für eine gewisse Zeit etwas ganz allein zu machen? Mal raus aus der Konstruktion deines Lebens. Das muss ja kein Abbruch sein, mehr: eine Auszeit.
    Urlaub im Kloster, Pilgerreise, sowas in der Art, wenn es dir zusagt.[/QUOTE]


  4. Registriert seit
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    AW: Sich nicht einlassen können...

    Liebe Daisymiller, es ist gar nicht unnormal und wenn bei mir alle fort sind, dann fühle ich mich auch befreit und geniesse einfach die Stille um mich herum. Du hast natürlich mehr als Andere haben und mal eine Auszeit nehmen zu können, find ich super. Und Du hast die Möglichkeit in ein Land zu fahren (Schottland?), wo Du mal Dein Ich ausleben kannst. Ich glaube einfach in unserer Gesellschaft, die so schnelllebigen ist, wo die Leute sich zuballern mit irgendwelchen Freizeitaktivitäten, was an und für sich auch schon Stress sein kann, verlieren viele Ihr Ich bzw. Kennen Ihr Ich gar nicht. Weil sie eben nicht zur Ruhe kommen.
    Das fällt mir zunehmend auf. Sich bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen, auch mal alleine für sich zu sein, tut einem ja auch sehr gut. Du bist da ganz sicher auf einem richtigen Weg


  5. Registriert seit
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    AW: Sich nicht einlassen können...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Nur ganz kurz, bin auf dem Sprung:

    Ich finde das Gefühl, das Du beschreibst, so ungewöhnlich nicht. Vielleicht nimmst Du es nur bewußter wahr?
    Gerade das: "endlich alle weg - endlich kann ich ich selbst sein". Das ist doch völlig normal. Also - für mich jedenfalls. Ich brauchte aber auch schon immer viel Zeit für mich allein, auch Zeit, in der ich dann gefühlt ein bißchen vereinsamen kann (dafür können ein paar Stunden schon reichen), und dann kann und mag ich auch wieder andere Menschen...

    (Ist das NICHT normal??? Jedenfalls kann man/ich meist ganz gut damit leben. So schnell wirst Du nicht zur Eigenbrötlerin. Keine Angst!)
    Vielleicht hast du Recht und das Ganze ist normal.... vielleicht habe ich das als Kind auch deshalb als so positiv erlebt und das Problem ist nur dadurch entstanden, dass ich mich in eine zu enge Gemeinschaft gezwängt habe. JEDER will doch eine Familie, JEDER baucht doch Gemeinschaft... das ist jedenfalls die Stimme im Hinterkopf, die mich diszipliniert hat. Aber mir wird gerade bewusst, dass das die Stimme meiner Mutter ist, die diese enge Gemeinschaft braucht (die heutzutage, mit über 70 und einem liebenden Ehemann an ihrer Seite, immer noch ihre Geschwister vermisst und nie genug von den anderen bekommen kann.)

    In diesem Zusammenhang fällt mir eine Geschichte ein, die sie mal erzählt hat, als ich ein Teenager war... sie war im Krankenhaus und lag mit einer über 90-jährigen Frau im Zimmer. Diese hatte schon zu ihrer Zeit ein sehr unabhängiges Leben geführt, hatte studiert, war viel gereist. Sie war zwar verheiratet gewesen, aber zu dem Zeitpunkt schon längst verwitwet und hatte keine Kinder. Der einzige Verwandte war ein Neffe und nachts hätte sie oft im Traum geweint und seinen Namen gerufen... diese Geschichte erzählte sie immer wieder als abschreckendes Beispiel für "Egoismus", so würde es einem halt am Ende gehen, wenn man nicht bereit wäre, seine Interessen hintenanzustellen und sich um eine Familie zu kümmern.


  6. Registriert seit
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    AW: Sich nicht einlassen können...

    Daisymiller,

    deine Familiengeschichte gibt schon Hinweise darauf, wie das so gekommen ist.
    Du hast versucht, durch Anpassung Bindungen und Zuneigung und herzustellen und zu schützen.
    Das ist eine ganz natürliche Strategie, aber du hast es etwas damit übertrieben (nicht bewusst).
    Glaubenssatz: wenn ich anders bin, wenden sich die anderen von mir.

    Dadurch hast du dich selbst nicht etwa verloren - du hast dich noch gar nicht gefunden, du hast dir das bisher nicht zugestanden.

    Ich möchte dir Mut machen - das geht, es geht in jedem Alter.
    Dann machst du, wenn du Glück hast, sogar die beglückende Erfahrung dass du dich gar nicht so sehr anpassen musst.

    Mir erging es ähnlich, inzwischen bin ich ziemlich allein. Ich will also nicht verschweigen, dass Selbstfindung auch Bindungen sprengen kann. Ich habe auch Fehler dabei gemacht, das ist auch menschlich.
    Ich hatte aber immer das Gefühl, dass es richtig war.
    Klingt widersprüchlich, ich weiß.

    Ambivalenz ist auch etwas, was zum Leben gehören kann. Sich gleichzeitig nach Verbindung sehnen und nach dem Für sich sein. Es geht nicht gleichzeitig - aber abwechselnd schon.

    Ich wünsche dir Glück und Erfolg dabei, beides in deinem Leben verbinden zu können.

    P.S: meine aktuelle Vorstellung über das Leben mit einem Partner: ein Schloß mit 2 Flügeln auf dem Land
    Think before you print.

  7. Avatar von Para_plumeau
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    AW: Sich nicht einlassen können...

    Liebe Daisymiller, ich lese deine Stränge immer mit sehr viel Sympathie und Anteilnahme

    Diesen hier verstehe ich allerdings nicht. Das liegt nicht an dir, das liegt an mir.
    Ich schaue - aus Angst, was ich sehe - nie nach Innen und finde das im Grunde auch entbehrlich.

    Ich sags mal ganz grob: Was bringt dir diese Reise ins Innere, dieses Erforschen der Befindlichkeiten, der Kindheit? Wird dich das Ergebnis glücklich machen? (Ich befürchte nein.)
    Was, wenn deine Zweifel an deinem aktuellen Leben nicht weniger sondern mehr werden?
    Mir wäre das zu riskant.
    Ein Kluger merkt alles. Ein Dummer macht über alles eine Bemerkung. Heinrich Heine

  8. Inaktiver User

    AW: Sich nicht einlassen können...

    Liebe Daisy,

    nachdem Du nun noch mehr aus Deiner Kindheit und Jugendzeit erzählt hast... Das ist natürlich schon ein Brett. Andererseits: wir alle tragen unsere Traumata und Prägungen mit uns herum, und wir alle haben Mechanismen und Strukturen entwickelt, um zu funktionieren. Manche von uns denken dabei halt zuviel...

    Ich bin irgendwann mal dazu gekommen, für mich die Maxime zu formulieren: "Ich bin, wie ich bin, ich akzeptiere das, ich bin gut zu mir selbst, ich weiß um meine Bedürfnisse, Fähigkeiten und auch Unfähigkeiten, und ich gehe so gut mit mir um, wie ich kann." Sehr, sehr viel erfolgversprechender und heilsamer als der Versuch, anders zu werden - oder die Verlockung, mich selbst zu zerfleischen.

    Will heißen: Es ist sicherlich bis zu einem gewissen Punkt gut, Dich selbst kennenzulernen - aber zuviel Wühlerei im Innersten macht depressiv, unzufrieden oder andere Probleme.

    Finde heraus, was Du brauchst. Für mich klingt das sehr nach "mehr Zeit für Dich, in der Du bewußt vereinsamst und Dich langweilst". Und vielleicht wirklich eine Auszeit bei den Schafen. Und dann ein Hausschaf? Denn irgendwie mußt/willst Du das ja in Dein Leben integrieren.

    Zwei Monate klingen toll - aber danach wirst Du nicht "geheilt" sein. Täglich zwei Stunden könnten auf Dauer den besseren Effekt haben - und erlauben Dir, weiterhin mit Deinem Mann zusammen zu sein. Und so alles in allem habe ich den Eindruck, das bist Du ganz gerne - und er auch mit Dir.

  9. gesperrt
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    AW: Sich nicht einlassen können...

    Zitat Zitat von Para_plumeau Beitrag anzeigen
    Ich sags mal ganz grob: Was bringt dir diese Reise ins Innere, dieses Erforschen der Befindlichkeiten, der Kindheit?
    mir bringt es, dass ich mich lebendig fühle, mit Farbe und Intensität und Geschmack, mit Sinn und Bedeutung und Freude und Stolz - und auch mal Aua, das auch - aber nicht zombiehaft untot, wie ein Roboter, der einfach sein Programm abspult.

    Es bringt mir, dass ich gute Entscheidungen treffe - solche, die meine Lebensqualität verbessern. und zwar sind sie darum gut, weil sie mit dem übereinstimmen, was und wer ich tatsächlich bin. (sie sind nicht immer einfach, oder leicht - aber gut)

    und was bei mir (bei andern weniger, soweit ich das beurteilen kann) der Fall ist: wenn ich mein Inneres nicht aktiv überwache und kontrolliere und reguliere, auch Bescheid weiss darüber - brechen die Monster drin halt einfach so aus. Was immer desaströs endete. been there, done that, nein danke, Nase voll von dem Quatsch. ich brauch's echt nicht mehr, dass Leute mich unversehens anzubrüllen beginnen, weil ich wieder mal zielsicher das Falsche sagte.

    Wird dich das Ergebnis glücklich machen? (Ich befürchte nein.)
    langfristig, ein grosses JA.

    Kurzfristig - gehört es dazu, dass immer wieder mal Ängste und Zweifel auftauchen, generell unangenehme Empfindungen. Aber langfristig ist es das hundert Mal wert. Zumindest für mich.

    Was, wenn deine Zweifel an deinem aktuellen Leben nicht weniger sondern mehr werden?
    Mir wäre das zu riskant.
    Dann gestaltet man das Leben um und räumt diese Zweifel auf, setzt sich damit auseinander, gestaltet das Leben neu. ja, das ist mit Mühe und Arbeit verbunden. Nein, es ist nicht leicht. Ja, es ist möglich.

    ja klar, das beinhaltet gewisse Risiken - zum Beispiel jenes, dass man feststellt, dass man sich jahrelang komplett auf der falschen Spur befunden hat - doch einfach nicht hinzuschauen, weil man eventuell merkt, dass es nicht passt - halte ich nicht für eine gute Idee. Warum in einer Illusion verharren wollen? einfach weil's halbwegs bequem und komfortabel ist? auch goldene Käfige sind Käfige...

    Es wird ja auch nicht akzeptiert, dass Autofahrer nicht auf den Tacho schauen, nur weil sie eventuell merken könnten, dass ihnen die Zahl darauf nicht gefällt, und dass sie womöglich ihren Fahrstil anpassen müssten.

    gruss, barbara

  10. Avatar von schafwolle
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    AW: Sich nicht einlassen können...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ... zuviel Wühlerei im Innersten macht depressiv, unzufrieden oder andere Probleme.
    Das sehe ich auch so.
    Es nimmt einem auch den letzten Rest von Leichtigkeit.

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