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  1. Registriert seit
    04.02.2020
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    Mein Leben gefällt mir nicht.

    Ich bin seit meiner Kindheit psychisch krank. Diagnose kann ich nicht nennen, denn es gab im Laufe der Jahre sehr viele verschiedene Diagnosen und in keiner kann ich mich komplett wiederfinden. Es gab kein Trauma und ich denke, dass ich zu einem gewissen Grad damit geboren worden bin. In der Vergangenheit hat mein eigenes Verhalten auch dazu beigetragen, dass sich die Krankheit verschlimmert hat, aber letztendlich fing alles ziemlich „aus dem Nichts“ an.

    Es soll hier nicht um meine Vergangenheit gehen, viel mehr um die Gegenwart und die Zukunft, die ich aus diesen Trümmern noch aufbauen kann oder eben nicht. Ich erwähne das nur, weil es sicher für die Beurteilung meiner Gesamtsituation wichtig ist.

    Meine Eckdaten: Ich bin weiblich, Ende 30, lebe allein und bin Single.

    Die aktuellen Baustellen:

    Beruflich:
    Ich habe in jüngeren Jahren eine Ausbildung gemacht, im Anschluss aber keine Arbeit gefunden, was dazu führte, dass ich gut 6 Jahre arbeitslos war. Eine sehr lückenhafte Biographie (viele, auch lange Psychiatrieaufenthalte in meiner Jungend, drei Schulwechsel) erschwerte mir die Arbeitssuche. Meine psychische Stabilität nahm dadurch stark ab und ich war in den letzten ca. 4 Jahren der Arbeitslosigkeit auch nicht mehr arbeitsfähig. Ich wurde berentet. Irgendwann habe ich beschlossen, dass es so nicht weitergehen kann und mich trotzdem wieder auf Jobsuche begeben. Mit sehr viel Glück bin ich in einem ganz anderen Bereich als den meiner damaligen Ausbildung fündig geworden. Bislang habe ich das gut hinbekommen und man ist mit meinen Leistungen zufrieden. Mittlerweile bin ich seit gut anderthalb Jahren dort.
    Der Job ist nicht besonders anspruchsvoll, aber sehr zeitintensiv. Ich bin täglich mindestens 12 Stunden unterwegs mit Hin- und Rückfahrt. Überstunden fallen nicht wöchentlich an, aber dennoch auch nicht selten. Für andere Menschen mag das normal sein, für mich ist das viel. Zu viel.
    Es stört mich sehr, dass ich kaum Freizeit habe und mich im Alltag nicht wirklich erholen kann. Mir ist schon klar, dass ich mit meiner Biographie keine großen Ansprüche stellen kann und froh sein muss, dass ich überhaupt etwas gefunden habe. Bin ich auch, ehrlich. Trotzdem habe ich Angst davor, dass mir die wenige Erholungszeit wieder meine Stabilität raubt. Ich bin den ganzen Tag unter Menschen und ein extrem introvertierter Charakter. Das zehrt an mir.
    Weiterbewerben kann ich mich meiner Meinung nach zurzeit nicht, eben wegen meiner Biographie. Ich habe nichts zu bieten und wenn ich zu früh nach einem neuen Job suche, dann wirkt es wieder so, als würde ich alles abbrechen und nichts langfristig durchhalten. Stimmt ja auch. So stellt mich doch niemand ein. Ich finde, dass ich zumindest ca. 5 Jahre in diesem Job durchhalten muss, aber ehrlich gesagt, das wird schwierig. Ich will nicht wieder komplett zusammenbrechen und die Gefahr sehe ich momentan einfach als gegeben. Teilzeit oder Stundenreduzierung ist nicht möglich. Auch finanziell nicht. Ich verdiene sehr wenig und möchte auf keinen Fall wieder vom Staat abhängig sein.

    Liebe:
    Ich war mein halbes Leben mit einem Mann zusammen. Die Beziehung war in vielerlei Hinsicht sehr schön, aber er ist genauso schwer krank wie ich, wenn nicht sogar noch mehr. Wir waren gut zueinander, aber nicht zu uns selbst und konnten uns nicht wirklich gegenseitig unterstützen. Er ließ sich mit den Jahren leider immer mehr gehen, mich zog das zusätzlich runter und deshalb beendete ich die Beziehung, als ich mir in den Kopf gesetzt hatte, mein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen, wieder auf Jobsuche ging, etc. Es war emotional gesehen die wohl schwerste Entscheidung meines Lebens, aber ich hielt es damals eben für die richtige Entscheidung.
    Danach lernte ich jemand neues kennen, der ebenfalls erkrankt war, aber selbst gerade versuchte im normalen Leben wieder Fuß zu fassen. Die Anfangszeit war gut, danach ging es dann bergab. Bei ihm lief nichts so, wie er sich das vorgestellt hatte. Ich fand meine Arbeit und war sehr beschäftigt, was dazu führte, dass ich öfters mal meine Ruhe brauchte und allein sein wollte, um mich zu erholen. Damit kam er nicht klar und machte mir das zum Vorwurf. Ich trennte mich dann.
    Ich bin nun erst seit ein paar Monaten Single und ich denke nicht, dass ich wieder eine Beziehung führen kann. Ich möchte keinen kranken Mann mehr, aber ich möchte auch keinen gesunden, da ich finde, dass das nicht zu mir passt mit meiner Vorgeschichte. Auch denke ich, dass ich den meisten Männern wohl nicht das geben kann, was sie sich wünschen. Ich brauche viel Allein-Zeit, will keine Kinder und nach Möglichkeit auch nicht zusammenziehen.
    Es ist okay, Single zu sein, ich leide im Alltag nicht direkt darunter. Trotzdem vermisse ich meinen Exfreund, also den, mit dem ich so lange zusammen war. Ich denke immer noch, dass wir uns aufgrund unserer Krankheiten nicht guttun würden, aber er ist ein toller Mensch, jemand mit dem ich reden kann, der Verständnis für mich hat, etc. Er war einfach mein Verbündeter. So jemanden habe ich jetzt nicht mehr und es ist einfach ungewohnt und …ich finde keine richtige Beschreibung dafür. Aufgrund meines Charakters fühle ich mich nicht einsam, ich weiß nicht, wie sich das anfühlt. Leere passt vielleicht. Mein Leben ist leerer ohne ihn. Ohne so eine Liebe.

    Freundschaften:
    In den arbeitslosen Jahren habe ich mich komplett von der Außenwelt isoliert. Die einzigen Menschen, die ich noch traf, waren meine Mutter und mein damaliger Freund. Alle Freundschaften habe ich beendet, bzw. ich habe sie ausschleichen lassen.
    Ich habe versucht mir einen neuen Freundeskreis aufzubauen, was auch funktioniert hat. Mittlerweile bricht das allerdings wieder zusammen. Mein kleiner Freundeskreis besteht nur aus Männern. Das hat sich zufällig so ergeben, ich habe danach nicht gesucht, sondern bin nach gemeinsamen Interessen vorgegangen.
    Das Problem ist, dass das alles Singlemänner sind. Es lief gut zwischen uns als ich noch mit meinem zweiten Freund liiert war, die haben sich auch mit ihm gut verstanden und wir haben viel als Gruppe unternommen. Seit ich wieder allein bin, funktioniert das nicht mehr. Mein bester Freund aus meiner Jungend, zu dem ich nach einigen Jahren wieder Kontakt aufgenommen habe, hat Interesse an mir als Frau. Ein weiterer hat mir jetzt gestanden, dass er sich in mich verliebt hat. Natürlich sagen sie, dass sie, obwohl ich nicht mit ihnen zusammen sein will, die Freundschaft zu mir aufrecht erhalten wollen, aber ich glaube einfach nicht daran, dass das auf Dauer funktioniert.
    Neue Leute zu finden fällt mir schwer. Zum einen habe ich wenig Zeit und Zeit bräuchte ich einfach, um Leute zu finden, die zu mir passen. Zum anderen ist meine Lebensrealität einfach anders als die der meisten Leute in meinem Alter. Bei den meisten Themen (Kinder, Ehe, Hausbau, etc.) kann ich nicht mitreden und ich habe da auch kein Interesse dran, weil es mich nicht betrifft.
    Ich denke, dass ich also freundschaftstechnisch bald allein dastehen werde. Und dadurch fallen dann auch einige Aktivitäten weg, die ich gern gemacht habe. Ich will mir nicht schon wieder neue Freunde suchen müssen, ich war wirklich froh, dass ich welche gefunden habe, die zu mir passen. Mir gefiel es gut so, wie es war. Es ist einfach schade.


    Ein Jahr lief es nun einigermaßen gut, aber jetzt habe ich keine Lust mehr. Mir kommt es vor, als könne ich mein Leben einfach nicht in den Griff kriegen, ganz egal, wie sehr ich mich anstrenge. Ich merke deutlich, dass es stimmungsmäßig wieder mit mir bergab geht und ich weiß nicht, was ich dagegen tun kann. Ich bin noch in psychologischer Behandlung, aber momentan hilft mir das nicht weiter. Mir wird gesagt, dass ich mich darauf besinnen soll, dass ich in kurzer Zeit viel geschafft habe und dass ich stolz auf mich sein kann. Ich kann das anerkennen, wirklich. Mir ist nur so, als würde mir das letztendlich nicht viel bringen.

    Die letzten Jahre waren anstrengend, es war aufreibend und klar, es hatte seine schönen Momente, aber es scheint einfach so als wäre nichts davon haltbar. Ich bin nicht in der Lage zufrieden zu sein. Mein Leben nervt mich, meine „Perspektiven“ nerven mich, ich habe keine Lust mehr dazu. Klar, niemand hat es einfach, doch ich komme mir einfach von Grund auf „verpfuscht“ vor.

    Ich funktioniere zwar noch ganz gut, ich kriege das meiste gut auf die Reihe, aber Spaß habe ich daran nicht.

    Ich bin nicht suizidal und ich hoffe wirklich, dass man mir das hier glaubt. Ich will nicht sterben, aber ich habe auch keine Lust mehr so zu leben. Keine Lust mehr ich zu sein mit all meinen Schwierigkeiten. Ständig abzustürzen, sich wieder aufrappeln zu müssen, von vorn anfangen zu müssen. Ich will endlich meine Ruhe haben.

    Was ich mir nun von euch erhoffe: Sichtweisen. Ratschläge. Vielleicht sogar Erfahrungsberichte von Leuten, die ähnliche Probleme hatten und sie lösen konnten. Man darf mir ruhig sagen, dass ich nicht so viel rumjammern soll. Ich frage mich einfach – wie wird man zufrieden? Wie kann man sein Leben wirklich so lenken, dass es zu einem passt, dass es einem leicht von der Hand geht, dass man stimmungsmäßig auf einem gemäßigtem Level bleibt trotz Rückschlägen?

    Was ich nicht möchte: Ratschläge bezüglich Medikamenten. Ich nehme keine und möchte keine nehmen. Ich weiß, dass man das in der Regel für Menschen wie mich für angebracht hält, aber ich möchte das einfach nicht.

    Ich frage bewusst in einem Forum, in dem sich eher „normale“ Menschen tummeln und keine anderen psychisch Kranken. Ich möchte versuchen von Leuten zu lernen, die meine Probleme und Vorgeschichte eben nicht haben.

    Vielen Dank fürs Lesen und vielleicht mag ja auch der eine oder andere antworten.


  2. Registriert seit
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    AW: Mein Leben gefällt mir nicht.

    Ich verstehe dich!
    Und ich finde nicht, dass du irgendwo! 5 Jahre oder so aushalten musst, um ....

    Weder im Job, noch bei einem Kerl oder in anderen Beziehungen.

    Und wenn du dich einfach wo bewirbst? Just so? Wie damals, als du dich aus der Berentung auch für den Job jetzt...
    Hat hier geklappt - wider erwarten, könnte nochmal klappen.

    Das könntest du probieren. Es ist eine Stellschraube, die du wirklich beeinflussen kannst - ist ja bei Männern nicht so der Fall
    Angenommen, es ergäbe sich tatsächlich ein anderer bequemerer Job von den Fahrerei her - das wäre doch schon mal eine riesen Erleichterung, oder?

    Wer weiß, ob nicht dann andere Bereiche auch weniger belastend sind. Könnte sein.

    Mit "normal" hast du Recht. "Normal" gibt es nur als " "

  3. Moderation
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    AW: Mein Leben gefällt mir nicht.

    Dass dir alle Freunde wegbrechen, weil du single bist, ist im Moment eher deine Vermutung als eine vollendete Tatsache, oder? Das kann sich auch wieder einpendeln, wenn sich alle daran gewöhnt haben.

    12 Stunden pro Tag beruflich unterwegs, das mag nicht "unnormal" sein, aber viel finde ich es trotzdem. Ich wollte das nicht mehr haben. Kannst du reduzieren, zum Beispiel auf 75 Prozent oder so?

    Gibt es Dinge, die dir Kraft geben? Und gibt es die Möglichkeit, mehr von diesen Dingen in deinem Leben unterzubringen?
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"


  4. Registriert seit
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    AW: Mein Leben gefällt mir nicht.

    Ich verstehe dich auch, und ich denke auch, dass du dich weiter bewerben solltest, auch jetzt schon. 12 h täglich finde ich sehr viel und belastend. Da hat man ja wirklich kaum noch was vom Leben.
    Hast du noch Kontakt zu deinem Ex Freund? Ist er wieder gebunden? Wenn du ihn vermisst, er dich vielleicht auch?

    Falls du diese Möglichkeit für dich ausschliesst, denke ich, dass du so oder so auf einem guten Weg bist. Ich denke es würde dir schon besser gehen, wenn du mit geregeltem job mehr Zeit für dich hast. Und das ist kein unrealistischer Wunsch!


  5. Registriert seit
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    4

    AW: Mein Leben gefällt mir nicht.

    Vielen Dank für eure netten Antworten.

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Ich verstehe dich!
    Danke, das ist lieb. Manchmal komme ich mir echt wie ein Jammerlappen vor, da tut es gut das zu hören

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Angenommen, es ergäbe sich tatsächlich ein anderer bequemerer Job von den Fahrerei her - das wäre doch schon mal eine riesen Erleichterung, oder?
    Klar, wäre es definitiv. Ich bin was das angeht nur echt unsicher. Der Job war, mal abgesehen vom zeitlichen Umfang, echt ein Glücksfall. Mit den Kollegen komme ich klar, mit den Aufgaben auch.

    Zudem könnte ich in Zukunft vielleicht einen Posten mit mehr Verantwortung übernehmen. Ich weiß noch nicht genau, wie ich das finde und ob ich das überhaupt will. Einerseits könnte mir das wieder zu viel werden, andererseits kommen dadurch neue Tätigkeiten auf mich zu, die mich prinzipiell auch interessieren. Zeitlich wäre das kein Mehraufwand, vom Arbeitspensum her schon, aber das könnte mir vielleicht sogar zu Gute kommen, auch wenn das jetzt erst einmal widersprüchlich klingt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Tag nicht rumgehen mag. Das nagt dann auch an meinen Nerven. Mehr, bzw. andere Aufgaben könnten da helfen.
    Vor allem wäre es aber eine tolle Chance nach meiner langen Arbeitslosigkeit, die ich bestimmt nicht überall bekommen kann.

    Ich habe Sorge, dass ich mir diesen Job durch neue Bewerbungen verbaue. Ich weiß, dass mein Chef zum Beispiel bei neuen Mitarbeitern vor der Einstellung mit dem alten Arbeitgeber telefoniert. Sollte ein potentieller neuer Arbeitgeber von mir das bei meinem Chef machen, habe ich Sorge, dass der sich dadurch hintergangen fühlen könnte, weil er mir so eine große Chance gegeben hat und ich zum „Dank“ gleich wieder verschwinden will. Ich finde das riskant – hinterher stehe ich ganz ohne Job da.

    Diesen Job habe ich auch nur bekommen, weil ich angeboten habe, dass ich erst einmal ein paar Monate dort umsonst arbeite, quasi als Praktikantin damals. Da konnte ich beweisen, dass ich funktioniere und den Aufgaben gewachsen bin. Das könnte ich bei einer neuen Arbeitsstelle nicht mehr anbieten, also sehe ich die Möglichkeit noch mal geringer, dass man quasi blind auf mich vertraut und mich mit meiner Biographie einstellt.

    Andererseits bringt mir das alles nichts, wenn ich psychisch wieder total abstürze. Es ist eine schwere Entscheidung.

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Dass dir alle Freunde wegbrechen, weil du single bist, ist im Moment eher deine Vermutung als eine vollendete Tatsache, oder? Das kann sich auch wieder einpendeln, wenn sich alle daran gewöhnt haben.
    Ja, vielleicht. Ich habe das nur nicht im Gefühl, aber kann schon sein, dass ich da ziemlich schwarzmale.

    Beide schienen ernsthaft damit zu rechnen, dass ich mehr von ihnen wollen könnte. Und ich weiß nicht, wie die überhaupt darauf kommen. Klar mag ich sie, sonst würde ich ja keine Zeit mit ihnen verbringen, aber ich bin generell so ein seltsamer Charakter. Sehr introvertiert, immer auch ein bisschen distanziert, nie auf „Tuchfühlung“, also körperlich gesehen, ich fasse Leute in der Regel nicht an, außer einer kurzen Umarmung zur Begrüßung. Ich melde mich außerhalb der Treffen nur, wenn ich was zu sagen habe. Und ich flirte nicht, wenn ich kein weitergehendes Interesse habe, auch nicht zum Spaß. Mich stört, dass ich nicht weiß, wie ich mich in Zukunft verhalten soll, damit die nicht denken, dass zwischen uns doch noch was gehen könnte. Bisher habe ich meiner Meinung nach keine Signale gesendet, aber sie haben mich trotzdem komplett falsch gedeutet. Aber ich bin nach der langen Isolation auch sozial nicht ganz auf der Höhe, meine Empathie hat etwas gelitten, also vielleicht handle ich missverständlich, ohne dass ich es selbst merke.

    Jedenfalls ist die Unbeschwertheit erst einmal weg und das belastet die Situation zwischen uns natürlich. Aber vielleicht legt sich das wirklich wieder wenn etwas Zeit vergangen ist. Wäre zu hoffen. Das sind beide ganz tolle Männer, auch wenn es für mehr nicht reicht.

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Kannst du reduzieren, zum Beispiel auf 75 Prozent oder so?
    Der Verdienst ist so schon mies, mit noch weniger Gehalt müsste ich mich wieder ans Amt wenden und das will ich nicht. Ich will endlich für mich allein verantwortlich sein.

    Aber eine letzte Lösung wäre das vielleicht schon. Fragen könnte ich zumindest. Bevor ich derart am Limit bin, dass ich drohe wieder arbeitsunfähig zu werden, würde ich das schon lieber so versuchen.

    Ich muss in Ruhe darüber nachdenken und wahrscheinlich noch ein paar Monate verstreichen lassen.

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Gibt es Dinge, die dir Kraft geben? Und gibt es die Möglichkeit, mehr von diesen Dingen in deinem Leben unterzubringen?
    Ich habe mir Tiere angeschafft. Welche, die allein bleiben können und mich nicht so sehr um sich brauchen, weil sie sich miteinander beschäftigen. Keine Kuscheltiere, mehr welche zur Beobachtung. Und das macht mir viel Spaß. Ich bin sehr oft damit beschäftigt über ihre Bedürfnisse zu recherchieren und die Haltung zu optimieren, usw. Sie sind noch sehr jung und es ist toll zu sehen, wie sie sich entwickeln. Das ist insgesamt etwas sehr positives und die Anschaffung war eine gute Idee.

    Und ich sollte wieder mehr wandern. Das liegt mir generell sehr, am liebsten stundenlang, richtige „Gewaltmärsche“, hohes Tempo, viel bergauf-bergab, möglichst einsame Gegend. Dabei bekomme ich zuverlässig den Kopf frei.
    Ist trotzdem etwas schwierig, die Motivation dafür zu finden, wenn ich total k.o. von der Arbeitswoche bin. Wenn ich mich aber motivieren kann, dann ist es jedes Mal ein positives Erlebnis. Das sollte ich definitiv wieder öfter machen.
    Vielleicht auch in Verbindung mit Fotographie. Habe da zwar keine Ahnung von, aber ist auch egal. Ich mag die Natur und vielleicht könnte es schön sein, wenn ich in meine Wanderungen zusätzlich noch ein bisschen mehr Ruhe reinbringen könnte und dadurch mehr von der Umgebung mitbekomme, anstatt dass ich immer nur renne.


  6. Registriert seit
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    AW: Mein Leben gefällt mir nicht.

    Zitat Zitat von farrah79 Beitrag anzeigen
    Hast du noch Kontakt zu deinem Ex Freund? Ist er wieder gebunden? Wenn du ihn vermisst, er dich vielleicht auch?
    Kontakt haben wir nicht mehr. Wir haben das eine Weile versucht, aber für ihn war das leider zu schwierig. Ob er wieder gebunden ist, weiß ich nicht. Könnte mir generell schon vorstellen, dass ich noch eine Chance bei ihm hätte, aber ich bin mir echt nicht sicher, ob das so eine gute Idee ist. Emotional würde ich gern zurück zu ihm, bzw. zumindest schauen, ob wir noch eine Chance haben. Aber rational, puh. Er ist nicht gut dran. Und der letzte Informationsstand, den ich über ihn habe, war, dass er daran auch nicht mehr arbeiten will, weil er keine Kraft hat.

    Es ist schwer. Er verlässt das Haus nicht. Neigt zu einem messihaften wohnen, was mich immer massiv gestört hat, weil ich dieses Problem zum Glück noch nie hatte. Und er wird sehr unsicher, wenn ich versuche, etwas für mich mit anderen Leuten zu machen. Er meint das nicht böse oder kontroll-artig, er ist nur wahnsinnig unsicher. Ich weiß nicht, ob ich der Beziehung mit ihm noch gewachsen bin, wenn ich gleichzeitig versuche, mich bestmöglichst um mich selbst zu kümmern. Es raubt viel Kraft.

    Das Tragische ist halt, dass er, trotz all diesen Dingen, das Beste ist, was mir damals passieren konnte. Wir verstehen uns so unfassbar gut und ich habe noch nie jemandem so vertraut wie ihm. Es ist wahnsinnig schade, dass ich das Gefühl habe, dass ich persönlich in dieser Beziehung eher gewachsen bin, er aber leider nicht. Ich würde mir wünschen, dass wir die gleiche Entwicklung genommen hätten, aber dafür hat es leider nicht gereicht.


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    AW: Mein Leben gefällt mir nicht.

    Ich finde es ganz toll, wie Du über ihn und Euch schreibst.
    Und auch ...sehr gut, dass Du so konsequent warst zu gehen.

    Es ist wirklich schade mit Euch. Vielleicht kannst Du einfach die Dankbarkeit bewahren, dass Ihr Euch überhaupt so lange hattet.

    Ob Du mehr wachsen konntest in Eurer Beziehung als er, das ist dahingestellt. Vielleicht (so klingt es) hast Du sowieso mehr Möglichkeiten, Dich zu entwickeln, als er. Lebenswege lassen sich nicht vergleichen.

    Kannst Du Dir vorstellen, dass eine Freundschaft zwischen Euch möglich wäre?


  8. Registriert seit
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    AW: Mein Leben gefällt mir nicht.

    Mit dem Job:

    Ich würde versuchen, es noch weiter durchzuziehen, erst mal bis zum Sommer.

    Wenn es draußen heller ist, ist alles leichter.

    Und ganz doll die Wochenenden frei halten und ausspannen. Zwei volle Tage Nichtstun. Innerlich schon Freitag feiern, dass dann Feierabend ist.
    (Bei mir hilft sowas.)

    Nach zwei Jahren kann man sich schon anfangen zu bewerben- dein Chef (falls er es erfährt) könnte Verständnis haben, wenn er weiß, dass es am Arbeitsweg liegt.

    Und mit zwei Jahren Arbeit kannst Du ja einem potenziellen AG auch zeigen, dass Du verlässlich bist und was kannst.

    Ganz andere Idee:
    Näher ranziehen kommt nicht in Frage, oder?

  9. Avatar von Vogalonga
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    AW: Mein Leben gefällt mir nicht.

    Hallo Fife,

    zumindest in deinem Eingangspost schreibst du so, als ob deine psychische Erkrankung für dich auch eine gewisse Identifikation ist, auch in Bezug auf deine Partnerwahl. Ich finde das nicht schlimm, es ist mir nur aufgefallen. Auch deswegen, weil du darüber hinaus sehr reflektiert schreibst und zumindest auf mich wirklich sympathisch wirkst. Ich glaube, deine ehrliche Reflexion hat dich auch dahin gebracht, Partnerschaften zu lösen, die dir nicht (mehr) gut tun bzw. solche Partnerschaften gar nicht erst einzugehen. Du hast also eine Menge Potential herauszufinden, was dir wirklich wichtig ist und dies peu a peu in dein Leben zu integrieren. Und dazu hast du auch die Power, wie du mit deiner eigenständigen Arbeitssuche inklusive Angebot eines Praktikums klar bewiesen hast.

    Also: Du bist nicht ausschließlich die psychisch Kranke, derwohl du natürlich deren Auswirkungen auf dein Leben berücksichtigen musst.

    Ich finde Cariads Ansatz sehr hilfreich: Was tut dir gut? Was machst du gern? Wer oder was bereichert dein Leben?

    Ich nehme mal an, dass die 12 Stunden/Tag, die du für die Arbeit investierst, auch damit zusammen hängen, dass du einen längeren Weg zur Arbeit hast? Dann wäre es vollkommen legitim, in der näheren Umgebung nach vergleichbaren Arbeitsstellen Ausschau zu halten, dein Jobwechsel begründet sich damit ganz einfach und für jeden Arbeitgeber nachvollziehbar. Oder: Könntest du umziehen, um den Weg zur Arbeit zu verkürzen? Wäre das eine denkbare Option?

    Oder machst du bei der Arbeit so viele Überstunden? Wie geht dein Arbeitgeber damit um, kannst du diese an anderer Stelle abfeiern? Da ich selber begeisterte Wanderin bin, aber das Wochenende nicht immer frei zum Wandern ist, mache ich das manchmal so: Überstunden aufbauen und dann mal einen halben oder ganzen Tag freinehmen, um die Wanderschuhe zu schnüren.

    Dass du deine Tiere gerne beobachtest, dass du dich damit auseinandersetzt, ist ebenfalls toll.

    Wie viel Kontakt zu Freunden möchtest du bei deiner introvertierten Art? Wann wird es dir zu viel, wann ist es noch in Ordnung? Dieselbe Frage in Bezug auf eine Partnerschaft: Du schreibst ja, dass du dir das Living-apart-together-Modell ohne Kinder gut vorstellen kannst. Ist doch egal, wenn es andere Menschen anders handhaben, es geht doch "nur" darum, jemanden zu finden, der dies ähnlich sieht und natürlich jemand, in den du dich verlieben kannst. Egal, ob mit oder ohne psychische Erkrankung.

    Du hast deine Eigenheiten, ob mit oder ohne psychische Erkrankung. Wie jeder andere Mensch auch. Es geht darum, wo immer möglich, die Rahmenbedingungen passend zu deinen Bedürfnissen zu gestalten. Kennst du die Geschichte von Eckart von Hirschhausen über die Pinguine (einfach mal diese Stichworte bei der Suchfunktion von Youtube eingeben)? Kurz zusammengefasst: E.v.Hirschhausen beobachtet in einem Zoo Pinguine. So tollpatschig sie am Land wirken, so elegant, effektiv und schön sind sie, wenn sie durch das Wasser flitzen. Manchmal geht es also gar nicht darum, sich selbst zu verändern. Manchmal geht es vielmehr darum, (zurück) in sein Element zu finden. Ein Pinguin in der Wüste wird es schwer haben, selbst wenn er noch so sehr versucht, wie ein Erdmännchen zu sein.

    Was ich sagen will: Stehe zu dem, was dich ausmacht, und versuche in deinem Sinne dein Umfeld so zu verändern, dass es dir gut tut.


  10. Registriert seit
    05.08.2019
    Beiträge
    172

    AW: Mein Leben gefällt mir nicht.

    Hallo,

    ich kann dich verstehen, auch wenn ich selbst nicht in dieser Lage bin wie du. Zunächst einmal kannst du stolz darauf sein, dass
    -du einen Job hast und diesen seit 1,5 Jahren machst...du leistest echt viel mit deinen 12h
    -du hast Beziehungen geführt und hast Freunde

    Ich denke, dass das Problem hautpsächlich an deinem Job liegt. Du bist überlastet. Beim Thema Männer würde ich dir raten, zunächst single zu bleiben. Das wäre wohl in deiner Situation erst einmal besser. Du schreibst auch selbst, dass du dir eher Männer mit Erkrankungen suchst. Das macht mich etwas stutzig, denn das klingt, als ob du dir den Stempel gibst und dabei bleibst. Es ist eben auch so, dass solche Männer mit Problemen dich auch herunterziehen. Es ist aber auch schwierig dir hier einen Rat zu geben. Man muss auch dazu sagen, dass sich Problemfälle gegenseitig anziehen. Gesunde Männer würden dich vielleicht nicht wählen-so hart es klingt. Ich hoffe, dass du das nicht als Kritik auffasst.
    Sind deine Kumpels denn auch erkrankt oder wo lernst du die denn kennen?
    Wo hast du denn generell diese Männer kennengelernt?

    Job:

    ich denke du kannst dich dennoch nach einem neuen Job umschauen, der etwas in der Nähe zu deinem Wohnort liegt.
    Es gibt keine Regel, dass man 5 Jahre irgendwo sein muss. Bitte gehe nicht danach was sein sollte und was nicht. Gehe nach dir und deinem Gefühl. Es passiert dir nichts.

    Was Freunde anbelangt kann ich dir nicht viele Tipps geben. Bei mir ist auch alles nicht so stabil wie es sein sollte und wie ich es mir erhofft habe. Da kannst du aber auch froh sein, dass du extrem introvertiert bist und viel aleine sein möchtest und auch kein Problem damit hast. Ich bin ambivertiert und mir fehlen oftmals Kontakte. Ich wäre nach der Arbeit gerne auf Achse, aber habe kaum jemanden.

    Meine Tipps an dich:
    -unter der Woche kannst du schlecht neue Hobbys anfangen oder irgendetwas machen. Wäre es möglich für dich am Wocbhenende irgendwelche Kurse zu machen und neue leute kennenzulernen? möchtest du etwas ausprobieren? Sport? Sprache?
    -neuer Job würde dir mehr freizeit unter der Woche bieten und dann kannst du dich mehr um soziale Kontakte bemühen

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