+ Antworten
Seite 1 von 5 123 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 47
  1. Inaktiver User

    Besser zuhören lernen

    Ich möchte besser zuhören lernen.

    Habt Ihr Tipps, wie man das üben kann?

    Es ist nicht so, dass ich gar nicht zuhöre oder meine ganze Kommunikation schief läuft. Ich stelle Fragen, und ich kann Menschen auch zum Sprechen bringen.
    Aber ich antworte dem Gegenüber relativ schnell mit meinen eigenen Gedanken zu einem Thema. Das regt das Gespräch durchaus an. Aber hinterher ärgere ich mich immer wieder, dass ich nicht erst nochmal was nachgefragt habe und sozusagen am anderen dran geblieben bin, bevor ich meine eigenen Ansichten reingebe.

    Während ich das schreibe, fällt mir auf, dass die Medaille zwei Seiten hat: Einerseits besser zuhören, andererseits möchte ich mich auch zurücknehmen können.
    Irgendwie habe ich keine richtige Kontrolle darüber - hätte ich aber gern.
    (Beruflich wie privat.)

    Mich würden auch Lektüretipps interessieren.
    Geändert von Inaktiver User (14.01.2020 um 08:09 Uhr)

  2. Avatar von PhoeNixa
    Registriert seit
    23.12.2008
    Beiträge
    1.475

    AW: Besser zuhören lernen

    Menschen erzählen gern von sich selbst, ihren Erfahrungen, Erinnerungen, Einstellungen. Wenn du ihnen Fragen zu dem stellst, was du grad gehört hast, signalisierst du schon einmal Interesse an ihnen. Wenn du gleich mit einer eigenen Ich-Geschichte reagierst, nimmst du den Fokus von ihnen und ziehst ihn zu dir.
    Für einen Meinungsaustausch ist das irgendwann wichtig, aber vielleicht und nicht unbdingt am Anfang des Gespräches.

    Aktives zuhören, so habe ich vor vielen Jahren einmal gelernt, besteht unter anderem darin, zunächst die Äußerungen des Gegenübers mit eigenen Worten wiederzugeben und daran eine Frage, Idee, Meinung anzuschließen.

    Das kann erstmal sehr langweilig wirken, wenn du sagst: Du meinst also,... oder: Verstehe ich dich richtig, wenn... , aber wenn man das Muster verinnerlicht hat und diese Formeln nicht mehr braucht, um das dahinterstehende Prinzip umzusetzen, ist das, ebenso wie das Nachfragen eine gute Möglichkeit, dass dein Gesprächspartner sich verstanden und wohl fühlt
    Auch Umwege erweitern unseren Horizont


  3. Registriert seit
    30.09.2019
    Beiträge
    652

    AW: Besser zuhören lernen

    Beim Zuhören ist schweigen können wichtig. Auch mal eine Gesprächspause aushalten, dem Gegenüber die Chance geben, seine Gedanken zu sortieren und Worte zu sammeln.
    Ständig einhaken, ins Wort fallen, „spiegeln“ - all das hat viel mit Stille nicht aushalten können zu tun. Interesse am anderen sollte allerdings schon vorhanden sein, sonst hat auch zuhören keinen Sinn. ;-)

    Ich hab früher geübt, Leute „an die Wand zu schweigen“ - ganz praktisch. Klingt böser als es gemeint ist, half sehr beim Zuhören können lernen.


  4. Registriert seit
    17.07.2019
    Beiträge
    489

    AW: Besser zuhören lernen

    Achtsamkeitspraxis und vor allem: Öfter mal Abstinenz vom www.

    Die Art und Weise, wie wir über das www kommunzieren, verändert unsere Gehirne, hier insbesondere unsere Aufmerksamkeitssteuerung. Zuhören können hat sehr viel damit zu tun. Es gibt einige Neurowissenschaftler, die dafür plädieren, analoge Zonen in den Alltag zu integrieren und Abstand zu den neuen Medien zu suchen.

    Meditation kann hier ebenso hilfreich sein wie Entspannungstechniken, Yoga, Feldenkrais, Kampfsportarten, TaiChi oder auch der gute, alte Spaziergang in der Natur, Gartenarbeit, ein Hobby, bei dem Handwerk gefragt ist, Golf - und alles, während das Mobilfon zuhause bleibt / Pause hat.

    Das kann man übrigens sogar so einstellen. Mein Mobilfon hat beispielsweise seit einiger Zeit vom frühen Abend bis zum nächsten Morgen Pause. Keine WA, keine Emails. Wenn etwas Weltbewegendes passiert, das wirklich keinen Aufschub duldet, gibt es das Festnetz. Ob ich meinen Laptop in dieser Zeit aufklappe, kann ich frei entscheiden. Ich entscheide mich zunehmend seltener dafür.

    Langeweile kultivieren ist eine weitere, hilfreiche Strategie - die Gedanken frei fliessen lassen, ohne gleich wieder an Termine, Ziele, Aktivitäten zu denken: all das schult unsere Fähigkeit, uns im Hier und Jetzt zu verankern und nicht in Bocksprüngen voraus zu denken, voraus zu sehen, vorweg zu nehmen, was der andere bestimmt jetzt sagen will.

    Meditation kann man natürlich auch über´s Mobilfon kultivieren, beispielsweise über apps wie 7mind. Sofern über sie der Einstieg gelingt, finde ich das ganz prima.

  5. Avatar von schafwolle
    Registriert seit
    17.09.2008
    Beiträge
    23.263

    AW: Besser zuhören lernen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Aber ich antworte dem Gegenüber relativ schnell mit meinen eigenen Gedanken zu einem Thema.
    Ich meine das jetzt wirklich nicht provokant oder gar flapsig ... aber was macht
    es Dir so schwer, einfach mal die Klappe zu halten ;) ...?

  6. Inaktiver User

    AW: Besser zuhören lernen

    Zitat Zitat von schafwolle Beitrag anzeigen
    Ich meine das jetzt wirklich nicht provokant oder gar flapsig ... aber was macht
    es Dir so schwer, einfach mal die Klappe zu halten ;) ...?
    Sehr gute und richtige Frage, aber ich kann sie nicht beantworten.
    Ich weiß es einfach nicht.


  7. Registriert seit
    03.07.2005
    Beiträge
    37.006

    AW: Besser zuhören lernen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Aber ich antworte dem Gegenüber relativ schnell mit meinen eigenen Gedanken zu einem Thema.
    Ein Aspekt wäre da: sicherstellen, dass ich auch tatsächlich verstehe, wovon mein Gegenüber redet. Da spielen oft sprachliche Feinheiten eine grosse Rolle.

    Oft ist es sinnvoll, nach Rahmenbedingungen/Rundherumzeugs zu fragen, à la "und was hat dann dein Bruder dazu gesagt, was hatte er getan?" oder "hattest du diese Bedenken deinem Chef gegenüber im Vorfeld denn erwähnt?" oder "war der Service denn wirklich so schlimm, wie deine Freundin sagte?", oder auch gerne "was meinst du genau mit, dein Vater war immer fies zu euch Kindern, hast du ein konkretes Beispiel?"- um ein kompletteres Bild zu erhalten.

    Aber hinterher ärgere ich mich immer wieder, dass ich nicht erst nochmal was nachgefragt habe und sozusagen am anderen dran geblieben bin, bevor ich meine eigenen Ansichten reingebe.
    Du könntest dir übungshalber sowas vornehmen wie "ich stelle immer erst drei Fragen, bevor ich ein Statement zu einer Sache mache" - ich weiss nun nicht, ob das in dieser Form praktikabel ist, aber generell kann ich mit wenn-dann-Regelungen recht gut arbeiten, wenn ich etwas verändern will.

    und wie sagt man, Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung... also alles gut.

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao


  8. Registriert seit
    28.10.2003
    Beiträge
    2.346

    AW: Besser zuhören lernen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Sehr gute und richtige Frage, aber ich kann sie nicht beantworten.
    Ich weiß es einfach nicht.

    Nur eine Spekulation, weil es mir so geht - muss für Dich nicht stimmen:

    Mir passiert das auch manchmal, weil ich versuche, über meine eigene Erfahrung ("Ja, das kenne ich auch! Ist mir vor zehn Jahren mal passiert, da war ich ...") sozusagen Verständnis und Solidarität auszudrücken. Besser wäre natürlich, wie hier einige schon schrieben, erst nochmal nachzufragen oder nur kurz zu sagen: "Jup! Kenn ich."


  9. Registriert seit
    17.07.2019
    Beiträge
    489

    AW: Besser zuhören lernen

    Gerade dieses "Jup! Kenn ich." ist dabei aber auch schon irgendwie missachtend = "nicht zuhörend". Ein Vergleich, der eigentlich keiner ist, weil er hinkt. Ich kenne nur MEINE Situation und MEINE Empfindungen. Manchmal nicht einmal diese wirklich. Ein anderer Mensch kann eine ähnliche Situation völlig anders empfinden.

    Ich müsste ihm also erst einmal genau zuhören um zu erfahren, was bei ihm Sache ist. Oft geht es ja auch genau darum: Mitfühlend (nicht mitleidig!) zuzuhören, einen Raum für etwas zu schaffen, in dem es sein darf wie es ist. Es geht nicht darum, Lösungen anbieten zu müssen. Es geht nicht um Relativierungen. Es geht um das individuelle Erleben eines Menschen in diesem Moment.

    Auch darum, dieses Erleben zu erspüren, ihm Gestalt, Wort zu verleihen. Seine Umrisse und Konturen zu ertasten.

    Wenn ich das vergleiche, nehme ich ihm Raum, individuelle Gestalt, ich relativiere vielleicht sogar. Oft ist dieses "kenne ich" auch gekoppelt an direkte oder indirekte Botschaften, die vermitteln (oder so empfunden werden): Ach, halb so wild. Habe ich auch schon durch. Stell Dich nicht so an. Morgen sieht das alles schon anders aus.

    Das alles KANN ja durchaus sein. Die Frage aber ist - und hier kommt das Zuhören ins Spiel: ist es das, was derjenige, der sich da gerade anvertraut, braucht?


  10. Registriert seit
    15.06.2007
    Beiträge
    7.399

    AW: Besser zuhören lernen

    Zitat Zitat von KlaraKante Beitrag anzeigen
    und hier kommt das Zuhören ins Spiel: ist es das, was derjenige, der sich da gerade anvertraut, braucht?
    ganz wichtiger Gedanke, denn NUR das Gegenüber könnte letztlich sagen, ob es sich "gehört" fühlte oder nicht.
    Und manch einem reicht ein Nicken, ein "kenne ich", manch einer braucht tatsächlich eine eigene Geschichte, um sich richtig gehört zu fühlen oder gar eine Diskussion um das Thema.

+ Antworten
Seite 1 von 5 123 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •