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    Trauma+PTBS in der Ehe, Therapie, Eheberatung?

    Es ist ein bisschen schwer für mich dies zu schreiben. Vor rund 15 Jahren als ich noch ein Teenager war, machte ich, weil ich dumm und naiv war, Erfahrungen mit sexueller Gewalt.
    Danach fiel es mir schwer fremden Männern zu vertrauen... fremd im Sinne von mir unbekannt, nicht fremdländisch. Ich ging zur Psychiaterin, erzählte ihr von meiner Angst und wollte auch schon zum Punkt kommen, da war die Zeit vorbei. In der zweiten Sitzung ließ sie mich kaum erzählen, stellte nur komische Fragen und ich traute mich nicht ihr von meinen Erfahrungen zu erzählen. Sie diagnostizierte direkt nach der zweiten Stunde bei mir eine Zwangserkrankung (da sie meine Angst vor fremden Männern als Zwangsgedanken sah) und schickte mich zur Therapeutin. Bei der hatte ich ein paar Stunden und brachte es auch dort nicht über mich zu erzählen, was passiert war. Bei beiden hatte ich das Gefühl, dass sie sehr wenig einfühlsam waren, recht überheblich und besserwisserisch waren, und mich eigentlich nicht mochten. Ich brach die Therapie ab und hatte weiterhin Angst vor fremden Männern..

    aber eines Tages kam der eine, der das verstand. Er hat PTBS, aber das erzählte er mir erst viel später. Er zeigte mir, dass ich ihm vertrauen kann und das tat ich bald voll und ganz. Wir gründeten eine Familie und heirateten (in dieser Reihenfolge ). Bald dachte ich überhaupt nicht mehr an meine traumatischen Erfahrungen...
    und dann wurde wegen einer Erfahrung, die er machte, seine PTBS so richtig schlimm. Er hatte Selbstmordgedanken... und er vertraute sich mir an.
    Ich war erschreckt, da ich meinen Mann nur als den Starken kenne, der die Situation unter Kontrolle hat, und plötzlich stand er weinend und zitternd vor mir.

    Und - das klingt jetzt bestimmt sehr komisch - ich habe noch immer „Flashbacks“ davon, wie mein Mann weinend und zitternd da steht. Mir ist immer wieder ein Situation vor Augen aus dieser Zeit als er mehrmals weinen musste, er hielt eine Tasse Früchtetee... und dann ließ er sie einfach fallen und sie machte riesengroßen Fleck auf den Teppich und es war ihm egal. Das ist sehr untypisch für ihn, weil er normalerweise pieksauber ist. Dieser Teppich wurde von ihm regelmäßig gesaugt und pieksauber gehalten.
    Es ist eigentlich nicht wirklich wichtig, aber für mich symbolisiert es etwas, das mich erschreckt.

    Meinem Mann geht es wieder besser, aber er hat trotzdem noch einige Probleme zum Eispiel Schlafstörungen.

    Als es ihm so schlecht ging, habe ich mich einer Selbsthilfegruppe für Angehörige richtig angeschlossen, wo ich früher auch schon hin und wieder war. Bald schon waren wir einander sehr vertraut. Sie halfen mir über die schwere Zeit. Als es ihm dann wieder besser ging, ging ich seltener hin, aber immer noch wenn ich das Gefühl hatte, es zu benötigen. Gleichzeitig war ich bei einer Online Selbsthilfegruppe aktiv.
    Nun hatte in der Selbsthilfegruppe einen Streit und mag deswegen nicht mehr hin... und bei der Online Selbsthilfegruppe kann ich mich wegen eines technischen Problems nicht mehr einloggen...

    Und auf einmal seit ein paar Wochen fühle ich mich wegen jeder Kleinigkeit überfordert, frage Onlineforen um Rat, fühle mich von meinem Mann nicht unterstützt, fühle mich nicht in der Lage ihn zu unterstützen und Es ging ihm nicht gut, weil er ein paar Wochen lang kaum schlief. Weihnachten war sehr nervig.
    Ich konnte meine Mutter, der ich sehr nahe stehe, nicht besuchen, da sie die Grippe hatte. Wir waren bei der Familie meines Mannes, die nervte und gefühlte drei Stunden am Stück von Motorrädern redete und dann hatte ich noch einen Streit mit meinem Mann über dieses Gerede über Motorräder und weil ich mich nicht verstanden von ihm fühlte als ich sagte ich vermisse die Leute aus der Selbsthilfegruppe.

    Ich fühle mich zur Zeit irgendwie down und frage mich ob ich einen Therapeuten brauche, eine Eheberatung oder was... aber andererseits ist mein Vertrauen in Therapeuten nicht groß.
    Entschuldigt bitte den langen Text. Freu mich über Ratschläge.
    Geändert von Gothis6 (26.12.2019 um 22:08 Uhr)


  2. Registriert seit
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    AW: Trauma+PTBS in der Ehe, Therapie, Eheberatung?

    Zu lang?

  3. Avatar von Mitternachtsblau
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    AW: Trauma+PTBS in der Ehe, Therapie, Eheberatung?

    Hallo Gothis,

    nein, wahrscheinlich nicht zu lang.
    Eher zu Weihnachten...

    Hab bitte ein bisschen Geduld, hier kommen ganz bestimmt noch hilfreiche Antworten! Da bin ich ganz sicher!!


    Ich würde dir gern raten, es nochmal mit einem Therapeuten zu versuchen. Manchmal braucht man mehrere Anläufe, um jemanden zu finden, mit dem man wirklich kompatibel ist.
    Ich hatte in sehr jungen Jahren auch eine Psychiatererfahrung - ich will jetzt nicht unbedingt "Klappspaten" schreiben, vielleicht hat er anderen Menschen irgendwas helfen können. Für mich war der total untauglich.

    Das muss aber nicht heißen, dass der gesamte Berufsstand nicht passt. Hab' da doch bitte auch ein bisschen Geduld - mit dem richtigen Therapeuten kann man so unglaublich viel verändern...ich würde das wirklich nochmal versuchen.
    Du kannst sog. probatorische Sitzungen in Anspruch nehmen, die dazu dienen, herauszufinden, ob Therapeut und Klient zueinander passen. Und allein die Existenz dieser Art Sitzungen spricht doch total dafür, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass man erstmal die richtige Therapie / den richtigen Therapeuten finden muss.

    Alles Liebe!
    Mitternachtsblau
    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.

    Oscar Wilde


  4. Registriert seit
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    AW: Trauma+PTBS in der Ehe, Therapie, Eheberatung?

    Zitat Zitat von Mitternachtsblau Beitrag anzeigen
    Hab' da doch bitte auch ein bisschen Geduld - mit dem richtigen Therapeuten kann man so unglaublich viel verändern...ich würde das wirklich nochmal versuchen.
    Du kannst sog. probatorische Sitzungen in Anspruch nehmen, die dazu dienen, herauszufinden, ob Therapeut und Klient zueinander passen. Und allein die Existenz dieser Art Sitzungen spricht doch total dafür, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass man erstmal die richtige Therapie / den richtigen Therapeuten finden muss.

    Alles Liebe!
    Mitternachtsblau
    Danke für deine liebe Antwort. Mitternachtsblau.
    Eigentlich will ich gar nicht unglaublich viel verändern. Einen Therapeuten, der mich total veränderungswürdig findet, brauche ich nicht. Ich brauche nur einen guten Freund von Zeit zu Zeit. Leider ist mir aufgefallen, dass meine Freunde nur Schönwetter Freunde sind mit denen ich solch persönliche Dachen nicht ansprechen kann.
    Mein Mann ist der Einzige, mit dem ch alles bespreche... aber natürlich kann mit meinem Mann so schlecht über meinen Mann reden, verstehst du, was ich meine?
    Geändert von Gothis6 (26.12.2019 um 22:55 Uhr)

  5. Avatar von Mitternachtsblau
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    AW: Trauma+PTBS in der Ehe, Therapie, Eheberatung?

    Zitat Zitat von Gothis6 Beitrag anzeigen
    Eigentlich will ich gar nicht unglaublich viel verändern. Einen Therapeuten, der mich total ceränderungswprdig findet, brauche ich nicht. Ich brauche nur einen guten Freund von Zeit zu Zeit.
    Ja, ich verstehe gut, was du meinst - glaube ich zumindest.

    Als ich damals meine spätere Therapeutin kennenlernte, fand ich tatsächlich, dass ich eigentlich überhaupt keinen Bedarf an Therapie habe. Allein, dass dieser Psychiaterversuch mir vollkommen ungefragt erzählte, dass er trockener Alkoholiker sei, fand ich schon total deplatziert.

    Ich war mit Anfang 20 mit einer Scheidung beschäftigt, bei der bereits ein Kind beteiligt war und damals war das so, dass man das Kind verpflichtend bei einer Familienberatungsstelle vorstellen musste. Das war eine Maßnahme des Jugendamtes (besagtes Kind ist indessen 30, ich kann mir vorstellen, dass sich das verändert hat) und die Beraterin guckte sich meine Tochter an, fand sie gesund und fit und fand obendrein, dass ich nicht so ganz zufällig dieses Exemplar von Mann ausgewählt hatte, von dem ich mich gerade getrennt hatte.
    Und die sagte dann, selbst wenn ich mich nicht so fühle, als bräuchte ich das - es ist eine Form seelischer Hygiene. Es kann mir nicht schaden, und im besten Falle nützt es was.
    So könntest du das auch betrachten.

    Mein Leben wäre vermutlich ohne Therapie nicht wesentlich anders verlaufen, aber ich habe unglaublich viel begriffen. Bei mir ging es um das Aufarbeiten einer wirklich schrägen Kindheit. Und gute Therapeuten haben da eben Techniken, auf die kommt man als nichtsahnender Laie nicht.
    Ich habe mich jedenfalls immer gut gefühlt danach und bestimmte Erkenntnisse, auf die wäre ich von allein nicht gekommen - selbst wenn ich ohne diese Erkenntnisse auch weitergelebt hätte.
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    Oscar Wilde


  6. Registriert seit
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    AW: Trauma+PTBS in der Ehe, Therapie, Eheberatung?

    Ich würde sagen, dass es mir damals schon geschadet hat, dass sie statt zu sagen „Ja, fremde Männer können tatsächlich böse sein“ einfach sagten, dass Angst vor Fremden immer nur krankhaft sein muss. Ich meine zu viel Angst vor Fremden ist tatsächlich nicht gut, aber verstehst du, was ich meine? Ich hatte nur auf eine Erfahrung reagiert. Eine gar nicht mal so seltene Erfahrung junger Mädchen und die haben nicht mal versucht in Erfahrung zu bringen, wie es dazu kommen konnte, sondern haben mich einfach als bekloppt abgestempelt und ich habe mich nicht getraut zu widersprechen. Ich war noch ein halbes Kind, das waren für mich Respektspersonen.
    Inzwischen hat es keine negativen Konsequenzen mehr für mich, aber damals hat es geschadet.

  7. Avatar von Mitternachtsblau
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    AW: Trauma+PTBS in der Ehe, Therapie, Eheberatung?

    Okay, das ist dann wirklich sehr dämlich gelaufen.

    Du kannst aber vielleicht diese mißliche Erfahrung beim nächsten Versuch direkt zuerst thematisieren?
    Ja, ich habe dem Psychiater auch nicht zu widersprechen gewagt - er hatte diverse Bücher geschrieben und so. Ein Mann mit Bedeutung.
    Und ich ging jedes Mal extrem aufgebracht bei ihm raus, weil er mir irgendwelche Seltsamkeiten unterjubelte und entweder ich sagte "Ja, Herr Doktor, Sie haben recht!", dann war er zufrieden - oder ich sagte: "Nein, Herr Doktor, Sie haben nicht recht!" - dann hatte er selbstverständlich auch recht, ich wollte es nur nicht zugeben. Meinte er.
    Und ich habe mich zu 100 Prozent hilflos gefühlt, weil es im Grunde völlig egal war, was ich sagte.

    Bei nächsten Versuch war es dann eine Gesprächspsychotherapie bei einer Psychotherapeutin. Also sowieso eine andere Therapieform, nicht nur eine andere Person.
    Ja, man kann auch mit dem Berufsstand wirklich in den Mist greifen...

    Du bist ja jetzt wesentlich älter und mutiger. Traust du dich vielleicht doch nochmal?
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    AW: Trauma+PTBS in der Ehe, Therapie, Eheberatung?

    Vielleicht sollte ich das tatsächlich direkt thematisieren... aber dann habe ich Angst, dass die dann nur noch über dieses Thems reden wollen, was mir damals zugestoßen ist. Dabei spielt es für mich heute keine Rolle mehr.
    Ich würde über das reden wollen was jetzt ist. Wie meinem Mann die Tasse runtergefallen ist (siehe oben) und wie mich das belastet und wie ich mit meinem Mann darüber reden kann ohne ihn zu verletzen... und ich schäme mich ein bisschen für das Thema, weil ich überhaupt nicht weiß, warum das für mich so schlimm war.

  9. Avatar von Mitternachtsblau
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    AW: Trauma+PTBS in der Ehe, Therapie, Eheberatung?

    Zitat Zitat von Gothis6 Beitrag anzeigen
    Vielleicht sollte ich das tatsächlich direkt thematisieren... aber dann habe ich Angst, dass die dann nur noch über dieses Thems reden wollen, was mir damals zugestoßen ist. Dabei spielt es für mich heute keine Rolle mehr.
    Ein guter Therapeut hört sich normalerweise an, was du zu sagen hast, bis du fertig bist.
    Hier kannst du dich doch wunderbar ausdrücken - warum solltest du es da nicht können?

    Du könntest mit dem Anspruch anfangen, dass du vor Jahren eine wirklich unschöne Therapieerfahrung gemacht hast und dir deswegen explizit wünschen würdest, dass du zunächst dein Problem erklären kannst - und zwar so lange, bis du mit der Erklärung wirklich fertig bist. Auf die Einzelheiten der Therapieerfahrung musst du ja gar nicht eingehen, so lange du das nicht selbst willst.

    Du könntest dir vorher Notizen machen, wenn du Angst hast, dass du dich in deinen Wünschen selbst verhedderst.
    Du könntest vorher per e-Mail deine Wünsche kommunizieren.
    Du könntest sogar diesen Strang hier als Gedächtnisstütze ausdrucken und mitnehmen.

    Das ginge theoretisch alles. Und wenn du jemanden findest, bei dem du dich gut aufgehoben fühlst, brauchst du solche "Krücken" ganz schnell nicht mehr.
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    Oscar Wilde

  10. Avatar von Mitternachtsblau
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    AW: Trauma+PTBS in der Ehe, Therapie, Eheberatung?

    Also, ich will dir jetzt auch nicht mit'm Holzhammer eine Therapie einreden...ich will dir nur sagen, dass deine Erfahrung damit nicht unbedingt allgemeingültig ist und es auch wirklich gute Therapien und Therapeuten gibt.
    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.

    Oscar Wilde

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