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  1. Registriert seit
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    AW: Persönlichkeitsstörungen vererbbar?

    Ich kenne eine Familie, bei denen die Eltern völlig unauffällig und ohne Probleme waren (ausser, dass beide früh an Alzheimer's erkrankt und gestorben sind). Beide intelligente, soziale freundliche Personen. Von 5 Kindern haben jedoch 3 grosse Schwierigkeiten - weit gestreut. Von Autismus über Lernstörung bis zu ALS kommt in dieser Familie alles vor, was angeblich nicht erblich ist aber die Anhäufung von tragischen Entwicklungsstörungen und späteren Krankheiten ist trotzdem verblüffend. Das setzt sich auch in der nächsten Generation fort.

    Ich habe mal einen Arzt gefragt, ob das alles zusammen hängen kann und er meinte, dass man eventuell einmal eine gemeinsame Ursache findet, dass man sie aber noch nicht gefunden hat.


  2. Registriert seit
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    AW: Persönlichkeitsstörungen vererbbar?

    Das Thema der Vererbbarkeit mancher psychischer Störungen wird seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert.
    Manche der Diskussionen weisen ideologische Züge auf.

    Wissen tut man es nicht, man glaubt eher, dass es so oder anders ist.
    Manche Fachleute betonen die Bedeutung der Gene (in Form von Disposition), andere legen mehr Gewicht auf das soziale Umfeld.
    Wer irgendwie von einer Mischung spricht, fühlt sich meistens auf der sichereren Seite.

    Das Ganze hat jedenfalls zur Folge, dass sehr viele uninformierte Leute glauben, eine psychische Erkrankung, ja schon eine mäßige Störung, könne 1:1, wie ein körperliches Merkmal, vererbt werden.

    Sicher ist, dass das soziale Umfeld, die Interaktionen, die dabei gemachten Erfahrungen, einen enormen Einfluss auf die weitere Entwicklung haben.
    Das gilt nicht nur für gesunde Menschen, sondern auch für (schwer) kranke.

    Typisches Beispiel ist die Schizophrenie.
    Während viele "Experten" oft nur mit Medikamenten behandeln, gibt es schon seit über 60 Jahren (!) schon mehrere Psychotherapeuten, die Menschen mit Schizophrenie erfolgreich behandel(te)n. Auch Publikationen darüber existieren.
    Aber das Wissen darüber, dass psychotherapeutisch nicht selten sehr viel erreichbar ist (manchmal bis zur vollständigen Heilung), ist nicht weit verbreitet und das hat natürlich seine Gründe.
    Das gilt übrigens auch für Autismus, auch wenn man "normalerweise" das nicht glaubt.

  3. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Persönlichkeitsstörungen vererbbar?

    Putulu: spätestens seit der Entdeckung epigenetischer Mechanismen ist die unproduktive Dichotomie vererbt/Milieu obsolet geworden.

    Die meisten Störungen haben genetische und Milieufaktoren, die wenigsten lassen sich allein medikamentös behandeln, Psychotherapie verändert auch das Gehirn.

    Für Persönlichkeitsstörungen sind genetische Anteile etabliert, das heißt trotzdem nicht 1:1, nicht mal ansatzweise.
    that was the river - this is the sea


    Moderation im Forum "Persönlichkeit"


  4. Registriert seit
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    AW: Persönlichkeitsstörungen vererbbar?

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Putulu: spätestens seit der Entdeckung epigenetischer Mechanismen ist die unproduktive Dichotomie vererbt/Milieu obsolet geworden.

    Nein.
    So einfach ist es auch wieder nicht, dass man sagen könnte, die Dichotomie sei obsolet geworden.
    Es geht im Grunde darum, zu unterscheiden, was zu einer Erkrankung führt bzw. führen kann (Gene vs. Umfeld) einerseits und andererseits um die Möglichkeiten, intrapsychischen Entwicklungen den Weg zu bahnen.
    Die Diskussionen werden sehr wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten fortgeführt.
    Man ist noch lange nicht angekommen.

  5. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Persönlichkeitsstörungen vererbbar?

    Zitat Zitat von putulu Beitrag anzeigen
    Nein.
    So einfach ist es auch wieder nicht, dass man sagen könnte, die Dichotomie sei obsolet geworden.
    Es geht im Grunde darum, zu unterscheiden, was zu einer Erkrankung führt bzw. führen kann (Gene vs. Umfeld) einerseits und andererseits um die Möglichkeiten, intrapsychischen Entwicklungen den Weg zu bahnen.
    Die Diskussionen werden sehr wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten fortgeführt.
    Man ist noch lange nicht angekommen.
    ?
    Das liest sich für mich jetzt nicht so, als hättest du mein Posting verstanden. Oder doch? Dann verstehe ich was nicht. Kannst du erklären, was du meinst? In Bezug auf Epigenetik?


  6. Registriert seit
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    AW: Persönlichkeitsstörungen vererbbar?

    Zitat Zitat von putulu Beitrag anzeigen
    Nein.
    So einfach ist es auch wieder nicht, dass man sagen könnte, die Dichotomie sei obsolet geworden.
    Es geht im Grunde darum, zu unterscheiden, was zu einer Erkrankung führt bzw. führen kann (Gene vs. Umfeld) einerseits und andererseits um die Möglichkeiten, intrapsychischen Entwicklungen den Weg zu bahnen.
    Die Diskussionen werden sehr wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten fortgeführt.
    Man ist noch lange nicht angekommen.

    bereits zum an sich, gemessen daran sehr einfach erscheinenden, Themenkreis von Psychosomatik an sich kam neulich eine sehr informative Sendung auf planet-wissen.de, dass seriös wissenschaftlich (noch nichtmal) Psychosomatik ansatzweise aufgeschlüsselt werden konnte. Also über meinen und denken und glauben hinaus.

    Vieles das heute als state of the art erklärt wird, von Fachleuten, ist übermorgen schon obsolet.

    Das sollte man vielleicht nicht aus den Augen verlieren.

  7. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Persönlichkeitsstörungen vererbbar?

    Zitat Zitat von Molito Beitrag anzeigen
    bereits zum an sich, gemessen daran sehr einfach erscheinenden, Themenkreis von Psychosomatik an sich kam neulich eine sehr informative Sendung auf planet-wissen.de, dass seriös wissenschaftlich (noch nichtmal) Psychosomatik ansatzweise aufgeschlüsselt werden konnte.
    Was hat jetzt die Wissenslage zum Bereich Psychosomatik mit der Frage zu tun, ob Persönlichkeitsstörungen vererbt werden?
    that was the river - this is the sea


    Moderation im Forum "Persönlichkeit"


  8. Registriert seit
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    AW: Persönlichkeitsstörungen vererbbar?

    Ich glaube, dass die vererbbare Komponente eine wichtige Rolle spielt (Epigenetik) aber keine 100% ausmachen.
    Vorleben, Imitieren, Übernehmen von Eltern und Umwelt- sind ganz zentrale Faktoren, die für die Persönlichkeitsbildung eine Rolle spielen (selbst, wenn das wiederum in die Epigenetik führen kann).

    Es ist schwer nachzuweisen, denn wir reden hier nicht einem Blutwert, der erhöht ist oder nicht- wie zB bei Diabetes- es geht um kompliziertere Vorgänge, die sich noch dazu im Gehirn abspielen und schwer nachzuweisen sind.

    Was Vererbung angeht, möchte ich das auch über die reine Genetik hinaus verstehen- zB bei adoptierten Kinder, die ihre Eltern nie gesehen haben- diese dieselben Gestiken an sich hatten, wie die leiblichlichen Eltern. Finde leider die Quelle dazu nicht mehr.
    Ist eine Geste nun genetisch?
    Es gibt noch einiges mehr, was wir "vererben" - außerhalb der Genetik.


  9. Registriert seit
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    AW: Persönlichkeitsstörungen vererbbar?

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Putulu: spätestens seit der Entdeckung epigenetischer Mechanismen ist die unproduktive Dichotomie vererbt/Milieu obsolet geworden.
    Danke, maryquitecontrary.

    Eine ehrliche Antwort müsste lauten: Wir wissen es nicht so genau. Was wir aber inzwischen zumindest zunehmend begreifen, ist dies: Das Gehirn ist, wie der Organismus, plastisch und steht in komplexen Reziprozitäten mit einer ebenfalls veränderlichen Umwelt. Wir haben vieles noch überhaupt nicht verstanden, oder begreifen es erst ansatzweise.

    Mein Ansatz wäre in diesem Falle also eher dieser: Was auch immer ein Mensch mitbringt, ist nur der Ausgangspunkt. Wandel und damit Verbesserungen sind fast immer möglich, umso mehr, je ganzheitlicher und multifaktorieller man an die Sache heran geht.

    Schubladen sind dabei wenig hilfreich und haben für mich ehr akademischen Charakter. Ich habe schon viele wunderbare Entwicklungen beobachten und begleiten dürfen - das erfüllt mich immer wieder mit Staunen, Ehrfurcht und vor allem auch Hoffnung.


  10. Registriert seit
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    AW: Persönlichkeitsstörungen vererbbar?

    Zitat Zitat von kenzia Beitrag anzeigen
    Vorleben, Imitieren, Übernehmen von Eltern und Umwelt-

    Von den Eltern kriegt man die Gene.
    Von den Eltern kriegt man das Leben vorgelebt, vorgezeigt.

    Das sind ja Dinge, die auf eine Weise zusammenhängen, das kann man nicht wirklich auseinanderdividieren. Muss man wohl auch nicht.

    Wenn der Vater cholerisch, unbeherrscht und gewalttätig ist - gibt er dies weiter, es prägt die Kinder, auf die eine oder andere Weise. Und egal ob das über genetische Mechanismen passiert, und/oder über Verhalten, Abschauen von Verhalten, eventuelle auch Ablehnen von Verhalten - ja das würde ich so oder so als eine Form von Vererbung bezeichnen.


    Es ist schwer nachzuweisen, denn wir reden hier nicht einem Blutwert, der erhöht ist oder nicht- wie zB bei Diabetes- es geht um kompliziertere Vorgänge, die sich noch dazu im Gehirn abspielen und schwer nachzuweisen sind.
    Psychische Störungen äussern sich in Verhalten, Verhalten das man allein für sich hat (das kriegen andere vielleicht nicht mit), aber vor allem im Verhalten gegenüber anderen Menschen. Das ist ja dann meist erst der Anlass dafür, etwas abklären zu wollen, weil da ein Leidensdruck herrscht. Weil man will, dass es einem besser geht. Weil man nicht versteht, was da passiert.



    Was Vererbung angeht, möchte ich das auch über die reine Genetik hinaus verstehen- zB bei adoptierten Kinder, die ihre Eltern nie gesehen haben- diese dieselben Gestiken an sich hatten, wie die leiblichlichen Eltern. Finde leider die Quelle dazu nicht mehr.
    Ist eine Geste nun genetisch?
    Bei Gestik spielen wohl schon genetische Dinge einer Rolle, zB die Beweglichkeit des Menschen, was den Bewegungsraum (range of motion) definiert.

    Andererseits werden Dinge auch abgeschaut, wenn zB ein Kind unbewusst den Gang der Mutter kopiert, die zum Beispiel ein leichtes Hinken hat aufgrund einer alten Verletzung. Was auch von gesunden Kindern so kopiert werden kann, die keine solche Verletzung erlitten haben.


    wir "vererben" - außerhalb der Genetik.
    hoffentlich, vor allem, konstruktive Werte, optimistische Mentalität, und Freundlichkeit!

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao

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