Antworten
Seite 6 von 23 ErsteErste ... 4567816 ... LetzteLetzte
Ergebnis 51 bis 60 von 223

Thema: Zuhören...

  1. Inaktiver User

    AW: Zuhören...

    Zitat Zitat von twix25 Beitrag anzeigen
    Das die Bekannte erstmal sauer war, verstehe ich auch, nicht jedoch, dass sie als Freundin nicht mal nach-reflektiert hat
    Vielleicht hat sie das ja?
    Ich schätze, dass man bei so einer "Ladung" länger nachdenkt und das einen nicht so schnell loslässt.

    Wie sehr es diese Person verletzt hat, wissen wir nicht- wenn die Reaktion von Freundin zu Bekannte war, kann man davon ausgehen, dass es ordentlich gewirkt hat.

  2. Inaktiver User

    AW: Zuhören...

    Guten Morgen!

    Ich würde differenzieren:

    1) Fremde Leute, die man auf der Straße trifft, und die einem eigentlich viel zu vertraulich das eigene Leben erzählen: DIE haben es echt nötig. Passiert nicht allzu häufig, wenn ich in gnädiger, sozialer Stimmung bin, lasse ich sie halt reden. Meist kommt am Ende des Redeschwalls, so nach 20-30 Min. dann ein "ich hoffe, ich habe Sie nicht genervt, ich muß jetzt mal weiter".
    Du mußt Dir in solchen Situationen einfach nur bewußt werden, daß sie sich das best- und nächstgeeignete "Opfer" suchen und Du ehrenamtlich Sozialtherapeut spielst. Wenn Du das nicht willst, hilft nur abwürgen, freundlich geht auch. "Tut mir leid, ich muß dringend nach Hause, mein Meerschwein wartet." Oder so. Netter: "Mein Kuchen verbrennt gerade im Ofen." Darauf gefaßt machen, daß das Abwürgen auch dann noch 5-10 Minuten dauern kann, sofern Du die Entwicklung des vertraulichen Redeschwalls erst mal zugelassen hast.
    Das alles hat überhaupt nichts mit Dir zu tun. Also nur insofern, daß Du da und anscheinend freundlich genug bist.

    2) Bekannte, mit denen Du (!) Dir anscheinend nicht viel zu sagen hast. Deswegen sind es ja auch Bekannte. Sie haben einfach kein wirkliches persönliches Interesse an Dir - ihr seid aber anscheinend auch nicht auf einer Ebene des gegenseitigen befruchtenden Austausches. Auf Familienfeiern oder auf Arbeit nervig, aber okay. Man kann (!) da reingrätschen. Muß aber nicht. Und wenn niemand etwas wirklich wichtiges zu erzählen hat... Oder würdest Du diesen Bekannten wirklich Dein emotionales Innerstes offenbaren wollen? Selbst: Ist es Dir wichtig, daß sie wissen, welches Buch Du gerade liest? Falls nein... so what...

    3) Freunde: Tja... Es gibt nun mal die Menschen, die viel von sich zu erzählen haben (*hust*) oder selbst aktuell eben mehr Probleme, und tolle Zuhörer, bei denen man sich verstanden fühlt, sind wundervoll. Aber da sollte schon das gegenseitige Interesse sein, auch mal nach dem Anderen zu fragen. Und wenn es nicht von alleine kommt, sollte es möglich sein, das eigene Unbehagen anzusprechen.

    Ich neige selbst dazu, zuviel zu erzählen - merke das aber, und bemühe mich, nachzufragen. Oder zuerst nach dem Anderen zu fragen. Und es kommt auch drauf an, bei wem. Bei manchen Menschen erzähle ich mehr, gerade, wenn wir uns sehr vertraut sind und ich mich sicher und wohl aufgehoben und verstanden fühle. Bei anderen deutlich weniger. Ich bemühe mich trotzdem um Ausgewogenheit... auch wenn es nicht immer gelingt. Und thematisiere das auch selbst.

    So ein Meta-Gespräch über Kommunikation, ohne Vorwürfe und sauer zu werden, kann Wunder wirken. Probier's mal aus bei den Leuten, die Dir wirklich am Herzen liegen. Bei den anderen ist es Verschwendung.

    Gruß Sin

  3. Inaktiver User

    AW: Zuhören...

    butter_cookie- ich hatte dich gefragt, was für Überzeugungen zum Thema Gespräch in dir hast und wie ein Gespräch für dich aussehen sollte?
    Inzwischen hast du das geschrieben und ich finde es passt, dass du Kommunikation als schwierig empfindest.

    Die Frau, die nur von sich erzählt hat- beschreibst du als unhöflich.
    Angenommen, sie hat wirklich niemanden um zu erzählen - würdest du das Verhalten immer noch als "unhöflich" beschreiben?
    Oder bekommt es durch die Not, die dahinter steckt, einen anderen Anstrich?

    Zitat Zitat von butter_cookie Beitrag anzeigen
    Wenn ich - im umgekehrten Fall - feststelle, dass ich eine Unterhaltung zu sehr dominiert habe, dann sorge ich dafür, dass der Gesprächspartner ebenfalls zum Zug kommt. Ist für mich ein Gebot der Höflichkeit. .
    Auch so eine Überzeugung von dir, wie es "sein sollte".
    Ich habe eine Bekannte, die genau das macht, was du beschreibst.
    Erst erzählt sie ausführlich und dann kommt "und du?- wie ist es denn bei dir?"- was sich nie wirklich gut anfühlt.
    Es hat immer sowas von "ich muss das jetzt machen damit es ausgewogen ist" und der Grundgedanke an Balance ist ja gut und schön- nur wirkt es eben oft auch wie eine Entschuldigung, weil man vorweg einen Haufen Zeit eingenommen hat.
    Mir fehlt dabei der natürlich Fluss, denn man muss nicht immer ausgewogen reden- es ist doch echt ok, wenn einer mehr Raum einnimmt!
    Zitat Zitat von butter_cookie Beitrag anzeigen
    Aber wenn ich einer anderen Person 20 Minuten lang über meine Wohn- und Familiensituation erzähle, dann finde ich, gehört es sich, ihr Interesse zu erwidern und mich gleichfalls für ihre Wohnsituation zu interessieren. .
    Auch da sehe ich wieder diese "Regelerfüllung".
    Und ich kann gut verstehen, wie jemand so in seiner Welt ist- gerade wenn er richtig tief davon erzählt- dass er schlicht in seinem Film bleibt und eben nicht auf die Eben von "und nun der andere" geht.
    Ich finde sowas wirklich normal.

    Und wir reden hier doch nicht nur von Quasselstrippen- du hast selbst im Eingangsposting geschrieben:
    Und zwar finde ich mich seit Ewigkeiten in der Rolle der Zuhörerin. - es ist bei dir damit offenbar ein generelles Thema und betrifft nicht nur die Vielredner.

    Was du tun kannst: Spreche doch mit den Menschen genau darüber!
    Frage "was ist für dich wichtig in einem Gespräch?" und höre zu, was sie zu erzählen haben.

  4. Inaktiver User

    AW: Zuhören...

    Für mich macht ein Gespräch unter Freunden aus, dass ich mit mit ihnen über ein Thema unterhalte, das beide interessiert und zu dem beide etwas beizutragen haben. Egal ob ds Thema mich betrifft oder den Freund, es ist ein gemeinsamer Austausch, der durchaus im Verlauf mehrere Themen zum Inhalt hat.

    Ein "Gespräch", wie es öfter hier beschrieben wird, das aus abwechselnden Monologen besteht, in denen jeder "loswerden darf", was ihn bewegt und der andere hört in der Zeit mehr oder weniger geduldig zu, bis er wieder selbst mit seinem Thema dran ist, finde ich furchtbar. Nach solchen "Gesprächen" fühle ich mich ausgelaugt, das hat nichts mit gegenseitigem Interesse zu tun. Entsprechend liegt mir nichts an solchen "Gesprächen", die zugehörigen Leute werden keine näheren Bekannte. Denn selbst ein Small talk kann als echter Austausch funktionieren, man ist dabei nicht auf persönliche Nähe angewiesen.

    Ich lese öfter in der Bri von diesem merkwürdigen Ping-Pong-System, meist gepaart mit der Erfahrung, dass diese Freundschaften nicht funktionieren oder dem Gefühl, nicht gesehen zu werden. Kein Wunder. Die entsprechenden Vorschläge, wie man selbst zu Wort kommen kann (zB notfalls unterbrechen, nicht nur 1 Satz sagen, sondern weiterreden), finde ich sehr merkwürdig. Wenn es nur darum geht eigene Sprechanteile zu erhöhen, bzw irgendwelche Höflichkeitsregeln einzuhalten, kann man sich mMn das Ganze sparen.

    Wenn ich von Fremden unterwegs die Lebensgeschichte erzählt bekomme, liegt es an mir, wie ich damit umgehen will.
    Ist es unterhaltsam und passt mir gerade in Kram in Sinne einer Ablenkung - warum nicht? Ich habe hierbei keine Erwartungshaltung, dass dies ein interessierter Austausch wird, solange mir Art und Inhalt in irgendeiner Weise angenehm ist.
    Spüre ich, dass jemand einfach einen Ansprechpartner braucht, dann entscheide ich, ob ich das gerade sein möchte oder nicht. Ich habe keine Probleme damit, mich höflich auszuklinken und das Gespräch zu beenden, wenn ich nicht will.

  5. Inaktiver User

    AW: Zuhören...

    Buttercookie, mal allgemeiner gefragt:

    Hast du in zwischenmenschlichen Begegnungen ein Gespür für deine Grenzen? Ein Bauchgefühl, das dir sagt, gerade fühle ich mich wohl in dem Kontakt und andermal nicht? Kannst du auf dein Gespür reagieren und Grenzen setzen, eine Situation beenden oder dich herausnehmen, wenn du dich nicht wohl fühlst?

    Ich glaube, dass du dich nicht wohl gefühlt hast, als die Frau ihre Lebensgeschichte erzählt hat. Aber anstatt das Gespräch zu beenden, hast du auf ihre Höflichkeit gewartet, darauf, dass sie dich fragt? Ihr Interesse hätte dir dann das schlechte Gefühl gemildert?
    Das wäre dann die falsche Strategie, du merktst ja, wie abhängig du damit von anderen bist. Besser ist es auf sich zu hören und selbst zu entscheiden, dass man ein Gespräch beendet oder eine Situation verlässt, in der man sich nicht wohlfühlt.

  6. Inaktiver User

    AW: Zuhören...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Für mich macht ein Gespräch unter Freunden aus, dass ich mit mit ihnen über ein Thema unterhalte, das beide interessiert und zu dem beide etwas beizutragen haben. Egal ob ds Thema mich betrifft oder den Freund, es ist ein gemeinsamer Austausch, der durchaus im Verlauf mehrere Themen zum Inhalt hat.

    Ein "Gespräch", wie es öfter hier beschrieben wird, das aus abwechselnden Monologen besteht, in denen jeder "loswerden darf", was ihn bewegt und der andere hört in der Zeit mehr oder weniger geduldig zu, bis er wieder selbst mit seinem Thema dran ist, finde ich furchtbar. Nach solchen "Gesprächen" fühle ich mich ausgelaugt, das hat nichts mit gegenseitigem Interesse zu tun. Entsprechend liegt mir nichts an solchen "Gesprächen", die zugehörigen Leute werden keine näheren Bekannte. Denn selbst ein Small talk kann als echter Austausch funktionieren, man ist dabei nicht auf persönliche Nähe angewiesen.
    Ich finde, es gibt beides: Manchmal braucht man halt einfach ein offenes Ohr, quasi eine verbale Umarmung - und manchmal ist es die Art Austausch wie von Dir beschrieben. Abwechselnde Monologe... nein, keine Idealform. Aber irgendwie hat jede Gesprächsform ihre Berechtigung.

  7. Inaktiver User

    AW: Zuhören...

    Zitat Zitat von butter_cookie Beitrag anzeigen
    Stattdessen wurde ich mit allem möglichen überschüttet, für das ich in der Situation keinen Kopf hatte. Minutenlange Schilderungen aus dem Leben von Leuten, die ich gar nicht kannte. Die Schulprobleme ihres Stiefkindes. Die Korrespondenz ihrer Schwester mit deren Ex. Irgendwann ist mir der Kragen geplatzt und ich habe ihr gesagt, dass ich finde, sie redet zu viel und ich komme mit meinem Anliegen gar nicht zu Wort.
    Sie war deine Freundin, du kennst sie also schon länger und näher. Neigt sie sonst auch dazu, ihre Gedanken so ungefiltert rauszulassen, egal, ob du die Leute kennst und ob das gemeinsame Themen sind? Wenn ja, wie hast du dich sonst dabei gefühlt, war dir das angenehm? Oder war es eher egal und du hast es weggesteckt in der Hoffnung, dass mal ein Thema dabei ist, das dich auch betrifft und mit dem du etwas anfangen kannst?

    Ich habe eine Bekannte, die ungefiltert ihre Gedanken rauslässt, dabei vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt, leicht ablenkbar in jeder Hinsicht, etwas "ads-geplagt". Ich mag sie und habe angesprochen, dass das für mich anstrengend ist und ich mich dem nicht aussetzen will. Seitdem reicht es, wenn ich sage: "Kunigunde, das ist mir zuviel ADS..." (wir haben den gleichen Humor, die Ausdrucksweise passt schon) und sie kann sich dann tatsächlich konzentrieren. Damit können wir beide gut leben.

    Bisher war deine Freundin wahrscheinlich gewohnt, dass du ihre unaufmerksame Art einfach ertragen hast? Evtl. hat sie gar nicht gemerkt, dass dir diesmal dein Anliegen wirklich ernst ist und du Redebedarf hast. Jetzt ist sie von der Rolle, dass der geduldsamen Buttercookie der Kragen geplatzt ist...

    Wenn du schon eher angesprochen hättest, dass ihre Art anstrengend ist, hättest du vielleicht schon vorher Klarheit darüber bekommen, ob sie der richtige Ansprechpartner für Probleme ist und ob sie für dich generell eine Freundin sein kann, so dass du dich wohlfühlst

  8. Inaktiver User

    AW: Zuhören...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich finde, es gibt beides: Manchmal braucht man halt einfach ein offenes Ohr, quasi eine verbale Umarmung - und manchmal ist es die Art Austausch wie von Dir beschrieben. Abwechselnde Monologe... nein, keine Idealform. Aber irgendwie hat jede Gesprächsform ihre Berechtigung.
    Du missverstehst mich.

    Für mich ist nicht der Redeanteil oder die Redelänge ausschlaggebend. Das wäre wieder das von mir abgelehnte Ping-Pong-System, in dem jeder zu seinem Recht kommen soll. Das hat in meinem Privatleben keine Berechtigung.

    Für mich ist die Haltung wichtig, dass sich beide darauf einlassen wollen und der Zuhörer sich dafür interessiert, weil er die Person mag und an ihrem Leben teilhaben will. Wenn der Zuhörer aber innere Karmapunkte sammelt (für ein zukünftiges Gespräch, bei dem er dann auch mal so richtig lange darf) und darauf wartet, ob doch noch abschließend gefragt wird "und bei dir so?", weil das höflich ist, dann ist das nicht meine Vorstellung von "für den andern ein offenes Ohr haben".

  9. Inaktiver User

    AW: Zuhören...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Du missverstehst mich.

    Für mich ist nicht der Redeanteil oder die Redelänge ausschlaggebend. Das wäre wieder das von mir abgelehnte Ping-Pong-System, in dem jeder zu seinem Recht kommen soll. Das hat in meinem Privatleben keine Berechtigung.

    Für mich ist die Haltung wichtig, dass sich beide darauf einlassen wollen und der Zuhörer sich dafür interessiert, weil er die Person mag und an ihrem Leben teilhaben will. Wenn der Zuhörer aber innere Karmapunkte sammelt (für ein zukünftiges Gespräch, bei dem er dann auch mal so richtig lange darf) und darauf wartet, ob doch noch abschließend gefragt wird "und bei dir so?", weil das höflich ist, dann ist das nicht meine Vorstellung von "für den andern ein offenes Ohr haben".
    Das habe ich schon verstanden.

    Aber Du hast ja eben auch recht, daß es diese tollen Unterhaltungen gibt, wo jeder was zu sagen hat, häufig springt man von einem Thema zum nächsten, durchaus auch persönlich, aber es ist halt kein Abwarten, bis einer fertig erzählt hat.

    Und manchmal ist aber auch Letzteres angemessen. Das meinte ich.

    Zitat aus einem Roman, weiß nicht mehr wo, zwei Männer unterhalten sich bzw. der eine schüttet dem anderen sein Herz aus über eine Frau, bei der er nicht landen kann. Kommentar des Ich-Erzählers: "Aus Respekt vor seinen Gefühlen und seiner Intimsphäre hörte ich nicht zu." (Die beiden sind sehr gute Kumpels.)

  10. Inaktiver User

    AW: Zuhören...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Aber Du hast ja eben auch recht, daß es diese tollen Unterhaltungen gibt, wo jeder was zu sagen hat, häufig springt man von einem Thema zum nächsten, durchaus auch persönlich, aber es ist halt kein Abwarten, bis einer fertig erzählt hat.
    Das verstehe ich nicht. Wieso erzählt man nicht fertig in einem Austausch oder wieso wartet der andere nicht ab?
    (Ständig von einem Thema zum nächsten zu springen, ist für mich auch kein freundschaftlicher Austausch, das erinnert mich an Kunigunde.)

Antworten
Seite 6 von 23 ErsteErste ... 4567816 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •