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Thema: Trauer

  1. Avatar von brighid
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    Trauer

    aufgrund der diskussion in einem anderen thread möchte ich hier einen neuen faden anfangen.

    trauer- soviel, bedeutung? wie zeigt es sich? was ist für euch wichtig?


    meine trauererfahrungen beziehen sich auf:

    das sterben und den tod meiner grossmutter- die weise alte frau, die immer für mich da war. damals war ich 27 jahre alt

    und das sterben und der tod, die beerdigung meiner ehe. ein langsames, qualvolles sterben mit paukenschlag. da war ich 48 jahre alt.


    das abschiednehmen, das bewusstwerden des anstehenden todes- die verweigerung, die sich anbahnende akzeptanz und dann das betrauern. auch mitleid mit mir selbst um den verlust.


    im ersten fall konnte ich nicht genug darüber sprechen- mit allen menschen in meinem umfeld.

    im zweiten fall wollte ich mit niemanden darüber reden. es hat so wehgetan- auch wenn es genauso absehbar war.


    wie geht es euch damit?
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern


  2. Registriert seit
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    AW: Trauer

    Zitat Zitat von brighid Beitrag anzeigen
    was ist für euch wichtig?

    Als Problem empfinde ich, dass man oft auf Abwehr stößt.
    Es ist zwar nicht immer so, aber doch oft.
    Manche Leute werden unsicher, wie sie darauf reagieren sollen, andere wehren es einfach ab.

    Natürlich geht das einem nahe, wenn man spürt, wie traurig jemand ist. Aber was ist so schwierig daran, sich davon berühren zu lassen?

  3. Moderation Avatar von cpeg
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    AW: Trauer

    Guten Tag,

    vieles mache ich mit mir selbst aus. Andere Menschen vermitteln mir die Haltung: "jetzt ist aber auch langsam mal gut...".
    Ich hatte den Wunsch nach mehr "Anteilnahme" - nicht auf Karten, sondern im "richtigen Leben"
    Allerdings steht und lebt jeder Mensch wohl ziemlich für sich - und während Freunde, aber auch Angehörige nach dem ersten Schock wieder in ihren eigenen Lebensrhytmus zurückkehren, zwar berührt vom Verlust, aber sicherlich nicht ständig daran erinnert, stecke ich auch nach fast 6 Monaten noch sehr stark in meiner Trauerphase.
    Vieles musste ich neu lernen, so auch "alleine spazieren zu gehen".
    Das ist mir schwer gefallen: keine Hand, die ich halte und keine Hand, die mich hält.
    Wege, die wir zusammen geganen sind gehe ich jetzt allein.

    Ich habe einiges neu begonnen oder setze mein Engagement fort, besuche eine Frauengruppe, kümmere mich um ehrenamtliche Arbeit, Haushalt und Garten.
    Aber ein Kontakt zu Gemeinschaften ersetzt für mich nicht eine Partnerschaft, selbst wenn die Begegnungen interessant und in manchen Augenblicken sogar lustig sind.
    Manchmal fühle ich mich alt und allein und frage mich, wie es für mich zu Ende gehen wird.
    Meine Wünsche und Bedürfnisse waren auf "uns" gerichtet. Was ich mir jetzt wünsche, das muss ich erst einmal selbst herausfinden.
    Das wird nicht einfach sein.

    Gruß
    Anne
    Wir sind die, vor denen unsere Eltern uns immer gewarnt haben!

  4. Avatar von brighid
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    AW: Trauer

    ich möchte im anderen thread nichts sprengen- deshalb hier weiter:

    weinen: für mich gehört weinen zum leben. weinen aus glück, aus wut, aus verzweiflung, für mich sind tränen per se nicht schlechtes. sie sind ein ausdruck überschwenglicher gefühle.

    während der wechseljahre hatte ich auch, habe ich immernoch- zeiten wo eine fliege an der wand mich zu tränen rühren kann.

    der vater meiner kinder kommt aus lateinamerika. vor jahren: auslandsjournal. eine reportage aus dem land seiner eltern. über kinder die durch landminen verletzt wurden. kinder, mädchen die aussahen wie meine töchter- ich habe tagelang geheult. die tränen bringen mir auch erleichterung. ich kann den stress sprichwörtlich "rauslassen."
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern


  5. Registriert seit
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    7.128

    AW: Trauer

    Zu Trauer könnte ich recht viel schreiben....vielleicht was später- jetzt nur zum Weinen.

    Für mich ist Weinen nur ein emotionaler Ausdruck- wie lachen - und mir selbst können (je nach Tagesform) und Thema, schnell die Tränen kommen.
    Als Kind habe ich so gut wie nie geweint- ich wollte diesen Triumph meinen Eltern nicht geben, wenn es körperlich gewalttätig wurde- das war dann viele Jahre meine zweite Haut. Und es hat lange gedauert, bis ich diese Weiche (nettes Wortspiel in dem Zusammenhang) in mir umstellen konnte.

    Heutzutage finde ich das nicht schlimm, weder bei mir noch bei einem anderen.
    Das bin dann eben ich.

    Furchtbar finde ich, wenn Tränen eine Erfolgsgarantie für innere Berührung gelten- so arbeitet eine Bekannte von im psychologischen Bereich und sie ist vor allem dann "zufrieden", wenn Tränen laufen! Irgendwie scheint sie damit zu koppeln, dass ihre Ausführungen damit sehr gut sind
    Da redet man im normalen Gespräch über Themen, die natürlich auch mal berühren und der andere lauert nur darauf, dass man "heult".......und will einen da noch reinquatschen- was leider ZU sichtbar ist und nur noch in einem Widerstand zum ganzen Gespräch endet.

    Meine Mutter konnte auch weinen- dagegen mein Vater so gut wie gar nicht.
    Interessant war, dass mir meine weinende Mutter zwar leid tat, aber ich auch wusste- das vergeht wieder. Als mein Vater dann seinen besten Freund verlor und in Tränen ausbrach, war das dann für mich der absolute Supergau und hat mich total verunsichert und mir Angst gemacht! Der VATER weint...- jetzt geht die Welt unter.......
    Für mich als Kind war das wirklich total erschütternd und ist bis heute als Bild deutlich in mir.

    Wäre alles normaler gewesen, wenn mein Vater nicht immer nur der unantastbare Kerl gewesen wäre.
    Ich habe damit selbst erlebt, wie wichtig es als Kind sein kann, das Tränen dasein dürfen und uns weder erschüttern müssen noch verunsichern.


  6. Registriert seit
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    AW: Trauer

    Ich stecke ja gerade in der Trauer. Für mich ist es ein schwieriges Gefühl und ich merke, dass ich mich selbst dabei äußerst kritisch betrachte.

    Wieviel Selbstmitleid steckt darin, wieviel Schuldgefühl über von mir selbst Versäumtes, ist die Trauer wahrhaftig oder will ich nur Aufmerksamkeit/Zuwendung usw?
    Mein innerer Antreiber sagt: Was dir passiert ist, ist schon unzählbaren Menschen vor dir passiert, das Leben geht weiter und das auch gut, also stell dich nicht so an und reiß dich zusammen.

    Weinen kann ich sehr gut vor Freude und Glück (sogar Film-Happy Ends sind da bei mir eine ziemlich sichere Nummer), bei Wut auch, eher schwer bei Kummer. Ich habe aber eher keine Hemmungen mehr, mich meiner Umwelt weinend zuzumuten. Ich gehe erhobenen Haupts schniefend aus dem Kino, habe auch schon mal einen Arbeitstag mehr oder weniger durchgeheult. So richtiges Wut-Heulen hatte ich allerdings schon länger nicht mehr, auch bei ganz unerträglichen Nachrichten und der Verkündung unfassbarer Entscheidungen und Äußerungen sind das höchstens mal schwimmende Augen.

    Meine längste Trauerphase hatte ich beim Ende meiner langjährigen Beziehung/Ehe. Das äußerste sich darin, dass ich mich ziemlich lange emotional wie tot gefühlt habe. Da ging gar nichts, keine Freude, keine Traurigkeit, das Empfinden war wie abgeschnitten. Irgendwann ließ das dann nach und ich bin gewissermaßen "geheilt" wieder in Leben zurückgekommen. Die ganze Verarbeitung lief irgendwie unbemerkt im Hintergrund ab, so wie eine Verletzung unter dem Pflaster heilt. Andererseits war das aber auch keine reine Trauer, da mischten sich Zweifel über die Richtigkeit meiner Entscheidung drunter, ganz klar Schuldgefühle, aber auch Erleichterung. Aber vielleicht ist Trauer immer eine Mischung aus ganz verschiedenen Gefühlen.

    Die Frage war noch - was ist mir dabei wichtig?
    Die Art des Trauerns ist nicht bewertbar. Das musste ich auch erst lernen. Ich weiß noch, wie meine Tante beim Tod meines Onkels auch nach Wochen noch bei jeder Kondolenzbezeugung und Berührung des Themas umgehend in Tränen ausbrach. Immer nur ganz kurz, aber dafür heftig. Das war mir sowas von fremd und irgendwie fand ich es übertrieben bis peinlich. Dieses Urteil würde ich heute nicht mehr fällen.
    Ich bin nun sofort wieder in den Alltag zurückgekehrt, was manchem auch als kalt und gefühllos aufstoßen könnte. Irgendwie hoffe ich aber darauf, dass man auch diese Handlungsweise versteht.
    Geändert von Lea1958 (05.10.2019 um 18:42 Uhr)

  7. Moderation Avatar von cpeg
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    AW: Trauer

    Guten Abend,

    Wieviel Selbstmitleid steckt darin, wieviel Schuldgefühl über von mir selbst Versäumtes, ist die Trauer wahrhaftig oder will ich nur Aufmerksamkeit/Zuwendung usw?
    Mein innerer Antreiber sagt: Was dir passiert ist, ist schon unzählbaren Menschen vor dir passiert, das Leben geht weiter und das auch gut, also stell dich nicht so an und reiß dich zusammen.
    Das - und noch viel mehr beschäftigt mich auch.
    Es tat und tut mir gut, von anderen Trauernden zu wissen.
    So habe ich auch einige Trauerbücher gelesen und ich fühle mich wohl bei dem Gedanken, dass
    ich doch nicht "verrückt" bin, denn anderen Menschen geht es ähnlich wie mir.
    Ja, ähnlich - und nicht genau so; denn jeder Umgang mit Trauer ist wohl anders.

    Ich habe Phasen, in denen ich einigermaßen funktioniere, aber komme immer wieder an Punkte, die mir zu zeigen scheinen, dass alles leer und sinnlos ist.

    Vieles muss(te) ich neu lernen, obwohl mir Alleinsein nicht völlig fremd ist (vor sehr vielen Jahren lebte ich eine Zeit alleine).

    Herzliche Grüße
    Anne
    Wir sind die, vor denen unsere Eltern uns immer gewarnt haben!

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