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  1. Avatar von cpeg
    Registriert seit
    14.05.2008
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    1.879

    AW: Wie mit dem Schmerz umgehen?

    Guten Tag,

    Ich habe darüber nachgedacht, wie es wohl ist, wenn man es vorher weiß, dass ein geliebter Mensch mit hoher Wahrscheinlichkeit bald sterben wird. Ich habe das so nicht erlebt, aber ich stelle mir vor, dass einer der Nachteile dieser Situation darin besteht, dass man sich (ganz natürlich und unvermeidlich) um etwas sorgt, was noch gar nicht eingetreten ist. Das ist einerseits ja auch gut, weil man dann vermutlich noch vieles klären kann, womit man sonst alleine fertig werden müsste.
    Ich hatte so viel "um die Ohren" mit Pflege und den ganzen Terminen, dass ich mir um das "DANACH" kaum Sorgen gemacht habe.
    Sogar ein schlechtes Gewissen habe ich gehabt, wenn ich doch einmal daran gedacht habe, wie es nach dem Tod als Hinterbliebene sein wird.
    Bis zuletzt hatten wir, hatte ich, Hoffnung.
    Ende des letzten Jahres sagte man mir mal ziemlich brutal, "es würde nichts mehr bringen...".
    Dann schloss sich eine Zeit im Hospiz an, in der wir in Teilen Abschied genommen haben.
    Es waren für mich anstrengende Gespräche, wollte, ja und musste auch ich mich in diesen ganzen geschilderten Zusammenhängen und Gefühlen einordnen.
    Anfang 2019 erfolgte eine Entlassung nach Hause - und mit weiteren Behandlungen schöpften wir immer wieder etwas Hoffnung, selbst als sich der Zustand im April dermaßen verschlimmerte, dass ich zwei mal den Rettungswagen rufen musste.
    In der Zeit, in der es besser ging, haben wir (leider) Gespräche und Vorkehrungen für "danach" nicht mehr in letzter Konsequenz durchgeführt, hatten zwar eine Patientenverfügung usw., aber es blieb vieles offen und konnte nicht (mehr) geklärt werden.

    Der Tod kam letztendlich so schnell, dass die Ereignisse der letzten Tage mich überrollt haben. So steht für mich auch die Frage im Raum, ob ich den Rettungswagen gerufen hätte, wenn ich gewusst hätte, dass meine Frau drei Tage später stirbt.

    Auf alles, was geschehen ist, konnte ich mich nicht vorbereiten, auch wenn ich gewusst habe, dass es so schlimm steht. Ich glaube nicht, dass ich mir "umsonst" im Vorwege Sorgen und Gedanken gemacht habe.

    Nach dem Tod meiner Frau war mein Leben erst einmal geprägt von den vielen Erledigungen, die zu bewerkstelligen waren.
    Das habe ich ganz gut geschafft. Auch denke ich, dass es ein "schöner Gottesdienst" geworden ist zum Abschied.
    Ich habe mich zusammenreißen müssen und brauchte danach Zeit für mich und für die Trauer.
    Gut kann ich mich noch daran erinnern, dass ich das auch mal zu meinen (erwachsenen) Kindern gesagt habe: "...morgen möchte ich keinen Besuch haben". Sie haben es gut aufgenommen und verstanden.

    Der Schmerz ist nach mehr als fünf Monaten immer noch groß.
    Wenn es mal ein guter Tag ist oder ich ein nettes Erlebnis habe, dann machte es mir manchmal ein schlechtes Gefühl und denke: "darf ich das als Trauernde?".
    Ich habe gestern aber in einem Buch über Abschiede gelesen, dass das Unfug ist; denn für die Verstorbenen können wir "danach" nichts mehr tun. Es ist abgeschlossen.
    Deshalb bin ich froh, dass ich besonders in den letzten Monaten etwas tun konnte und werde mich nun um das Hier und Jetzt kümmern. Aber so einfach wird das nicht sein; es gibt sicherlich Rückschläge.

    Gruß
    Anne
    Wir sind die, vor denen unsere Eltern uns immer gewarnt haben!


  2. Registriert seit
    26.10.2016
    Beiträge
    5.093

    AW: Wie mit dem Schmerz umgehen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Das einzige, was mir damals half, war Arbeit, Weinen und die Zeit. Die Zeit ist eine großmütige Frau. Man sollte sie schätzen wie ein kostbares Juwel, jede einzelne Sekunde
    Liebe third_thought,

    deine Freundin, euer Kontakt und euer Abschied - die Eindringlichkeit ist spürbar.

    Abschied nehmen zu können, ganz bewusst, scheint mir eine Art "Gnade".

    Abrupt und unerwartet - da bleibt Ungesagtes, Ungelöstes.

    Zu wissen, dass das Ende naht, erlaubt es, die Themen anzusprechen und Abschied zu nehmen, ganz bewusst.
    Allerdings auch viel Schmerz und Trauer und Angst; diesen Raum zu geben und gleichsam keine Macht über das Leben - eine riesige Aufgabe.


    Ich glaube, in Punkto Verarbeitung ticken wir ähnlich.

    Danke!
    Cave: Beiträge können ggf. marginale Rückstände von Ironie und Sarkasmus aufweisen.
    Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie das Posting oder fressen Sie die Verfasserin.

  3. Avatar von Lady_Emelia
    Registriert seit
    02.01.2018
    Beiträge
    118

    AW: Wie mit dem Schmerz umgehen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Die Zeit ist eine großmütige Frau. Man sollte sie schätzen wie ein kostbares Juwel, jede einzelne Sekunde
    Als still mitlesende: für diesen tröstlichen Gedanken.

    @ Carcasonne: Ich denke an Euch.

    Emmy
    Am Anfang war das Wort...

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