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  1. Registriert seit
    20.07.2010
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    AW: Wie empfindet ihr das älter werden?

    ich empfinde das oft gar nicht, also im Sinne von "stabiler Normalbetrieb" und
    dann wieder stehe ich vor dem Spiegel und denke "wie sehe ich denn aus - das gibts doch gar nicht "

    Vor Demenz habe ich auch Angst. Seit ich gehört habe, dass manche da so in einem Film ihrer prägendsten Kindheitserfahrungen festhängen -

    Sorgen macht mir auch die gesellschaftliche Gesamtsituation Alter und Altersfolgen betreffend.

    Wenig Sorgen mache ich mir über so aktuelle oder kommende Lifestyle-Geschichten, wie was ziehe ich an, welche Musik höre ich, schnallen immer noch alle sofort wie cool ich bin.

    Da bin ich irgendwie betriebsblind. Über sowas denke ich wenig nach. Da lebe ich einfach mein Leben.


  2. Registriert seit
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    AW: Wie empfindet ihr das älter werden?

    Zitat Zitat von Mediterraneee Beitrag anzeigen
    Liebe harfe, ich finde, das klingt gut. Ihr seid nun ein wenig zur Ruhe gekommen und könnt Euch mehr auf Euch und Euer Wohlbefinden fokussieren. Ich wünsche Euch, dass Ihr noch viele schöne Pläne umsetzen könnt.
    Danke schön ;)

    Irgendwie habe ich viele lange Phasen meines bisherigen Lebens als eine Art "Kampf" empfunden, und gerade die letzten Jahre mit den vielen Todesfällen haben mir das Gefühl gegeben, das alles nur mit letzter Kraft quasi "überstanden" zu haben.

    Im Moment fühlt es sich fast komisch an, dass gerade gar kein "Kampf" mehr zu bestehen ist...es fühlt sich ruhig an in mir und zum ersten Mal im Leben habe ich gar kein konkretes "Ziel" vor mir, für das ich arbeiten und kämpfen müsste.

    Da ich schon als junge Frau mit den ersten chronischen Erkrankungen zu tun hatte, bin ich daran gewöhnt, dass mein Körper mir so manches Mal einen Strich durch die Rechnung macht und nicht alles geht, was ich gern tun würde. Das ist jetzt mit Ende 50 zwar noch stärker so, aber es hilft ja nichts - es hat keinen Zweck, gegen den eigenen Körper "anzukämpfen", sondern ich bin noch dabei, mühsam zu lernen, mit den eigenen körperlichen Grenzen zu leben.
    Wenn Du es eilig hast, gehe langsam!

    Die wahre Achterbahn findet im Herzen statt!


  3. Registriert seit
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    AW: Wie empfindet ihr das älter werden?

    Zitat Zitat von putulu Beitrag anzeigen
    Das Alter und der Tod - auch das Sterben - haben mich schon in ziemlich jungen Jahren beschäftigt (ich bin Mitte 50), von daher habe ich manche innere Auseinandersetzung mit dem Thema schon ziemlich früh hinter mich gebracht und mich schon in einem Alter auf eben dieses eingestellt, wo viele Menschen lieber nicht daran denken wollen.

    Im Nachhinein empfinde ich das gut, weil mich das Alter jetzt weniger beschäftigt.
    Dennoch heißt es nicht, dass es vollkommen verschwunden ist. Es ist nur nicht mehr im Vordergrung.
    Die "Gefechte" sind beendet, die "Positionen" eingenommen, jetzt heißt es weiter mein Leben leben.
    Ich bin offen fürs Leben und neugierig und freue mich riesig darauf.

    Ein vielleicht merkwürdiger, aber angenehmer Effekt der sehr frühen Auseinandersetzung ist, dass mich das Alter an sich nicht mehr interessiert. Es ist nicht mehr ein dominantes Thema.
    Ich lebe. Bin - noch - gesund. Und lebe so (was die innere Einstellung betrifft), wie auch vor 20 Jahren.
    Die Beschäftigung mit Alter, schwerer Krankheit und dem Sterben hat sich mir in den letzten Jahren quasi aufgedrängt durch die verschiedenen Todesfälle in meiner Familie und der meines Mannes.

    Jeder von ihnen hatte in den letzten Monaten eine andere Haltung und eine andere Art, damit umzugehen.

    Meine Tante z.B. war zeitlebens hochdiszipliniert und gut organisiert und hatte einen starken Willen. Sie hatte in Testament und Patientenverfügung ganz genau aufgeschrieben, was am Ende ihres Lebens geschehen sollte. und so ist es dann auch gekommen.

    Mein Onkel hat bis zuletzt allein in einer Wohnung gelebt, obwohl es ihm schon lange vorher sehr schlecht ging. Er wollte unbedingt seine Eigenständigkeit bewahren und ist schließlich eines Morgens, im Fernsehsessel sitzend, gestorben.

    Meine Mutter hat vieles im Leben hingenommen und akzeptiert, ohne viel zu klagen, und so war es auch in den letzten Monaten ihrer schweren Erkrankungen, die sie in verschiedenen Krankenhäusern verbringen musste. Sie war bis zuletzt freundlich und hat nicht geschimpft und gejammert.

    Mein Vater dagegen, der zeitlebens ein höchst schwieriger Mensch war, war nach ihrem Tod vollkommen verbittert und depressiv und keinerlei Hilfe und Unterstützung ist bei ihm angekommen. Er hat buchstäblich ohne Unterbrechung geklagt, gejammert und geschimpft und nichts war gut genug, bis er sich schließlich suizidiert hat.

    Seit all diesen Erlebnissen denke ich sehr viel über den Tod und das Sterben nach und darüber, wie wohl mein Ende einmal sein wird. Dabei haben mir viele Gespräche geholfen mit zwei Pfarrern, einer Hospiz- und Trauerbegleiterin und einer Therapeutin, und auch mit meinem Mann.

    Das Leben ist endlich und dem kann man nicht ausweichen, aber um so dankbarer bin ich, dass es mir jetzt gut geht und ich wenigstens im Moment eine Art "inneren Frieden" verspüre.
    Wenn Du es eilig hast, gehe langsam!

    Die wahre Achterbahn findet im Herzen statt!

  4. Moderation Avatar von Utetiki
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    AW: Wie empfindet ihr das älter werden?

    Hm, tja, ist halt so. Ich mein, die Alternative wär noch blöder.
    Je nach Gemütsverfassung freu ich mich drauf oder denke auch mit bangem Blick nach vorn: oh je, was mag noch kommen.

    Die 60 steht nächstes Jahr an, es mag also alles nicht mehr viel Zeit haben. Auf jeden Fall waren mein Mann und ich letztens bei der Rentenberatung und sind da frohgemut rausspaziert. Ich dachte nämlich, wir hätten noch zwei Jahre mehr vor der Backe, aber nein, ich darf in fünf statt in sieben Jahren die Segel streichen.
    Aber schaun mer mal.

    Was mich auch umtreibt, ist das Thema Demenz. Meine Mutter wird langsam tüddelig, mein Vater ist dagegen noch topfit. Hoffe ich mal, dass ich seine Gene geerbt habe. Oder noch besser die meiner Großmütter, die waren beide einfach sehr alt als sie starben.
    Auf jeden Fall habe ich mir vorgenommen jetzt endlich mal auf meine Gesundheit zu achten. Vor allem die Bewegung (um der Demenz "wegzulaufen") will ich wieder mehr in mein Leben einbauen. Im Urlaub klappt das immer gut, wäre doch gelacht, wenn ich das als Bald-Rentner nicht hinkriege.
    Moderatorin in
    *Gesundheit* und *Frauengesundheit*
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  5. Registriert seit
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    AW: Wie empfindet ihr das älter werden?

    Hm, wie gehe ich (54) damit um? Ehrlich gesagt gar nicht, ich nehme es hin wie das Wetter. Ich habe auch keine Angst vor irgendwas, man muss es ja sowieso nehmen, wie es kommt . Ich bin fitter als die meisten in meinem Alter um mich herum, aber ist gibt ja keine Garantie, dass das so bleibt. Ich tu mein Bestes

    Um mich herum sind Kinder, Schwiegerkinder und Enkel, das ist toll, Einsamkeit droht mir wohl nicht, selbst wenn mein Mann (fast 60) vor mir gehen sollte.
    Froh bin ich, dass ich mir keine Gedanken mehr machen muss, was aus den Kindern wird, alle haben Ehepartner und Kinder und auch ihr Auskommen.
    Mein Mann und ich können spontan mal wegfahren, ohne dass wir überlegen müssen, was mit den Kindern ist, falls keine Ferien sind.
    Gesundheitlich alles gut bis auf die Augen, aber das ist angeboren (Astigmatismus) und ist nicht erst durchs Alter gekommen.

  6. Moderation Avatar von frangipani
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    AW: Wie empfindet ihr das älter werden?

    Zitat Zitat von putulu Beitrag anzeigen
    Vorteile sehe ich nur sehr wenige und die haben für mich im Vergleich zu den Nachteilen fast Null Stellenwert (Erfahrung etc.).

    Das Alter und der Tod - auch das Sterben - haben mich schon in ziemlich jungen Jahren beschäftigt (ich bin Mitte 50), von daher habe ich manche innere Auseinandersetzung mit dem Thema schon ziemlich früh hinter mich gebracht und mich schon in einem Alter auf eben dieses eingestellt, wo viele Menschen lieber nicht daran denken wollen.

    Im Nachhinein empfinde ich das gut, weil mich das Alter jetzt weniger beschäftigt.
    Dennoch heißt es nicht, dass es vollkommen verschwunden ist. Es ist nur nicht mehr im Vordergrung.
    Die "Gefechte" sind beendet, die "Positionen" eingenommen, jetzt heißt es weiter mein Leben leben.
    Ich bin offen fürs Leben und neugierig und freue mich riesig darauf.

    ... gekürzt ...

    Ich kann dein gesamtes Post unterschreiben, putulu (hab's nur wegen der Länge gekürzt.)

    Tolle Posts allgemein.

    Ich bin inzwischen auch näher an der 6 als an der 5 und fühl mich nicht so wie ich früher gedacht habe, wie ich mich fühlen müsste. Aber kann das überhaupt einer festlegen, wie man sich mit 60, 70, 80 zu fühlen hat? Ausser die eigene Phantasie? Oder irgendwelche Magazine?

    Ich empfinde das Älterwerden im Allgemeinen als eine Herausforderung, wenn man es gesellschaftlich betrachtet. Oder vom Gesundheitlichen her. Ich glaube da aber ganz optimistisch, dass sich da einiges tun wird, denn es sind jetzt die geburtenstarken Jahrgänge, die älter werden und die/wir haben schon ganz andere Lebensformen geführt als unsere Eltern oder Grosseltern.
    Von daher glaube ich auch, dass 'wir' da ganz anders, vielleicht auch kreativer rangehen (können).
    Die Pflegesituation der letzten 10-20 Jahre muss in 10 Jahren nicht genauso schlimm sein, wenn wir jetzt was anschieben, gesellschaftlich. Dass es nur die Jüngeren für uns ändern, das glaube ich eher nicht.

    Mein eigenes Älterwerden empfinde ich noch nicht grossartig aufregend oder aufreibend. Klar, die ersten Macken gehen an den Start, ich kann auch nicht mehr alles essen und trinken, ohne dass es mir am nächsten Tag leid tut und es dauert länger als früher, um morgens in Gang zu kommen.
    Aber ob ich Demenz bekomme, Krebs, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, das weiss ich heute nicht. Ich glaube nicht an die 100% Sicherheit von Statistiken. Ausser einigermassen gesund leben kann ich nichts tun und lebe lieber.
    Ich bin selbständig tätig, habe im Leben Entscheidungen getroffen, die meine finanzielle Sicherheit etwas durchgeschüttelt haben und werde sicher noch nicht in 10 Jahren aufhören zu arbeiten. Was aber auch nichts macht, ich kann mir nicht vorstellen, nichts zu tun.

    Sehr positiv am Älterwerden ist für mich das Gelassenerwerden. Man hat halt inzwischen schon so Einiges erlebt, weiss, dass sich Dinge auch wieder ändern können. Ich hab vor vielen Dingen die Angst verloren.
    Und ich find es spannend, jetzt in die Rolle der 'Ratgebenden' zu rutschen, im Kontakt mit Jüngeren. Holpert noch, aber es wird.
    “We cannot confront these issues alone, none of us can. But the answer to them lies in a simple concept that is not bound by domestic borders, that isn’t based on ethnicity, power base or even forms of governance. The answer lies in our humanity." Jacinda Ardern, 29.3.19

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

  7. Avatar von Brausepaul
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    AW: Wie empfindet ihr das älter werden?

    Zitat Zitat von putulu Beitrag anzeigen
    Es fühlt sich gut an, sehr gut.
    Aber ich habe es nicht geschenkt bekommen.
    Die Auseinandersetzung mit dem Thema hat ziemlich genau acht Jahre gedauert und sie war heftig und ausdauernd, turbulent, mit heftigen Gefühlen.
    Acht Jahre lang war es mein Hauptthema, ständig präsent, hatte mich fest im Griff.
    Ich hatte mir diese Auseinandersetzung nicht freiwillig ausgesucht. Nein, sie brach über mich herein und ich musste mich stellen, konnte nicht ausweichen (Drogen, Alkohol oder andere Ausflüchte waren und sind nie mein Ding).
    Ich kann mir gut vorstellen, dass so ein "Thema" wie du es nennst die Sicht auf das Leben ändert.


    Zitat Zitat von overknee Beitrag anzeigen
    Das mit dem Lebenshunger ist ja interessant, Brausepaul. bei mir ist es umgekehrt. Ich genieße zwar auch die Pausen und ruhigen Momente, aber ich möchte auch Action. Leben eben. Sitzen und lesen kann ich immer noch (vielleicht).
    Na ja, ich sitze auch nur nicht nur zu Hause und warte auf das Ende, aber da sind doch ein paar Bereiche, die nicht mehr so ausgeprägt sind wie früher.
    Die Begeisterungsfähigkeit, die Spontanität ... generell empfinde ich die emotionale Bandbreite deutlich enger als früher.

    Ansonsten habe ich pure Lebensfreude.
    Dienstag gehe ich zu Status Quo. Wenn ihr dort einen Gummiball rauf- und runterhopsen seht, dann bin ich das :-)
    Francis Rossi war mein Held in jungen Jahren

    Zitat Zitat von Mediterraneee Beitrag anzeigen
    Was ich auch noch einen ganz tollen Aspekt des Älterwerdens finde:
    sich erinnern
    Ich habe immer schon gerne in der Vergangenheit geschwelgt, schon als junger Mensch.
    Inzwischen ist ein halbes Jahrhundert vergangen, in dem ich viel gelebt habe, viel gereist bin, vielen Menschen begegnet bin.
    Ich blicke unheimlich gerne zurück.
    Hmm, ich empfinde das Erinnern als zweischneidiges Schwert.
    Zum einen gibt es ja nicht nur gute Erinnerungen, zum anderen habe ich das Gefühl, dass man häufig dazu neigt manche von den alten Geschichten zu glorifizieren.
    Negative Erinnerungen lassen unschöne Gefühle wieder hochkommen und bei schönen Erinnerungen stellt sich oft die Erkenntnis ein, dass bestimmte Dinge eben nicht mhr wiederkommen.

    Zitat Zitat von harfe Beitrag anzeigen
    Irgendwie habe ich viele lange Phasen meines bisherigen Lebens als eine Art "Kampf" empfunden, und gerade die letzten Jahre mit den vielen Todesfällen haben mir das Gefühl gegeben, das alles nur mit letzter Kraft quasi "überstanden" zu haben.

    Im Moment fühlt es sich fast komisch an, dass gerade gar kein "Kampf" mehr zu bestehen ist...es fühlt sich ruhig an in mir und zum ersten Mal im Leben habe ich gar kein konkretes "Ziel" vor mir, für das ich arbeiten und kämpfen müsste.

    Da ich schon als junge Frau mit den ersten chronischen Erkrankungen zu tun hatte, bin ich daran gewöhnt, dass mein Körper mir so manches Mal einen Strich durch die Rechnung macht und nicht alles geht, was ich gern tun würde. Das ist jetzt mit Ende 50 zwar noch stärker so, aber es hilft ja nichts - es hat keinen Zweck, gegen den eigenen Körper "anzukämpfen", sondern ich bin noch dabei, mühsam zu lernen, mit den eigenen körperlichen Grenzen zu leben.
    Tut mir leid das du schwere Zeiten hattest.
    Der Tod ist mir (wie den meisten in unserem Alter) auch schon im unmittelbaren familiären Umfeld begegnet.
    Ich weiß wie niederschmetternd das sein kann.
    Ich hoffe die Zukunft wird gnädiger sein, aber zumindest aktuell scheinst du ja deinen Frieden gemacht zu haben, wie du schreibst.
    Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht.
    Du wirst auf jeden Fall recht behalten.

    - Henry Ford -

  8. Inaktiver User

    AW: Wie empfindet ihr das älter werden?

    Zitat Zitat von Brausepaul Beitrag anzeigen
    Die Begeisterungsfähigkeit, die Spontanität ... generell empfinde ich die emotionale Bandbreite deutlich enger als früher .
    Das ist schade lieber Paul, aber ich glaube nicht, dass das mit dem Alter zu tun hat, zumindest nicht zwangsläufig.

    Ich habe auch ältere Freunde, zum Teil sehr viel älter, und auch da kann ich das nicht beobachten.

    Bei mir selbst (ü40), auch nicht, ich habe auch das Gefühl immer noch zu lernen und finde das spannend. Ich denke das wird so bleiben.

    Im Rückblick sehe ich mein Leben auch nicht so dass es quasi mit dem Älterwerden immer bergab ging.
    Es gab blöde Zeiten und gute, Umstände in denen ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt habe und welche in denen das schwieriger war.

    Grundsätzlich denke ich habe ich eine grössere Grundzufriedenheit und mehr Stabilität erreicht.

    Zu viel Routine kann natürlich auch gefährlich werden (Langeweile..) aber das liegt dann nicht am Alter sondern an...zu viel Routine.

    Was natürlich stimmt...bestimmte Weichen sind gestellt. Das ist so.

    Vor nicht allzu langer Zeit traf ich einen sehr netten Bekannten (etwa 70), der gerade Probleme mit dem Rücken hat und deshalb eine Tätigkeit die er noch ausübte vielleicht nicht mehr ausüben kann.

    Er meinte in seinem Leben habe es immer viele Wendungen gegeben, vielleicht stehe jetzt eine neue an.

    Das strahlte irgendwie Mut aus. Solche Menschen sind Vorbilder für mich.

  9. Avatar von Mediterraneee
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    AW: Wie empfindet ihr das älter werden?

    Zitat Zitat von Brausepaul Beitrag anzeigen
    Hmm, ich empfinde das Erinnern als zweischneidiges Schwert.
    Zum einen gibt es ja nicht nur gute Erinnerungen, zum anderen habe ich das Gefühl, dass man häufig dazu neigt manche von den alten Geschichten zu glorifizieren.
    Negative Erinnerungen lassen unschöne Gefühle wieder hochkommen und bei schönen Erinnerungen stellt sich oft die Erkenntnis ein, dass bestimmte Dinge eben nicht mhr wiederkommen.
    Negative Erinnerungen gehören natürlich auch dazu, klar.
    Aber die Frage ist für mich, wie ich damit umgehe. Kommen dieselben Ängste, Sorgen und Unsicherheiten wieder hoch, oder bin ich in der Lage, die Dinge aus einer anderen Warte zu betrachten, zu relativieren, mit mehr Distanz zu sehen, mit ihnen abzuschließen. Ich denke heute bei manchen Dingen aus meiner Jugend einfach nur noch "Himmel, was hab ich mir einen Kopp gemacht wegen so einem Mist", und dieser Gedanke ist wohltuend.

    Und das Glorifizieren, ja, dazu neigt man wohl. Aber ist das schlimm? Ich finde nicht. Es löst ja etwas Positives in mir aus. Nicht im Sinne von "früher war alles besser", das ist Quatsch, aber im Sinne von "hach, was war das eine tolle Zeit in meinem Leben". Dass man da mitunter auch mal eine unschöne Erfahrung unter den Teppich kehrt, ja, mag sein. Ändern kann man das Gelebte ohnehin nicht mehr.

    Der Gedanke, dass diese Dinge nie mehr wiederkommen, verleiht ihnen auch einen ganz besonderen Wert. Und die Erinnerung bringt sie ja zurück, irgendwie. Sie haben vielleicht eine Staubschicht angesetzt, aber sie gehören immer noch zu meinem Leben. Wenn ich zum Beispiel an meinen Vater denke, der seit fünf Jahren tot ist und in seinen letzten Lebensjahren geistig völlig weg war, dann ist er in meinen Gedanken sehr lebendig. Ich werde nie wieder ein Wort mit ihm wechseln können, aber an die Gespräche mit ihm zu denken, macht ihn mir sehr präsent.
    Manche Menschen leben so vorsichtig, die sterben wie neu.


  10. Avatar von Marl54
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    AW: Wie empfindet ihr das älter werden?

    Ich habe die 60 schon satt überschritten und seit Januar bekomme ich mit 65 Rente. Aber ich gehe noch weiter ein paar Stunden ins Büro, manchmal sogar mit großer Leidenschaft. Der kleine Zuverdienst ist angenehm und noch viel wichtiger ist der Kontakt zu meinen jungen Kollegen. Das möchte ich gerne noch eine Weile erhalten.

    Als ich 60 wurde, meinte eine Bekannte, nun gehe es los mit dem körperlichen Verfall. Das hab ich vehement abgestritten, war damals in einer recht fitten Phase. Dann merkte ich leider, dass sie ein bisschen recht hatte, vor allem hatte ich im Job nicht mehr die Nerven für den ganzen Stress. Das hat sich mächtig auch körperlich ausgewirkt. Also eine 40-Stunden-Woche würde ich einfach nicht mehr durchstehen.

    Ich merke auch, dass es immer schwieriger wird, wieder auf die Füße zu kommen nach einer Krankheit. Das kenne ich so von mir auch nicht. Aber alles in allem sehe ich es dennoch ganz gelassen. Wenn mir nach Hardrock ist, dann rocke ich ab, wenn ich in die Oper gehen möchte, dann tue ich das. Wenn ich einen Tag auf dem Sofa verbringe mit einem spannenden Buch ist das in Ordnung. Und das genieße ich. Ich MUSS einfach nicht mehr Hansdampf in allen Gassen sein, überall mitmischen. Meine Aufgabe, den Körper und Geist so gut wie möglich auf Trab zu halten und zu pflegen reicht mir.

    Aber ich hab auch gewisse Ängste. Zum Beispiel vor Demenz. Das fing bei meiner Mutter auch schon recht früh an und sie hat lange damit gelebt. Nein, ich möchte das nicht und würde lieber vorher den Abgang machen. Aber auch das können wir uns nur wünschen. Das Leben hat meist einen anderen Plan. Ich hab sogar schon mal darüber nachgedacht, ob ich dann einen selbstgewählten Abgang hinkriegen würde.

    Dass ich nun allein lebe, gehörte auch nicht zu meinem Lebensplan. Inzwischen hab ich das akzeptiert, mehr noch, ich genieße es meistens, frei zu sein. Aber es macht auch Angst. Als ich im Frühjahr stürzte und meinen Fuß schwer verletzte, brauchte ich Hilfe von Nachbarn und Freunden. Es war schwierig, ins Schlafzimmer zu gelangen, ich konnte nicht einkaufen und mich selbst versorgen. Das war mal ein kleiner Vorgeschmack dafür, was kommen kann. Aber dann sag ich mir: kommt Zeit kommt Rat und ich denke "schau Dir Frau XXX an, die fährt mit 90 noch Auto und versorgt Haus und Garten allein. Wer weiß denn, ob ich das nicht auch schaffe."

    Ich muss mehr dafür tun, meinen Körper halbwegs fit zu halten. Zu viel ist schon kaputt und wenn ich nicht mit einem straffen Bewegungsprogramm gegensteuere, geht es ganz schnell in Richtung Unbeweglichkeit. Aber auch das hab ich selbst in der Hand.

    Soziale Kontakte sind wichtig aber ich brauche auch viel Zeit allein. Ich möchte auch nicht mehr die immer brave sein sondern meine Bedürfnisse für mich in den Vordergrund stellen. Na gut, da ist noch Luft nach oben.

    Alles in allem denke ich nicht so viel über das Älterwerden nach, versuche die Tage so gut wie möglich zu füllen und darauf zu vertrauen, dass sich irgendwie schon alles regelt.
    Ich bin mein eigenes Projekt!

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