ich habe wirklich in letzter zeit des öfteren beobachtet, dass leute reflexartig lösungsvorschläge erteilen, wenn jemand jammert. das ist vermutlich auch menschlich und normal. es führt aber dazu, dass die leidende ebenso reflexartig auf ihr problem besteht.
wenn man bestätigt, dass das wirklich alles schlimm und scheisse ist und man unglaublich betroffen ist, wie furchtbar es diejenige getroffen hat, dann fängt sie ganz schnell an, hier wiederum dagegen zu halten.
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25.09.2020, 14:50Inaktiver User
AW: Wie empfindet ihr das älter werden?
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25.09.2020, 14:51
AW: Wie empfindet ihr das älter werden?
Ich seh 'Reframing' in Bezug auf Trauer anders, um mal bei dem Beispiel zu bleiben. Es ist kein Verdrängen der Trauer, sondern ein Akzeptieren der Trauer, aber nach einiger Zeit ein Verändern des Blickwinkels, um trotz der Trauer dann wieder gut weiterzumachen.
Trauer geht sowieso nie ganz weg.
Allgemein gesagt, es ist kein supidupi rosa Brille Gedöns, sondern ein Anerkennen was ist und Kurskorrektur. Mein alter Blickwinkel muss ja nicht der richtige und einzige sein."I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves
Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.
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25.09.2020, 14:52
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25.09.2020, 14:53Inaktiver User
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25.09.2020, 14:55Inaktiver User
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25.09.2020, 14:58
AW: Wie empfindet ihr das älter werden?
Sicher der Königsweg.
Dass du liest, ich negierte tatsächliches Unglück
Gar nicht.
Der "mich betrügen immer alle" Gedanke (oder "ich hab nie Glück" oder "passiert immer mir" oder "allen geht es besser" oder ...) ist kein "tatsächliches Unglück"...
Das sind Glaubenssätze, die viel mit dem Selbstbild und weniger mit den Ereignissen zu tun haben.
Und die einem tatsächlich immer noch unglücklicher und verzweifelter machen.
Denn daraus erwachsen : "Bestimmt geht das wieder schief" und "Typisch, dass das wieder mir passiert" und "Ich kann nix, bin nix"....
Da ist das wahre Unglück dann nicht irgendein Sch. der passiert - sondern das was man über sich! denkt.
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25.09.2020, 14:59Inaktiver User
AW: Wie empfindet ihr das älter werden?
Definitiv
Das geht mir nicht so, jedenfalls in den letzten 15- Jahren nicht mehr.Zunächst: Wie Du gehöre ich einem recht geburtenstarken Jahrgang an. Schon deshalb sehe ich meine Generation nicht irgendwie "am Rand".
Außerdem: Schon immer zieht es mich am stärksten zu Gleichaltrigen. Bzgl. Partnerschaft sowieso, aber auch auf anderen Ebenen (Kollegen, Smalltalk,...) Komme ich in eine neue Gruppe mit Menschen, ergeben sich immer zuerst Gespräche mit Gleichaltrigen.
Keineswegs, ich denke es gibt einfach unterschiedliche Schwerpunkte und Prioritäten, die jede Einzelne im Leben setzt.
Einer fühlt sich im Alter erst richtig angekommen, ein anderer identifiziert sich eher mit seinem jugendlichen ICH.
Keine Seite hat recht, es ist eine Frage der Prioritäten.
Vielleicht weil ihn diese Option nicht weiterbringt.
Menschen sind unterschiedlich.
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25.09.2020, 15:05
AW: Wie empfindet ihr das älter werden?
Es ist kein "schönreden" oder "berufsoptimistisch", die guten Seiten in Dingen zu sehen.
Leider wird eine positive Grundhaltung sehr oft so ausgelegt.
Selbstverständlich haben negative Sachen wie Trauer, Verlust, Krankheit ihren Platz, und müssen auch als solche wahrgenommen und gespürt werden.
Dennoch liegt es an mir, letztendlich zu entscheiden: will ich diesen "Krempel" ständig um mich herum haben? Will ich mich mit diesem "Müll" einrichten? Oder hätte ich nicht doch lieber ein sonnengelbes Sofa?
Als ich mit meinem Refraiming anfing, war ich an einem absoluten Tiefpunkt in meinem Leben. Ich hatte sehr viele grauenvolle Dinge mitmachen müssen, verteilt über viele Jahrzehnte.
Ich wollte nicht mehr leben, weil ich einfach keine Kraft mehr hatte, weil alles so sinnlos und rabenschwarz war.
Wochenlang im Bett gelegen, mich verwahrlosen lassen.
So richtig sterben wollte ich aber auch nicht! Das wäre für mich einfach keine Lösung gewesen, denn ich wollte leben! Ein gutes, glückliches Leben!
In dieser schrecklichen Situation habe ich mit letzter Kraft "nach außen gewunken". Hier bin ich, es geht mir verdammt schlecht. Kannst Du mir helfen, die Dinge wieder klarer zu sehen? Kannst Du mir zeigen, wo die Sonne hin ist?
Ist metaphorisch gesprochen. Steht für eine lange und unglaublich schwere Therapie. Schließlich schleppte ich ja einen gewaltigen Rucksack mit mir herum.
Aber ich beschloss (!!!), glücklich zu werden. Was genau dieses "glücklich werden" ist, was ich genau damit meinte, wusste ich zu der Zeit nicht. Ich wollte einfach wieder die Sonne in meinem Leben sehen!
Fast ein Jahr lang hielt ich mir innerlich immer noch die Tür "wenn's zu hart wird, wenn ich keine Besserung SPÜRE, kann ich mich ja immer noch umbringen" offen. Erst weit, dann nur noch ein bisschen, und schließlich wollte ich die Tür nicht mehr in meinem Haus haben.
Ich habe sehr viel über mich gelernt. Dinge, die mich bass erstaunt haben, wie dieser unglaubliche Wille und diese Kraft in mir drin!
Vor lauter "Schwarzsehen" hatte ich die Beiden nämlich völlig ÜBERsehen.
So geht das, wenn man Negativ auf Negativ häuft.
Viele Jahre später habe ich mein Ziel erreicht. Und was bin ich froh darüber! Mich schüttelt es bei dem Gedanken, auch nur einen Tag weniger zu leben, als für mich vorgesehen ist. Nein. Ich habe jetzt mein sonnengelbes Sofa in meiner Kopfwohnung, große, weit geöffnete Fenster, und liebe Menschen um mich herum.
Oft werde ich gefragt: Wie in aller Welt hast Du das geschafft? Meine Antwort: Es blieb mir nichts anderes übrig.
Das war jetzt ein ziemlicher Seelenstrip, aber ich wollte euch mal verdeutlichen, warum ich die "happy go lucky Oktoberin" bin. Warum ich so gute Laune habe. WEIL ich die Abgründe kenne. Die andere, die dunkle Seite.
Aber ich halte mich von ihnen fern.
Ist gut gegen Falten!
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25.09.2020, 15:07Inaktiver User
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25.09.2020, 15:08Inaktiver User



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