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    Emotionale Abhängigkeit –*ich weiß nicht mehr weiter

    Liebes Forum,

    ich bin schon eine Weile sehr verzweifelt und hoffe, in dieser Rubrik richtig zu sein, hier eventuell Tipps, Ratschläge oder einfach nur mehr oder weniger "Gleichgesinnte" zu finden.

    Das wird wohl eine etwas längere Geschichte.

    Eigentlich ist mein Thema Beziehung – und zwar seit ich in der Pubertät war. Habe mit 19 meinen ersten Freund kennengelernt und danach einige Jahre die Hölle erlebt. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, aber er hat mich emotional misshandelt (wurde auch schon mal grob, schlug jedoch nicht zu, was aber früher oder später sicher passiert wäre). Ich habe mich total abhängig gemacht und im Laufe der Jahre auch eine Panikstörung entwickelt. Der Absprung aus dieser Geschichte hat ganze 7 Jahre gedauert, unter anderem auch, weil er immer wieder mit Selbstmord drohte. Ich hatte mich damals in einen Arbeitskollegen verliebt (ich glaube, davon existiert sogar noch ein Post hier, in dem ich die Beziehung nie erwähnte) und erst, nachdem selbiger kündigte, fand ich die Kraft, um endlich aus diesem Wahnsinn auszubrechen.

    Zurückgeblieben ist sehr viel Leere. Ich kündigte meinen Job, zog um, hatte kein soziales Umfeld, keine Hobbies mehr. Und war danach nicht besonders lange allein, nur etwa neun Monate, als ich meinen zweiten Partner kennenlernte, mit dem sich nach einiger Zeit ähnliche Muster entwickelten. Diesmal stieg ich früher aus, war allerdings wieder nur sehr kurze Zeit Single. Im Grunde habe ich nie wirklich gelernt, gut mit mir alleine zu sein.

    Obwohl die Dynamik mit meinem jetzigen Partner nicht zu vergleichen ist mit den Partnerschaften von früher, merke ich jetzt, dass ich wieder in eine ähnliche emotionale Abhängigkeit gerutscht bin. Mein Partner ist sehr autark und hat definitiv ein größeres Distanzbedürfnis als ich. Aus meinen früheren Beziehungen war ich es gewohnt, eingeschränkt zu werden und kaum Luft zu bekommen, aber immerhin „gebraucht“ zu werden. Jetzt erlebe ich das komplette Gegenteil davon und merke, dass ich damit überhaupt nicht klarkomme. Wenn er mich mal nicht sehen möchte oder etwas anderes Priorität hat (was häufiger vorkommt, da er einen sehr großen Freundeskreis hat und Familie im Ausland, die er regelmäßig besucht) werde ich jedes Mal traurig und bekomme die totale Panik „nicht wichtig genug zu sein“. Ich versuche so gut wie möglich, ihm nichts von diesen Gefühlen zu zeigen, gleichzeitig merke ich, wie es mich innerlich mehr und mehr auffrisst.

    Momentan ist mein Freund auf einer Reise, die er zwar schon länger geplant, aber dann spontan von zwei auf drei Wochen verlängert hat, ohne es mit mir abzusprechen. Aufgrund meiner Angstattacken konnte ich ihn auch nicht begleiten, weil ich es nicht schaffe, in ein Flugzeug zu steigen. Seither laufe ich völlig unrund. Ich bin wütend auf ihn, wütend darüber, dass ich damit nicht lockerer umgehe. Habe ganz fiese Gedanken und gönne ihm seine Auszeit nicht. Vermutlich schreibe ich auch deshalb hier ins Forum.

    Ich gehe seit einem Jahr in Therapie, habe mir einen Freundeskreis und neue Hobbies zugelegt. Ich habe einen sehr guten Job, eine tolle Wohnung, ich lese viel, reflektiere, meditiere und doch fühlt sich alles nur wie sehr viel harte Arbeit an. Meine Panikstörung wurde wieder schlimmer, ich glaube mittlerweile, dass meine Abhängigkeit in der Beziehung sehr viel damit zu tun hat.

    Ich frage mich ständig, ob es nicht sinnvoll wäre, eine Zeit lang ganz mit mir alleine zu sein. Oder ob ich damit nur „fliehen“ würde, bis der nächste Partner ankommt und sich meine Muster wiederholen. Eine Zukunft mit diesem Mann sehe ich im Moment sowieso nicht, weil sein Freiheitsdrang und meine Ängste nicht wirklich kompatibel sind. Statt mich angespornt zu fühlen, werde ich immer verzweifelter.

    Ich danke jedem fürs Lesen und für Antworten. Vielleicht gibt es ja jemanden, der ähnliches erlebt hat und mir Mut machen kann. Oder weiß, warum der Weg zur Selbstliebe so steinig ist.

    Calide


  2. Registriert seit
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    AW: Emotionale Abhängigkeit –*ich weiß nicht mehr weiter

    Welche Art von Therapie machst du denn?


  3. Registriert seit
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    AW: Emotionale Abhängigkeit –*ich weiß nicht mehr weiter

    Eine Gesprächstherapie. Die Therapeutin arbeitet allerdings auch mit NLP und Aufstellungen, macht manchmal auch so Art "Traumreisen" mit mir. Ich fühle mich sehr wohl dort und habe auch zum ersten Mal das Gefühl, dass mich ein Therapeut wirklich durchschaut und auch versteht.

  4. Avatar von Aen
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    AW: Emotionale Abhängigkeit –*ich weiß nicht mehr weiter

    Zitat Zitat von Calide Beitrag anzeigen
    Ich gehe seit einem Jahr in Therapie, habe mir einen Freundeskreis und neue Hobbies zugelegt. Ich habe einen sehr guten Job, eine tolle Wohnung, ich lese viel, reflektiere, meditiere und doch fühlt sich alles nur wie sehr viel harte Arbeit an. Meine Panikstörung wurde wieder schlimmer, ich glaube mittlerweile, dass meine Abhängigkeit in der Beziehung sehr viel damit zu tun hat.

    Ich frage mich ständig, ob es nicht sinnvoll wäre, eine Zeit lang ganz mit mir alleine zu sein. Oder ob ich damit nur „fliehen“ würde, bis der nächste Partner ankommt und sich meine Muster wiederholen. Eine Zukunft mit diesem Mann sehe ich im Moment sowieso nicht, weil sein Freiheitsdrang und meine Ängste nicht wirklich kompatibel sind.

    Vielleicht werden sie über die Zeit und erste Entwicklungsschritte in Deiner Therapie ja kompatibel?
    Ich würde nun nicht Selbstmord aus Angst vor dem Tod begehen und die Beziehung beenden.
    Aber Deinem Freund sagen, dass Du gerade einen großen Packen bearbeitest und es in dieser Phase möglicherweise öfter Zeiten gibt, in denen Du Dich ein bisschen zurückziehen wirst, um Dich selbst und eure Beziehung besser kennenzulernen und zu verstehen, erscheint mir sinnvoll.
    Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag. -- A. Tschechow


  5. Registriert seit
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    AW: Emotionale Abhängigkeit –*ich weiß nicht mehr weiter

    Zitat Zitat von Calide Beitrag anzeigen
    Eine Gesprächstherapie. Die Therapeutin arbeitet allerdings auch mit NLP und Aufstellungen, macht manchmal auch so Art "Traumreisen" mit mir. Ich fühle mich sehr wohl dort und habe auch zum ersten Mal das Gefühl, dass mich ein Therapeut wirklich durchschaut und auch versteht.
    Dann scheinst du dort doch perfekt aufgehoben!

    Warum fragst du dann noch im Forum nach?
    Die Therapeutin kennt dich besser als jeder von uns und kann - auch in direkter Rücksprache mit dir- viel besser erarbeiten und klären, was für dich dein Weg ist.

    Es scheinen noch Fragen offen- stelle sie deiner Therapeutin!
    Hast du das schon gemacht?


  6. Registriert seit
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    AW: Emotionale Abhängigkeit –*ich weiß nicht mehr weiter

    Hallo Kenzia,
    das eine ist die Therapie und die Auseinandersetzung mit der Therapeutin –*das andere ist der Austausch mit Menschen, die vielleicht einen ähnlichen Weg hinter sich haben oder ebenfalls mit emotionales Abhängigkeit kämpfen. Manchmal macht es Mut, wenn andere schon weiter sind und sich in einen hineinfühlen können. Aber ja, Du hast Recht. Ich werde diese Themen auch in der Therapie ansprechen, vor allem, weil sie jetzt sehr akut wieder auftreten.

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