Hallo in die Runde,
die "Beziehung" mit dem Mann aus dem Strang vom März ging noch in weitere Runden - bis ER es letztes Wochenende nach einem heftigen Streit beendet hat, weil es zu kräftezehrend war/ist.Und ja, diese Einschätzung teile ich mit ihm, denn jetzt, mit ein paar Tagen Abstand, merke ich, wie ich umkippe. Innerlich. Ich bin sehr erschöpft, fühle mich, als hätte ich die letzten Monate mein Innerstes nach außen gekrempelt und wieder zurück, und was bleibt, ist irgendwie nur Chaos und darunter eine große Leere.
Jetzt sitze ich da und frage mich immer noch und immer mehr: was ist da los bei mir?
Die letzten Bekanntschaften mit Männern (ich bin jetzt 40) waren allesamt von einem Ungleichgewicht geprägt - entweder die Männer wollten mehr, so wie der Mann jetzt, oder ich habe mit Mühe und "Anpassung" versucht, die Beziehung zu vertiefen und bin am langen Arm verhungert, wie beim vorletzten Mann. Wenn ich darüber nachdenke, hatte ich es glaube ich noch nie dauerhaft, dass ich eine Beziehung erlebt habe, in der beide ähnlich empfunden haben und sich haben fallenlassen können. Ich weiß, dass jetzt viele sagen werden, das sei die Angst vor Nähe und Beziehung - und ich könnte das auch verstehen, denn im Grunde habe ich dieselbe Sorge, dass dem so ist...
Dann wiederum habe ich im Moment überhaupt kein Bedürfnis, in einer Beziehung zu sein, denke aber doch irgendwie, ich sollte doch wollen - und was, wenn ich keinen Mann mehr finde? Was, wenn mir dadurch das "große Glücksgefühl" durch die Lappen geht, nach dem ich wohl (wie wahrscheinlich alle Menschen) auch strebe und das ich meine nur in einer Beziehung zu finden? Ich habe die letzten Wochen gemerkt, dass ich so sehr mit dem vermeintlichen Anspruch an mich identifiziert bin, dass ich gar kein Gefühl habe, was mein ureigenstes Bedürfnis denn eigentlich ist. Möchte ich eine Beziehung, oder denke ich nur, ich sollte eine wollen, weil es halt normal ist? Welche Form der Beziehung wünsche ich mir? Halte ich deshalb an den Männern fest, obwohl mir irgendwas in mir sagt, ich möchte lieber nicht mit dem Mann zusammen sein, und versuche, mich passender, heiler und besser zu machen, weil ich denke, ich bin makelbehaftet und sollte froh sein, dass mich jemand nimmt? Und die Stimme, die in mir flüstert "er ist nicht der Richtige für dich" boykottiert das Ganze dann und sorgt dafür, dass er irgendwann den Schlussstrich zieht, weil ich nicht den Mut habe, es selbst zu beenden?
Der vorletzte Mann tat mir nicht gut; ich konnte aber nicht loslassen. Der letzte Mann tat mir besser, oft sogar gut - trotzdem fühlte ich mich irgendwann nur noch unter Druck, "besser" werden zu müssen, anders beziehungsfähiger, normaler....und dieser selbstgemachte Druck hat mich innerlich wohl ziemlich umgehauen. Versteht mich nicht falsch; der letzte Mann hätte mich ziehen lassen, hätte ich mich aktiv und bewusst entschieden, mein Ding zu machen und gerade keine Beziehung zu leben - aber ich konnte das nicht. Ich konnte weder ein klares Ja für ihn, noch ein klares Nein für ihn in mir finden....und ich konnte irgendwann nicht mehr auseinanderhalten, ob es an ihm lag, dass er mich einfach nicht genug interessierte (wir hatten sehr unterschiedliche Interessen, Lebensrhythmen, er fühlt sich insgesamt sehr angekommen, ich noch "suchend", dazwischen lagen auch 12 Jahre...), oder ob es Ängste von mir sind und waren, die sich dazwischengeschoben haben.
Ich mache mir gerade viele Gedanken, wer ich bin. Was macht mich aus meinem Leben machen, was möchte ich im Leben, wie, wo und mit wem möchte ich es verbringen? Und merke, ich bin noch nicht wirklich weit gekommen, denn ich habe im Moment keine klare "Vision". Bislang war es eher ein "weg von" als ein "hin zu" - und genau das fällt mir schwer, Entscheidungen zu treffen, mich einzulassen aus Angst, mich falsch zu entscheiden.
Kennt das jemand? Falls ja, wie habt ihr einen besseren Zugang zu euch selbst gefunden? Ich bin gerade sehr verzweifelt und auch erschöpft, vielleicht ist das normal, nach fünf Monaten Achterbahnfahrt - vielleicht hat ja jemand einen Gedanken. Dankeschön![]()
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31.05.2019, 17:09
Nochmals die Klarheit - in Beziehungen und allgemein....
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31.05.2019, 17:51
AW: Nochmals die Klarheit - in Beziehungen und allgemein....
Hallo AngstoderLeben,
vieles was du beschreibst, kenne ich.
Ich bin furchtbar ungeduldig mit mir und denke und wünsche mir, ich weiß morgen was ich will und wer ich bin.
Nachdem ich fast fünf Jahrzehnte das Leben von anderen gelebt habe, wird das so schnell nicht gehen.
Dieser Schmerz geht einfach nicht weg und ich werde in Partnerschaften gespiegelt.
Ich hab mich sehr weiterentwickelt( für meine Verhältnisse) und dennoch hab ich mich nicht gefunden...
So genau weiß ich nicht, was hilft aber du bist nicht alleine...
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31.05.2019, 18:05
AW: Nochmals die Klarheit - in Beziehungen und allgemein....
Was erwartest Du? Gerade eine Beziehung nicht gerade friedlich beendet und schon denkst Du an einen Nächsten. Das was geschehen ist, musst Du erst verarbeiten - und dafür brauchst Du Zeit. Im Moment bist Du verzweifelt, aber alle hier kennen das Problem. Erst wenn Du innerlich diese Beziehung beerdigt hast, nach einer Phase von Selbstzweifel, dann Wut auf Dich und später Wut auf ihn, dann, wenn Du den letzten Punkt erreicht hast, ist Land in Sicht. Dann erst solltest Du Dich auf die Suche begeben, was mit Sicherheit nicht einfach ist.Dann wiederum habe ich im Moment überhaupt kein Bedürfnis, in einer Beziehung zu sein, denke aber doch irgendwie, ich sollte doch wollen - und was, wenn ich keinen Mann mehr finde?
Aber dann hast Du die Chance, weder auf einen Blender, noch auf einen Dich einzulassen, der eine Hemdenbüglerin und ein Betthäschen sucht, ansonsten aber sein Leben nicht mit Dir teilt.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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31.05.2019, 18:10
AW: Nochmals die Klarheit - in Beziehungen und allgemein....
Laß mal eine Zeitlang die Männer Männer sein und kümmere dich darum herauszufinden, wer du bist und was du willst. Das eine Beziehung nicht die Glückseligkeit des Lebens ist, dürfte jedem klar sein.
Ich kenne das, allerdings hatte ich mit einer inneren Leere zu kämpfen. Ich wußte das allerdings nicht. Erst im nachhinein wurde mir das klar. Ich habe das mit Yoga wegbekommen.Und immer wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem.
Dornröschen hätte gar keinen Prinzen gebraucht, nur einen starken Kaffee
Friedvoll zu sein bedeutet, von Erwartungen frei zu sein und nichts von anderen zu wollen.
Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)
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31.05.2019, 18:48Inaktiver User
AW: Nochmals die Klarheit - in Beziehungen und allgemein....
ich habe dieses wechselspiel auch erlebt und auch an mir und meiner beziehungsfähigkeit gezweifelt, aber anders als hier geraten, habe ich keine pause gemacht, sondern mir den nächsten mann gesucht.
und siehe da, diesmal gab es diese probleme nicht.
klar, es schadet nicht nachzudenken. ohne "versuchsobjekt" wird das aber m.e. schnell zum trockenschwimmen.
vielleicht könntest du nochmal in dich gehen und überlegen, welche art von beziehung du magst. es muss ja nicht immer alles nach schema f laufen!
ich brauche viel freiraum und treffe gerne entscheidungen allein. für den einen mann war das schlimm, der nächste findet mich gerade deshalb toll.
das bedürfnis nach vorstellungen nähe und distanz ist nach meiner eigenen erfahrung und der beobachtung anderer entscheidend dafür, ob man es miteinander aushält. und da gibt es kein falsch und richtig, sondern nur ein passt oder passt nicht.
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01.06.2019, 12:17
AW: Nochmals die Klarheit - in Beziehungen und allgemein....
Hallo liebe(r) Opelius,
vielleicht erwarte ich tatsächlich zu viel. Vielleicht erwarte ich tatsächlich dieses große Gefühl der Erleichterung, der Aufbruchstimmung, des "jetzt pack ich's an" - und stattdessen ist das einfach nur Leere und Dumpfheit. Und wie greeneyesredhair auch schreibt, diese Ungeduld - dass man doch jetzt genug Theorie intus hat, und es jetzt endlich einfach nur klick machen könnte.... und man dann als völlig neuer Mensch in ein neues Leben startet... ich weiß, utopisch. Irgendwie weiß ich es zumindest. Auf der anderen Seite warte ich wohl doch irgendwie auf dieses Klick - und bin furchtbar wütend auf mich, weil ich es nicht hinkriege, das einfach nur anders sein. Ich war die letzten Wochen und Monate extrem in Selbstzweifeln, eigentlich mein ganzes Leben schon. Auch in Wut auf mich selbst - zum ersten Mal in meinem Leben hat sich die Wut während der Beziehung einen Weg nach außen gebahnt, was mich sehr erschreckt hat, denn ich war extrem wütend. Habe geschrieen, getobt - ihn angegriffen und schäme mich dafür. Das alles wirkt jetzt in mir nach, wie eine dieser Slush-Maschinen, die ständig am rotieren sind, und niemals still stehen. Ich versuche, mich abzulenken, von diesem Rotieren und komme noch mehr ins Rotieren - vielleicht sollte ich doch versuchen, still zu werden - hinzufühlen? Das versuche ich tunlichst zu vermeiden im Moment, und dabei gab es schon Phasen in meinem Leben, wo ich genau das getan habe, es mir gut getan hat - nur da war ich allein, da war kein zweiter Mensch, der von mir gefordert hat...kaum taucht der auf, bröckelt alles irgendwie auseinander.
Puh. Sorry für das Jammern. Das floss jetzt einfach nur aus mir heraus, so geht es mir gerade.
Wie macht man sich auf die Suche, wie hast du es geschafft, falls du es geschafft hast bzw. den WEg auch hinter dir hast?
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01.06.2019, 12:25
AW: Nochmals die Klarheit - in Beziehungen und allgemein....
Liebe(r?) Linsemo,
ich habe ein Buch in die Finger bekommen, in dem es um Singlesein als Frau geht - und dieses Buch hat mich erst einmal ins Nachdenken gebracht. Tatsächlich glaub(t)e ich, dass eine Beziehung die Glückseligkeit des Lebens ist, das ist irgendwie noch so in mir drin. Ich kann mir noch nicht so richtig vorstellen, dass ich dauerhaft alleine glücklich sein könnte und habe auch Angst davor, dass es das Grauen ist und ich dann niemanden mehr finde. Das trägt sicherlich auch dazu bei, dass ich so lange an Männern festhalte, die nicht zu mir passen. Bin ich alleine, merke ich, wie ich gut klarkomme - und ich suche nicht aktiv nach einem Mann. Lerne ich dann jemanden kennen, gebe ich sofort die Verantwortung ab, und klar, dass ich dann immer unsicherer werde und mir dreimal überlege, mich zu lösen. Auch jetzt hänge ich noch an ihm - denn ich habe nicht das Vertrauen, dass da wieder jemand kommen wird, der es "mit mir aushält" - und er hat verdammt viel ausgehalten, weil er so viel Gutes in mir gesehen hat. Gleichzeitig hat er durch sein Bedürfnis nach Intensität und Nähe schon auch implizit Druck gemacht, dass ich das auch können sollte...
Ich kenne das noch nicht so gut, Männer, die mir nahekommen wollen, es war bislang eher so, dass ich diejenige war, die gebettelt hat um "gesehen werden", um Nähe, um Liebe.
Und ja - du sprichst einen wichtigen Punkt an: Leere. Das wird mir jetzt auch bewusst. Es ist leer in mir. Es gibt nichts, wofür ich wirklich brenne;; es gab früher Dinge und Menschen und Aktivitäten, die sind mir irgendwie abhanden gekommen. Wann, weiß ich nicht... und jetzt lenke ich mich ab wie Sau, um diese Leere nicht spüren zu müssen. Manchmal schaffe ich es, mir zu sagen, die Leere ist eine grüne Wiese und ich kann jetzt frei entscheiden, welche Blumen ich säen möchte - und dann fällt es mir so schwer, rauszugehen und zu tun. Wie denkst du, hat Yoga dir dabei geholfen? Die Aktivität an sich, das in-sich-kehren, Achtsamkeit?
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01.06.2019, 12:27
AW: Nochmals die Klarheit - in Beziehungen und allgemein....
Es ist schön zu lesen, dass es andere Frauen gibt, die scheinbar ein nicht so sehr ausgeprägtes Nähe-Bedürfnis haben. Wie lebst du diese Beziehung konkret? Hast du das Gefühl, dass zwischen euch trotzdem eine Verbindung besteht? Und ja, ich befürchte genau das ja auch - wie kann ich theoretisch Beziehungen "üben", wenn ich nicht in Beziehung gehe.... hm.
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01.06.2019, 12:33
AW: Nochmals die Klarheit - in Beziehungen und allgemein....
Mein einschneidendste Erfahrung war als junger Singlemann, als ich fünf Jahre lang der Geliebte einer verheirateten Frau war. Anfangs prickelnd, aber ich habe mich unendlich in diese Frau verliebt. Und gelitten. Ich schrieb täglich einen Liebesbrief, sie rief mich manchmal an, vor allem um das nächste Treffen zu vereinbaren.Wie macht man sich auf die Suche, wie hast du es geschafft, falls du es geschafft hast bzw. den WEg auch hinter dir hast?
Ich vergaß meine Freunde, ging nicht mehr mit ihnen zum Fußball. Ich saß nur noch zu Hause und starrte das Telefon an. Sie rief nie am Wochenende oder Feiertagen an und schon gar nicht aus dem Familienurlaub. Aber ich hütete das Telefon.
Dann machte sie Schluss. Das kam eigentlich nicht überraschend, aber ich war am Boden zerstört. Zwei Jahre lang habe ich mit keiner einzigen Frau, auch nicht mit Kolleginnen, ein privates Wort gewechselt. Meine Freunde waren nicht mehr interessiert, ich hatte sie ja auch 5 Jahre lang ignoriert. Ich schlief miserabel und magerte ab. Dann hatte ich aber auch alle Phasen der Trauer durchlaufen.
Zwei Jahre später lernte ich meine Frau kennen, purer Zufall, denn ich war nicht auf der Suche.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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01.06.2019, 15:58Inaktiver User
AW: Nochmals die Klarheit - in Beziehungen und allgemein....
Ich glaube eher, dass du nach einem Ideal suchst, das eigentlich die wenigsten in einer Beziehung erreichen. Es ist fast immer so, dass einer mehr „liebt“ als der andere (auch bei Freundschaften ist es so, dass meist ein Freund/Freundin die Freundschaft als wichtiger/tiefer einschätzt als der andere).
Vielleicht hilft dir da ein bisschen mehr Toleranz für das nicht-ganz-Perfekte.


Und ja, diese Einschätzung teile ich mit ihm, denn jetzt, mit ein paar Tagen Abstand, merke ich, wie ich umkippe. Innerlich. Ich bin sehr erschöpft, fühle mich, als hätte ich die letzten Monate mein Innerstes nach außen gekrempelt und wieder zurück, und was bleibt, ist irgendwie nur Chaos und darunter eine große Leere.
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