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  1. Registriert seit
    08.03.2019
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    Wenn die Klarheit fehlt...

    Hallo ihr Lieben,

    mich hat in den letzten Tagen eine Frage start umgetrieben, und ich wollte gerne hören, ob das eine/r von euch kennt oder jemand vielleicht einen Impuls hat, der mir hier weiterhilft?

    Ich war bis heute in einer sich anbahnenden Beziehung zu einem Mann, den ich im Dezember kennengelernt habe.

    Davor war ich lange Single, von einigen ebenfalls kurzen "Beziehungsanbahnungen" abgesehen. Den (vor)letzten Mann, mit dem es nach etwa zweieinhalb Monaten im August endete, habe ich angesprochen, es wurde schnell sehr intensiv, jedoch schon nach kurzer Zeit hatte ich mich nicht mehr wohl mit ihm gefühlt, da er Suchtthemen mit in die Beziehung brachte - ich konnte mich jedoch auch nicht trennen. Mal dachte ich, könne ich es ihm nicht antun, mal war ich der Meinung, ich müsste selbst noch was dazulernen und das ginge nur, wenn ich in der Beziehung bliebe (alte Themen überwinden), mal lief es wieder besser und der Leidensdruck war nicht mehr so hoch. Denn der war da - mir ging es immer schlechter, ich war nur noch gereizt im Alltag, konnte nicht mehr schlafen und wenn wir Zeit zusammen verbracht haben, war es wie auf einem Pulverfass, das jederzeit hochgehen konnte - mein Körper war nur noch im Alarmzustand. Als er sich schließlich trennte, war ich so am Boden, dass ich in ein Loch gefallen bin....

    Ich bin ab Oktober, November langsam wieder aus dem Loch gekrabbelt, auch mit Hilfe von Medikamenten und ab da ging es mir gut bzw. besser. Ich habe mich um mich selbst gekümmert, habe mich mit den Themen Selbstliebe und Selbstakzeptanz, auch mit Themen wie Achtsamkeit etc. befasst und habe gemerkt, dass ich dadurch zu einer inneren Stabilität kam, wie ich sie noch nie vorher gespürt hatte. Ich hatte Freude am Leben, an meinen Freundschaften, an meinem "Sein" an sich.

    Dann kam der Mann in mein Leben, von dem ich mich heute getrennt habe. Er sprach mich beim Tanzen an, ich fand ihn sympathisch, aber auch irgendwie "massiv" und sagte ihm, als er mich am Ende des Abends nach meiner Nummer fragte, dass ich im Moment nicht offen sei für eine Partnerschaft bzw. intensiveren Kontakt mit einem Mann, da ich gerade auf dem Weg bin, mich selbst erst einmal kennenzulernen. Er ließ aber nicht locker, machte mich über Facebook ausfindig und schrieb mich da an. Ich war erst etwas irritiert, da ich dachte, ich hätte vermittelt, dass ich ein Kennenlernen nicht forcieren wolle, aber schrieb ihm dann einfach, das was ich ihm gesagt hatte, nämlich dass ich im Moment kein Interesse habe. Daraufhin cancelte er die Freundschaftsanfrage wieder und das triggerte mich offenbar - denn dann hatte ich plötzlich aufkeimendes Interesse an einem Kennenlernen. Wir trafen uns und verbrachten die letzten Wochen sehr intensiv miteinander; er ist in der Tat ein "massiver" Mann, im Sinne von: sehr gefühlvoll, sehr sensibel, sehr intensiv, sehr kontakt- und verbindungssuchend. Das war auch der Aspekt, der mich beim Tanzen zunächst wirklich abgeschreckt hatte, das "Suchende"...

    Wie verbrachten also viel Zeit miteiander und ich habe Erfahrungen gemacht, die ich bisher in meinem Leben noch nicht gemacht habe. Habe mich zu Beginn öffnen können, habe beim Sex z. B. auch eine Verbindung zu ihm gespürt, aber auch zu mir, wie noch nie vorher zu einem Mann. Er nahm mich an, mit allen meinen Macken und Themen, die ich mitbrachte; er sagte schon nach kurzer Zeit, dass er mich liebe, dass er mit mir zusammen sein wolle und sich soviel mit mir vorstellen könne. Ich fand es am Anfang heilsam, nach der Erfahrung vom letzten Sommer, jemanden zu erleben, der mich wollte, mit Haut und Haaren, der mich begehrte, der rund um die Uhr an mich dachte, der diese Verbindung zu mir spüren wollte, und am liebsten immerzu.

    Doch irgendwann änderte es sich bei mir und ich hatte das Gefühl, überrollt zu werden von einer Welle von Intensität. Ich war mental, aber auch körperlich sehr erschöpft von all dem, was diese Begegnung bei mir auslösten, Ängste, die hochkamen, das Auseinandersetzen damit und mit "tiefen" Themen im Allgemeinen. Es gab wenig Smalltalk, wir redeten immer sehr tief; er ist auch nicht der Typ, der mal im Cafe sitzt und plaudert - er sucht Intensität und Verbindung. Ich fühlte, wie ich immer mehr in Bedrängnis kam und meine Anziehung zu ihm weniger wurde. An den Tagen, an denen wir uns nicht gesehen haben, kamen Nachrichten mit viel Intensität und Gefühl - ich war immer weniger in der Lage, diese zu erwidern, sowohl die Gefühle als auch die Nachrichten. In den letzten Tagen hatten wir uns bei jedem Treffen gestritten, es wurde sehr emotional, sehr intensiv, wir schrieen uns an - nur um uns am nächsten Tag wieder zu versöhnen. Harmonische Treffen gab es kaum mehr und ich möchte keinen Hehl daraus machen, dass es sicherlich auch an mir lag, weil ich irgendwie Distanz zwischen uns bringen wollte, da ich mit dieser Intensität nicht mehr klar kam. Bis wir uns heute eigentlich zu einer Unternehmung treffen wollten - und uns wieder in die Haare bekamen; und ich sagte dann, dass ich mich erst einmal selber finde wolle, bevor ich das Gefühl habe, mich auf jemanden einlassen zu können.

    Und jetzt sitze ich hier und frage mich: warum? Ist es, weil er einfach von Anfang nicht mein Typ war/ist? Ist es, weil alte Ängste vor Nähe oder Verlassenwerden hochkommen und die Attraktivität dahinraffen? Oder ist es, dass ich erst auf dem Weg war, eine Verbindung zu mir selbst zu etablieren und ich Angst hatte/habe, dass sie wieder abreißt, wie z. B. beim letzten Mann? Es fühlt sich gerade nicht gut an, diese Beziehung beendet zu haben. Es fühlt sich an, als hätte ich eine große Chance vergeben. Andererseits hatte ich oft während der letzten Wochen das Gefühl, ich brauche wieder "mich" selbst, um weiter den Weg zu verfolgen, den ich letzten Herbst eingeschlagen habe - und ich hatte immer öfter das Gefühl, mich wieder von mir selbst zu entfernen, wenn ich in dieser Beziehung geblieben wäre. Und natürlich ist da auch die Angst, nicht wieder jemanden zu finden, der mich nimmt, mit meinen Macken

    Wie finde ich raus, was es ist, was mich so gequält hat in den letzten Tagen und Wochen, so dass ich das Ende jetzt eher als Not-Aus gewählt habe, als als bewusste Trennung von einem Mann, der soviel Gutes in mein Leben gebracht hat?

    Vielleicht hat ja jemand eine Idee. Oder kennt es selbst von sich. Ich bin gerade sehr hilflos, sehr verwirrt und einfach nur erschöpft vom vielen Nachdenken...


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    AW: Wenn die Klarheit fehlt...

    mein spontaner eindruck: es liegt gar nicht an dir, sondern du bist an einen recht besitzergreifenden mann geraten, einen, der dich bedrängt hat und vielleicht auch zu sehr geklammert?

    so liest es sich jedenfalls - aber ich räume ein, das ist mein subjektiver eindruck, geprägt von einer entsprechenden vorerfahrung - also ja: ich kenne sowas von mir selbst. aber natürlich ist mein eindruck auch geprägt von deiner subjektivität.

    schreib doch mal für dich selber auf, was es konkret war, das dich so unter druck gesetzt hat. welche vorfälle, welche forderungen, welche situationen. dann schau es dir nochmal genauer an.
    oder war es eigentlich alles gar nicht so wild und du nur zu kompliziert?

    vielleicht magst du ja auch hier noch ein paar konkrete situationen schildern, so dass die user sagen können, welchen eindruck sie haben?

    und von mir noch ganz allgemein: ständig nähe und intensität einzufordern, sollte man nicht mit liebe verwechseln, das hat nichts miteinander zu tun. wird aber häufig verwechselt!
    Geändert von ambiva (09.03.2019 um 07:24 Uhr)


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    AW: Wenn die Klarheit fehlt...

    Du wolltest ihn doch nicht und hast ihm schon am Anfang gesagt du bist nicht bereit - wieso trampelst du auf dir selbst rum und nimmst dein Gefühl nicht ernst?

    Dein Interesse kam erst auf als er dich quasi aus seinem Leben rausgeworfen hat (bei Facebook) was passiert da mit dir, dass du dann doch wolltest?


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    AW: Wenn die Klarheit fehlt...

    Zur Liebe gehört, dass er den anderen Menschen in seinem Sein wahrnimmt. Jedenfalls ist das für mich so.


  5. Registriert seit
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    AW: Wenn die Klarheit fehlt...

    Guten Morgen Ihr Lieben,

    vielen Dank für eure Gedanken zu meiner Frage. Wir hatten uns gestern abend nochmals zum Essen getroffen, da die Trennung für beide nicht schön war. Wir hatten auch die Nacht miteinander verbracht, es war schön, ihn neben mir zu wissen - trotzdem haben wir heute morgen (so fühlt es sich jetzt an) endgültig den Schlussstrich gezogen. Wir hatten jedoch gestern und auch heute morgen noch gute Gespräche - und ich habe für mich einiges erkannt, habe ihn besser verstanden, weshalb er "tickt" wie er tickt, denn er war für mich ein sehr außergewöhnlicher Mann, ein Mensch, wie ich ihn noch nicht oft getroffen habe und daher auch sehr faszinierend in seinem Denken und Fühlen. Ich habe mich geöffnet, habe ihm von meiner inneren Zerrissenheit erzählt, auch davon, dass ich nicht weiß, weshalb ich so fühle wie ich fühle. Er hat mir dann von sich erzählt - dass er im Grunde sein Leben nach "Ja's" ausrichtet und dorthin geht, wo er ein Ja fühlt. Er hat es zu mir gefühlt, ganz klar von Anfang an und er fühlt es auch jetzt noch. Ich hingegen habe ein ganz klares Ja für ihn als Mensch - jedoch im Moment nur ein Jein für ihn als Mann. Vielleicht ist das Warum auch nicht wichtig? Ob da Bindungsängste, alte Kindheitsverletzungen, keineAhnungwasnoch dahinterstecken - vielleicht ist es wichtig, dass es ein Jein ist, und ich im Moment keinen Weg sehe, zu einem Ja zu gelangen. Es war ein gutes Gespräch, ein sehr trauriges und auch ein sehr endgültiges, zumindest was ihn und mich als Paar angeht. Und ja - ich hatte im Kopf auch stark die Angst, dass es keinen zweiten solchen Menschen gibt; ich bin in den letzten Jahren nur auf Männer gestoßen, die mich nicht wollten - und jetzt ist er der erste Mann seit langem, der mich wollte - und ich es probieren wollte, so lange es geht. Ja, ich habe Angst, alleine zu bleiben (ich bin 40), ja ich habe Angst, dass keiner mehr nachkommt, trotzdem wäre es falsch gewesen, und auch nicht fair ihm gegenüber, etwas zu spielen, was im Moment nicht da ist. Ach Manno, ich bin traurig.

    @ Ambiva: es war sicherlich von außen betrachtet nicht wild. Ich hätte - und dazu hat er mich ausdrücklich ermutigt - jederzeit meine Bedürfnisse äußern können. Nur: ich lerne das erst seit kurzem und es ist mir nicht immer gelungen, wirklich ehrlich zu sagen, was los ist in mir. Zum Beispiel dass ich gerade nicht mit ihm schlafen will - denn ich habe gemerkt, er begehrt mich und ich hatte Angst vor den Konsequenzen - nämlich dass er dann frustriert ist und geht. Und er war dann auch frustriert, weil er es dann als Ablehnung begriffen hat - womit er, wenn ich wieder zurück zu meinem "Jein" komme, nicht ganz unrecht hatte. Die Konsequenz wäre dann gewesen, ich bin ehrlich, drücke es aus und er geht, weil er eine Frau an seiner möchte, die ihn auch ganz als Mann möchte. Und dafür war ich vielleicht noch nicht bereit, weil ich noch zu unsicher war, ob es das Jein ist oder etwas anderes, was ich vielleicht noch nicht hätte greifen können...
    Abgesehen davon - ja, ich bin durchaus komplex...

    @Dharma: ich glaube, was dann passiert ist, ist irgendwas altes. Irgendein altes Muster von "ich muss kämpfen, und wenn ich ihn dann kriege, bin ich richtig". Sowas in der Art glaube ich.

    @Putulu: ja, dem stimme ich zu; und ich glaube, er hätte mich in meinem vollumfänglichen Sein wahr- und angenommen, nein, ich bin mir ziemlich sicher. Das ist ja das, was mich so traurig macht: wieso kann ich ihn nicht annehmen, als Mann, als Partner?
    (Antwort für mich: weil ich erst mich selbst annehmen, mir selbst ein Leben kreieren möchte, in dem ich mich wohl fühle und damit fange ich gerade einmal an...)

    Danke Euch.


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    AW: Wenn die Klarheit fehlt...

    Zitat Zitat von AngstOderLeben Beitrag anzeigen
    Ach Manno, ich bin traurig.
    @ Ambiva: es war sicherlich von außen betrachtet nicht wild. Ich hätte - und dazu hat er mich ausdrücklich ermutigt - jederzeit meine Bedürfnisse äußern können. Nur: ich lerne das erst seit kurzem und es ist mir nicht immer gelungen, wirklich ehrlich zu sagen, was los ist in mir. Zum Beispiel dass ich gerade nicht mit ihm schlafen will - denn ich habe gemerkt, er begehrt mich und ich hatte Angst vor den Konsequenzen - nämlich dass er dann frustriert ist und geht. Und er war dann auch frustriert, weil er es dann als Ablehnung begriffen hat - womit er, wenn ich wieder zurück zu meinem "Jein" komme, nicht ganz unrecht hatte. Die Konsequenz wäre dann gewesen, ich bin ehrlich, drücke es aus und er geht, weil er eine Frau an seiner möchte, die ihn auch ganz als Mann möchte. Und dafür war ich vielleicht noch nicht bereit, weil ich noch zu unsicher war, ob es das Jein ist oder etwas anderes, was ich vielleicht noch nicht hätte greifen können...
    Abgesehen davon - ja, ich bin durchaus komplex...
    das klingt einleuchtend... aber ich glaube noch immer nicht, dass nur du dir den schuh anziehen musst.

    ich werde halt immer sehr misstrauisch, wenn jemand so schnell so total wird. ich bin auch schnell verliebt, und ich brauche dann auch ein klares wollen vom anderen. aber wenn sich dann eine beziehung aufbaut, dann muss es doch spielraum geben?

    in deinem ersten posting hast du geschrieben, du hast dich überrollt gefühlt. klar, das ist dein gefühl, und er wollte das sicher nicht (wer will das schon).
    aber wenn du dieses gefühl hattest, dann hat er das seinige mit sicherheit auch dazu getan. dazu gehören immer zwei.

    - ich habe jedenfalls mal so einen mann erlebt, der sich als den großen liebenden hinstellte und seine ganzen wünsche und die ganze sogenannte intensität war eigentlich vor allem besitzdenken.
    was dann von meinen fluchtimpulsen und ambivalenzen natürlich erst recht angestachelt wurde. wir hatten eine katastrophale dynamik. -

    für euch ist es bestimmt richtig, dass ihr euch verabschiedet... lass du dich aber nicht zu sehr verunsichern von dieser erfahrung!

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