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    lernen zu verzeihen

    liebe Brigitte Community,

    ich hatte bereits mal von meinem Familienproblem geschrieben. Zu sehr möchte ich darauf nicht eingehen, außer Details oder Nachfragen benötigen Details. Mir selbst tun diese Details nicht gut, und ich höre sie in meinem Kopfkarusell sowieso tagtäglich.

    In kurz: ich habe mein Leben lang von meiner Familie Hass erfahren, weil ich so bin wie ich bin. Ich bin neugierig auf alles neues, meine Familie erzkonservativ und allem neuen Gegenüber stets unfassbar skeptisch bis ablehnend gegenüber. Als Kind war das nicht schön, denn ich wollte überall herumschnüffeln, Wissen in mich hineinschaufeln und wurde ständig zurückgepfiffen. Fragen durften nicht gestellt werden (ja so konservativ waren wir). Die Hölle für jemand Neugierigen. Jede Frage war ein Angriff auf ... "irgendwas". Ich verstehe es heute noch nicht.

    Zudem war ich die jüngste. Dh. Spielball und weiblich, zudem an Flugobjekten (Bälle, Frisbees, Drachen) interessiert. Was in dem Weltbild meiner Familie Frauen natürlich nicht dürfen. Haare kämmen sollte ich und mich für Kleidung interessieren. Ich wurde als Kind als "Lesbe" beschimpft von der Familie. Sie meinten das auch nicht sachlich und nett, sondern es wurde mir ins Ohr gezischt. Gerne mal mit den Händen irgendwo anderes.

    Weil ich mich wehrte gegen Ballett und Volleyball spielen wollte (yea ein fliegender Ball!!!! :) ) galt ich auch als aggressiv.

    Alles kein Problem, ich hielt diese Familie schon damals für bescheuert. Sie sind extrem konservativ und vieles, das sie sagten und sagen machte noch nie Sinn.

    Mein Problem ist jedoch: ich komme nicht davon los und werde nach Jahren leider ansatzweise verbittert, was meine Weiblichkeit angeht. Es rumort tagelang in mir, wenn mir wieder jemand sagt, ich sei so "rational". (OH GOTT WAS HABE ICH JETZT SCHON WIEDER VERBROCHEN. WIRKE ICH ZU DOMINANT? HABE ICH MICH SCHON WIEDER NICHT WEIBLICH GENUG ANGEZOGEN? In Großbuchstaben um das Karussell zu verdeutlichen).

    Das dumme ist, ich ziehe diese Nörgler- Menschen magisch an.
    Ich möchte aus diesem Kreislauf raus, stecke aber fest.

    Ja, ich habe seit Jahren einen Freund.

    Es gibt bestimmte Leute, die reagieren tatsächlich aggressiv auf mich, dafür muss ich nicht mal etwas sagen. Und je älter ich werde, desto mehr entdecke ich auch, dass ich tatsächlich manchmal zwischen männlich und weiblich aussehe (wenn ich mich nicht schminke). Ich mag das ja, mein Freund mag es sehr, aber wie Leute reagieren, damit komme ich nicht wirklich zurrecht. Nein, ich sehe nicht männlich aus, eher wie ein Jüngling mit großen Augen. Gutaussehend, aber geschlechtlich nicht eindeutig. Flimmernd.

    Ich glaube ich muss lernen zu verzeihen. Jedes Mal in diesen Situation werde ich an früher erinnert und wie schlimm es war, ständig auf der Hut zu sein. Ich hatte jahrelang ständig Entzündungen sowohl im Intimbereich (wo ich hingegriffen wurde, wenn sie mich beschimpft haben), als auch Magenentzündungen und andauernde Gürtelrose. Dieser Dauerzustand hat sich in mich eingebrannt und kommt mir immer wieder hoch.

    Könnt ihr mir helfen?
    Wie kann ich lernen zu verzeihen?

    Ja ich habe begleitende therapeutische Unterstützung.
    Manchmal ist mir das jedoch zu abstrakt.

    Wie reagiert ihr auf Menschen, die euch keine eindeutigen Signale senden?

    es dankt,
    Madri
    Geändert von Madri (09.02.2019 um 22:12 Uhr)

  2. gesperrt
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    AW: lernen zu verzeihen

    PS: es kann auch sein, dass es ein anderes Grundthema gibt bei den Problemen mit meiner Familie als mein flimmerdes Äußeres. Auf jeden Fall haben sie mich deshalb immer angegriffen.

    Ich dachte mir nur, verzeihen habe ich bisher noch nicht probiert.
    Also versuche ich das mal.

    Ich weiß nur nicht wie das geht. Ich finde keine Ruhe.

  3. Inaktiver User

    AW: lernen zu verzeihen

    Deine Familie hat Dir in den Intimbereich gegriffen?

  4. Avatar von Mitternachtsblau
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    AW: lernen zu verzeihen

    Liebe Madri,

    ich persönlich glaube, Verzeihen ist nicht dein Thema.
    Das, was du nur in zarten Ansätzen schilderst, wäre für mich unverzeihlich.
    Aufstehen und weggehen ist das einzige Konzept (für mich persönlich), was bei einer solchen Struktur sinnvoll ist.

    Ich glaube, du musst vielmehr als das vielbeschworene Verzeihen eher lernen, dich selbst anzunehmen und gernzuhaben. Exakt so, wie du bist. Dann bist du authentisch und die Menschen, die zu dir passen, finden dich ganz von selbst oder du sie...die Richtung ist dabei egal.

    Menschen, die nicht zu einem passen, sind logischerweise sowieso in der Überzahl. Finde die, mit denen du kompatibel bist und als erstes dich selbst, das ist die einzige Kunst. Glaube ich.
    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.

    Oscar Wilde

  5. Avatar von Mitternachtsblau
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    AW: lernen zu verzeihen

    Noch was dazu: mein Familienproblem, was anders gelagert ist als deins, habe ich damit gelöst, dass ich einige Jahre sehr viel darüber gelesen, gesprochen und gelernt habe. Ich hatte das unbedingte Bedürfnis, diese Mechanismen zu verstehen, die zugrundeliegende familiäre Dynamik. Auf einer sachlichen Ebene, meine Mutter quasi "zu sezieren", mit fachlicher Hilfe ihre Störung in ihre Einzelteile zu zerlegen, war für mich die einzige Lösung.
    Ich habe es verstanden.
    Seit längerer Zeit tut sie mir sogar leid in all ihrer kranken Bösartigkeit - ich kenne niemanden, der freiwillig auch nur für eine Woche das Leben mit ihr tauschen würde.
    Verziehen habe ich allerdings nie. Ich seh' dafür einfach den Grund nicht.

    Ist das eventuell ein Gedankenanstoß für dich?
    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.

    Oscar Wilde

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    AW: lernen zu verzeihen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Deine Familie hat Dir in den Intimbereich gegriffen?
    Ja mehrfach. Heute kann ich darüber schreiben, ich hatte es allerdings jahrelang vergessen und musste es mit Traumatherapie wieder aufdecken. Sie haben versucht mich dafür zu beschuldigen, weil ich ja so aggressiv sei müsse ich ruhig gestellt werden.

    Krank. Aber wahr.

  7. Inaktiver User

    AW: lernen zu verzeihen

    Solchen Leuten zu verzeihen wäre seelische Verrenkung erster Güte. Tu's nicht.

    Sezieren und ablehnen ist auch mein Weg (ich hab auch eine schrecklich nette Herkunftsfamilie).
    Lass Dich beraten hinsichtlich Strafbarkeit und den neuen Verjährungsfristen bei Sexualdelikten gegen Kinder.

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