Liebe BriCom,
ich bräuchte mal Euren Rat: Es geht um eine Freundin und unseren Umgang miteinander.
Meine Freundin ist eine Art Lebenskünstlerin. Sie hat nie eine Ausbildung abgeschlossen und jobbte in vielen verschiedenen Branchen, in denen sie es aber nie sehr lange aushielt. Mittlerweile lebt sie schon seit vielen Jahren von Sozialleistungen und rutschte von einer Fortbildungsmaßnahme in die nächste. Sie ist zudem Künstlerin und erhoffte sich immer, irgendwann von dieser Kunst auch leben zu können. Dieser Traum hat sich leider nie verwirklicht. Im Laufe der der Zeit entwickelte sie immer mehr die Ansicht, dass ihr gewisse Dinge einfach aufgrund ihres Alters einfach zustehen. Dazu gehört eine große Wohnung, die Möglichkeit, regelmäßig in den Urlaub zu fahren und auch ein gewisses Konsumverhalten.
Ich empfinde diese Sichtweise nicht angebracht, wenn man von Sozialleistungen lebt und habe für mich verinnerlicht, dass man sich „nach seiner eigenen Decke“ strecken muss.
Ich selber war immer sehr zielorientiert und habe nach meinem Studium eine gewisse Karriereleiter für mich erklommen. Mein Ziel war und ist es, nach Möglichkeit immer auf eigenen Beinen stehen zu können und finanziell unabhängig zu sein (das wurde mir bereits im Elternhaus vehement eingetrichtert).
Diese unterschiedliche Sichtweise zum Leben hat zwischen meiner Freundin und mir vor einigen Jahren auch zu einem großen Knall und mehreren Jahren Funkstille geführt.
Zum Glück konnten wir uns aussprechen und unsere Freundschaft blühte wieder auf.
In den letzten Monaten hat sie leider unter einer schweren Erkrankung gelitten, gegen die sie sehr tapfer gekämpft hat! Die Nachuntersuchungen sind zum Glück auch sehr positiv verlaufen, sodass wir alle große Hoffnung haben, dass sie wieder vollständig Gesund wird!
Das zu den Rahmenbedingungen. Nun zu meinem eigentlichen Anliegen:
Meine Freundin hinterlässt mit jedem Telefonat oder Treffen bei mir das Gefühl der Schuld und treibt mich jedes Mal in eine Defensivhaltung. Sie wirft mir direkt oder indirekt (und dann höchst manipulativ) vor, dass ich mich nicht genug kümmere oder mich nicht oft genug melde. Ich erwidere dann immer so etwas wie „Kommunikation geht durchaus in zwei Richtungen“ und schlage ihr jedes Mal vor, sich doch einfach bei mir zu melden, wenn sie das Bedürfnis hat. Das möchte sie nicht, „da ich ja immer so viel zu tun habe und sie nicht weiß, wann ich Zeit zum Sprechen habe“. Das ist ein ewiges Thema zwischen uns. Sie misst quasi ihren Wert bei mir an der Häufigkeit meiner Anrufe. Diese Einstellung und diese Diskussionen rauben mir unendlich viel Energie und ich fühle mich jedes Mal deprimiert und ausgelaugt nach unseren Gesprächen. Die Wahrscheinlichkeit eines Streits liegt gefühlt bei 50%.
Dazu kommt noch, dass sie immer schon sehr selbstzentriert war und immer das Gefühl hat, vom Leben nicht genug zu bekommen. Mit ihrer Erkrankung forcierte sich das natürlich (verständlicherweise) noch und ich habe in den letzten Monaten daher auch kaum über meine Themen und Probleme mit ihr gesprochen und sie geht von sich aus auch nicht darauf ein. Ihr Leben und ihre Probleme stehen bei unseren Gesprächen im Mittelpunkt.
Jetzt eskalierte die Situation schon wieder zwischen uns: Ich habe vor einigen Monaten einen Heiratsantrag bekommen und ihr das seinerzeit direkt (über Whats App, da ich sie nicht erreichen konnte) freudestrahlend mitgeteilt. Reaktion? Keine. Keine Gratulation, keine Nachfragen, nichts.
In einem Tage darauf stattfindenden Telefonat sprach sie das Thema Hochzeit wieder nicht an und erzählte mir wieder einmal nur von ihren Problemen. Auf meinen Hinweis, dass auch ich den Kopf voll habe und gern mit ihr auch mal wieder über mein Leben sprechen möchte kam nur: „Mit Vorwürfen kann ich derzeit wirklich nicht umgehen“ und wir beendeten das Gespräch daraufhin.
Allen meinen weiter entfernt wohnenden Freunden habe ich zudem vor einigen Wochen unseren standesamtlichen Termin mitgeteilt, von ihr kam nur: „Schade. Ich dachte immer, dass ich an Deiner Hochzeit dabei sein werde…“
Danach kam nichts mehr. Und ich habe einfach nicht die Kraft und die Geduld, von mir aus wieder einen Schritt auf sie zuzugehen… Mittlerweile denke ich sogar darüber nach, diese Freundschaft tatsächlich für mich abzuhaken, da sie mir absolut nicht gut tut derzeit. Oder bin nun ICH zu egoistisch und sehe das Ganze verkehrt?! Wie würdet Ihr mit der Situation umgehen?!
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 14
Thema: Energiefresser-Freundin?
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26.10.2018, 09:28
Energiefresser-Freundin?
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26.10.2018, 09:37Inaktiver User
AW: Energiefresser-Freundin?
Nein, du bist nicht egoistisch. Sie ist es.
Ziehen lassen. Ich hatte so was auch mal und habe mich im Nachhinein gefragt, warum ich mir von der Frau jahrelang hab alles gefallen lassen und war regelrecht erleichtert, als der Kontakt beendet war.
Konzentrier dich auf deine Bedürfnisse und freu dich auf eure Hochzeit
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26.10.2018, 09:42Inaktiver User
AW: Energiefresser-Freundin?
Das ist in meinen Augen keine Freundschaft. Sie ist egoistisch und raubt Dir deine Kraft. Freunde sollen sich gegenseitig (!) Kraft spenden.
Lass es.
Viel Freude bei der Hochzeit.
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26.10.2018, 14:18
AW: Energiefresser-Freundin?
Das ist ja auch ein sehr stressiges Leben und verschleißt einen. Was mit 20 noch erstrebenswert und mit 30 noch irgendwie cool ist, ist mit 40 oft nur noch ein Gefühl von Ausgesetztheit und Heimatlosigkeit, und dann kommt die Verbitterung, daß man nichts hat und nichts ist und nicht kann und nichts wird. Dann will man per seiner Selbst irgendwie als gleichwertig angerkannt werden, oder qua des Faktes, daß man so lange überlebt hat, des Ausmaßes an Energie, was man ins Überleben versenkt hat -- und das sieht der Rest der Welt eben nicht so.
Auch nicht schön, als Freundin dabei zusehen zu müssen und es nicht ändern zu können.
Du kannst dir natürlich sagen, "Ich pack das nicht, es macht mich fertig, ich kann nichts besser machen und ich kann nicht aufhören von mir zu erwarten, es zu können" und im Interesse deiner eigenen emotionalen Robustheit den Kontakt zu ihr einstellen. Du bist genauso verantwortlich für den Futternapf, den du für Energiefresser vor die Tür stellst, wie jeder andere für die Teile seines Lebens, die er kontrollieren kann.
Die Alternative, wenn du merkst, daß dir die Freundschaft zu ihr, das, was du von ihr bekommst, zu sehr fehlen würde, wenn ihr keinen Kontakt mehr habt, wäre, die kritischen Themen und die destruktiven Muster in euerer Interaktion anzugucken, zu besprechen, was ihr voneinander erwartet und was davon realistisch ist, und wie ihr miteinander umgeht.
Wenn das nicht mehr möglich ist, kannst du auch einseitig aufhören, Energie in den Futternapf für streunende Katzen zu füllen. Ich habe den Eindruck, daß ihre Art zu kommunizieren von dir als Rechtfertigungsdruck emfpunden wird -- (Mußt du dich rechtfertigen? Wenn nein, warum tust du es dann? Wenn nein, warum tust du Dinge, für die du dich rechtfertigen mußt?) -- und deine Art von ihr als Vorwürfe. Vermutlich hört sie sehr schnell, "und das hast du auch nicht hingekriegt". Wenn du versuchen willst, das einseitig geradezubiegen, vermeide Themen die das sagen. Sei heiter, empathisch, freundlich, optimistisch und ein bißchen naiv (greife zur bestmöglichen Interpretation). Das hat den Vorteil, daß es sehr wenig Energie kostet!
"Schade, ich habe immer gedacht, bei deiner Hochzeit dabei sein zu können."
"Ja, das tut mir auch leid, ich hätte dich gerne dabei gehabt."
Aber -- nur wenn es sich für dich lohnt, nur wenn du es kannst. Du solltest ihr nicht den Vorwurf "Guck mal, ich kriege das alles hin und mach noch das für dich" leben. Das hilft keinem.
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Ich habe mehrere Freunde, die zu ungeeigneten Zeiten krank geworden sind, von ihrer Familie rausgewofen wurden, eine Ehe in den Sand gesetzt haben, unter Depressionen litten, aus ihrem Leben ein Chaos gemacht haben, und wenn man da etwas retten will, muß man taff genug sein, zu wissen, was man tun kann und was man nicht tun kann, und entsprechend zu handeln.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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26.10.2018, 15:33
AW: Energiefresser-Freundin?
War von Dir vor 5 Jahren auch der Beitrag "Ich will einfach nur meine Ruhe haben"? Klingt für mich nach Deiner Beschreibung sehr identisch...
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26.10.2018, 15:40
AW: Energiefresser-Freundin?
Wenn von jemandem nichts zurück kommt, dann kann er gehen und dort bleiben wo er ist.
Und immer wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem.
Dornröschen hätte gar keinen Prinzen gebraucht, nur einen starken Kaffee
Friedvoll zu sein bedeutet, von Erwartungen frei zu sein und nichts von anderen zu wollen.
Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)
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26.10.2018, 15:59
AW: Energiefresser-Freundin?
Vielen Dank für Eure Antworten und Eure Sichtweise!
Großer Dank speziell an Wildwusel, über Deinen Beitrag werde ich in Ruhe noch einmal nachdenken und reflektieren...!
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26.10.2018, 16:00
AW: Energiefresser-Freundin?
@Kamikatz: Nein, der Beitrag stammte nicht von mir, aber ich suche ihn gleich mal... ;-)
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26.10.2018, 16:01Inaktiver User
AW: Energiefresser-Freundin?
Was hält dich denn noch bei dieser Frau?
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26.10.2018, 16:25
AW: Energiefresser-Freundin?
Kenzia, uns verbindet eine sehr enge Zeit und die Erinnerung daran. Ich habe einige Jahre im Ausland gelebt und gearbeitet und dort haben wir uns kennengelernt. Wir waren in einer Clique, die aus „Zugezogenen“ (vor allem der deutschen Community in diesem Land) bestand. In der Zeit haben wir viel gemeinsam erlebt und sie gehört mit zu den schönsten Abschnitten in meinem bisherigen Leben...


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