Und damit meine ich nicht nur, als grade so Erwachsener, der zum ersten Mal zu Hause auszieht. Ich bin 25 und wohne schon seit 5 Jahren komplett alleine, und war auch vorher schon ein paar Jahre mal in diesem, mal in jenem Studentenwohnheim. Nun, in dieser Stadt hier wohne ich jetzt also seit 5 Jahren, die ersten 3 davon in einer objektiv gammeligen Souterrain-Wohnung, wo es mir aber gut gefiel. Heimweh war bei mir bisher nie ein großes Thema, als Kind hatte ich einmal welches bei einer Reise und dann nochmal als Student im Ausland, aber nichts, was aus dem Rahmen gefallen wäre.
Vor fast zwei Jahren zog ich um, zwar blieb es in der gleichen Stadt, aber eine andere Gegend. Seitdem war irgendwie der Wurm drin, richtig zufrieden wurde ich dort nicht. Habe darüber auch hier schon gepostet und einige User glaube ich etwas genervt. Da nun nach fast zwei Jahren es immer noch nicht so richtig passte, bin ich endlich umgezogen (bzw September gehts 'richtig' dort rein) in eine Wohnung in der alten Gegend, die ich schöner fand. Ob es mir dort langfristig wirklich besser geht steht zwar in den Sternen, aber so versuche ich es wenigstens, und wenn es nicht hilft muss ich nochmal genauer gucken wo das Problem nun eigentlich wirklich liegt. Unzufrieden rumsitzen kann ich dort genauso gut wie hier.
Soviel dazu, nun ist das Problem dass ich seit ein paar Wochen richtig starkes Heimweh bekommen habe.. ich war mit meiner Mutter wie fast jedes Jahr im Urlaub, und zwar ist es Tradition, dass wir regelmäßig an die gleiche Stelle in Dänemark fahren, daher fühlt sich das dort schon fast wie ein zweites zu Hause an. Und als ich wieder zurück kam, setzte das Heimweh ein. Plötzlich vermisse ich wieder stark meine 'Heimat' in der ich immerhin 17 Jahre gelebt habe. Es handelte sich um eine kleine Siedlung, ruhig, grün und recht verschlafen, halt gemütlich. Dagegen wohne ich jetzt 2,5 Stunden weit weg in einer Großstadt. Vielleicht hab ich auch mittlerweile einfach das Großstadtleben satt. Ich sehe schon die Vorteile, aber vielleicht bin ich auf Dauer nicht dafür gemacht. Die ersten drei Jahre fand ichs hier toll, aber da hab ich ehrlich gesagt auch nicht drüber nachgedacht, ob das für länger sein soll. Ich bin für meinen ersten Job hierhin gekommen und weil der toll und bei einer besonders interessanten Firma war, war soweit für mich alles supi. Nun aber habe ich einen anderen Job der etwas mehr 'standard' ist und hin und wieder frage ich mich, was mich eigentlich noch in dieser mit Menschen vollgepackten Stadt hält, im Moment fällt mir da nicht viel ein außer ein paar Freunde.
Äh.. meine eigentliche Frage.. habt ihr selbst schonmal als eigentlich selbstständiger Erwachsener schonmal richtiges Heimweh gehabt? Eventuell ist sogar jemand deshalb wieder zurück 'nach Hause' gezogen. Wenn ja, war es die 'richtige' Entscheidung, hat es geholfen?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 16
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31.08.2018, 00:12
Schonmal als Erwachsener Heimweh gehabt?
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31.08.2018, 08:02Inaktiver User
AW: Schonmal als Erwachsener Heimweh gehabt?
Heimweh kenne ich als Kind, Ferienlager und Co. waren für mich die Hölle. Und meine Eltern dachten, sie tun mir damit was Gutes.
Ich mußte mit 8 Jahren mit meinen Eltern umziehen, alle Freund verlassen, die Schule wechseln. Heute würde man sagen, das war das auslösende Trauma
Ich bin sehr heimatverbunden, würde nur umziehen, wenn es keine Alternative gibt wie z.B. jemand muß gesundheitlich ans Meer ziehen.
Ich bin nie mehr als als ein paar Kilometer von meinem Heimatort weg gewesen und lebe heute mit meiner Familie wieder dort.
Insofern kann ich das schon verstehen, noch dazu wenn man alleine irgendwo lebt, ohne Familie und Freunde. Nicht jeder schließt gerne und vor allem schnell neue Freundschaften.
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31.08.2018, 09:22Inaktiver User
AW: Schonmal als Erwachsener Heimweh gehabt?
Ich glaube, viele Leute haben hin und wieder mal Heimweh. Aber meistens ist das auch eine Sehnsucht nach einer Heimat, die es so auch gar nicht mehr gibt, weil die Welt sich überall gleich weiterdreht. Würde man zurückgehen, wäre es nicht mehr das Gleiche.
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31.08.2018, 11:04
AW: Schonmal als Erwachsener Heimweh gehabt?
Ich kenne das Gefühl - wenn auch nicht nach der Heimat, in der ich geboren und aufgewachsen bin (da wollte ich irgendwann nur noch weg), aber nach unserem Häuschen in den Niederlanden hatte ich schon bitteres Heimweh, als ich zum letzten Mal die Tür hinter mir zugezogen habe - den halben Weg zum neuen Zuhause hab ich geheult. Da war ich Mitte 30.
Heimweh ist für mich die Sehnsucht nach dem Ort, in dem man Wurzeln geschlagen hat, egal, ob das die "eigentliche" Heimat oder eine Wahlheimat ist.*lost in the woods*
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31.08.2018, 12:09
AW: Schonmal als Erwachsener Heimweh gehabt?
Früher kannte ich das Gefühl viel weniger als heute mit Mitte 60. Vielleicht ist das aber ein Problem des Alterns bei mir. Ich sehne mich nach meiner Herkunftsfamilie, die es leider nicht mehr gibt, alle sind verstorben. Oder nach einer früheren Wohnung, in der ich gar nicht immer glücklich war. Sie war nur so gemütlich.
Ich habe auch Heimweh sobald ich in den Urlaub fahre. Während der ersten 50 km möchte ich am liebsten sofort wieder umkehren. Nach 100 km bin ich fasziniert von der neuen Umgebung und am Urlaubsort gibt es das Gefühl von Heimweh schon nicht mehr. Das ist also wohl eher ein Abschiedsschmerz.
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31.08.2018, 12:29
AW: Schonmal als Erwachsener Heimweh gehabt?
Ich bin schon fast sechzig-
Früher, in deinem Alter, hatte ich auch noch oft Heimweh.
Es hat mich immer weggezogen von Zuhause, in andre Städte, Bundesländer. Wenn ich dann dort war, kam das Heimweh, oft aber aus Einsamkeit, weil ich nicht leicht Kontakte knüpfen konnte.
Wenn keine schöne Natur in der Nähe war, wars noch schlimmer.
Ich bin dann zwischendurch schon nach Hause zu meinen Eltern, aber das hat mir nicht viel geholfen.
Heute bin ich immer noch weiter weg von "daheim" als meine Geschwister, aber fühle mich hier Zuhause.
Vielleicht ist es bei dir auch Ausdruck von einem anderen Problem, einer Krise ?
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31.08.2018, 15:35
AW: Schonmal als Erwachsener Heimweh gehabt?
Also Heimweh bekomme ich immer dann, wenn ich mal wieder einige Zeit in einer Klinik verbringen darf. Da nützt es auch nichts zu wissen, das es nur noch 3-4 Tage sind, bis ich wieder nachhause kann.
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31.08.2018, 16:46
AW: Schonmal als Erwachsener Heimweh gehabt?
Doch, ich kenne Heimweh. Das erste Mal war es ganz stark, als ich ähnlich wie du mit 20 in eine Großstadt gezogen bin. Komme vom Land aus einem mittelgroßen Dorf, in dem meine Familie schon seit Generationen lebt, also alteingesessen. Die Gegend ist auch sehr schön.
Ich also, in der Meinung, es ist alles zu eng, fort in die Großstadt, meine erste Stelle annehmend. Schwierig war damals, dass ich in einem Minibetrieb arbeitete, nur ich und meine 2 Chefinnen, die aber vom Alter her meine Mutter hätten sein können.
Von daher gab es keine Möglichkeit, über die Arbeit Kontakte zu knüpfen. Dann arbeitete ich 10 Stunden in 4 Tagen, danach das Wochenende frei. Also war auch unter der Woche nix mit groß ausgehen.
Mein damaliger Freund und späterer Mann war gerade in einen kleinen Ort in den Schwarzwald gezogen, weil er dort in einer Rehaklinik arbeitete. Und nach und nach und mehr und mehr merkte ich, dass ich einfach nicht für die Großstadt geschaffen war. Wenn ich in der Stadt war, fehlte mir der Umgang mit Nachbarn, Bekannten, der Wald, die Natur.
Ich glaube einfach, mit Anfang, Mitte 20 kristalliesiert sich heraus, was für ein Typ man ist und wie man leben möchte. Höre auf deinen Bauch, meist leitet einem das ganz gut.
Ich zog jedenfalls nach einiger Zeit zu meinem Freund, der ungefähr eine halbe Stunde von meiner früheren Heimat entfernt wohnte, fand einen Job in der Nähe meines Ursprungsortes und bin seither nicht wieder von dort weg. Inzwischen sind über 30 Jahre ins Land gegangen und es gab für mich noch keinen Grund, hier wieder weg zu gehen.
Ich reise gern, ich mache gerne Ausflüge, ich verbringe gerne ein langes Wochenende in einer Großstadt, aber dann freue ich mich wieder auf Zuhause.
Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)
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31.08.2018, 16:56
AW: Schonmal als Erwachsener Heimweh gehabt?
Ja so in die Richtung geht es bei mir glaub ich auch. Ich habe mich früher nie nach der Stadt gesehnt oder so, es war eher so dass meine Berufsart nur in Großstädten so wirklich gebraucht wird und nach dem Studium hatte ich ein tolles Angebot einer echt beliebten Firma. Hab gar nicht groß drüber nachgedacht und bin einfach hingezogen. Und es war ja auch erst toll.
Aber mittlerweile fehlen mir so ganz banale Sachen wie, ein eigenes Auto haben und gemütliche Fahrten auf leeren Landstraßen machen, einkaufen gehen in kleinen Läden ohne dass es brechend voll ist, einfach mal irgendwo in die Natur gehen können wo man alleine ist ohne erst ne Stunde in einem vollen Zug fahren zu müssen.
Ich habe jetzt beschlossen, ich gebe dem ganzen noch 2 Jahre Zeit (meine neue Wohnung hier musste ich leider auf 2 Jahre nehmen - auch son Ding was auf dem Land weniger ist, diese horrenden Mindestmietdauern von 2,3,4 Jahren - und falls ich dann immer noch nicht wieder zufrieden bin gucke ich, wie ich wieder aus der Stadt rauskomme. Ob es dann in die alte Heimat geht oder ne andere ländliche Ecke, gucke ich dann. Mich würds auch sehr reizen irgendwo in Dänemark in Strandnähe zu wohnen, da gibt es wunderschöne Ecken wo es so verschlafen und gemütlich ist und man keine Nachbarn um sich rum hat. Aber das ist bisher nur sone Gedankenspielerei.
Wenigstens beruhigt es mich schonmal, dass ich mit dem Problem nicht ganz alleine dastehe. Ich kenne persönlich fast nur Stadtmenschen, die sowas gar nicht verstehen können.
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31.08.2018, 17:14Inaktiver User
AW: Schonmal als Erwachsener Heimweh gehabt?
@absoluterfreak: Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl. Die Nachteile, als Beruftstätiger auf dem Land zu wohnen, kennst du nicht (die „kleinen Läden“ haben nämlich nie offen, und zu 1.000% aufs Auto angewiesen zu sein, ist doof, wenn dasselbige kaputt geht, im Unterhalt viel kostet, die Straßen verschneit sind etc.).
Würde mal tippen, dass du im Moment eher Job-bedingten Katzenjammer hast. Das geht vorbei


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