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  1. Registriert seit
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    Der "mein größter Fehler" - Thread

    Hallo zusammen,

    bei mir ist ungefähr die Hälfte des Lebens rum, und da ist es, glaube ich, normal, ein bisschen Bilanz zu ziehen. Da ich insgesamt nicht so ganz zufrieden bin, wie sich alles entwickelt hat, habe ich mir mal überlegt, was bei mir die großen, entscheidenden Fehler waren, und habe mir gedacht, dass es vielleicht ganz interessant wäre, sich dazu mal auszutauschen - also zum Thema: was waren die größten Fehler eures Lebens?

    Bei mir war es:
    a) brotlose Kunst studiert zu haben und
    b) mich relativ früh an einen Partner gebunden zu haben

    Gerade der letzte Fehler ist eigentlich sehr zwiespältig - wir sind nach Jahrzehnten immer noch zusammen, und ich würde unsere Beziehung als "gut und harmonisch" bezeichnen. Trotzdem hat die klassische Job-Logistik (wie findet man zwei annähernd gleichwertige Jobs in vernünftigem Pendel-Radius) dazu geführt, dass ich ein paar Optionen nicht wahrgenommen habe; das ärgert mich im Nachhinein. Hätte ich mich damals getrennt, hätte ich es vermutlich "weiter" gebracht. Diese Optionen gibt es jetzt rein altersbedingt nicht mehr, und das macht mich ein bisschen traurig, denn ich habe das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Zumal ich ein Mensch bin, der eigentlich auch gut allein sein kann, dh im Nachhinein betrachtet wäre ich eigentlich gar nicht so sehr darauf angewiesen gewesen, dem Thema Beziehung einen so großen Stellenwert beizumessen. Das wurde mir irgendwie von außen so suggeriert (ua durch meine Mutter), dass das doch das allerwichtigste wäre - so ein Quatsch, denke ich mir heute.

    Und ihr so? Was waren die Entscheidungen, die ihr so nicht mehr treffen würdet?
    "Battlestar Galactica: The Eye of Jupiter (#3.11)" (2006)
    __________________________________________________ ______________
    Captain Kara 'Starbuck' Thrace: Can I make a suggestion that you won't like?
    Major Lee 'Apollo' Adama: Do you make any other kind?

    Life should not be a journey to the grave with the intention of arriving safely in a well preserved body, but rather to skid in broadside, totally worn out, and loudly proclaiming "Wow!" (Hunter S. Thompson)

  2. Avatar von Suzie Wong
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    AW: Der "mein größter Fehler" - Thread

    .
    Geändert von Suzie Wong (19.08.2018 um 09:38 Uhr)


  3. Registriert seit
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    AW: Der "mein größter Fehler" - Thread

    @karathrace, hast du denn deinen partner nicht geliebt?

    ich kann solche fehler gar nicht aufzählen. klar, mit einem anderen partner hätte ich vielleicht ein zweites kind bekommen können und mit einem anderen studium wärs auch beruflich einfacher gewesen.

    aber das sind rückblickende gedanken... wenn ich mich in die situationen zurückversetze, in denen ich damals meine jeweiligen entscheidungen getroffen habe, würde ich sagen, ich täte wieder genau das gleiche. denn damals hab ich den betreffenden mann über alles geliebt, und mein studium hat mich sehr interessiert.
    ich muss heute die folgen tragen, aber ich bin weit davon entfernt zu hadern und kann mein leben leben - es muss ja nicht immer alles einfach sein.


  4. Registriert seit
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    AW: Der "mein größter Fehler" - Thread

    Viele Dinge, die ich nicht gemacht habe oder wo ich dachte, dass es ein Fehler war, sie nicht zu machen, haben sich im Nachhinein als Sprungbrett für etwas ganz anderes herausgestellt.

    Unternehmen mit tollen Karriereversprechen, wo ich Angebote nicht angenommen habe und mich damals hätte ohrfeigen können, existieren heute nicht mehr. Der "Untergang" eines namhaften Unternehmens hat mir die Bekanntschaft toller Frauen gebracht und im Nachhinein eine globale Verantwortung.

    Einen Hamsterrad-Job aufzugeben und in "ruhigere Bahnen" zu gehen, hat mir die Perspektive eröffnet, mich für Frauenförderung/Mentoring im Upper-Management mehr engagieren zu können, woraus ich viel mehr Befriedigung für mich ziehe.

    Ja, mein Leben wäre anders verlaufen, hätte ich die eine oder andere Entscheidung anders getroffen. Aber wer weiß, ob es für mich befriedigender gewesen wäre.

    Nur ein paar Gedanken...
    Duchessa


  5. Registriert seit
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    AW: Der "mein größter Fehler" - Thread

    Zitat Zitat von ambiva Beitrag anzeigen
    @karathrace, hast du denn deinen partner nicht geliebt?

    Ja schon, aber ich würde nicht ausschließen, dass ich mich auch in andere hätte verlieben können - oder eben auch nicht. Liebe ist am Ende von Tag irgendwie austauschbar (dafür sorgen die Hormone schon ganz von selbst), verpasste Chancen sind es meist nicht.
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  6. Registriert seit
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    AW: Der "mein größter Fehler" - Thread

    Für mich gibt es den Begriff "Fehler" in diesem Kontext gar nicht.

    Es gibt nur Entscheidungen, die wir fällen und jede Entscheidung hat einen guten Grund.
    Noch dazu ist es immer nur eine Frage der Bewertung und in welchen Vorannahmen ich lebe.
    Glaube ich daran, dass das Leben immer wie an einem roten Faden entlang zu laufen hat (sozusagen eine Ideallinie, der ich nur folgen müsste, DANN wäre es perfekt), dann kann ich leicht jede definierte Abweichung als Fehler etikettieren.

    Ich kann mich davon aber auch lösen und diese "menschliche Denken" als solchen erkennen und zB mal in die Natur schauen (aus der wir doch kommen) und erkennen, dass es zB in der Natur keine wirkliche Gerade gibt.
    Wie würden wir das werten, wenn es einen Menschen gäbe, der das so sagen würde "ich kann keine Gerade herstellen"?? wir würden ihn wohl sehr abwerten, herabsetzen und für dämlich halten, stimmts?

    Witzigerweise existiert unsere Erde schon recht lange- nach menschlichem Massstab oft sehr unperfekt- und doch offenbar recht gut
    Und wenn es dort ganz natürlich und Tag für Tag nicht "gerade" zugeht-- darf man sich als Mensch doch ruhig zurück lehnen, wenn etwas holprig wird, denn es ist nur eines- ganz natürlich.

    Ich frage mich auch, wie sehr wir uns selbst abwerten, wenn wir unsere damaligen Entscheidungen als Fehler deklarieren.
    Wie überheblich ist es, später den Stab über sich selbst zu brechen und - wie damals vielleicht die Eltern- "du wirst schon sehen, was du davon hast!" sich zu verurteilen oder in der Endlosschleife der Bestrafung zu bleiben? Wie wenig stehe ich zu mir und meinen Entscheidungen oder wie sehr kann ich mich nun für immer bemitleiden und vor der eigenen Verantwortung weglaufen?

    Wie kann ich von einem Fehler sprechen, wenn ich jedes Wissen des Momentes mit in die Waagschale werfe und nach bestem Wissen und Gewissen entscheide-- und sich später heraus stellt, dass ich nicht alles gewusst habe?
    Und gleichzeitig- nochmal- wieso ist ein anderer Weg ein Fehler, wenn ich doch nur DEN Weg kenne, den ich gegangen bin und den Ausgang des anderen Weges nur erahnen kann?


  7. Registriert seit
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    AW: Der "mein größter Fehler" - Thread

    Der einzige Fehler, den ich bereue, ist eine Unterlassung: als ca 15-Jährige wurde ich von einer Kollegin und deren Eltern eingeladen in den Urlaub nach Kroatien - und weil ich zu doof war, mich darum zu kümmern, ist das dann nicht zustande gekommen. wie blöd von mir.

    Ansonsten gibt es eine Menge Entscheidungen, die ich heute nicht mehr so treffen würde wie vor fünf oder zehn oder zwanzig Jahren, aber in Anbetracht meiner damaligen Situation, mit dem, was ich über mich wusste (wissen konnte) oder auch nicht - waren die schon in Ordnung.

    ich würde nicht mehr einem Partner Szenen machen, ganz egal, wie doof der sich benimmt - aber darauf musste ich auch mal kommen, wie sinnlos das ist und warum es sinnlos ist.

    ich würde nicht mehr in der Uni ein Sprachfach studieren, das ist sowas von total öde und ein sinnloser theoretischer Elfenbeinturm - aber das weiss ich heute auch nur, weil ich mich da mal drei Semester lang durch quälte und mir das anguckte. Wenn ich es nicht getan hätte, ich würde es vermutlich bereuen.

    ich würde mich nicht mehr mit einem depressiven Mann als Partner einlassen - aber auch darüber weiss ich nur Bescheid, weil ich einen eben solchen Partner mal hatte und mir das von nahe anguckte, was bedeutet das alles, und inzwischen die Zeichen kenne, worauf muss ich schauen.

    Das sind nicht Fehler, das sind Erfahrungen.

    Für einen Fehler würde ich es erst dann halten, wenn ich im klaren Wissen über die Situation, es NOCH EINMAL machen würde. Das Prinzip "mach immer wieder neue Fehler, nicht immer dieselben" hat sich allerdings gut bewährt für mich.

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao


  8. Registriert seit
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    AW: Der "mein größter Fehler" - Thread

    Zitat Zitat von Kara_Thrace Beitrag anzeigen
    Liebe ist am Ende von Tag irgendwie austauschbar
    Jobs sind es noch viel mehr.

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao


  9. Registriert seit
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    AW: Der "mein größter Fehler" - Thread

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Jobs sind es noch viel mehr.
    Nun, aber bestimmte Jobchancen gibt es irgendwann nicht mehr, wenn du da nicht rechtzeitig eingestiegen bist. Wenn du bis Anfang 30 nicht in einem Konzern untergekommen bist, wirst du auch nicht mehr Aufsichtsrat in einem DAX-Unternehmen.
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    AW: Der "mein größter Fehler" - Thread

    Zitat Zitat von Kara_Thrace Beitrag anzeigen
    Nun, aber bestimmte Jobchancen gibt es irgendwann nicht mehr, wenn du da nicht rechtzeitig eingestiegen bist. Wenn du bis Anfang 30 nicht in einem Konzern untergekommen bist, wirst du auch nicht mehr Aufsichtsrat in einem DAX-Unternehmen.
    ... und bestimmte Männer sind auch nicht verfügbar, wenn man eine Chance zur Beziehung mit denen auslässt... die sind dann auf einmal glücklich mit jemand anderm verbandelt.

    Was mich betrifft, so ist mir die Beziehung mit dem richtigen Mann deutlich wichtiger, als in einem DAX-Vorstand einen teuren Stuhl wärmen zu dürfen.

    Das Thema könnte da sein, rechtzeitig zu erkennen, was einem wirklich wichtig ist? und konsequent den eigenen Prioritäten zu folgen? zu entscheiden, welche Kompromisse sind faul und welche sind es nicht?

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao

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