ich mache andauernd Dinge, die ich oder Andere als Fehler bezeichnen würde/n, ich lebe. Also nicht, dass ich DAS einen Fehler nenne (einige wahrscheinlich schon), aber Leben heißt eben, fast nie zu wissen, was richtig ist und was falsch. Ständig ergeben sich neue Wege, Weichenstellungen, die irgendwohin führen, das sich als mehr oder weniger gut erweist.
Mitunter kehrt sich das im Rückblick auch um und nie kann ich wissen, was ein anderer Weg gebracht hätte. Mit zweieinhalb Ausnahmen: ich bin überzeugt, dass es gut war, das Gym nicht abzubrechen zugunsten einer "vernünftigen" Ausbildung, die danach schnell gutes Geld gebracht hätte; ich wäre da nie glücklich geworden.
Und dass ich zwei Langzeit-Beziehungen beendet habe, trotz oder vielmehr wegen fester Heiratspläne der jeweiligen Männer - ich hatte die nicht
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17.08.2018, 10:25
AW: Der "mein größter Fehler" - Thread
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17.08.2018, 10:55Inaktiver User
AW: Der "mein größter Fehler" - Thread
Definitiv!
Feldenkrais fußt auf zwei Säulen - ATM (awareness through movement), das sind Lektionen, die in der Gruppe unterrichtet werden. Der Aufbau umfasst dabei immer zunächst Hilfen zur Schärfung der Wahrnehmung und Beruhigung der Amygdala, damit im Anschluss Lernprozesse überhaupt stattfinden können.
FI (functional integration) ist dann die Einzelarbeit. Auch dabei geht es darum, dem Gehirn über freundliche Berührung Türen zu Lernerfahrungen zu öffnen.
Ich praktiziere als Feldenkrais-Schülerin beides seit vier Jahren, seit zwei Jahren studiere ich die Methode, weil sie mich in ihren Auswirkungen absolut fasziniert hat.
Meine Wahrnehmungsfähigkeit war auch vorher schon gut, aber Feldenkrais macht sie noch einmal feiner, fokussierter, klarer. Das ist nicht immer nur von Vorteil - manchmal wird man zur Prinzessin auf der Erbse
Das teile ich! Feldenkrais hat mir gerade im therapeutischen Kontext noch den einen oder anderen Bonus beschert. Es ist eine überwältigende Erfahrung, wenn Du erforschst, dass und wie es möglich ist, von Nervensystem zu Nervensystem zu kommunizieren.Persönlich nehme ich teilweise viel Anregung aus meinem Körperempfinden (beruflich ja sowieso, und empfinde das auch vernetzt mit dann einschiessenden Gedanken, ein bisschen wie eine gegenseitige Schnitzeljagd, falls dieses Bild verständlich ist).
So kann ich meine "Fehler", wenn ich sie so bezeichnen möchte - ich würde vielleicht eher sagen, die Lebensentscheidungen oder -entwicklungen ,mit denen ich noch nicht im Reinen bin - auch an meinem Körpergefühl identifizieren. Und anderherum bewahrt mich dieses auch davor, Schritte zu tun, die nicht passen.
Der Text könnte von mir stammen. Ich brauchte allerdings Übung darin, mir die Freiheit zu nehmen, diese Wahrnehmungen nicht nur zu bemerken, sondern ihnen auch zu folgen - das ist ja gern auch mit Widerständen und Konflikten verbunden. Ich empfinde es als eine ganz wunderbare Form des Selbst_Vertrauens, meinem Organismus wirklich "zuzuhören". Traurig macht mich die Erkenntnis, dass wir zulassen, dass uns und unseren Kindern fortgesetzt genau diese Wahrnehmungsfähigkeit abtrainiert und das Ganze als Leistung umdeklariert wird. Wer am meisten aushalten kann und trotzdem Leistung liefert, ist in unserer Gesellschaft oft der Held. Spüre Dich nicht, oder wenn Du Dich spürst, dann nimm Dich wenigstens nicht so wichtig - das ist das Diktat, dem wir schon unsere Kinder unterwerfen.Neulich ein Beispiel, in diesem Kontext vielleicht ein kleines Beispiel, für mich aber eine Frage der richtigen Vollendung eines Weges, nämlich den, den ich mit einem geliebten Haustier zusammen gegangen bin.
Es ging um die Frage der Einäscherung und wie weiter? - die ich zunächst mit der Entscheidung A beschied und auch telefonisch so veranlasste. Danach wurde mir "komisch", dann übel, und ich bekam ein Gefühl der Dringlichkeit. Und die Gewissheit, es muss Entscheidung B sein. Ich kann mit Entscheidung A nicht leben. Ich handelte entsprechend und mein Körpergefühl änderte sich. Das vor dem Hintergrund von wellenförmig verlaufender Trauer. Aber mit einem ganz anderen Gefühl von "Richtigkeit".
Kennst Du das Buch "Embodiment" von Storch, Cantieni, Hüther und Tschacher? Darin heisst es:
Das wirksamste Instrument, Entscheidungen herbei zu führen und zu bestätigen oder korrigieren, ist also unser Organismus, von dem wir bereits vom Krabbelalter an lernen, ihm KEINE Beachtung zu schenkenKognition ist durch die Körperzustände und Gefühle embodied und durch die Umwelt situiert. "Embodied" bedeutet: Kognition findet in ständiger Wechselwirkung mit dem Zustand des Körpers statt, in den die Kognition eingebettet ist. Körperzustände sind z.B. Körperausdruck, - haltung-, spannung. Gefühle (also Affekte und Emotionen) sind ebenfalls wesentliche Körperzustände. Die Wechselwirkung Kognition - Körper ist zirkulär-kausal. Der Körper wirkt als Kontrollparameter auf die Kognition ein und verursacht so die Bildung von kognitiven Mustern.
"Situiert" bedeutet: Wie in den Körper, ist Kognition auch in die weitere Umwelt eingebettet. Auch Umweltzustände können aus Kontrollparameter auf die Kognition einwirken und Musterbildung verursachen.
Embodiment und Situiertheit sind damit motivational wirksame Einbettungen. Intelligenz ist ohne Einbettung nicht möglich. (Quelle: Embodiment / Maja Storch, Benita Cantieni, Gerald Hüther, Wolfgang Tschacher, Huber Verlag, S.31)
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17.08.2018, 11:00
AW: Der "mein größter Fehler" - Thread
so weit bin ich (noch?) nicht, aber das Nachspüren von Befindlichkeiten ist etwas, das ich schon in meiner Kindheit begonnen habe, sehr viel später hat mich das Buch eines Feldenkrais-Schülers aus einer physischen Sackgasse geführt. Das hilft mir seither immer wieder.
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17.08.2018, 11:53
AW: Der "mein größter Fehler" - Thread
Also, "dumm" finde ich es auch nicht, wie die TE schreibt, etwas Bilanz zu ziehen und sich auch anzuschauen, was eben ein Fehler war. Eventuell damals schon absehbar - das waere ja auch eine Lernerfahrung - oder eben erst im Nachhinein. "Nur im hier und jetzt" - das klingt erstmal toll, aber wer macht das wirklich? Und waere es so sehr erstrebenswert, nichts zu lernen (-aus der Betrachtung der Vergangenheit-) und nichts zu planen (-durch das Ueberdenken der moeglichen Zukunft)?
Richtig erscheint mir, sich immer wieder im Hier-und-Jetzt zu orten, zu erden. Denn dadurch entscheidet sich, ob man einen Fehler der Vergangenheit noch ein bisschen betrauern muss, daraus lernen kann und/oder ihn einfach abhaken. Das Hier-und-Jetzt ist freilich auch fuer die Zukunft entscheidend: Habe ich Aenderungsbedarf? Kann, soll oder muss ich etwas planen? Oder kann/soll/muss ich das einfach auf mich zukommen lassen?
Aber diese Fragen finde ich schon sinnvoll.
Ich habe das Glueck, dass mein Hier-und-Jetzt so erfuellend und bequem ist, dass ich vergangene Fehlentscheidungen, teils mit Lerneffekt, abhaken kann und nicht mehr damit hadere. Eine Sache gibt es, die ich betrauere, das ist aber nur teils ein Fehler meinerseits, und andererseits schwer beeinflussbaren Umstaenden geschuldet.
Ganz wichtig finde ich bei der Betrachtung auch: Kann ich meine damaligen Entscheidungsgruende noch nachvollziehen, selbst wenn ich es heute anders machen wuerde? Das heisst fuer mich: Ich kann mit der Entscheidung nach wie vor gut leben. Ich hadere nicht. Gruende zum Hadern waeren fuer mich, dass ich mich entweder selbst nicht mehr verstehen kann und einfach nicht nachvollziehen kann, was ich damals geraucht habe, dass ich so einen Schmarrn entschieden habe; oder von Aussen getaeuscht / schlecht informiert wurde. Das wuerde mir schon auch laengere Zeit nachgehen.
Bei mir war eine ganz massive Fehlentscheidung der Ablauf bei der Geburt meines Kindes, dort waren praktisch alle Entscheidungen falsch (unnoetige Intervention). Zum Glueck ohne bleibende Konsequenzen, das hilft natuerlich beim Abhaken. Aber vor allem weiss ich, dass ich in der damaligen Situation gute Gruende fuer die Entscheidung hatte. In derselben Situation wuerde ich wieder so handeln. In einer Wiederholung der Situation (also aehnliche Lage bei einem weiteren Kind) haette ich es mit dem erlernten Wissen anders gemacht. Die beratenden Aerzte hatten ebenfalls gute Gruende fuer ihre Empfehlungen und haben nie Druck ausgeuebt. Deswegen bin ich auch mit meiner Betreuung im Reinen.
Ich bin ein bisschen unzufrieden mit mir selbst wegen meiner suboptimalen Berufsentwicklung. Da war ich einfach ein bisschen zu bequem und auch zu aengstlich, und das haette ich besser machen koennen. Das graemt mich aber auch nicht jeden Tag. Da, anders als bei Kara_Thrace, andere Lebensbereiche bei mir schon immer Prioritaet hatten, ist eine schlaffe Laufbahn eben suboptimal, aber nicht schlimm. Aber eben, der Lerneffekt ist, dass ein wenig Ehrgeiz schon angebracht ist. Das kommt mir auch immer noch zustatten, so ist das gar nicht.Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne
"Ich hasse es, wenn Fantasy sich einfach nicht an die Realitaet haelt".Maxi Gstettenbauer
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17.08.2018, 12:04
AW: Der "mein größter Fehler" - Thread
Fuer mich ein unglaublich wichtiger und richtiger Absatz.

Erst habe ich ueberlegt, ob wir uns hier so langsam OT bewegen, aber eigentlich nicht, denn solche Gedanken haben ja durchaus etwas mit Fehler-Vermeidung zu tun.
Mir ist obiges - zwar nicht bezogen auf das organische Koerpergefuehl, aber durchaus diese Ideologie - in einem anderen Strang hier ganz bewusst geworden, in dem es auch um Leistung ging und ganz klar diese unheimlich weit verbreitete und tiefsitzende Einstellung hervorkam: Leiden - und nur Leiden - ist wert-schoepfend.
Eigentlich schlimm sowas, oder? Dass man Leiden / Disziplin respektiert finde ich angebracht, aber es treibt tatsaechlich universell die von Dir beschriebenen boesen Blueten, weil es zum Alleingueltigen deklariert wird. (Und ich glaube ja auch, dass das etwas spezifisch weibliches ist, aber das fuehrt nun wirklich OT.)
Und ich glaube, dass sich daraus zwei Arten von Fehlern ergeben: Einmal Fehler, bzw. vermeidbares Leid, dass man sich und Anderen zufuegt, weil man meint, etwas aushalten zu muessen, und dadurch bessere Alternativen nicht sieht.
Und zweitens, dass man etwas rueckblickend als Fehler deklariert - und dann daran leidet - weil man sich etwas nicht schwer genug gemacht hat, nicht genug "ausgehalten" hat. Dabei hat man vielleicht einfach nur das fuer sich in dieser Situation Richtige getan.
Bei Dir, Kara_Thrace, beschleicht mich manchmal der Verdacht dieser zweiten Situation, dass Du damit haderst, irgendetwas nicht genug optimiert zu haben, weil Du einmal einen anderen Vorteil, ein anderes Glueck vorgezogen hast. Ich gebe aber zu, dass ich Dich nur sehr schlecht einschaetzen kann, da wir sehr unterschiedlich sind.
Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne
"Ich hasse es, wenn Fantasy sich einfach nicht an die Realitaet haelt".Maxi Gstettenbauer
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17.08.2018, 12:38Inaktiver User
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17.08.2018, 12:44Inaktiver User
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17.08.2018, 13:16Inaktiver User
AW: Der "mein größter Fehler" - Thread
So kommst du hier gar nicht rüber, Kara. Eher wie jemand, der überlegt an die Dinge rangeht und sie dann auch sehr planvoll und bewundernswert diszipliniert umsetzt. Es mag sein, dass das erst in den letzten Jahren so ausgeprägt der Fall war, aber so wirkst du auf mich.
Haben sich deine Prioritäten verschoben, wenn du heute und früher vergleichst? Dann liegt es vielleicht auch daran. Damals, mit anderen Prioritäten, war es die richtige Entscheidung.
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17.08.2018, 13:33
AW: Der "mein größter Fehler" - Thread
Ich habe jetzt doch auch überlegt, was "mein größter Fehler" sein könnte, und es fällt mir nichts ein.
Natürlich habe ich viele kleine schlechte Entscheidungen getroffen, aber ich meine doch, im jeweiligen Moment immer nach bestem Wissen und Gewissen entschieden zu haben.
Ich hätte ein lukrativeres Studium wählen können, ich habe Geld "verloren", mich mit "falschen" Männern zusammengetan - aber ich hatte immer "nur" ein blaues Auge - gottseidank war kein Fehler so schwerwiegend, dass er mich komplett ruiniert hätte.
Vieles hätte ich sicherlich besser machen können.
Allerdings hadere ich nicht mit der Vergangenheit, wozu auch.
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17.08.2018, 13:53Inaktiver User
AW: Der "mein größter Fehler" - Thread
Ich lese Dich schon eine ganze Weile immer mal wieder. Mir ist haften geblieben (natürlich ein subjektiver Eindruck, der auch daneben liegen kann, ich kenne Dich ja nur anhand weniger Beiträge), dass eine "stell Dich nicht so an" und "Augen zu und durch" oder "das muss doch besser gehen", tendentiell sogar eine "wenn es nicht weh tut, taugt es nicht" Motivation als Subtext durch die Argumentationen, die ich las, waberte.


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