Hallo ihr Lieben!
Ich hatte in letzter Zeit eine etwas stressigere Phase, teilweise doppelte berufliche Belastung (Selbstständigkeit und eingespannt in eine Firma, da auch Probleme mit einem Mitarbeiter), kurzum: es war ziemlich viel los. Ich denke, das Folgende rührt auch daher, aber ich beobachte es und frage mich, ob ihr das vielleicht (auch) kennt und wenn ja, was man dagegen tun kann, vielleicht auch, woher es kommt (Stress als eine Möglichkeit, eventuell auch andere Erfahrungen?) ... und ob das vielleicht sogar mal ärztlich abgeklärt werden sollte.
An einem Tag geht es mir blendend. Ich geh gern zur Arbeit, wuppe das Pensum mit links, bin sehr kreativ, voller Ideen. Ich freu mich nach der Arbeit auf Freundin x, schlafe relativ kurz, wache am nächsten Tag energiegeladen auf, die Sonne scheint, alles toll.
Ein paar Tage später folgt eine komplett andere Phase. Ich mag meine Arbeit nicht mehr, verdamme mich gedanklich dafür, mich selbstständig gemacht zu haben (andere Jobs erscheinen sicherer), ich schleppe mich so durch den Tag, freu mich nicht auf die Freundinnen, sondern suche auch da das Haar in der Suppe, liege Nachts grübelnd wach, nächster Tag ist auch im Eimer.
Es ist also ein kompletter Umschwung meiner Gedankenchemie von "schwarz" auf "weiß" und wieder andersrum. Ein bisschen kenn ich das so von mir (war schon immer leicht dramatisch veranlagt), aber es hat sich in den letzten Monaten doch ziemlich intensiviert.
Langsam frage ich mich auch, was denn jetzt eigentlich "real" ist: das Engelchen oder das Teufelchen?
Schönen Sonntagabend noch und freu mich auf eure Antworten!
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22.07.2018, 21:52
Von Schwarz auf Weiß ... und wieder zurück.
Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.
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22.07.2018, 22:30
AW: Von Schwarz auf Weiß ... und wieder zurück.
Für mich hört sich das stark nach manisch-depressiven Phasen an. Du kannst gerne mal einen Selbst-test im Internet machen.
Ansonsten würde ich dir ärztliche Beratung und Behandlung empfehlen.
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23.07.2018, 07:33Inaktiver User
AW: Von Schwarz auf Weiß ... und wieder zurück.
naja- ob man aus ein paar Sätzen gleich auf manisch-depressiv diagnostizieren kann......??
- großes Fragezeichen.
Um deinen Zustand einordnen zu können, bräuchte man einiges mehr an Informationen als du sie bisher gegeben hast.
Selbständigkeit ist vor allem eines- das, was der Name sagt: selbst und ständig.
Es bedeutet eine Dauerbelastung, die auch - wenn alles sehr gut läuft- immer eine Belastung bleibt, denn ein wirkliches "Ausruhen und Loslassen" ist letztlich niemals möglich.
Dieser ununterbrochene Druck muss ins Leben integriert werden und das gelingt nicht jedem Selbständigen gleich gut.
Es belastet, es beschwert und alles, was im Leben ansonstn noch geschieht, wird dazu addiert
Ich meine damit: die Belastung, die Selbständige haben, sollte nicht unterschätzt werden.
Für mich bildet sich genau so ein Bild ab: Jemand, der zwar einerseits mit Begeisterung und Leidenschaft seiner Selbständigkeit nachgeht- der aber ebenso müde, erschöpft und sehr (über?)- gefordert ist.
je nach Tagesform bahnt sich dann das eine oder andere seinen Weg bis ins Stimmungsbarometer.
Gerne wird Leidenschaft und Begeisterung als "positiver Stress"- Eustress- bezeichnet.
Das stimmt natürlich, dennoch bleibt es Stress und es wird auch immer mit Faktoren gekoppelt sein, die nicht positiv empfunden werden.
Also auch solche Tage kosten Kraft und Energie, auch wenn sie sich besser anfühlen.
Ich würde- an deiner Stelle- eine Bestandsaufnahme machen.
Deine Zeit notieren und wie dein Tag aussieht- wann tust du was?
Wieviel Zeit bleibt für dich als Privatperson?
Was bist du für ein Typ- ruhig oder beweglich- ausgeglichen oder impulsiv......Frage ist, wie sehr du dir selbst folgst oder dich verbiegst
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23.07.2018, 08:24Inaktiver User
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23.07.2018, 09:17
AW: Von Schwarz auf Weiß ... und wieder zurück.
Kenne ich auch ein wenig - zwar nicht in dieser Intensität, aber im Grundsatz schon. Ich kann zwei, drei Tage super viel Freude an Arbeit etc. haben, und dann kommen manchmal dicht gefolgt zwei, drei Tage, wo es dreht, ich es als anstrengend empfinde und nicht besonders produktiv bin.
Ich halte das für einigermassen normal, ehrlich gesagt. Mir hat mal jemand gesagt, dass es zwei verschiedene Menschentypen gibt. Der eine Typ ist immer recht ausgeglichen, in der Mitte, arbeitet schön ebenmässig immer etwa auf dem gleichen Niveau durch (ohne Ausschläge gegen oben oder unten). Der andere hat Wellen, geht rauf (über-produktiv im Vergleich zum Mittel-Typ) und dann wieder runter (unter-produktiv im Vergleich zum Mitteltyp).
Ich denke, dass es beide Typen zuhauf gibt und daran nichts verkehrt ist.
Wenn es Dich zu sehr stresst, kannst Du versuchen, mit kleinen Ritualen mehr einzumitten. Immer vor der Arbeit fünf Minuten meditieren und Dir dann eine kleine Liste machen, was Du an dem Tag sicher erledigen willst. Einen Wecker auf Handy stellen tagsüber für Zeiten, ab denen Du sicher wieder produktiv sein solltest (hat mir mal jemand empfohlen in Phasen, in denen ich dazu tendiert habe, gedanklich zu oft abzuschweifen). Dir immer was Gutes gönnen in der Mittagspause und in den Kaffeepausen, so dass Du Dich stärkst. Etc.
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23.07.2018, 09:37
AW: Von Schwarz auf Weiß ... und wieder zurück.
Ich kenne das auch, Susisa, ich bin auch selbständig.
Ich helfe mir an miesen Tagen auch so wie Strolinka das beschreibt, gehe auch zwischendurch mal raus und um den Block.
Was auch hilft, wennn man sich mal wieder fragt, wieso man sich das antut: Kunden und (ehrliche) Freunde um Feedback bitten. Ab und an verliert man sich schon mal selbst aus den Augen und sieht gar nicht, was man schon an guten Ergebnissen erarbeitet hat."I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves
Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.
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24.07.2018, 11:51
AW: Von Schwarz auf Weiß ... und wieder zurück.
Es gibt eben solche und solche Tage, und manchmal verheizt man die Energie für den nächsten Tag in Notwendigkeit oder Überschwang mit. Real ist beides. Regen ist genauso real wie Sonne, wer an das eine oder andere nicht glaubt, wundert sich, wenn er naß wird oder einen Sonnenbrand bekommt.
Ich würde erst mal nach Wegen suchen, damit umzugehen: Was tue ich, wenn ich einen "schlechten Tag" habe, daß ich trotzdem produktiv bin (ich mache langweilige Routinearbeiten und Hausarbeit). Was kann ich tun, um mich aufzupeppen (Sonne, Katzenbilder, Musik, Boxen?) Womit kann ich angenehm meine Zeit verbringen, auch wenn ich schlapp und lustlos bin, und was sollte ich besser lassen? Ansonsten kann ich immer noch einfach früh schlafen gehen...
Wenn es eine Beeinträchtigung darstellt, könnte man:
- Beobachten, ob es Muster und Abhängigkeiten gibt (Vorsicht vor dem Nocebo-Effekt)
- Gucken, ob irgendwas im Leben generell schlecht läuft
- Zum Arzt zum durchchecken, ob es körperliche Ursachen hat.
Ich bin immer wieder baff, wie viel bei mir a) unterschwellige Schmerzen und b) über Skandale im Intenet lesen oder dort sinnlose Debatten führen dazu beitragen, daß ich mich Sch***e fühle.
Diagnostizierbare Bipolarität ist ziemlich krass, und oft bringen sich die Leute in ihren manischen Phasen in heillose Schwierigkeiten. Du kannst mal, wie von vloubout vorgeschlagen, einen Test machen -- aber nur, wenn du nicht zu Hypochondrie oder Morbus Google neigst!** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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24.07.2018, 13:47Inaktiver User
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24.07.2018, 16:10
AW: Von Schwarz auf Weiß ... und wieder zurück.
Manisch Depressiv bin ich nicht, dafür bin ich nicht krass genug unterwegs.

Trotzdem habe ich bei den Stimmungsschwankungen auch daran gedacht (und irgendwie schon gemutmaßt, dass das hier auch vermutet würde ...) Das ist es aber ganz sicher nicht.
Eher so, wie viele von euch das beschreiben, wohl das "normale" Auf und Ab des Daseins. Und ihr habt Recht, es setzt vor allem dann ein, wenn ich mich selbst aus den Augen verloren habe. So als ob ich dann irgendwie im Außen festzumachen suche, was "richtig" ist.
Dabei brauche ich diesen Halt in mir! (!!!)
Danke für´s Augen öffnen und bestätigen meiner Vermutung. Ich glaube, ich muss mir "sowas" (Zeit für mich, Pausen usw.) echt in den Kalender eintragen.

Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.
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24.07.2018, 16:37
AW: Von Schwarz auf Weiß ... und wieder zurück.
Stell Dir einen Handy-Wecker für tagsüber: Zum Beispiel auf 10:30 und/oder 15:30, wo Du zum Beispiel für fünf Minuten nur tief ein- und ausatmest und Dich in die Gegenwart zurückholst; oder auf ne kleine Bank vor dem Büro sitzt und alles ausblenden darfst, dafür nur auf die Blätter im Baum, die Sonnenstrahlen, die Kieselsteine, Deine Füsse schaust. Solche Dinge holen unglaublich schnell in den Moment und zu sich selbst zurück.
Du kannst den Wecker auch stellen, dass er Dich umgekehrt daran erinnert, dass Du jetzt aus ein paar Faulheits-/Trägheitsstunden aufwachen solltest und produktiv werden solltest. Wenn Du zum Beispiel an schlechten Tagen vor allem morgens schlecht arbeitest, erlaube Dir, im Büro zu trödeln, Zeitung zu lesen, zu grübeln, zu versumpfen, den Wecker dann aber auf 10:00 zu stellen, so dass Dich ein Geräusch erinnert: Jetzt mal los für zwei Stunden, dann Mittagspause. Und wieder das gleiche Spiel am Nachmittag. So arbeitest Du auch an schlechten Tagen wenigstens ein paar Kleinigkeiten.
Grössere Pausen für Dich, Zeit für Dich: Such Dir was aus dem Kultur- oder sonstigen Kalender aus, das Dir gefallen würde und buch Dir die Tickets sofort online. Dann MUSST Du da hin gehen, wenn die Veranstaltung zwei, drei Wochen später stattfindet, und kannst es nicht vertagen.
Organisier was mit einer guten Freundin, zum Beispiel einen Städtetripp. Auch den kannst Du dann eben schlecht auf einmal absagen oder vertrödeln. Allgemein hilft es, andere Menschen zu involvieren. Oft fühlt man sich anderen mehr verpflichtet als sich selbst.


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