Liebe NicNacNoc,
ich sehe dein Problem differenzierter.
Ich glaube, wenn du wüsstest, dass dein Chef dich im Konflikt mit dem Kollegen unterstützt, dann könntest du den Konflikt anders angehen und würdest das auch. Du hast die Kompetenzen dazu, denn du hast dich weiterentwickelt und bist nicht mehr das kleine Mädchen von damals.
Chefs die high Performer nicht unterstützen wenn sie die Unterstützung brauchen ( was eh meist selten ist), bringen dir und deiner keine Wertschätzung entgegen - auch wenn sie ab und an sagen, dass du einen guten Job machst.
Ich war in einer ähnlichen Situation und habe dann gekündigt. Für mich war das die Chance, mich mit meinem eigentlichen Thema auseinander zu setzen: meine eigenen Bedürfnisse nicht wichtig genug zu nehmen und anderen Menschen Grenzen aufzuzeigen.
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Thema: Konflikte austragen lernen
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23.06.2018, 07:07
AW: Konflikte austragen lernen
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23.06.2018, 07:52Inaktiver User
AW: Konflikte austragen lernen
Erst einmal an alle ein herzliches Dankeschön für eure Gedanken hier, alle stoßen etwas in mir an.
Da ich mich wohl nicht gut ausgedrückt habe, was in mir irrational abgeht, wenn der Kollege verärgert ist: Ich befürchte dann, dass ich etwas Wesentliches übersehen habe, dass meine Gründe, auf den Kollegen ärgerlich zu sein, keine Basis haben und er zu Recht das alles anders sieht als ich. Besser verständlich?
@greeneyeredhair, du hast es prima zusammen gefasst. Genau so ist es. Ich habe von den etwas über vier Jahren, die ich jetzt diese Stelle innehabe, ungefähr 1,5 Jahre mit Langzeitvertretungen verbracht. Ich bin beim letzten Mal zu meinem Chef gegangen, habe ihm deutlich meine Sorge vor Überlastung mitgeteilt und habe Lösungsvorschläge gemacht (im übrigen umsetzbare, das hatte ich schon abgeklärt). Er erbat sich Überdenkzeit und teilte mir dann lapidar mit, dass es wie ursprünglich vereinbart gehen müsse und ich nun mal den Schwarzen Peter gezogen hätte, weil ich eben an diesem Standort wäre. Die Beantragung eines Zwischenzeugnisses hat dann zwar den Chef-Chef aufgerüttelt, mehr als lobende Worte für mich gab es aber nicht (und bei der Stelle, auf die ich mich zu dem Zeitpunkt beworben hatte, habe ich nach dem Vorstellungsgespräch die Bewerbung zurückgezogen, weil sich im Vorstellungsgespräch herausstellte, dass der Arbeitszuschnitt nicht zu mir passt). Als dann deutlich wurde, dass sich die Langzeitvertretung noch länger als erwartet hinzieht, habe ich eine Überlastungsanzeige gestellt, um mich wenigstens davor zu schützen, dass ich für Fehler verantwortlich gemacht werde, die infolge der Dauerüberlastung entstehen. Mein Chef war darüber stinkesauer, wir hatten ein Gespräch, das unter aller Kanone war, und die Folge war: nada. Er hat sich zwar einige Zeit später quasi entschuldigt (erzählte mir etwas von seiner beruflichen Sozialisation, die ihn dahingehend geprägt hatte). Aber bis heute ist es so, dass es absolut nichts Konkretes gibt, was mich hoffen lässt, in einer erneuten Situation ähnlicher Coleur Unterstützung zu erfahren. Das macht es so bitter. Sowohl das erste Gespräch, indem ich meine Befürchtung vor Überlastung benannt habe, als auch das zweite, als ich auf den Chef zugegangen bin, weil ich ja merkte, dass er mich nach der Überlastungsanzeige eiskalt behandelt hat, sind mir sehr schwer gefallen. Ich bin trotzdem aktiv geworden und der Erfolg war, bis auf ein paar warme Worte, nichts.
Und natürlich wird mich die jetzt angepeilte Methode entlasten. Noch mehr hätte es mich allerdings entlastet, wenn ich den Standort gewechselt hätte hin zu dem, an dem die zweite Kollegin mit Stellenreduzierung arbeitet, aber eben auch die neue, die genau zum Ausgleich unserer Stellenreduzierungen eingestellt wurde (d.h. an dem Standort gibt es jetzt sogar einen Stellenüberhang). Das wurde mit den Worten abgelehnt, dass man an meinem jetzigen Standort eine starke Mitarbeiterin benötige - ja, warum wohl?
Deswegen ist meine Bewerbung in eine andere Abteilung raus, der Termin fürs Vorstellungsgespräch steht. Wie ich mit dem Kollegen umgehe, weiß ich noch nicht, ich werde mal schauen, was jetzt konkret passiert. Das Gespräch bzgl. der Neuaufteilung ist auf Montag verschoben worden, mal schauen, wie das abläuft und was dann passiert.
Aber an all dem wurde mir eben, mal wieder, deutlich, dass ich nicht gerne in Konflikte gehe und dass da Emotionen eine Rolle spielen, die nichts oder nicht in diesem Ausmaß mit der aktuellen Situation zu tun haben. Deswegen der Thread hier.
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23.06.2018, 08:30Inaktiver User
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23.06.2018, 10:29
AW: Konflikte austragen lernen
Liebe NicNacNoc,
ich sehe das ein bisserl anders als z. T. meine Vorschreiberinnen. Ich unterstelle, das Konflikte immer mit Emotionen zu tun haben, auch im Business. Man kann sie nicht abstellen, es können nur andere Emotionen sein als die, die du derzeit erlebst.
Die Logotherapie nach Viktor Frankl sagt: Wenn du Prüfungsangst hast, musst du als Erstes lernen, durchzufallen.
In deinem Fall heißt das: Wenn du Angst vor Konflikten und damit einhergehender Abwertung/Ablehnung deiner Person, dann musst du als Erstes lernen, von anderen abgelehnt/abgewertet zu werden und das auszuhalten.
Wenn man Kind ist und die eigenen Eltern einen abwerten, ist das sehr schmerzhaft. Aber wenn du erwachsen bist, hebt es die Lebensqualität ungemein, wenn man nicht mehr von der positiven Bestätigung anderer abhängt. Ich brauchte es früher, von allen gemocht zu werden. dann hatte ich mit einer Reihe von schwierigen Menschen zu tun, die mich fallweise sehr schmerzhaft abgewertet haben, die ich aber nicht "aus meinem Leben rausschmeißen" konnte. Ich musste lernen, die Beurteilung meiner selbst und die Zuneigung zu mir selbst unabhängig davon zu machen, ob mich mein Gegenüber gut findet oder nicht. Ich lernte, "hinter mir selbst zu stehen", auch wenn mich jemand anderes angreift. Zeitgleich begriff ich, dass es viel mehr mit dem Gegenüber zu tun hat, was und wen er/sie abwertet, als mit dem Gegenstand seiner Abwertung: Will sagen: Was Hans über Fritz sagt, hat viel mehr mit Hans zu tun als mit Fritz.
Wenn du es (gut oder besser) aushältst, von anderen abgelehnt zu werden, musst du dem nicht mehr ausweichen und kannst Konflikte austragen. Du bist lockerer, weil du ein bestimmtes Ergebnis nicht mehr verhindern musst. Dann ist der andere halt sauer. Dann findet er dich eben doof. Dann sagt er eben zu einem anderen, dass er dich doof findet. Selbst wenn du mit ihm verheiratet oder verwandt bist, kann dich der andere mal doof finden. Du findest ihn ja auch doof. ;-)
Hab keine Angst davor, nicht geliebt zu werden. Übe, dich in genau diesem Augenblick selbst zu lieben. In sehr schweren Konfliktsituationen beruflich oder privat, in denen ich mich sehr angefeindet fühlte, sagte ich zu mir: Und wenn niemand zu dir steht, ich stehe hinter dir. und wenn ich der einzige Mensch auf der Welt bin, der das tut, dann stehe ich trotzdem hinter mir.
Es ist unglaublich, wie das hilft. Dann merkt man, dass einem die eigene Anerkennung gefehlt hat, nicht die der anderen. Du kannst die anderen "entlassen" aus der Pflicht, dich immer anzuerkennen, wenn du es tust. Die anderen erkennen an oder auch nicht - das hat etwas mit ihnen zur tun, nicht mit dir.
Ich würde mich freuen, wenn dich diese Gedanken weiterbringen.
Alles Liebe
Lil
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23.06.2018, 10:44
AW: Konflikte austragen lernen
Interessanter Ansatz...
Kann bei bestimmten Personen stimmen, ich persönlich - das ist jetzt eine ganz subjektive Meinung aus meiner Perspektive - bekomme allein bei solchen Sätzen einen Herzkasper (übertrieben gemeint).
Denn wer die Erfahrung gemacht hat im Leben in der Familie auf keinste Art und Weise jemals wertgeschätzt geworden zu sein, der hat bereits sein ganzes Leben lang gelernt als nichtgewünschtes Wesen abgelehnt zu werden und das bereits alles falsch ist, was man ist, und wer man ist.
Klar muss man als Erwachsener die Selbstliebe aus sich selbst schöpfen (obwohl ich das ebenfalls eine extrem individualistische Weltsicht finde). Menschen sind soziale Lebewesen und keine Einzelgänger. Ich halte es für wesentlich einfacher, wenn man bereits Erfahrungen gemacht hat, dass die Menschen, die für dich als Kind zuständig waren, dich überhaupt akzeptiert haben. Wenn man eine Art Basis hat, der man vertrauen kann, dass sie nicht wegrutscht.
Als Erwachsener kann man die sich dann ja auch selbst zusammenbetteln. Das dauert manchmal, wenn man ohne Vertrauen in irgendetwas aufgewachsen ist.
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23.06.2018, 12:01Inaktiver User
AW: Konflikte austragen lernen
@liz1980, deine Argumentation verstehe ich nicht ganz. Es ist doch entwürdigend sich Unterstützung zusammenzubetteln, ganz abgesehen davon, wie tragfähig diese Unterstützung dann wirklich ist.
Du erwähnst, dass es leichter ist, wenn man in der Kindheit bereits Akzeptanz erfahren hat.
Es geht ja eben um die Leute, die diese Akzeptanz nicht erfahren durften.
Da finde ich den Ansatz den Lil erklärt hat phänomenal. Werde ich ausprobieren, wenn ich mal wieder in entsprechende Situationen kommen. Ist so ähnlich wie mit der warmen, stärkenden Hand im Rücken, und den anderen Visualisierungen, die Mary erwähnt hat. Sehr schön, da ich mich in Konfliktsituationen auch oft hilflos fühle.
Ich habe oft die Situation, dass ich eine Lösung anstrebe und die Gegenpartei läßt mich auflaufen.
Heißt, Chefs agieren wie bei der TE, Partner und Kinder ignorieren meine Bedürfnisse.
Da fühle ich mich absolut hilflos und nicht gesehen.
In den Konflikt zu gehen und den Chef zweimal um ein Gespräch zu bitten, finde ich toll und mutig liebe TE
Dass dabei nur wenig rausgekommen ist, liegt da wohl nicht an Dir, sondern an dem konfliktscheuen Chef, der gemeinerweise nicht da ansetzt, wo er sollte, nämlich beim Kollegen.
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23.06.2018, 12:11
AW: Konflikte austragen lernen
Hallo Hair, ich verstehe nicht ganz, wie du auf diese Interpretation kommst etwas "zu erbetteln" und bin ein bisschen erstaunt.
Ich versuche mich klarer auszudrücken: Ein Partner, dem man vertrauen kann, Freunde, mit denen man einen Wein trinken kann und feedbacken kann...so etwas meine ich.
Ich meine nicht Konflikte aus dem Weg gehen. Sondern, dass es einfacher ist Konflikte auszutragen, wenn man selbst Unterstützung hat, egal welche.
Seine eigene Basis zusammenstellen. Menschen denen man vertrauen kann. Wie ich darauf komme? Die TE erzählt hier von niemanden wie Freunde, Partner oder anderen...
Es geht ja eben um die Leute, die diese Akzeptanz nicht erfahren durften.
Ja
ich lehne den Ansatz auch nicht ab. All unsere Profs haben uns eingetrichtert Scheitern scheitern scheitern und das war super.
Ich glaube sogar in diesem Fall, dass die Kombination aus "Chef, der einen nicht unterstützt und Kollege" tatsächlich nach einer anderen Lösung sucht als den Konflikt mit den beiden zu lösen.

Das meinte ich...ich bin z.B. jemand der in seiner Kindheit immer nur Messer im Rücken hatte und keinerlei Vertrauen in andere. Daher meinte ich ja auch meine Ergänzung zu dem Post ist sehr persönlich.Ist so ähnlich wie mit der warmen, stärkenden Hand im Rücken, und den anderen Visualisierungen, die Mary erwähnt hat.
Die wärmende Hand im Rücken können eben nur Menschen geben, denen man vertraut, dass sie auch tatsächlich was gutes für einen wollen. Bei Menschen, die generell erfahren haben, dass andere ihnen nichts gutes wollen, kann (nicht muss
) so etwas erstmal zum wackeln führen.
Damit wollte ich den Vorschlag nicht verneinen, sondern lediglich ergänzen
Geändert von liz1980 (23.06.2018 um 12:20 Uhr)
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23.06.2018, 13:29Inaktiver User
AW: Konflikte austragen lernen
Hallo Lil,
ich kann mit deinen Gedanken ungeheuer viel anfangen, auch wenn sich mich durchaus in Sorge fallen lassen.
Denn der Ansatz ist unbequem und wirft tatsächlich alte Denkmuster über den Haufen.
Gnaaarrr, so ein bisschen habe ich das befürchtet: rein in die Vollen, um es aushalten zu lernen.
So habe ich auch bisher reagiert: Wenn es nicht anders ging, bin ich raus aus der Situation. Ein früherer Chef war, auf eine ganz andere Art und Weise, ähnlich desinteressiert daran, seiner Fürsorgepflicht mir gegenüber nachgekommen. Nach ebenfalls mehreren Gesprächen bin ich dann gegangen. Und ähnliches bahnt sich ja auch jetzt an: Wenn es mit der Stelle in der anderen Abteilung was wird (die ist sehr interessant und den Chef kenne ich als Kooperationspartner in meiner jetzigen Tätigkeit), werde ich gehen. Ich frage mich eben manchmal, ob es eine Alternative zum Gehen gibt. Deswegen finde ich deinen Ansatz spannend.
Dennoch frage ich mich, wie wirkungsvoll der ist, wenn man nicht auf Augenhöhe ist: mein jetziger Chef kann mir zur Not eine Dienstanweisung reindrücken, dann nützt mir meine ganze "Ich mache mich von seiner Zugewandtheit nicht abhängig"-Haltung gar nichts, dann bin ich wieder im Geschirr.
An anderer Stelle finde ich deine Gedanken so etwas von spannend...
An diesen Punkt würde ich gerne hinkommen. Emotional fühle ich mich nur in Ansätzen dort: in meiner Ehe und in guten Freundschaften, auch in einigen familiären Beziehungen, in denen "doof finden" sich auf ein konkretes Verhalten bezieht, aber der Mensch an sich wertgeschätzt und respektiert wird. In anderen, eben häufig beruflichen Beziehungen, treibt mich die Sorge, dass "doof finden" auch mit Abwertung und Respektverlust gegenüber mir als Person einher geht. Und noch bin ich dann eher dabei, mich darüber zu empören statt das auszuhalten... Und ich lasse mich davon verunsichern, statt hinter mir selbst zu stehen, frage mich, ob ich etwas Grundlegendes übersehen habe in der Bildung meiner Meinung und Haltung. Deswegen wäre das hier:
etwas sehr Erstrebenswertes. Ich weiß allerdings noch nicht sicher, wie ich da hin kommen kann.
Ich denke, ganz unabhängig machen von der Meinung anderer wäre schon schwierig, die Vorstellung, dass mich alle doof finden, einschließlich Freunde und Ehemann, finde ich schwer vorstellbar.
Ich "bebrüte" deine Gedankenanstöße noch mal weiter - ganz herzlichen Dank dafür!
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23.06.2018, 13:33
AW: Konflikte austragen lernen
Irgendwie verstehe ich es noch nicht so ganz:
Was konkret hättest du zu befürchten, wenn dein Kollege wiedermal ewig krank feiert und du einfach mit der zusätzlichen Arbeit nicht zurecht kommst?
Was würde denn passieren, wenn du die Mehrarbeit nicht schaffst? Mach sie doch einfach nicht. Mach deine Arbeit und das was halt noch geht. Sonst nichts.
Rede da gar nicht darüber! Mach einfach nur deine Arbeit.
Wenn dich tatsächlich jemand fragt, dann sag "ich schaffe in der Zeit nicht mehr". Punkt.
Du bist null angreifbar.
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23.06.2018, 14:22Inaktiver User
AW: Konflikte austragen lernen
Was könnte er dir denn anweisen / zuweisen, was über das hinaus geht, was dein normaler Job ist? Selbst wenn er dich anweist, die Arbeit von Kollege X mit zu machen, müsste er ja auch gleichzeitig sagen, was liegen bleiben kann? Du schuldest mittlere Arbeistleistung, alles darüber ist freiwillig.


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