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  1. User Info Menu

    Sich klein fühlen

    Ich bin mittlerweile über vierzig, und fühle mich dennoch in manchen Situationen wie ein kleines Mädchen. Ich war nie ein Ausbund an Selbstvertrauen, sondern als Kind schon ein Grübler und Zauderer mit ewigen Selbstzweifeln, und komischerweise ist dieses Ur-Geundgefühl bis heute geblieben. Daran hat weder eine Psychotherapie noch haben Ratgeber in Buchform was geändert.
    Um etwas konkreter zu werden :Mein beruflicher Weg war sehr brüchig und auch nicht sehr erfolgreich. Ich war zwar bis jetzt nie arbeitslos, Gott sei Dank, aber nach zwei abgebrochenen Studiengängen und einer Ausbildung, nach der ich heute in einem Beruf arbeite, der mir grundsätzlich liegt, in dem ich aber kein Weiterkommen sehe, in untergeordneter Position arbeite und ziemlich wenig verdiene, ist das schlimmste für mich, dass ich mich nie kompetent fühle gegenüber Kollegen obwohl ich objektiv keinen Grund dafür hätte.
    Wie ein Kind scheine ich abhängig von Lob oder Anerkennung zu sein und ich hasse mich dafür wie sehr. Und wie sehr andersherum Kritik an meiner Arbeit mich von einer auf die andere Sekunde fühlen lässt als sei ich vollkommen wertlos.
    Mein Ziel wäre, am allerliebsten so weit wie möglich unabhängig von der Meinung anderer zu werden. Ich bewundere Menschen, die trotz rauhem Gegenwind selbstbewusst ihr Ding durchziehen und wünsche, ich könnte auch so sein. Aber wie?

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    AW: Sich klein fühlen

    Es ist auch so, dass ich mich grundsätzlich sehr selbstbewusst auftretenden Menschen gegenüber, schwach und im Unrecht fühle, selbst wenn deren Argumente falsch sind und meine richtig. Ich bin total leicht zu verunsichern und komme so keinen Meter vorwärts, weil es so viele dominante forsche Typen sind, die es dann teilweise lieben mich zu verunsichern und vorzuführen, wie beispielsweise mein Chef.
    Ich muss sagen, dass ich mit einer sehr dominanten Mutter aufgewachsen bin, die als ich sehr jung war, zudem psychische Probleme hatte und mit einem Vater, der vom Wesen eher schwach ist, so wie ich.

  3. Inaktiver User

    AW: Sich klein fühlen

    Gibt es denn etwas, wo du richtig gut bist? Stabhochsprung, Omelette machen, singen, Fliesen legen, Menschen verstehen, Mützen häkeln... - irgendwas?

  4. Inaktiver User

    AW: Sich klein fühlen

    Mein Rat wäre: Nimm Dich selbst an, wie Du bist.
    Sieh das Positive in Deinen vermeintlichen Schwächen und Fehlern.
    Hier z. B.: Es gibt doch schon genug Eitle, Großtuer und Angeber auf dieser Welt. Stell Dir bloß mal vor, alle wären so. Die Grübler und Selbstzweifler finde ich persönlich weit angenehmer (wenn sie es nicht allzu sehr übertreiben).
    Wie sieht denn Dein privates Umfeld aus, fühlst Du Dich da sicherer und geschätzt? Erhältst Du da Unterstützung?

  5. Moderation

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    AW: Sich klein fühlen

    Zitat Zitat von Margaret_Houlihan Beitrag anzeigen
    Ich bin mittlerweile über vierzig, und fühle mich dennoch in manchen Situationen wie ein kleines Mädchen.
    Das ist normal. So auszusehen als täte man das nicht, ist eine Fähigkeit, die die meisten Leute im Laufe der Jahre mehr oder weniger erwerben.

    Zitat Zitat von Margaret_Houlihan Beitrag anzeigen
    Um etwas konkreter zu werden :Mein beruflicher Weg war sehr brüchig und auch nicht sehr erfolgreich.
    Hast du denn ein Auskommen davon? Das ist "bestanden", alles darüber ist Kür.

    Gegen das "jeder weiß alles besser als ich" gibt es ein paar Taktiken. Sich ein Fachgebiet greifen, wo man selber alles besser weiß. Zu analysieren, wo man schon gesehen hat, daß die Kollegen auch nur mit Wasser kochen. Lehrlinge oder Praktikanten betreuen (wenn man deren Fragen beantworten muß, merkt man erstens ganz schnell, wie viel man weiß, und zweitens, merkt, was man nicht weiß und kann es gezielt rausfinden.

    Manchmal ist auch gar nicht man selber das Problem, sondern daß man von grumpfigen, kleinlichen, mißgünstigen Leuten (oder großsprecherischen Windbeuteln) umgeben ist. Dann ist es oft einfacher, woanders hinzugehen anstatt das Bild, das die Leute von einem haben, zu ändern.

    Mensche sind soziale Wesen. Homo sapiens überlebt nicht allein, und ist darauf angewiesen, in eine Gruppe von seinesgleichen zu passen -- entsprechend sind wir sehr, sehr gut darin, uns im Spiegel anderer zu sehen. Ohne Anerkennung, ohne "du gehörst zur Horde und wir lassen dich nicht zurück" lebt man in einer existenziellen Krise. Dank unserer modernen Gesellschaft geht's da selten um Leben und Tod, aber es als Schwäche zu verstehen, daß man ganz normal funktioniert ist trotzdem unnötig. Andererseits, man kann und wird nicht von jedem und in allem Anerkennung kriegen. Man muß sich die besten Kandidaten raussuchen, die Leute, die einem den Rücken stärken und für einen eintreten (das sollte auf Gegenseitigkeit beruhen), und die Sachen, in denen man gut sein kann.

    Wer trotz Gegenwind sein Ding durchzieht, der weiß meistens, daß die anderen ihm nichts können -- oder glaubt es. Es lohnt also auch, zu gucken, wie abhängig man denn wirklich ist, und ob man sich nicht doch einiges am Allerwertesten vorbeiziehen lassen kann. Und dann muß man noch ein "Ding" haben, daß den Aufwand lohnt, es durchzuziehen.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

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    AW: Sich klein fühlen

    Ein Anfang wäre, wenn Du Dich nicht mehr hasst für Deine Abhängigkeit vom Lob anderer. Du bist eben jetzt so, so what? Das ist ein Gefühl, mehr nicht.

    Eine für Dich
    Und eine für wildwusel

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    AW: Sich klein fühlen

    Ja, es ist nur ein Gefühl, das ist richtig. Dumm nur, dass man mir diese Unsicherheit, so fürchte ich, immer gleich anmerkt. Dadurch wird man einfach nie wirklich für voll genommen, ich wünschte, ich wäre wenigstens ein besserer Schauspieler!

    Also, so richtig gut kann ich nichts. Also jedenfalls nicht herausragend, da gibt es nichts, was etliche andere nicht noch besser könnten. Das ist aber auch nicht wirklich schlimm, außerdem denke ich nicht dass es wirklich was am Grundgefühl ändern würde, wäre ich in einer Sache besonders gut, höchstens vielleicht auf genau jenem Gebiet.

    Es ist die eine Sache, vom Verstand her zu begreifen, dass andere ebenso mit Wasser kochen, dass auch jene, die so stark wirken, ihre Ängste haben. In einer konkreten Situation hilft es nicht. Was unternimmt man gegen Leere im Kopf, wenn man zB mit Vorwürfen konfrontiert wird. Mir geht es oft so, dass mir erst im Nachhinein eine passende Antwort einfällt, auch kann ich erst oft im Nachhinein reflektieren, ob etwas daran ist, wenn ich mich genau erinnere, wie etwas wirklich war und ob ich den Fehler wirklich gemacht habe.

    Ich bin immer zunächst verunsichert und das sogar dann, wenn definitiv nichts an der Kritik dran ist. Wie jemand, der immer wieder zurück in seine Küche geht, um zu überprüfen, ob er den Herd wirklich ausgeschaltet hat.

    Ich danke euch allen für euren input.

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    AW: Sich klein fühlen

    Erstmal Zeit gewinnen: „Danke für die Rückmeldung. Ich schaue mir das nochmal an.“
    Und dann mit Vorbereitung die Fakten klarstellen (der Ablauf war wie folgt:.... )
    A man is likely to mind his own business when it is worth minding. When it is not, he takes his mind off his own meaningless affairs by minding other people´s business. - Eric Hoffer

  9. Moderation

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    AW: Sich klein fühlen

    Zitat Zitat von Margaret_Houlihan Beitrag anzeigen
    Was unternimmt man gegen Leere im Kopf, wenn man zB mit Vorwürfen konfrontiert wird.
    Das gleiche, was man bei einem Erste-Hilfe-Kurs oder einer "Es brennt"-Übung lernt: Für Situationen, mit denen man absolut überfordert ist, braucht man ein Programm, das man ablaufen läßt. Zum Beispiel das, was Minstrel sagt.

    Gerade bei Vorwürfen (im Unterschied zu Kritik) sollte man erst mal ganz neutral und höflich genau da stehen bleiben, wo man ist, und sich anschließend überlegen, "was wollte der damit"? Was immer der wollte, meistens gibt man es ihm, wenn man instinktiv einen Rückzieher macht, oder anfängt sich zu rechtfertigen. Dann ist das Problem nämlich erfolgreich bei einem abgeladen.

    Leider hat man das "von Haus aus" oft so drin. Deswegen, wie gesagt, ein einfaches Programm, das einem erlaubt, sich nicht um Kopf und Kragen zu reden, sondern Zeit zum Nachdenken zu gewinnen.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  10. User Info Menu

    AW: Sich klein fühlen

    Zitat Zitat von Minstrel02 Beitrag anzeigen
    Erstmal Zeit gewinnen: „Danke für die Rückmeldung. Ich schaue mir das nochmal an.“
    Und dann mit Vorbereitung die Fakten klarstellen (der Ablauf war wie folgt:.... )
    Das wäre sicherlich der ideale Weg. Leider läuft das so nicht bei uns, das heißt, zu einem späteren Zeitpunkt interessiert das Thema meinen Chef meist nicht mehr. Es geht auch in der Regel um eher banale Dinge, also keine schwerwiegenden Sachen. Es wird hier und jetzt, so denke ich, ein Sündenbock gesucht, jemanden, den man schnell zur Schnecke machen kann, auch um eigenen Frust loszuwerden. An meinem Chef sind schon einige gescheitert, leider ist seine Persönlichkeit zu meiner nicht grade wie der Deckel zum Topf.

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