Es gilt ein bißchen, wenn man im Grunde Freude dran hat, sind's Kratzer und Dellen, wenn man keine hat, sind's offene Wunden und Hämatome.
Aber es kann schon ganz schön wehtun. Körperlich (auch musizieren kann gotterbärmlich weh tun, wenn auf den Fingern unter der Hornhaut Blasen wachsen, oder Schultern und Rücken so verspannt sind, daß der Physiotherapeut zum Holzhammer greift), oder mental/emotional, wenn man sich an einem Problem oder einem Kreativprojekt abarbeitet, oder emotional/sozial, wenn man Prioritäten setzen muß und Sachen, die einem wichtig und wertvoll sind, streichen muß.
Was aber eine ganz doofe Idee ist, sind die Grundsätze aus dem Schulsport: "Wenn es nicht wehtut, zählt es nicht, und wenn du Spaß hast, versuchst du es nicht richtig".
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Thema: No pain = no gain?
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29.12.2017, 12:21
AW: No pain = no gain?
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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29.12.2017, 14:00
AW: No pain = no gain?
Ja, intrinsisch \ extrinsisch ist ein interessantes Gegensatzpaar, muss mal untersuchen ob es bei meiner Unterteilung auch hinhaut.
Beispiele für selbstgewählte Aufgaben sind Gewichtsreduktion, Gehaltserhöhung oder auf der geistigen Ebene Ziele wie Arbeit am Inneren Kind. Die Ziele für diese selbstgewählten Aufgaben können intrinsich oder extrinsisch sein.
Zum Beispiel ist es möglich, dass ich abnehmen möchte um für mich selbst attraktiver, gesünder etcpp zu sein oder weil mein Freund gesagt hat ich soll annehmen. Letzteres wäre extrinsisch Motivation, so wie ich die Definition verstehe.
Bei Aufgaben vom Leben dachte ich an das was man gemeinhin als Schicksalsschläge bezeichnen könnte. Krankheit, Arbeitslosigkeit, Trennung vom Partner und und und. Diese Einschnitte zwingen zu Veränderungen von Haltungen und Einstellungen, was oft mit großen Schmerzen einhergeht aber, insofern die Aufgaben bewältigt werden, auch mit einem großen Zugewinn in Sachen Persönlichkeitsentwicklung. Etwas weniger dramatisch formuliert könnte man sagen: wer immer nur auf der Sonnenseite des Lebens unterwegs ist entwickelt keinen Tiefgang. Der Gedanke ist nicht von mir sondern frei nach Franz Werfel, der darüber sinniert hat wie sehr das Leid den Menschen veredelt und wie derselbe durch "seichtes Leben" belanglos wird. Oder war es Alma Mahler-Werfel?
Ist ein Schicksalsschlag eine extrinsisch Motivation? Ich gebe die Frage mal ans Plenum weiter...Unverletzbarkeit ist das Privileg der verkommenen Seele.
Nicolás Gómez Dávila
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29.12.2017, 14:01Inaktiver User
AW: No pain = no gain?
Stimmt, das ist unvergleichbar doof."Wenn es nicht wehtut, zählt es nicht, und wenn du Spaß hast, versuchst du es nicht richtig".
"Pain" ist manchmal etwas zu stark ausgedrückt, "Unannehmlichkeit" wäre vielleicht besser. Wobei das mit dem physischen Schmerz durchaus zutreffen kann, die Übergänge sind fliessend.
Heute zum Beispiel. Ich wollte auf Skitour, die 30 cm neuen Superpulverschnee und das kurze Schönwetterfenster am Vormittag ausnutzen. Ich geh grundsätzlich gerne auf Skitour, mag sowohl das Rauflaufen wie das Runterfahren - an einem so perfekten, frisch verschneiten Wintertag wie heute erst recht. Die heute war eher kurz (nicht mal 1000 Höhenmeter Aufstieg, also nichts, was körperlich auch nur annähernd an die Grenze gegangen wäre), technisch einfach, Start- und Endpunkt bequem mit ÖV zu erreichen. Kurz gesagt: im höheren Genussbereich.
Und dennoch war "pain" dabei - im Sinne von ungenehmen Empfindungen und auch im Sinne von Schmerz. Was ich schon vor dem Start aus Erfahrung wusste: Es war schon vorher klar klar, dass beim Loslaufen bei -10 Grad zuerst mal die Finger, die Nasenspitze und die Zehen einfrieren, bevor man durch die Bewegung auf Betriebstemperatur kommt. Es war schon im vornherein klar, dass die Skischuhe bei der Abfahrt drücken würden, weil man sie in solchem Pulverschnee eng schliesst. Es war schon im vornherein klar, dass das oberste, steilste Stück einiges an Schweiss kosten würde, trotz der Kälte, und auch an Nerven, je nach Spuranlage. Es war auch im Voraus klar, dass mein rechter Fuss kältetaub werden würde (passiert fast immer) und dass dann zurück im Bus das "Wiederauftauen" kurz mal weh tun würde ("Kuhnagel")
All das war unangenehm und teilweise schmerzhaft und im Voraus bekannt, dass es eintreffen würde - und ohne das, wäre die Skitour nicht zu haben gewesen. All das war aber irrelevant bzw. wurde gerne in Kauf genommen für das, was wir gewinnen wollten.
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29.12.2017, 14:16
AW: No pain = no gain?
May you be surrounded by friends and family,
and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.
Leonard Cohen
Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
Erich Kästner
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30.12.2017, 00:47
AW: No pain = no gain?
Bei all dem hilft's wenn man sich vorher schon klarmacht, daß diese Ziele Kosten mit sich bringen, und daß das wehtun kann und wird. Dann ist man weniger demotiviert, wenn es das tut, und man ist bestenfalls darauf vorbereitet, wo und wie es das tun wird.
Ich halte das für, sorry, Dummfug.
Da wird aus dramaturgischen Gründen der Karren vor das Pferd gespannt. Schmerz, Unglück und Unbequemlichkeit sind keine Tugenden und kein Werte an sich. Der Wert -- oder nicht -- ist das, was man tut, was man erreichen will. Der Wert darin, ein Haus zu bauen, ist nicht, daß man sich dabei mit dem Hammer auf den Daumen hauen kann.
Und für jeden, der sich aus einem Schlamassel freikämpft, gehen hundert unbesungen unter, oder verkrüppelt durchs Leben -- das stumme Zeugnis des Friedhofs, wie Taleb es nennt.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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30.12.2017, 08:58
AW: No pain = no gain?
Was mir leicht fällt zu lernen und umzusetzen, fällt einem anderen schwer(er). Umgekehrt genau so. So stricke ich z.B. für mein Leben gern und viel, während andere mühsam Masche für Masche lernen müssen. Dafür tu ich mich mit Technik schwerer, so dass ich da länger brauche.
Bei aufgezwungener Veränderung, der extrinsischen Motivation, meldet sich mein innerer Schweinehund auch und verlangt die alte Bequemlichkeit zurück. Nur - die gibt es oft nicht mehr. Nach einiger Zeit ist er dann mit den Veränderungen zufrieden, weil es mein Leben leichter macht.
Einiges Leid ist auch hausgemacht und trägt nicht zur Persönlichkeitsentwicklung bei, sondern ist einfach nur doof. Bei einer offenen Wunde wird ein Pflaster darüber geklebt, damit sie heilen kann, oder sie wird genäht. Aber niemand lässt sie offen und leidet dann, wenn sie sich weiter entzündet und den restlichen Körper schwächt.
Selbst verschuldete Krankheit oder Arbeitslosigkeit ist kein Schicksalsschlag, sondern eigene Dummheit. Bei unabsehbaren Dingen wie einer Firmeninsolvenz gibt es zwar Anzeichen und Gerüchte, aber kaum ein Angestellter wird rechtzeitig die Stelle wechseln (können) und so den Folgen entgehen. Aber sich dann auf anderen auszuruhen und nicht selbst wieder aktiv zu werden, mündet in ein "Schicksal" und meistens Jammertiraden.
Nur weil einigen Menschen scheinbar alles in den Schoß gefallen ist - wir sehen meistens nur die Oberfläche - heißt das noch lange nicht, dass sie nicht auch ihr Päckchen zu tragen haben. Während wir "leiderprobten" scheinbar lässig Haushalt, Kinder, Beruf und Hausbau gleichzeitig schultern, brechen diese unter der "Last" zusammen, z.B. die Arbeitsstelle wechseln zu müssen. Für solche Menschen ist diese winzige Veränderung ein Riesenberg, da sie das nicht früher gelernt haben. Tauschen möchte ich mit solchen Leute nicht.
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30.12.2017, 09:07
AW: No pain = no gain?
Es hängt doch sehr davon ab, was für eine Veränderung es ist. Es ist ja doch was Anderes, ob ich von der Einzimmerwohnung an der Hauptstrasse in die Villa im Park ziehe, oder von der Villa im Park in die Einzimmerwohnung an der Hauptstrasse.
Ebenso muss "Veränderung" nicht bedeuten "es wird leichter". Vielleicht wird es auch objektiv schwieriger, aufwendiger, komplizierter.
Wenn es sich nicht gerade um sehr eindeutige Fälle handelt, wie den neugierigen Wissenschaftler, der sich zu Testzwecken sein neu gebasteltes Bakterium im Selbstversuch injiziert, wäre ich da vorsichtig mit "eigene Dummheit".Selbst verschuldete Krankheit oder Arbeitslosigkeit ist kein Schicksalsschlag, sondern eigene Dummheit.
Sogar bei Suchterkrankungen wie Alk oder Tabak - Wie viel kann jemand eigentlich dafür, nicht die Charakterstärke zu besitzen, gegebenenfalls nein zu sagen? und das täglich, immer, ein Leben lang?
Da kann einfach jeder von Glück singen, der NICHT charakterschwach ist, sondern einen starken Willen hat (oder auch nicht. Man kann auch mit einem starken Willen umfangreiche Pläne kompetent umsetzen... und dann, ein paar Jahre später, feststellen, dass man das alles eigentlich gar nicht mag, was man sich so umsichtig und konsequent aufgebaut hat).
gruss, barbara
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30.12.2017, 11:47Inaktiver User
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30.12.2017, 12:29
AW: No pain = no gain?
ich denke schon, dass ein Leben auf der Sonnenseite dazu führen kann, seicht zu bleiben.n
Wenn ich mich änderte, und zu einem andern Menschen wurde - dann meist, weil ich musste. Nicht, weil ich es interessant fand. Sondern weil es eine klare, dringende Notwendigkeit dazu gab.
Aber es gab auch gelegentlich das, was ich unter dem Begriff "heilige Unzufriedenheit" kenne - eigentlich ist alles gut, super, geordnet und nach Plan - und dennoch ist da das ständig nagende Gefühl, da fehlt noch was, war das jetzt wirklich alles?
gruss, barbara
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30.12.2017, 13:17Inaktiver User



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