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Thema: Minimalismus

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    AW: Minimalismus

    Zitat Zitat von tuerkisblau Beitrag anzeigen
    Man sollte auch bedenken, dass Minimalismus eine Modeerscheinung ist.
    Meine Form von Minimalismus besteht schlicht darin, mich auf das zu konzentrieren, was mir wichtig ist. Wenn ich dann noch hin und wieder die Energie aufbringe, Dinge wegzuschmeißen, die mir nichts bedeuten/ich nicht brauche/nur im Weg herumstehen, dann reicht mir das.
    Damit praktizierst du Minimalismus, ohne es explizit zu nennen.

    Zitat Zitat von Blue2012 Beitrag anzeigen
    Und auch irgendwie ein ähnliches Extrem darstellt, wie z.B. bei der Nachkriegsgeneration die Aufheberei und das sich geradezu Vollstopfen. Es ist eher die Sehnsucht nach Werten, die uns gesellschaftlich irgendwie verloren geht....
    Die Nachkriegsgeneration hat aufgrund des Krieges und der Flucht bzw. Vertreibung ihre Wurzeln verloren (nicht alle!), so dass es in einigen Familie keine Erinnerungsstücke mehr gab. Auf die Flucht nimmt man nur leichtes Gepäck mit und garantiert nicht das Küchenbüffet, das die Urgroßmutter zu ihrer Hochzeit bekommen hat. Dieses Sachen fehl(t)en, so dass man später alles aufgehoben hat, was noch zu gebrauchen war.
    Ähnlich funktioniert das Vollstopfen nach extremer Hungerzeit. Die Lebensmittelkarten reichten zum Überleben, Hunger hatten die meisten trotzdem noch.

    Minimalismus zeigt die Schwächen unserer heutigen Gesellschaft, nämlich dass uns der Überfluss buchstäblich erschlagen kann. Wenn wir uns reduzieren, können wir wieder spüren, was wir als Menschen tatsächlich brauchen: Ansprache, für andere da sein, Lachen, eine tägliche kleine Freude.
    Zugleich schont Minimalismus den eigenen Geldbeutel und die Umwelt. Die Bahn und die Öffis werden genutzt, mit dem Fahrrad betreibe ich gleichzeitig etwas Sport, was mir gut tut.

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    AW: Minimalismus

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Gerade Frendschaft ist so ein heikler Punkt bei mir. Deshalb würde mich wirklich sehr interessieren, wie Makrele das für sich löst. Nach deinen posts fühlst du dich sehr gut dabei. Einmal schreibst du, dass du nur die Kernfamilie hast, dann noch, dass es durchaus Menschen gibt, die dich mögen.
    Ist damit die Kernfamilie gemeint? Und reicht dir das aus?
    Da gibt es nichts zu lösen.

    Ich habe berufsbedingt täglich sehr viel mit Menschen zu tun, was ich gerne mag. Aber in meinem Privatleben ist mir meine Familie genug, auch wenn es durchaus Menschen gibt, die mich mögen. Es passiert mir oft, dass Bekannte mehr Kontakt suchen, das ist aber nicht meins.

    Ich komme mit meinem Leben gut zurecht, fühle mich wohl und das meiste gelingt mir. Deswegen habe ich nicht den Drang, Probleme oder ähnliches zu besprechen. Die wenigen Dinge, die mich mal belasten, bespreche ich mit meinem Mann.

    Ich komme aus einer dysfunktionalen Familie und ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein Aussteigen nichts zum Guten gewendet hat. Das Gekeife, Geklammer, die Ambivalenzen und Stimmungsschwankungen sind genauso schlimm wie immer.

    Da ich aber nur noch Gutes in mein Leben lasse, bleibt das außen vor. So wie insgesamt Müll in meinem Leben nichts verloren hat.

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    AW: Minimalismus

    Zitat Zitat von chryseis Beitrag anzeigen
    Minimalismus zeigt die Schwächen unserer heutigen Gesellschaft, nämlich dass uns der Überfluss buchstäblich erschlagen kann. Wenn wir uns reduzieren, können wir wieder spüren, was wir als Menschen tatsächlich brauchen:...
    Werte. Sicher für jeden etwas anderes. Für mich ist z.B. das Familiäre wichtig, Integrität, auch Disziplin.

    Da ich seit Wochen (!) selbst dabei bin, zu entrümpeln, sprach mich dieser Strang so an. Aber ich hatte den Eindruck, dass rochester da was anderes gerade lernt als ich und auch was anderes braucht.
    Ich weiß schon länger: Jeder Gegenstand sagt etwas. Als Beispiel: Das "gute" Rosenthal-Geschirr von meiner verstorbenen Schwiegermutter. Aus den 80ern oder früher, nicht mehr so richtig modern, aber auch nicht potthässlich. Zum Wegwerfen zu teuer gewesen, zum Behalten nimmts vieel zuviel Platz weg. Letztens bin ich beim Ausmisten erschrocken über den Gedanken, den ich hatte, als ich über diesem 12-tellerteiligen Ding stand mit Terinen, Riesentöpfen, Platten inkl. 12teiligem Kaffeeservice: Wir werden niemals 12 Menschen an einen Tisch kriegen, um davon zu essen. Wir kriegen nichtmal 6 zusammen. Nein. Weil alle schon weggestorben sind.

    Da war mein persönlicher Schluckmoment. Dieses Rosenthal-Geschirr erinnert mich daran, dass sowohl meine Ursprungsfamilie als auch die meines Mannes (so gut wie alle) verstorben sind. Ich verbinde damit also den Tod.
    Klasse!! Wann also werd ich diese Teller mal hinrichten????

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    AW: Minimalismus

    Zitat Zitat von Blue2012 Beitrag anzeigen
    Ich verbinde damit also den Tod.
    Klasse!! Wann also werd ich diese Teller mal hinrichten????
    Oh Mann. Jetzt muss ich grad lachen über diesen Freud`schen...

  5. Inaktiver User

    AW: Minimalismus

    Zitat Zitat von Blue2012 Beitrag anzeigen
    Oh Mann. Jetzt muss ich grad lachen über diesen Freud`schen...
    Ich dachte, das wäre gewollt, es hat richtig gut gepasst.
    Tut mir leid mit euren Familien..

  6. gesperrt

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    AW: Minimalismus

    Zitat Zitat von Blue2012 Beitrag anzeigen
    Ich weiß schon länger: Jeder Gegenstand sagt etwas. Als Beispiel: Das "gute" Rosenthal-Geschirr von meiner verstorbenen Schwiegermutter...Ich verbinde damit also den Tod.
    Klasse!! Wann also werd ich diese Teller mal hinrichten????
    Schluck. Aber hinrichten passt.

    Wie wäre es mit einmal so richtig den Tisch damit einzudecken, Foto machen, vielleicht Freunde und Bekannte für ein großes Abschiedsessen einzuladen und danach das Geschirr zu verkaufen?

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    Zitat Zitat von chryseis Beitrag anzeigen
    Wie wäre es mit einmal so richtig den Tisch damit einzudecken, Foto machen, vielleicht Freunde und Bekannte für ein großes Abschiedsessen einzuladen und danach das Geschirr zu verkaufen?
    2x gemacht. Silvesterparty, noch vor Kind. Gefühle sind trotzdem die gleichen. Und verkaufen: Hammer, aber - du bekommst dafür nix mehr. Weil niemand mehr sowas "Schweres" haben möchte (alle wollen leicht, easy, wenig Platz einnehmend).

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    AW: Minimalismus

    Zitat Zitat von Blue2012 Beitrag anzeigen
    2x gemacht. Silvesterparty, noch vor Kind. Gefühle sind trotzdem die gleichen. Und verkaufen: Hammer, aber - du bekommst dafür nix mehr. Weil niemand mehr sowas "Schweres" haben möchte (alle wollen leicht, easy, wenig Platz einnehmend).
    Verschenken an Selbstabholer oder Wert Stoff- Recyclinghof. Wie immer das bei euch heißt.
    Kurz und schmerzlos und wieder Ballast los.

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    Zitat Zitat von Paraplumeau Beitrag anzeigen
    oder Wert Stoff- Recyclinghof. Wie immer das bei euch heißt.
    Kurz und schmerzlos und wieder Ballast los.
    Dein Ernst? Du würdest ein Rosenthal-Geschirrset aufn Wertstoffhof kloppen? Alter, bist du tough...

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    Zitat Zitat von Blue2012 Beitrag anzeigen
    Dein Ernst? Du würdest ein Rosenthal-Geschirrset aufn Wertstoffhof kloppen? Alter, bist du tough...
    Ich hoffe doch sehr, dass meine Nachfahren niemals solche Gefühle empfinden. Die Vorstellung, dass sie diese Gegenstände anschauen, schlucken und an meinen Tod denken ist tief deprimierend.

    Hoffentlich können sie meine Sachen mit leichtem Herzen wegwerfen und mit Liebe an mich denken.

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