Damit praktizierst du Minimalismus, ohne es explizit zu nennen.
Die Nachkriegsgeneration hat aufgrund des Krieges und der Flucht bzw. Vertreibung ihre Wurzeln verloren (nicht alle!), so dass es in einigen Familie keine Erinnerungsstücke mehr gab. Auf die Flucht nimmt man nur leichtes Gepäck mit und garantiert nicht das Küchenbüffet, das die Urgroßmutter zu ihrer Hochzeit bekommen hat. Dieses Sachen fehl(t)en, so dass man später alles aufgehoben hat, was noch zu gebrauchen war.
Ähnlich funktioniert das Vollstopfen nach extremer Hungerzeit. Die Lebensmittelkarten reichten zum Überleben, Hunger hatten die meisten trotzdem noch.
Minimalismus zeigt die Schwächen unserer heutigen Gesellschaft, nämlich dass uns der Überfluss buchstäblich erschlagen kann. Wenn wir uns reduzieren, können wir wieder spüren, was wir als Menschen tatsächlich brauchen: Ansprache, für andere da sein, Lachen, eine tägliche kleine Freude.
Zugleich schont Minimalismus den eigenen Geldbeutel und die Umwelt. Die Bahn und die Öffis werden genutzt, mit dem Fahrrad betreibe ich gleichzeitig etwas Sport, was mir gut tut.
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Thema: Minimalismus
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21.12.2017, 16:49
AW: Minimalismus
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21.12.2017, 17:10
AW: Minimalismus
Da gibt es nichts zu lösen.
Ich habe berufsbedingt täglich sehr viel mit Menschen zu tun, was ich gerne mag. Aber in meinem Privatleben ist mir meine Familie genug, auch wenn es durchaus Menschen gibt, die mich mögen. Es passiert mir oft, dass Bekannte mehr Kontakt suchen, das ist aber nicht meins.
Ich komme mit meinem Leben gut zurecht, fühle mich wohl und das meiste gelingt mir. Deswegen habe ich nicht den Drang, Probleme oder ähnliches zu besprechen. Die wenigen Dinge, die mich mal belasten, bespreche ich mit meinem Mann.
Ich komme aus einer dysfunktionalen Familie und ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein Aussteigen nichts zum Guten gewendet hat. Das Gekeife, Geklammer, die Ambivalenzen und Stimmungsschwankungen sind genauso schlimm wie immer.
Da ich aber nur noch Gutes in mein Leben lasse, bleibt das außen vor. So wie insgesamt Müll in meinem Leben nichts verloren hat.
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21.12.2017, 17:18
AW: Minimalismus
Werte. Sicher für jeden etwas anderes. Für mich ist z.B. das Familiäre wichtig, Integrität, auch Disziplin.
Da ich seit Wochen (!) selbst dabei bin, zu entrümpeln, sprach mich dieser Strang so an. Aber ich hatte den Eindruck, dass rochester da was anderes gerade lernt als ich und auch was anderes braucht.
Ich weiß schon länger: Jeder Gegenstand sagt etwas. Als Beispiel: Das "gute" Rosenthal-Geschirr von meiner verstorbenen Schwiegermutter. Aus den 80ern oder früher, nicht mehr so richtig modern, aber auch nicht potthässlich. Zum Wegwerfen zu teuer gewesen, zum Behalten nimmts vieel zuviel Platz weg. Letztens bin ich beim Ausmisten erschrocken über den Gedanken, den ich hatte, als ich über diesem 12-tellerteiligen Ding stand mit Terinen, Riesentöpfen, Platten inkl. 12teiligem Kaffeeservice: Wir werden niemals 12 Menschen an einen Tisch kriegen, um davon zu essen. Wir kriegen nichtmal 6 zusammen. Nein. Weil alle schon weggestorben sind.
Da war mein persönlicher Schluckmoment. Dieses Rosenthal-Geschirr erinnert mich daran, dass sowohl meine Ursprungsfamilie als auch die meines Mannes (so gut wie alle) verstorben sind. Ich verbinde damit also den Tod.
Klasse!! Wann also werd ich diese Teller mal hinrichten????
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21.12.2017, 17:19
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21.12.2017, 17:22Inaktiver User
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21.12.2017, 17:32
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21.12.2017, 17:45
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21.12.2017, 17:51
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21.12.2017, 17:57
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21.12.2017, 18:14
AW: Minimalismus
Ich hoffe doch sehr, dass meine Nachfahren niemals solche Gefühle empfinden. Die Vorstellung, dass sie diese Gegenstände anschauen, schlucken und an meinen Tod denken ist tief deprimierend.
Hoffentlich können sie meine Sachen mit leichtem Herzen wegwerfen und mit Liebe an mich denken.



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