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  1. Inaktiver User

    AW: Heimat, Konitnuität, Geborgenheit ist am wegbrechen

    Zitat Zitat von Dauerkultur123 Beitrag anzeigen
    Zum Thema Erwachsenwerden: Vor 20 Jahren bin ich von meinen Eltern ausgezogen. Und auch wirklich innerlich ausgezogen, da ich mit meinem Vater Probleme hatte. Die Hälfte der 20 Jahre habe ich meine Eltern nur alle paar Monate besucht. Weil es mir aber nie gelungen ist, irgendwo Freunde zu finden oder einen Partner, bin ich in den letzten 10 Jahren immer öfter wieder hingefahren. Die Wochenenden allein deprimieren mich ziemlich, auch wenn ich versuche, etwas zu unternhemen, im Gartenzu arbeiten oder Museum oder mit einem Kollegen essen gehen. Werktags an Feierabend mache ich oft was, div. Vereine, Ehrenamt, Teilnahme an Kursen, Singlebörsen im Netz usw. Aber irgendwie fand ich nie Menschen, mit denen ich und die mit mir etwas anfangen konnten.
    Dein eigenes Leben findet aber nur von Montags bis Freitags statt, wenn du an drei von vier Wochenenden bei deiner Mutter bist. Ich könnte z.B. gar nicht mit jemandem befreundet sein, der am Wochenende nie da ist, denn ich habe unter der Woche nie besonders viel Zeit, was mitLeuten zu machen, und bin auch oft auf Dienstreise. Mein persönliches Sozialleben findet fast ausschließlich am Wochenende statt.

    Ich bin selbst in einer Familie aufgewachsen, die sehr „klammerte“, und bin erst mit 21 ausgezogen (was ich relativ spät finde). Obwohl ich dann auch schon in anderen Städten arbeitete, kreiste ich doch auch sehr um die Familie. Es war eine bewusste Entscheidung von mir, den Kontakt irgendwann auf ein Minimum (2 Besuche im Jahr) zu beschränken. Es ist nämlich sehr schwer, sich was „Eigenes“ aufzubauen, wenn man ständig zwischen zwei Orten hin und her pendelt. Erst als ich diese Entscheidung getroffen hatte, konnte ich an meinem Wohnort Bekannte finden. Vorher war ich da auch irgendwie blockiert. Nur wer sich selbst genügt, ist wirklich frei - das habe ich dabei für mich gelernt.

    Deine Mutter wird rein biologisch gesehen sowieso vor dir gehen - und was machst du dann? Immer noch jedes WoE in den Heimatort fahren? Was ist dein Plan B für diesen Fall?

  2. Inaktiver User

    AW: Heimat, Konitnuität, Geborgenheit ist am wegbrechen

    Dauerkultur, sei mir nicht böse, aber eigentlich klingt es nicht so, als ob Du wirklich konkret an Deinen Eltern und Deinem Heimatort hängst. Sondern eher so, dass Du sonst nichts hast. Ich würde versuchen, letzteres zu ändern (ich weiß, geht nicht auf Knopfdruck), dann wird Dir das Haus egal sein.

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    AW: Heimat, Konitnuität, Geborgenheit ist am wegbrechen

    Vielleicht habe ich ja ein völlig falsches Bild vor Augen - aber ich stelle mir
    Deine Situation so vor, dass Du zwar eine Wohnung in der Stadt hast, in der
    Du arbeitest, aber dass es sich mehr um eine Art Unterkunft handelt, im
    Sinne einer Notwendigkeit, und nicht um ein Zuhause, in dem Du Dich wohl fühlst.

    Deshalb wahrscheinlich (?) auch die sehr häufigen Fahrten zum Elternhaus,
    weil Du Dich eben nur dort zuhause fühlst.

    Ein gutes und enges Verhältnis zu Deiner Mutter könntest Du nämlich auch
    ohne diese dauernden Besuche haben, ich denke, die Mutter füllt für Dich
    eine Lücke.

    Andererseits spricht Deine Mutter selbst von "ihr das Händchen halten".
    So nehme ich an, ihr klammert Euch an einander, um jeweils Defizite im
    Leben zu kompensieren.

    Noch gehört das Haus ja Deiner Mutter.
    Was möchte SIE denn damit machen?

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    AW: Heimat, Konitnuität, Geborgenheit ist am wegbrechen

    Wie ich bereits schrieb, meine Mutter möchte das Haus nicht verkaufen, sieht dazu aber keine Alternative.

    Und ja, es stimmt, wir haben beide nichts anderes.

    Viele Jahre lang waren meine Besuche bei den Eltern viel seltener (ca. 1x in 2 Monaten). Ich habe versucht, vor Ort Fuß zu fassen. Mir eine schöne Wohnung einzurichten, Freunde/Partner zu finden usw. Nach einem Jahr musste ich wegen Job schon wieder ganz woanders hinziehen. Manchmal hatte ich an einem Ort erste Kontakte geknüpft, manchmal ist mir selbst dies nicht gelungen. Ich habe es zum Schluss aber auch immer krampfhafter versucht, es ging mir so schlecht vor Einsamkeit. Es drehte sich alles nur noch um "was kann ich noch probieren". Ich konnte die Sache nicht mehr locker angehen, ich brauchte Kontakt zu anderen Menschen so dringend. Aber dann klappte es natürlich erst recht nicht. Irgendwann habe ich aufgegeben. Ich habe den Job geschmissen, bin zu meinen Eltern gezogen. Nach einigen Gelegenheitsjobs habe ich meinen jetzigen Job gefunden. Die Kollegen tun mir gut. Dadurch, dass ich die Kollegen habe und am Wochenende meine Eltern, bin ich nicht mehr ganz so verzweifelt und ich komme gut mit Menschen zurecht, tausendmal besser als früher. Ich mache auch nicht mehr krampfhaft irgendwas, um Kontakte zu knüpfen. Ich halte eher die Augen offen, was mich inhaltlich interessiert (Workshops, Kurse, Vereine) und mache das dann. Freunde suchen im engeren Sinn betreibe ich nicht mehr aktiv. Ich halte das Suchen selbst für einen Fehler. Ich versuche nur noch, mit Menschen in Kontakt zu kommen einfach so, um des Moments selbst willen.

    Wenn ich irgendwas habe, wo ich hinwill bleibe ich am Wochenende auch am Arbeitsort. Es gibt aber nicht so oft was. Was die anderen Wochenenden angeht halte ich es nicht für produktiv, mich zu depressiven Wochenenden allein vor der Glotze zu zwingen. Selbst wenn ich spazieren oder ins Museum oder allein ins Kino gehe, was ich aber oft nicht schaffe, weil es mir zu schlecht geht, wie sollte ich dabei Freunde finden?

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    AW: Heimat, Konitnuität, Geborgenheit ist am wegbrechen

    Zitat Zitat von schafwolle Beitrag anzeigen
    Vielleicht habe ich ja ein völlig falsches Bild vor Augen - aber ich stelle mir
    Deine Situation so vor, dass Du zwar eine Wohnung in der Stadt hast, in der
    Du arbeitest, aber dass es sich mehr um eine Art Unterkunft handelt, im
    Sinne einer Notwendigkeit, und nicht um ein Zuhause, in dem Du Dich wohl fühlst.
    Korrekt, so ist es. Ich bin schoon so oft umgezogen, voll Hoffnung, das es am neuen Ort besser wird. Ich konnte mich an keinem Ort mehr zuhause fühlen. Als ich an meinen jetzigen Wohnort gezogen bin, konnte ich es zu meiner Überraschung auf einmal, zart und vorsichtig, wieder wagen. Ich hatte ja auch zum ersten Mal einen unbefristeten Job. Ich war so glücklich, habe mir alles liebevoll eingerichtet .. und nach einem Vierteljahr die Kündigung wegen Eigenbedarf bekommen. Da ist wieder was in mir kaputtgegangen. Seitdem kann ich nicht mehr, will ich nicht mehr, Wohnungen sind Durchgangsstation. Hier wird auch nichts mehr mit Herzblut eingerichtet. Ich musste zu oft dann gehen. Ich hätte nur gerne mehr Menschen, die mir nahestehen.

  6. Inaktiver User

    AW: Heimat, Konitnuität, Geborgenheit ist am wegbrechen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Dauerkultur, sei mir nicht böse, aber eigentlich klingt es nicht so, als ob Du wirklich konkret an Deinen Eltern und Deinem Heimatort hängst. Sondern eher so, dass Du sonst nichts hast. Ich würde versuchen, letzteres zu ändern (ich weiß, geht nicht auf Knopfdruck), dann wird Dir das Haus egal sein.
    Nein, das muss nicht sein. Dieses Dilemma habe ich nämlich ähnlich. Mit drei Jahren wurde ich mit meiner Familie vom schwäbischen Dorf ins Bergische Land verpflanzt.
    Meine Heimat sah ich aber immer im schwäbischen. Dort besitzen wir auch noch ein ähnlich altes Haus.

    Ich muss aber sagen, dass der Ort meiner Heimat das Dorf von vor 50 Jahren ist. Das gibt es nur noch in einem Paralleluniversum. Das wurde mir letztes Jahr klar, als meine Mutter schwer erkrankte.

    Das Haus wird wohl an jemanden verkauft, der es abreißen wird, weil es so alt ist.

    Das macht mich trotzdem sehr traurig, weil es in meinem Herzen Heimat ist. Insofern kann ich die TE verstehen.
    Nützt aber alles nichts. Ich wohne da, wo ich jetzt lebe und arbeite. Heimat ist meine Erinnerung in meinem Herzen.

  7. Inaktiver User

    AW: Heimat, Konitnuität, Geborgenheit ist am wegbrechen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Nein, das muss nicht sein. Dieses Dilemma habe ich nämlich ähnlich. Mit drei Jahren wurde ich mit meiner Familie vom schwäbischen Dorf ins Bergische Land verpflanzt.
    Meine Heimat sah ich aber immer im schwäbischen. Dort besitzen wir auch noch ein ähnlich altes Haus.

    Ich muss aber sagen, dass der Ort meiner Heimat das Dorf von vor 50 Jahren ist. Das gibt es nur noch in einem Paralleluniversum. Das wurde mir letztes Jahr klar, als meine Mutter schwer erkrankte.

    Das Haus wird wohl an jemanden verkauft, der es abreißen wird, weil es so alt ist.

    Das macht mich trotzdem sehr traurig, weil es in meinem Herzen Heimat ist. Insofern kann ich die TE verstehen.
    Nützt aber alles nichts. Ich wohne da, wo ich jetzt lebe und arbeite. Heimat ist meine Erinnerung in meinem Herzen.
    Ich oute mich jetzt mal.
    Ich versteh das wie weiter oben geschrieben schon.
    Aber, ich habe auch einen Stiefsohn, der sich so verhält wie du.
    Er klammert an seinem Vater. Das tut dem Sohn nicht gut, denn es hindert ihn in der entwicklung, und es schadet der Ehe.
    Mach selbst was aus deinem Leben. Du hast nur das eine !

  8. Inaktiver User

    AW: Heimat, Konitnuität, Geborgenheit ist am wegbrechen

    Zitat Zitat von Dauerkultur123 Beitrag anzeigen

    Wenn ich irgendwas habe, wo ich hinwill bleibe ich am Wochenende auch am Arbeitsort. Es gibt aber nicht so oft was. Was die anderen Wochenenden angeht halte ich es nicht für produktiv, mich zu depressiven Wochenenden allein vor der Glotze zu zwingen. Selbst wenn ich spazieren oder ins Museum oder allein ins Kino gehe, was ich aber oft nicht schaffe, weil es mir zu schlecht geht, wie sollte ich dabei Freunde finden?
    Lerne, dir selbst zu genügen. Das ist aus meiner Lebenserfahrung heraus der Schlüssel zur Zufriedenheit.

    Dass du über Vereine etc. keinen Anschluss findest, ist seltsam. Mein Sportverein trifft sich z. B. regelmässig Sonntags zum gemeinsamen Training (2 h), danach gehen wir zusammen brunchen (2 h). Alle paar Sonntage ist auch ein Wettkampf, da sind wir dann zusammen "auswärts". Bis ich geduscht und halbwegs wieder ausgeruht bin, ist der Sonntag dann auch schon größtenteils vorbei, d.h. da würde bei mir gar keine Langeweile aufkommen (und dann habe ich ja noch nicht die Wäsche gemacht, die Wohnung geputzt, .gebügelt, ... )

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    AW: Heimat, Konitnuität, Geborgenheit ist am wegbrechen

    Hab beim Sportverein gefragt, ob es da nicht mal eine Feier o.ä. gibt, wo man Kuchen backen muss oder sonstiges, aber sie sagten nö, durch die Beiträge der vielen passiven Mitglieder bräuchten sie das nicht. Dann war ich im Tierheim-Verein, um mit Hunden Gassi zu gehen. Ich fühlte mich immer, als würde ich die Mitarbeiter belästigen. Andere Gassigänger, die es durchaus gab, sah ich höchstens mal von weitem spazieren gehen. Als dann noch rauskam, dass der Vorstand Gelder veruntreut hatte, bin ich ausgetreten. Ich habe noch einen anderen Vereine kontaktiert, in denen ich ein Hobby ausüben wollte, aber der bestand nur aus Männern Ü70. Und der andere Sportverein war nur Leistungssport. Beim Ehrenamt hatte ich keinen Kontakt zu anderen mit der gleichen Aufgabe, obwohl ich mir den Austausch dringend gewünscht hätte. Hab das auch den Organisatoren mitgeteilt, aber es kam nichts.

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    AW: Heimat, Konitnuität, Geborgenheit ist am wegbrechen

    Die Schulfreundin hat immer zu mir gesagt "lerne, dir selbst zu genügen". Seit ihr Mann sie verlassen hatt, sagt sie das nicht mehr.
    Ich halte dies seit jeher für Humbug. Kein Mensch kann ohne Austausch mit anderen und ohne Zuneigung auskommen. Ich bin auch gerne allein, aber bitte nicht nur!

    Ich habe keine Gegenwart und keine Zukunft, die mir Geborgenheit bieten. Deshalb macht mich der Verlust der Vergangenheit -sprich des Hauses- wahnsinnig. Wenn meine Mutter einmal stirbt, wird mein Leben wohl auch vorbei sein. Dann habe ich gar nichts mehr. Die Kafferunden auf der Arbeit und die kleinen Freuden des Alltags geben mir viel, aber da dies das einzige bleiben wird und sonst an Nähe nichts mehr kommen wird, wie mir die letzten Jahrzehnte gezeigt haben, reicht es nicht aus.
    Geändert von Dauerkultur123 (11.11.2017 um 22:53 Uhr)

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