Jepp - so ist es.
Ich denke auch nicht, dass wir aus dieser Schiene des Wertens heraus kommen werden, da das tief in uns angelegt ist.
Dennoch können wir ganz gezielt Einfluss auf unsere Wertung nehmen, wir sind unserer Wertung nicht total ausgeliefert.
Mit "wertfrei" meine ich eine neutrale Haltung- weder in die eine noch in die andere Richtung getriggert zu werden.
Wenn ich mir eine Situation ansehe - mit mir und meinen Gefühlen- dann entziehe ich mich auch dieser Wertung, da ich in den Verstand gehe und Beobachter werde.
Eine sehr wirkungsvolle Methode um sich von den Emotionen zu befreien und eine Situation ganz neu ansehen zu können.
Ob dieser Verstand nun doch auch Wertung hat......ist die Frage- die Kunst liegt ja gerade in einem neutralen Betrachten einer Situation und der Chance darin, neu zu verstehen oder zu werten.
Ich bin der Überzeugung, dass wir uns unser Leben oft sehr unnötig erschweren, weil wir negativ werten.
Der Klassiker ist "Glas halbvoll oder halbleer" und das gilt letztlich für alles.
Sich klar sein, dass es immer auch mindestens eine Sichtweise gibt, die zu meiner eigenen besteht, sehe ich als Bereicherung in unserem Leben (was ohne das oft ausweglos oder sehr anstrengend wirken kann).
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09.11.2017, 11:56Inaktiver User
AW: Lernen "gut" mit sich zu leben.
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09.11.2017, 11:56
AW: Lernen "gut" mit sich zu leben.
Ich verwende, "mir selbst ein Freund sein" als Lackmustest. Würde ich so, wie ich gerade mit mir umgehe, mit einem Freund umgehen? Nein? Warum nicht? Warum mach ich's dann mit mir? (Oft kommt dann das Teufelchen raus mit "weil du was ganz besonderes bist!" Nö.)
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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10.11.2017, 06:43
AW: Lernen "gut" mit sich zu leben.
nein, es ist keine Wortklauberei, sondern ein etatsächlicher Utnerschied, ob man formuliert:
a) "ich übe Tätigkeit X in folgenden regelmässigen Abständen aus"
b) "ich übe Tätigkeit X aus und werde darin folgende Ergebnisse erreichen."
Bei a) ist der Erfolg schon da, wenn man einfach macht, was immer man machen will - egal ob guter oder schlechter Tag.
Bei b) setzt man sich zusätzlich unter Druck, indem man das Ergebnis vorgibt. Aber es könnte doch tatsächlich sein, dass ich den E-Dur-Lauf im Klavierstück halt nicht bis in drei Wochen flüssig und fehlerfrei spielen kann, egal wie viel ich übe... und das erzeugt Frust. anstatt sich zu sagen "ich setz mich ein bisschen ans Klavier und guck, wie weit ich komme", und sich über Fortschritte zu freuen, so wie sie eben kommen.
Weil zum Durchhalten auch das Durchhalten von schwierigen Phasen gehört, und schwierige Phasen hält man am besten durch, in dem man sich sagt "war heute nicht so toll, aber ich mach jetzt einfach mal weiter" Perfektionismus kann sehr lähmend wirken.was ich auch nciht verstehe ist wieso jetzt darüber geredet wird mal fünfe gerade sein zu lassen. musss man ja gar nichts gegen sagen nur wollte die te doch tipps wie sie sich irgendwie ändern kann und das auch durchhält.
gruss, barbara
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10.11.2017, 06:48
AW: Lernen "gut" mit sich zu leben.
Die TE hat berichtet, zwei Mini-Veränderungen in ihrem Leben umzusetzen und sie will diese als feste Gewohnheiten installieren.
Das scheint mir ein sinnvolles und brauchbares Verfahren zu sein, erst mal klein anzufangen, aber Hauptsache anfangen.
indem man sich selbst beobachtet und erkennt, wo man was wie bewertet, und darüber nachdenkt, ob einem diese Bewertungen dienlich sind oder nicht, und falls nicht, sie gegebenenfalls verändert.sich also in seinem "Sein" neutral zu betrachten, ja wert-frei, wie du es postulierst - ich frage mich: Wie bitte soll das gehen?
Genau darum ist es ja wichtig, bewusst Neutralität aufzusuchen, damit man nach und nach erkennt, wo man Projektionen und blinde Flecken hat. Besonders heimtückisch sind jene schlechten Gewohnheiten, die sich als Tugend tarnen. Die sind nicht nur schwierig zu erkennen, sondern man neigt sogar dazu, stolz darauf zu sein.Sich selbst wert-frei zu betrachten, geht eben nicht. Ist gar nicht möglich. Denn hierzu trage ich viel zu viele Bilder von mir, Projektionen, mit mir herum. Blinde Bereiche, die für mich selbst nicht sichtbar sind.
gruss, barbara
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11.11.2017, 15:19Inaktiver User
AW: Lernen "gut" mit sich zu leben.
Ich muss zugeben, ich bin mit dem Lesen noch nicht ganz hinterher gekommen, aber wollte trotzdem schon wieder was schreiben. Lesen und Beantworten des umfangreichen Zwischenteils hole ich so schnell wie möglich nach.
Mir blieb dieses "Dich wie einen Freund behandeln" im Hinterkopf.
Heute - Veränderungen 1 + 2 sind schon wieder weggebrochen, obwohl eigentlich Kleinigkeiten(!) - merke ich, dass ich innerlich ein wenig wütend auf mich bin.
Dann kam der Gedanke: aber Du bist doch "dein Freund".
*Überlegt* -> auf Freunde kann man auch wütend sein, man hat sie trotzdem gern.
Ich glaube also, dass es sich um eine sehr bewusste, wertschätzende und vertrauensvolle Art handelt, mit sich selbst umzugehen. Kurz hatte ich auch das Bild vor Augen, dass man sich selbst "wie sein Kind" behandeln sollte. Irgendwie war das für mich erstmal plausibler, denn bei diesem "Freund"-Gedanken ist es, glaube ich, problematisch, dass die normalen Freunde ja auch alle ein eigenes Selbst haben.
Oder anders gesagt: Welchen Freund soll ich denn da nehmen?
Wildwusel hat das vor ein paar Beiträgen schon mal ein wenig erklärt, wie das funktioniert. ... Ich hab mir jetzt meine Gedanken gemacht (siehe oben) ... vielleicht mag das jemand auch noch mal aus seiner/ihrer Perspektive beschreiben?
Danke schon mal.
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11.11.2017, 15:21Inaktiver User
AW: Lernen "gut" mit sich zu leben.
Bzgl. Selbstwut, - finde ich übrigens ganz faszinierend, zumal ich ja auch las, dass Veränderungen mit Leidensdruck und Ärger(?) zu tun haben - so als Motivator.
Ich dachte bisher, dass es vor allem wichtig ist, lieb zu sich zu sein. Aber so komm ich anscheinend nicht weiter.
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11.11.2017, 18:57
AW: Lernen "gut" mit sich zu leben.
Es gibt einen Unterschied zwischen Motivation und Umsetzung. Die Motivation kann sein "das wäre toll", "so will ich sein", kann aber auch sein "das ist Sch***", "das ist unter meiner Würde", "so wird das nichts". Die Umsetzung ist aber ein Lernprozeß, und wir wissen inzwischen, daß Lernprozesse nicht so toll gehen, wenn sie mit Beschimpfungen, Erpressungen und dem Rohrstock daherkommen -- da lernt man nur, Angst zu haben.
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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12.11.2017, 12:07Inaktiver User
AW: Lernen "gut" mit sich zu leben.
Angst ist für mich eine gute Lehrmeisterin. Ich habe große Angst davor, im Laufe des Lebens Zähne zu verlieren. Diese Angst ist der Motor, der mir die Entschlossenheit liefert, mich überwiegend Low-Carb zu ernähren, und mich um beste Zahnpflege zu kümmern.
Die Angst vor Zahnverlust überwindet sogar meine Angst vor Zahnärzten: Ich sitze jedes Jahr einmal, innerlich vor Angst schlotternd, aber wild entschlossen, zwecks "Nachgucken" bei meiner Zahnärztin auf dem Stuhl.
Anderes Beispiel: Soziale Scham unterstützt mich bei der Hausarbeit. In meiner Wohnung wäre es weniger reinlich und aufgeräumt, wenn ich mich nicht vor Besuchern für sichtbare hausfrauliche Defizite genieren würde.
Selbstverständlich fühle ich mich in einer sauberen, aufgeräumten Wohnung wohler. Doch dieses angestrebte Wohlgefühl brächte mich nicht zuverlässig Tag für Tag an die Putzlappen.
Noch ein Beispiel: Ich würde niemals einer Erwerbsarbeit nachgehen, wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gäbe. Mich hält nur die legale Fiesheit der Agentur für Arbeit und meine Sorge, aufgrund von Ämterphobie unter der Brücke zu enden, arbeitstechnisch bei der Stange.
Fazit: Angst und Scham sind starke Antriebskräfte, die ich dankbar zur Erledigung undankbarer Aufgaben einsetze.
In dem Zusammenhang würde mich ehrlich interessieren : Werden in Ländern, in denen auf Drogenbesitz die Todesstrafe steht (Thailand, glaube ich), weniger Drogen konsumiert?
Ich habe den Verdacht, dass interne Ängste besser funktionieren als von außen kommende, drakonische Strafen.
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23.11.2017, 09:43Inaktiver User
AW: Lernen "gut" mit sich zu leben.
Hallo!
Endlich habe ich es geschafft in den letzten Tage alle eure Antworten zu lesen. Es hat ziemlich lange gedauert und war ein bisschen seltsam, da ich mir im Vorfeld selbst die "Sinnfrage" gestellt hatte und dann sah, dass Kenzia, Bae und Blue und Thirdtought sich da sehr mit beschäftigt hatten.
Ich sehe es so: Es gibt viele Lebensfragen und Fragen im Leben, auf die man eine eigene Antwort formulieren könnte. Vieles ist aber auch total unsicher. Vielleicht ist es ganz einfach: das, was hilft (und keinem weh tut), ist wahrscheinlich das "Richtige" für den Einzelnen, also individuell betrachtet.
Wobei das "was hilft" natürlich auch in einen Kontext aus Sinn oder Ziel gepackt werden könnte. Was hilft "wozu" oder wer hilft da eigentlich?
Na ja, lassen wir das lieber ...
Ich habe für mich raus genommen:
- Achtsamkeit (Gefühle wahrnehmen und loslassen, Bewusstsein)
- Sinn/Ziel finden
- Angst und Ärger als starke Motivatoren nutzen
- an schlechten Tagen einfach weitermachen
- es gibt immer auch andere Sichtweisen (sich selbst nicht so wichtig nehmen)
Das werde ich jetzt erstmal so mitnehmen. Danke.
Ich melde mich dann auch irgendwann bestimmt noch mal, um zu berichten wie es so gelaufen ist.
Beste Grüße
Comsai



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