Ihr Lieben,
ich habe ein Thema, welches vll einige kennen. Es geht um den Kontakt zu sich selbst, ein gewisses Lebensgefühl, wenn man in einer Beziehung ist.
Ich bin mit meinem Mann seit 9 Jahren zusammen, seit 2 verheiratet.
Wie haben die selben Interessen, dieselbe Sicht aufs Leben, eine gemeinsame Firma. Er ist relativ vermögend, zwar nicht reich, aber so, dass da eine gute Sicherheit im Background ist, die beruhigt, und auch einen schönen Lebensstil ermöglicht, den ich mir selbst nicht erlauben könnte.
Abbezahltes Eigenheim, Haustiere, Autos, von kindern ist die Rede. Er ist eine Seele von Mensch, unsere Beziehung ist toll.
Jedoch piekst mich etwas innerlich: die Frau, von der ich weiss, dass sie in mir schlummert, die gerne intensiv lebt, wahnsinnig gerne reist, sich gerne wo fremd fühlt, verschiedene Männer datet, sich die Anerkennung holt, die kann bei unserem Leben nicht raus. Manchmal blitzt sie durch, wenn ich alleine durch die Stadt gehe und mich unabhängig und frei fühle, dann wird mein Herz weit und ich fühle mich bei mir.
So wie im Studium, unabhängig von Terminen und Verpflichtungen.
Mit dem Studium bin ich seit 3 Jahren fertig und vermisse das Lebensgefühl extrem.
Ich weiss nun nicht, ob es an der Beziehung liegt und ich einfach ein Mensch bin, der eher der einsame Wolf ist, oder ob es am "Erwachsen werden" liegt, was das Leben etwas seicht erscheinen lässt. Viele Menschen auf der Straße laufen ja rum wie Zombies und wenn man sich mit anderen unterhält, da ist da oft eine große Unzufriedenheit mit dem Job oder auch richtige Schicksalsschläge, wie zB eine Krankheit.
Kennt jemand dieses Gefühl? Woher kommt das, sich manchmal wie hinter einer Milchglasscheibe zu fühlen?
In meiner Ehe ist doch alles gut, ich verstehe nicht, Dass diese "Lebensintensität" nicht mehr so da ist wie früher...
Viele Grüße
Lilalka
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Thema: Verlorene "Lebensintensität"
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01.11.2017, 09:32
Verlorene "Lebensintensität"
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01.11.2017, 09:51
AW: Verlorene "Lebensintensität"
Dieser Satz hat mich sofort angesprungen.
Ich will Dir nichts einreden, aber ich kenne dieses Gefühl nur aus Zeiten, als ich ein für mich falsches Leben geführt habe.
Genauso habe ich mich gefühlt - abgetrennt vom Leben, von der Welt, hinter einer Milchglasscheibe, wie in eine unsichtbare seltsame Watte gepackt. Das war, als ich in einer Beziehung und allgemein in einem Lebensmodell war, das mir nicht entsprach. Als dann alles aufgebrochen ist, da kamen nachher auch mal schwierige Zeiten und verlief auch nicht immer alles wunschgemäss, aber dieses Milchglasscheibengefühl hatte ich seither nie mehr.
Könnte das bei Dir auch so sein?
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01.11.2017, 09:59
AW: Verlorene "Lebensintensität"
Ja. Ich befürchte das auch seit längerem. Aber es ist doch sinnfrei! Ich kann doch nicht mein gutes Leben hergeben, mit fast Mitte 30 in eine kleine Wohnung ziehen und bin vorn anfangen, weil irgendetwas im Inneren nicht passt.
Andere Menschen haben echte Probleme im Leben, kaum Geld, gesundheitliche Beschwerden etc.
Dieses Gefühl der Milchglasscheibe raubt mir Energie, das merke ich. Ich fahre mit angezogener Handbremse. Aber was denn so wirklich mein Problem ist weiss ich nicht.
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01.11.2017, 10:01
AW: Verlorene "Lebensintensität"
Bzw andere Frage: würdest du immer wieder ausbrechen? So im Nachhinein?
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01.11.2017, 10:12
AW: Verlorene "Lebensintensität"
Ich befürchte es ist mein Mann.
Er bringt mich nicht zum "Klingen", ich blühe innerlich nicht auf mit ihm.
Er ist ein toller Mensch, zuverlässig zuverlässig, lieb, attraktiv.
Aber es ist kein Feuerwerk an Gefühlen, all es eher gemäßigt. Eher eine rationale und emotionale Zufriedenheit.
Aber wir haben ein schönes Leben.
Wenn ich ihn jetzt verließe, würde das mein Leben komplett ändern und niemand kann dann garantieren, dass nicht irgendetwas anderes mich dann wieder lähmt oder triggert.
Es erscheint mir wahnwitzig.
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01.11.2017, 10:12Inaktiver User
AW: Verlorene "Lebensintensität"
Ja, mich hat der Satz auch angesprungen. Aber anders als @strolinka.
Beispiel: Ich liebe den Mann an meiner Seite, wir haben viel Spass miteinander, der Kerl hat genau meine Kragenweite. Wir sind in der Natur, sporteln, faulenzen, lieben, kochen... Pudelwohles Gefühl.
Und dann sitze ich im Auto, höre eine Opernarie und bekomme so ein leises Ziehen ganz weit im Bauch drin oder auch rechts hinterm Ohr. Den Mann werd ich nie in ein Opernhaus bekommen. Oder auf ne Shoppingtour in der City. Oder in ein Konzert, nicht mal open air... Und hach - wie schön wär das mal wieder...
Und weshalb sich das versagen, was doch zu einem gehört? Kein Mensch kann alle Bedürfnisse eines Anderen abdecken. Dafür muss man schon selbst sorgen, dass auch das Fehlende nicht zu groß wird, die Sehnsucht danach nicht das Bestehende kaputt macht.
Und wenn die Beziehung an sich gut ist (bei "toll" werd ich ja immer hellhörig...), dann such dir eine Möglichkeit, die expressive Seite in dir woanders auszuleben. Mach Tanztheater, was kreatives, jede Woche einen Weiberabend in DER Aufreisskneipe deiner Wahl und hol dir ein wenig Nervenkitzel...
Appetit holen ist ja erlaubt, solang zuhause gegessen wird...
Geändert von Inaktiver User (01.11.2017 um 10:18 Uhr)
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01.11.2017, 10:16
AW: Verlorene "Lebensintensität"
Du verstehst was ich meine. Vll sind meine Ansprüche an diesen einen Menschen auch zu hoch. Ein Partner kann nicht alles abdecken, vll nehme ich mich selbst zu wenig in die Verantwortung.
Ich war jetzt mit einer Freundin verreist. Das war toll! Vll sollte ich so was öfter machen bzw in den Alltag integrieren.
Merci!
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01.11.2017, 10:20Inaktiver User
AW: Verlorene "Lebensintensität"
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01.11.2017, 10:32
AW: Verlorene "Lebensintensität"
Na, das klingt aber nicht danach, als könntest Du das Obige durch alleinige Reisen mit Freundinnen oder alleinige Opernabende wettmachen.
Bei meinem damaligen Freund habe ich das alles gemacht, und die Milchglasscheibe ging gar nicht weg, im Gegenteil, es hat sie verstärkt.
Ich kann es für Deinen Fall nicht beurteilen. Aber wenn TT von ihrer Beziehung erzählt, klingt es GANZ anders! SIE schreibt: Ich liebe, ich fühle mich pudelwohl, genau meine Kragenweite. DU schreibst: Blühe nicht auf, bringt mich nicht zum klingen, eher rational.
Ist meilenweit auseinander, für mich als Aussenstehende.
Aber es ist immer schwierig, Beziehungen von aussen zu beurteilen.
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01.11.2017, 10:33


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