Inspiriert durch verschiedene andere Stränge stelle ich mal diese Frage in den Raum.
Und wenn nur ein Quäntchen Wahrheit dran sein sollte, was lässt sich dagegen unternehmen?
Selbstorganisation für Dummies- Ratschläge sind sicher nicht nur mir willkommen, die ich meiner gestressten Klientel gern sage "Und wenn sie rausgefunden haben, wie sich Stress reduzieren lässt, verraten sie es mir!"
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Thema: Stress - immer hausgemacht?
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31.10.2017, 23:29Inaktiver User
Stress - immer hausgemacht?
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31.10.2017, 23:43
AW: Stress - immer hausgemacht?
keinen Unsinn mitmachen, das hilft schon sehr. ^^
motto: "gut genug ist gut genug"
gruss, barbara
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01.11.2017, 00:16
AW: Stress - immer hausgemacht?
Nein, Stress ist sicher nicht immer hausgemacht! Und man kann sich dem auch nicht immer entziehen - es sei denn, man ist ein Roboter.
Das Einzige, was man tun kann: versuchen, eine andere Einstellung an den Tag zu legen. Wenn mich Cheffe z.B. anmault oder Kollegen nerven oder was auch immer: es registrieren, aber versuchen, das "leicht(er)" zu nehmen. Dasselbe bei extrem viel Arbeit, die zu verrichten ist: sie muss halt getan werden, ob ich Lust drauf habe oder nicht - hier kann man Arbeitsstrategien entwickeln.
Generell nervt mich das ehrlich gesagt auch ein bisschen, dieses: "Bist doch selbst Schuld, wenn du Stress hast". Es gibt genug Menschen, die z.B. monatliche Vorgaben haben, die sie erreichen müssen - und wenn sie diese nicht erfüllen, ist ihr Job gefährdet. Wie, bitteschön, soll man da KEINEN Stress empfinden?
Nein, man kann Stress sicherlich nicht grundsätzlich entgehen - aber man kann versuchen, sich seine persönlichen Oasen zu erschaffen (teilweise Arbeitserleichterungen usw.) und vielleicht einen anderen Umgang damit probieren.
Sagt Eine, die einen sehr stressigen Job hat, schon Vieles versucht hat und mittlerweile gut klarkommt.
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01.11.2017, 02:44Inaktiver User
AW: Stress - immer hausgemacht?
stress kann durchaus von außen kommen. oder anders formuliert: anforderungen kommen oft von außen. wie wir damit umgehen, ist andererseits eine kunst, die manche von uns besser, andere weniger gut beherrschen.
ich habe speziell einen arbeitskollegen vor augen, der, egal wie hoch der druck ist, seine arbeit macht und meist zeitig, also ohne großartige überstunden, nach hause geht. er hat allerdings keine karriere gemacht, sondern ist seit 20 jahren unverändert software-entwickler.
ein anderer kollege im selben team zeigt hohes verantwortungsbewusstsein . er bekommt vieles aufgehalst, nimmt es an und ist "immer im stress". er ist teamleiter, verantwortlich für diverse produkte und ansprechpartner für andere abteilungen.
die beiden beispiele zeigen, dass man manchmal durchaus die wahl hat. zumindest vordergründig. in vielem jedoch sind wir getriebene unseres innern.
zudem ist meine erfahrung, dass das jammern "ich habe SO viel stress" auch verwendet wird, um sich wichtig zu machen bzw. um die wichtigkeit der eigenen person zu zementieren. ich denke, wer sich an seinem arbeitsplatz einigermaßen sicher fühlt, braucht es nicht.
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01.11.2017, 05:21
AW: Stress - immer hausgemacht?
Stress ist in meinen Augen eine Kombination aus äußeren Reizen, Ereignissen, Hinwendungen an uns, und unserer Reaktion darauf.
Die Reaktion darauf ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, und bei einem Menschen abhängig von verschiedenen Faktoren. Stress hat also eine sehr persönliche Seite.
Man kann sogar sagen, dass unsere individuelle Art und Weise, mit Stress umzugehen, einen wichtigen Teil unserer Persönlichkeit ausmacht. Diese Art und Weise ist in Teilen sehr früh erlernt, aus dem Zusammenspiel von Stress und Regulierung, die wir in unseren allerersten Beziehungen erfahren haben, und wie dieses mit unserem angeborenen Temperament und "Erregbarkeit" zusammengewirkt hat. In der Neurobiologie heißen Aspekte von Stress auch "arousal", also unser Wachheits- und Aktivierungsgrad.
Es gibt ein Modell, das "window of tolerance heisst" und hilfreich ist, um Stress zu verstehen.
Innerhalb unseres persönlichen Toleranzfensters empfinden wir diejenigen Anforderungen an uns, die wir ohne "Überaktivierung" hantieren können und die uns nicht aus der Balance bringen. Sind in Kontakt mit uns und anderen (social engagement system).
Oberhalb davon sind wir in Bereitschaft (fight/flight), mit verengter Wahrnehmung, intensiven Gefühlen, eingeschränkter Kognition - wir wirken "gestresst". Im Grunde ist da unser biologisches Angstsystem angesprungen.
Unterhalb davon sind wir überwältigt von zu bedrohlich erscheinenden Anforderungen an uns (wie eingefroren).
Je nach unserem Temperament und unseren Vorerfahrungen, auch unserer Art und Weise, Situationen und andere Menschen einzuschätzen und zu "lesen", ist unser Toleranzfenster schmaler oder breiter, geraten wir schneller oder später aus der Balance. Da spielt auch die Tagesform, Müdigkeit, Traurigkeit usw. mit hinein.
Auch können wir eine bestimmte, nicht zu große "Dosis" Stress als spannend wahrnehmen, wenn wir ihn bewältigen (also an der Grenze zwischen Toleranzfenster und Überaktivierung "surfen").
Wenn du also fragst, ist Stress immer hausgemacht? - dann würde ich antworten, nein. Stress, den wir als Stress wahrnehmen, entsteht, wenn unser Kontakt zur Welt uns mehr aufregt, als wir halbwegs entspannt händeln können. Vor allem vielleicht, wenn wir es uns nicht ausgesucht haben. Das sind ganz grundlegende biologische Funktionen, und das sind wesentliche Anteile auch unser persönlichen Psychologie.Geändert von maryquitecontrary (01.11.2017 um 05:41 Uhr)
that was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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01.11.2017, 06:17Inaktiver User
AW: Stress - immer hausgemacht?
Wow - danke für den tollen und informativen Beitrag, MaryQuiteContrary!
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01.11.2017, 07:20
AW: Stress - immer hausgemacht?
Nein, Stress ist nicht hausgemacht. Allerdings kann man Dinge erlernen, um mit Stress besser umzugehen. Dazu gehören die verschiedenen Entspannungstechniken, Sport, Rituale, Organisationshilfen und ganz individuelle Lösungen. Damit kann man sein "Window of Tolerance" etwas erweitern oder stabilisieren und sich besser schützen.
Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte
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01.11.2017, 08:42
AW: Stress - immer hausgemacht?
Wenn der Job so belastend ist, ist es eine echte und ernsthafte Option, sich eine andere Arbeit zu suchen. Es gibt welche, die werden von Druck beflügelt, andere werden davon niedergeschmettert. Das muss man sich nicht länger als nötig antun.
auf lange Sicht macht man sich sein Leben - und seinen Stress - in der Tat selbst.
Kurz- und mittelfristig können Umstände entstehen, die Stress bewirken und die man nicht immer leicht verändern kann.
gruss, barbara
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01.11.2017, 08:47Inaktiver User
AW: Stress - immer hausgemacht?
Stress entsteht durch eine Einschätzung, die häufig mit dem Gefühl von Bedrohung zusammen hängt.
Das können ur-biologische Abläufe betreffen- zB bei lauten Geräuschenzu erschrecken oder im Dunkeln angespannter zu gehen- und auf die haben wir keinen Einfluss.
Das ist ein Überlebensmechanismus, den wir nicht ausschalten können.
Alles andere an "Stress" entsteht durch die Geschichten, die wir uns zu einer Situation "erzählen".
Grundlage dazu ist unsere Erfahrung, was wir alles bis zu dem Zeitpunkt erlebt haben.
Hatten wirzB nur negative Erfahrungen mit unserem Chef, wird uns "der Chef will dich sprechen" in einen ordentlichen Stress versetzen. Hatten wir nur gute Erfahrungen, wird die Zeit bis zum Treffen womöglich gar nicht als Aufregung empfunden.
Wir sind uns meistens nicht klar, welche Geschichte wir uns zu einer Situation erzählen, wir reagieren nur.
Dabei ist genau das ein guter Ansatz um Stress zu regulieren oder auch zu minimieren.
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01.11.2017, 09:05
AW: Stress - immer hausgemacht?
Ich empfinde Stress als etwas ausgesprochen Positives.
Da laufe ich zu Höchstleistungen auf, das Blut rauscht in rasender Geschwindigkeit durch die Adern, ich funktioniere besser als ohne Stress, bin effizient, logisch und zielgerichtet.
Funktioniert aber nur, wenn man danach etwas Erholung hat.


- Ratschläge sind sicher nicht nur mir willkommen, die ich meiner gestressten Klientel gern sage "Und wenn sie rausgefunden haben, wie sich Stress reduzieren lässt, verraten sie es mir!"
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