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Thema: Disziplin

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    Disziplin

    Hallo zusammen,

    an diesem Wochenende habe ich etwas sehr interessantes gelesen das mich nicht mehr los lässt:

    "Mach, was dir am Herzen liegt. Finde deinen Platz in der Welt. Tue das, was dir wirklich Spaß macht.“

    Ich glaube, das ist kein so schlechter Rat.
    Teilweise.

    Denn ein Teil der Gleichung fehlt.

    Und zwar das:

    „Und arbeite hart dafür.“

    Also:

    „Mach was dir am Herzen liegt. Finde deinen Platz in der Welt. Tue das, was dir wirklich Spaß macht. Und arbeite hart dafür.“

    Denn alle Menschen, die ich kenne, die wirklich das leben, was sie lieben, sind auch gleichzeitig disziplinierte Arbeiter.
    "Tue was dir Spaß macht" so oder so ähnlich ist/war mein Lebensmotto. Seit Jahren bin ich auf der Suche nach etwas das mir Spaß macht, sei es beruflich oder auch privat (Hobby).

    Im Grunde, tief im Herzen, weiß ich ja was ich will. Zumindest was ich gern intensiver machen will aber ich bin dem Trugschluss aufgesessen, dass wenn ich es wirklich will, es mir immer Spaß machen wird und es "leicht" von der Hand geht.
    Ich hab mich selbst angelogen und dachte, dass wenn ich nur besser organisiert wäre, ja dann würde es einfacher gehen oder, und das muss ich mir echt eingestehen, habe ich es einfach abgebrochen wenn es schwierig/anstrengend wurde.
    Von sehr vielen Menschen bekam ich dafür sogar Verständnis und Zustimmung und dachte somit, dass ich es eh richtig machen. Einzig mein Freund steht mir hier sehr kritisch gegenüber. Er meinte immer, dass ich viel zu schnell aufgebe und eh nie wirklich was durchziehe. Ich verstand das nie und dachte mir, er der so Diszipliniert ist, soll mal locker werden.
    Wenn ich ehrlich bin, wirklich hart erarbeiten musste ich mir noch nie etwas. Ich bin immer irgendwie durchgekommen. Ich hatte halt auch bisher sehr viel Glück.

    Wenn ich mal etwas durchgezogen habe, dann meist nach zig Versuchen und weil ich meinen Freund nicht schon wieder enttäuschen wollte. Ich hab zum Rauchen aufgehört, dazu braucht es unendlich viele Versuche. Ich hab mein Abi nachgeholt aber auch da hab ich ein paar mal damit angefangen und letztes Jahr habe ich eine zusätzliche Ausbildung abgeschlossen, da wollte ich zwar mittendrin aufhören aber damit mein Freund nicht wieder recht behält hab ich es dann durchgezogen. (aja und ich war jedes mal sehr stolz danach es geschafft zu haben)

    31 Jahre musste ich werden um einzusehen, dass meine Disziplinlosigkeit vielleicht doch eine Charakterschwäche ist. Das im Leben nicht immer alles Spaß machen kann und das man vielleicht doch mal die Arschbacken zusammenkneifen muss um mehr zu erreichen.

    Aber wie wird man disziplinierter? Reicht es sich hierfür kleine Pläne zu schmieden und diese durch zu ziehen? War von euch selbst mal jemand so wie ich und hat noch die Kurve gekratzt?

    Danke für eure Zeit :)

    lg, B

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    AW: Disziplin

    Hallo,

    ich habe deinen Beitrag sehr gerne gelesen, auch wenn ich keine ultimativen Ratschläge habe möchte ich dir trotzdem antworten.

    31 Jahre musste ich werden um einzusehen, dass meine Disziplinlosigkeit vielleicht doch eine Charakterschwäche ist. Das im Leben nicht immer alles Spaß machen kann und das man vielleicht doch mal die Arschbacken zusammenkneifen muss um mehr zu erreichen.
    Diese Erkenntnis ist doch schon mal viel wert
    Klar ist es traumhaft, wenn man jeden Tag bei dem was man tut, den maximalen Spaß hat. Aber ist das realistisch?
    Egal was man tut, egal bei welchem Lernprozess, kommt man doch irgendwann auf einem bestimmten Niveau an einen Punkt, an dem man anfangen muss sich durch etwas "durchzubeißen" - für weiteren Erfolg sich zu bemühen und sich für wenig Fortschritt abzustrampeln.
    Es ist mehr oder minder normal, dass einem, insbesondere wenn man Interesse an dem Thema hat, der Anfang leicht fällt, aber um wirklich gut in etwas zu werden, erfolgreich, etwas abzuschließen, reicht oft nicht die Leichtigkeit des Anfangs. Es muss geübt werden, gelernt, automatisiert, trainiert - das gilt für fast alles was man sich aneignet. Sei es im kognitiven oder sportlichen Bereich, eine Berufsausbildung ein Training, das Lernen eines Musikinstruments alles was man abschließen möchte oder auf ein Ziel hin arbeitet.

    Leider ist die Einstellung "Lernen muss aber Spaß machen" mittlerweile so verbreitet, dass es bei vielen Menschen zu solchen - ich nenne es jetzt man (nicht böse gemeint) - Fehlkonzepten führt:
    • Wenn es keine Spaß macht ist es nicht das was ich tun sollte.
    • Wenn es keinen Spaß macht, muss ich weitersuchen bis ich etwas finde was mir immer Spaß macht.
    • Wenn es keinen Spaß macht wird es falsch vermittelt.
    • Wenn es keinen Spaß macht stelle ich mir die Frage "Wozu brauche ich es überhaupt in meinem Leben?"
    • ...


    Unsere Generation (ich bin auch etwa in deinem Alter - 32) ist bereits mit so vielen Freiheiten und Förderung aufgewachsen, dass sich dieser Gedanke "ich muss etwas finden was wirklich Spaß macht" sich schnell aufdrängen kann und ich bin mir recht sicher, dass bei den Kindern die im Moment aufwachsen das nochmal ausgeprägter sein wird.

    Versteh mich nicht falsch, ich sage nicht, dass man sich durch sein Leben quälen muss mit dem Ziel der Selbstoptimierung ;-), ich bin der Meinung seine Ziele sollte man sich sehr wohl danach aussuchen, was einem "liegt", "Spaß macht" den eigenen Bedürfnissen, Kenntnissen, Stärken und Potenzial entspricht.
    Nichts desto trotz wird jeder Weg irgendwann anstrengend und das ist eben der Punkt an dem man nicht, zig mal das Ziel ändern/anpassen sollte, den Weg verlassen etc. sondern sich einfach durchbeißen muss manchmal auch über einige Jahre, durch eine Ausbildung ein Studium wie auch immer :-)

    Aber wie wird man disziplinierter? Reicht es sich hierfür kleine Pläne zu schmieden und diese durch zu ziehen? War von euch selbst mal jemand so wie ich und hat noch die Kurve gekratzt?
    Mir ging es glücklicherweise nicht so wie dir. In der Schule ist mir noch quasi alles zugeflogen, an der Uni habe ich dann ganz schnell gemerkt, dass ich in diesem Modus nicht weiter machen kann. Es war zwar nicht schön, aber es war notwendig und so waren die ersten Jahre des Studiums wirklich fast ausschließlich mit Vorlesungen und lernen gefüllt, das war keine schöne Zeit an die ich mich gerne zurück erinnere, aber nachdem man es durchgezogen hat ist es ein gutes Gefühl :-) umso mehr kann man dann irgendwann genießen wenn man etwas erreicht hat und sich etwas aufgebaut hat.

    Vielleicht kannst du dir klar machen, dass du das was du erreichst wirklich nur für ich machst. Du kannst deinem Freund sehr dankbar sein, dass er dir da doch immer wieder Feedback gibt. Es sind unangenehme Wahrheiten und sie sagt wirklich nur jemand dem viel an dir liegt.
    Freunden fällt es (auch wenn es gute Freunde sind) sehr schwer unangenehme Dinge auszusprechen, wer sagt schon gerne "hör mal du könntest aber schon etwas abnehmen, ich mache mir Sorgen um dich, das ist nicht gesund! kann ich dir helfen?" oder "du trödelst etwas in deinem Leben rum, jetzt zieh es doch mal durch! wo möchtest du mit 35 stehen?" das sind Sachen die niemand von alleine ansprechen wird und auch nur wirkliche Freunde werden dir da in einem ernsthaften Gespräch ehrliches Feedback geben.

    Vielleicht kannst du daran Arbeiten, Dinge nicht zu tun um deinem Freund etwas zu beweisen, sondern um für dich weiter zu kommen?
    Erlaube dir nicht aufzugeben. Versuche wenn es ein großer Berg ist, nicht den gesamten Berg zu sehen sondern setze dir Ziele für jeden Tag.
    Was ich immer tue wenn ich viel Arbeit habe ist mir einen Zeitplan zu machen. Jeden Tag x Stunden die ich dafür investiere festzulegen und dann genau aufschreiben was ich erledigt haben muss bis ich aufhören "darf" wenn ich mehr schaffe gut, wenn ich weniger schaffe oder abgelenkt arbeite mache ich eben länger. Zur Not baut man sich noch ab und an eine Pufferzone ein, aber dann hilft nur jeden Tag dran bleiben. Jeden Tag einen weiteren kleinen Schritt zum Ziel - das ja dein eigenes ist - machen.

    Ich hoffe dir helfen meine Gedanken etwas, ich fand deinen Beitrag super schön zu lesen, und wünsche dir, dass du die Ziele die du dir gesteckt hast auch erreichst. Mit Mühe und zeitweise ohne Spaß - aber dann ist es danach auch wirklich etwas auf das man stolz sein kann :)

  3. Inaktiver User

    AW: Disziplin

    Liebe TE!

    Mein Vater pflegte zu sagen:"Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung".
    Ich denke, Du bist auf einem guten Weg.

    Es scheint mir auch ein Problem der Generation zu sein.

    Als Mitglied der Generation X habe ich schon als 16jährige meiner Lateinnachhilfeschülerin als erstes gesagt, dass es normal ist, für eine Übersetzung dieser Textlänge 30 Minuten zu brauchen.
    Und unregelmäßige Verben müssen gelernt werden, ob Du willst oder nicht.

    Ansonsten schließe ich mich der Vorschreiberin an:
    Unterteil den Weg in Etappen und freu Dich über Teilerfolge.

    Das Leben ist leider kein Ponyhof, aber wer sich durchbeißt hat ehrlichen Grund, stolz zu sein.

    Liebe Grüsse,

    TanteB

  4. Moderation

    User Info Menu

    AW: Disziplin

    Zitat Zitat von b_karma Beitrag anzeigen
    Aber wie wird man disziplinierter? Reicht es sich hierfür kleine Pläne zu schmieden und diese durch zu ziehen? War von euch selbst mal jemand so wie ich und hat noch die Kurve gekratzt?
    Prioritäten setzen.
    Gewohnheiten aufbauen.
    Den eigenen inneren Schweinehund besser einschätzen lernen. Das ist kein intelligentes Tier, es läuft nur auf sehr leisen Pfoten.
    Sich klarmachen, was der Sinn von etwas ist.
    Sich klarmachen, daß keine Entscheidung auch eine Entscheidung ist.
    Nicht erwarten, daß es einfach ist.
    Leute haben, die einem den Rücken stärken.
    Das, was zu tun ist, in zu bewältigende Häppchen zu zerlegen, und sie nach einem realistischen Plan abarbeiten.
    Was man nicht tut, passiert nicht. Weder der Weihnachtsmann noch die Heinzelmännchen nehmen Aufträge an.
    Was nicht getan werden kann, muß nicht getan werden.
    Wenn es so nicht geht, geht es vielleicht anders.
    Wenn du eine kleine Schaufel und einen großen Haufen Sand hast, konzentriere dich nicht auf den Haufen, sondern aufs Schaufeln.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  5. Inaktiver User

    AW: Disziplin

    Wow - tolle Beiträge! Auch das Ausgangszitat mit eben der Erweiterung "... und arbeite hart dafür" gefällt mir sehr gut.

    Ich möchte dem nur noch etwas hinzufügen: Es muß nicht immer Spaß machen - aber der Spaß oder der Stolz kommen nicht erst danach, wenn man sich durchgebissen hat, sondern auch durchaus dabei, wenn man nämlich besser wird und merkt, wie sie die Arbeit auszahlt. Durch das Tal der Tränen muß man auf jeder Leistungsstufe immer wieder durch, es wird zwischendrin immer auch mal wieder schlechter oder fühlt sich so an. Aber Können und Freude daran steigern sich trotzdem.

    Und irgendwann lernt man, auch die Schmerzen/Anstrengung dabei zu lieben... ;)

  6. User Info Menu

    AW: Disziplin

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen

    Was nicht getan werden kann, muß nicht getan werden.
    Das ist das Beste von allen Vorschlägen überhaupt und dann gleich die folgende Auflage dazu bringen

    Wenn es so nicht geht, geht es vielleicht anders.

    - Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
    von Bruce Lee



  7. User Info Menu

    AW: Disziplin

    Bis jetzt bin ich immer noch der Meinung, dass man mit Disziplin für gewisse Dinge "harte Arbeit" vermeidet oder sich sogar manches einfach leichter macht. Für den leichteren Weg braucht man einfach ein paar Vorkenntnisse. Schon die Samurai-Krieger kämpfen den einfachen Weg. Schwierig und hart arbeiten, heisst nicht immer besser und gut.

    - Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
    von Bruce Lee



  8. Moderation

    User Info Menu

    AW: Disziplin

    Zitat Zitat von Akzent Beitrag anzeigen
    Das ist das Beste von allen Vorschlägen überhaupt und dann gleich die folgende Auflage dazu bringen
    Oft hängt man sich bei Sachen, die durchaus getan werden können, an einer Anforderung auf, die alles blockiert. Bevor die Bude umgeräumt werden kann, muß alles, was im Keller ist, bei ebay eingestellt werden! Nach zwei oder drei Jahren kann man sich sagen, "kann nicht gemacht werden, muß nicht gemacht werden" und den Kram statt dessen zur Deponie fahren. (Sagte sie aus eigener Erfahrung )
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  9. User Info Menu

    AW: Disziplin

    Danke, danke, danke für diese wunderbaren und tollen Antworten.
    Ich bin ganz überwältigt, besonders weil ich nicht damit gerechnet habe so wunderbare und positive Rückmeldungen zu erhalten.

    Werde in den nächsten Tagen näher darauf eingehen. Leider habe ich einen Berg an Arbeit neben mir lieben und der muss zuerst mal abgearbeitet werden.

    Das ist heute ein wunderbarer und motivierender Montag.

    lg, b

  10. Inaktiver User

    AW: Disziplin

    Es ist eigentlich ganz einfach, widerspricht aber der "Härte" Mentalität, die viele offenbar mit Disziplin verbinden.

    Wenn etwas FREUDE macht, tun wir es gern. Unser Gehirn liebt alles, was ihm Spass bereitet. Der Trick ist also, mit Spass bei der Sache zu sein, neugierig forschend zu bleiben und sich auch über Fehler zu freuen, denn Fehler zu machen ist der schnellste Weg zum Lernerfolg. Warum? Das ist ganz simpel: Wenn ich alle Wege, die ich heraus finden kann, gegangen bin, um zu einer Lösung zu gelangen, habe ich a) eine sehr nachhaltige Lernerfahrung, und b) nichts getan, was mein Hirn langweilt. Z.B. das immer gleiche "Richtige" stupide zu widerholen, nur um immer wieder fest zu stellen, dass ich es mir mittelfristig doch nicht gemerkt habe.

    FREUDE ist der Schlüssel, nicht Härte. Freude führt dann häufig auch zum Flow. Sie eröffnet darüber hinaus ganze Welten, denn sie füttert die Neugier, und man bekommt Lust, das, was man sich eroberte, zu erweitern, und dann noch ein Stück weiter zu forschen - ein sich selbst befruchtender Prozess.

    Der "trockene" Aspekt ist nicht Härte, sondern Struktur. Man gebe sich selbst eine für einen selbst gut funktionierende Struktur. Dazu gehört auch zu erkunden, welcher Lerntyp man ist, denn es bringt wenig, sich über Bücher zu quälen, wenn man eigentlich beispielsweise über das HÖREN am schnellsten aufnimmt.

    Ich bin inzwischen 50 und lerne jeden Tag. Vor einem Jahr habe ich noch einmal eine neue Ausbildung begonnen und ich bin ziemlich sicher, dass es nicht die letzte sein wird in diesem Leben. Ich möchte lernen bis ich in die Urne hüpfen muss, und auch so lange arbeiten -. wie gesagt, ich setze auf FREUDE.

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