Liebes Forum,
Ich erhoffe mir hier ein paar Ideen oder Gedanken zu meiner Situation.
Ich weiß einfach nicht weiter und weine viel, wenn ich allein bin.
Noch vor einem halben Jahr war meine Welt ziemlich in Ordnung.
Ich hatte eine Patchworkfamilie gegründet und es war in Planung, zusammenzuziehen.
Ich hatte Geburtstag und Anfang des Jahres neue Leute kennengelernt (neue Nachbarin, aber auch alte Bekannte). Alle waren da.
Ich ging davon aus, dass meine Eltern gesund sind.
Zuerst ging es weiter bergauf, ich bekam eine neue Stelle beim alten Arbeitgeber, die ich aufgrund einer Befristung verloren und zwischenzeitlich woanders gearbeitet hatte.
Im Mai eröffnete mir mein Partner, dass er sich keine weitere Zukunft mit mir vorstellen könne. Er habe alles versucht, könne aber nicht mehr.
Ich bekam keine weiteren Erklärungen, es war wirklich seit der Geburt des gemeinsamen Kindes der Wurm drin, aber ich hatte das Reden aufgegeben und wollte die Lage sich erstmal entspannen lassen.
Es gab nichts Gravierendes zwischen uns, also keinen Betrug oder Verrat.
Zwischenzeitlich sind wir ein tolles Elternteam und die Entttäuschung ist verdaut.
Ich begann die neue Stelle und noch in der ersten Arbeitswoche verstarb völlig unerwartet meine Mutter an einer Embolie.
Gefasst machte ich weiter im Job, dieser läuft auch recht gut. Allerdings wieder nur befristet.
Ich hatte also innerhalb kürzester Zeit einen neuen Job, ein Leben ohne Partner und ein Leben ohne Mutter, die gerade eben noch so selbstverständlich da war.
Kurz darauf wiederum endete meine langjährige Therapie. Wir gingen so auseinander, dass beide Seiten sehr zufrieden mit der Entwicklung waren und sind.
Ich habe mich in den Jahren, so denke ich, sehr weiterentwickelt.
Und nun erlebe ich, dass viele der neue Kontakte und auch die alten Bekannten sich zurückziehen.
Ich habe nie irgendwo gejammert, ich habe zwar offen über meine Situation gesprochen, aber nie gejammert.
Im Gegenteil, ich habe mich für sie interessiert, sie eingeladen, nach Treffen gefragt.
Der Rückzug ist deutlich spürbar. Es wird nur noch knapp oder gar nicht, schon gar nicht auf Nachfrage ob es etwas gäbe, was unausgesprochen blieb, geantwortet.
Sogar eine enge Freundin, die viel mit mir mitgemacht hat und die sehr speziell ist, hat sich komplett zurückgezogen, mit den Worten, es wäre ja nie eine enge Beziehung gewesen.
Ich stehe vor vielen Fragezeichen.
Ich fühle mich allein, nicht gesehen und anerkannt, und weggeworfen.
Da es von vielen Seiten kommt, muss es mit mir zu tun haben.
Vor genau sieben Jahren habe ich Ähnliches erlebt.
Ich verlor meine Arbeit, meinen damaligen Partner, meine beste Freundin und hatte einen Todesfall in der Familie.
Es fühlt sich an wie ein böser Traum.
Ich weiß nicht, wo ich ansetzen soll.
Was bleibt, ist die momentan gute Jobsituation , meine Kinder, meine restliche Familie. Diese wohnt allerdings weit verstreut deutschlandweit.
Ich weiß nicht, was mir das Leben sagen will.
Es ist, als müsste ich immer wieder sehr viel verlieren. Aber warum? Und warum so geballt?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 12
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05.10.2017, 17:32
Ich verliere fast alles auf einmal....zum zweiten Mal im Leben
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05.10.2017, 18:23
AW: Ich verliere fast alles auf einmal....zum zweiten Mal im Leben
Ich verstehe dich

Mir ist es auch schon mehrmals so ergangen und geht mir gerade ähnlich. Wieso, weiß ich auch nicht. Geholfen hat mir in diesen Zeiten der Glaube daran, dass neue Menschen und schöne Dinge in mein Leben treten werden, auch wenn ich mir das im Moment (noch) nicht vorstellen kann.
Dass sich deine Freunde zurückziehen, ist sehr schade. Ich denke aber, dass viele Menschen nur sehr beschränkt mit schwierigen Phasen ihrer Freunde (oder eher Bekannten, Freunde sind das ja eigentlich nicht) umgehen können. Das habe ich selbst ebenfalls schon mehrfach erlebt. Ich denke nicht, dass es an dir liegt, sondern an der Unfähigkeit der anderen, mit deinem Schicksal umzugehen. Sie meinen das vermutlich nicht mal böse, sondern sind schlicht überfordert.
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05.10.2017, 19:01Inaktiver User
AW: Ich verliere fast alles auf einmal....zum zweiten Mal im Leben
Wenn sich Dinge im Leben wiederholen, mal abgesehen von den Todesfällen, dann steckt meistens ein Muster dahinter.
Du hast eine Therapie gemacht. Ich nehme an, das was damals geschah war auch Thema. Gibt es Parallelen, abgesehen von den Ereignissen selbst d.h. Verhaltensweisen die Du nicht geändert hast, Beziehungsmuster, Dinge die Du nicht sehen möchtest, denen Du aus dem Weg gehst?
Es ist sicherlich kein Zufall, dass Du Dir eine Neuauflage präsentierst. Diese beinhaltet, so schwer es auch sein mag, die Chance auf neue Erkenntnisse und Wandel.
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05.10.2017, 19:21
AW: Ich verliere fast alles auf einmal....zum zweiten Mal im Leben
Vielleicht genau das: du hast einen prima Job, du hast Kinder, andere Familienangehörige in Deutschland. Das ist so viel. Wenn du das mal realistisch anguckst, wirst du sehen, du bist eigentlich reich. Nicht jeder hat Kinder, nicht jeder hat einen guten Job oder Kontakt zu seiner Familie, nicht jeder hat seine Angehörigen in DEutschland. Das Leben sagt dir: du hast viel Gutes bekommen, freue dich daran, es ist schön. Du hast Schätze, die nicht mit Gold aufgewogen werden können, wie man so sagt. Aber ich finde da ist auch was dran, an diesem Spruch.
Die Todesfälle sind natürlich tragisch, wirklich traurig . Das tut mir sehr leid . Niemand weiß, was geschehen wird. Wie gut ist es da, dass du einen Halt an deinen Kindern, deiner Arbeit und Angehörigen finden kannst. Ist es so?
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05.10.2017, 20:38
AW: Ich verliere fast alles auf einmal....zum zweiten Mal im Leben
Das Leben ist keine Person, die etwas mit Absicht tut oder lässt. Und somit auch niemand, der einem etwas sagen will.
Das Leben ist.
Und es fließt. Und dabei vollziehen sich Wellen, die mal nach oben und mal nach unten gehen. Und so gibt es Phasen, in denen es uns gut geht und dann wieder welche, in denen es uns schlechter geht und man sich Fragen stellt. Und diesen Wellenbewegungen sind wir alle mehr oder weniger stark ausgesetzt. Niemand kommt ohne Sorgen aus. Und niemand ist ohne Glück. Beides gilt es anzunehmen.
Und wenn man dann noch erkennt, was die tiefen Täler und die hohen Berge mit einem selber zu tun haben, dann schafft man es irgendwann, das Leben leichter zu nehmen und zu gestalten.
Man wandelt nur das, was man annimmt.
C.G. Jung
Nein ist ein ganzer Satz.
Keine Ahnung von wem
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05.10.2017, 20:54
AW: Ich verliere fast alles auf einmal....zum zweiten Mal im Leben
Das Geballte kann dadurch kommen, daß irgendetwas die Sachen verbindet -- mindestens man selber. Ist man durch eine Sache gestreßt oder unglücklich, kann sich eine andere an einen anschleichen, oder man hat nicht mehr die Resourcen, um eine andere zu reparieren, bevor es kracht, und Sachen, die auf der Kippe stehen, fallen runter, weil man nicht die Kraft hat, sie aufzufangen. (Oder sie wären sowieso runtergefallen).
Ich war nach einem Todesfall in der Familie extrem unfall-anfällig. Drei Unfälle in 6 Monaten. Ich gehe davon aus, daß ich einfach nicht auf der Höhe war, auch wenn ich dachte, ich wäre es. (Glücklicherweise hatte ich auch punktuell einfach viel Glück in anderen Dingen.)
Dazu kommt, daß man im Leben ja immer nach Mustern sucht. Hätte ich in den Unfällen *ohne* den Todesfall ein Muster gesehen? Wahrscheinlich nicht, so schwer war keiner davon.
Das Geballte kann aber auch reiner blöder Zufall sein.
Daß Freunde sich zurückziehen, wenn es schlecht läuft, ist, vermute ich, zum Teil der abergläubischen Sorge geschuldet, daß Unglück ansteckend ist.
Aber auch einer Unfähigkeit, zu wissen, wie man mit Leuten umgehen soll, die gerade Unglück haben, bekannt als die "Was sagt man da???"-Frage. Mit der Zeit versteht man vielleicht, daß man echt Mühe hätte, etwas zu sagen, was so daneben ist, wie sich zu verdrücken, und daß es immer noch besser ist, sprachlos dazusein und sich vorzukommen wie der letzte Trampel, als nicht dazusein. Viele hatten die Gelegenheit noch nicht, das zu verstehen.
Und dann ist da noch die (auch im Forum oft aufkommende) Sorge, daß jemand, der Unglück hat, von einem Sachen erwarten könnte, die man nicht tun kann. Auch da, mit der Zeit weiß man, daß man Grenzen setzen kann, und wie... aber für viele ist die Zeit noch nicht.
Summa summarum, es ist Sch***, daß die Leute sich verdrücken, aber es heißt nicht, daß sie dich nicht mögen oder nicht wiederkommen. Es heißt leider, daß die Arbeit, sie zurückzuholen, auch noch bei dir ist. Kann man in solchen Momenten so gar nicht brauchen. Konzentriere dich beim Kontakthalten auf die, die es am meisten wert sind, und am besten reagieren. Schieb die anderen erst mal auf die lange Bank.
Wo ansetzen? Mein Rat wäre,
1) Tu was gemacht werden muß. Unglück brütet oft mehr seiner Art aus, weil man mit dem Alltag nicht mehr hinterherkommt.
2) Erlaube dir, zu trauern, auch wenn du mit dem Alltag hinterherkommen mußt.
3) Denke ann das, was gut ist. Nicht nur, was du hast, sondern auch Glück, was du hattest. Von allem anderen abgesehen verhindert das, aus dem aktuellen Muster von Unglück eine Annahme über die Zukunft zu treffen.
Und: Ein Tag nach dem anderen.
Alles Gute!** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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07.10.2017, 18:34
AW: Ich verliere fast alles auf einmal....zum zweiten Mal im Leben
Liebe TE,
erstmal herzliches Beileid zu Deinem schmerzhaften Verlust.
Schwierig, hier was rauszulesen...ich versuch es mal so...
Wenn einem Schicksalsschläge jeglicher Art widerfahren, ziehen sich erfahrungsgemäß Menschen aus dem Umfeld zurück. Aus Hilflosigkeit, weil sie unangenehm berührt sind, weil sie soviel Nähe gar nicht haben oder geben wollen.
Nach einer Trennung ist man meistens erstmal allein ,und steckt in einer anderen Lebenssituation wie das Umfeld. Ich vermute, das waren vor allem Paare? Als Single wirst Du da kaum mehr eingeladen wenn vorher nur Pärchenabende stattgefunden haben.
Dann fällt mir noch auf, dass das was für Dich wohl die heile Welt war, nicht gefestigt war, sondern vielleicht eher an der Oberfläche stattgefunden hat. Die Nachbarn hattest Du Anfang des Jahres erst kennengelernt. Wie sehr habt ihr den Kontakt intensiviert in der Zwischenzeit? Auch mit den Bekannten? Habt ihr Euch immer nur auf Festen gesehen? Wenn das zwar nette aber eher oberflächliche Kontakte waren, dann kann es schon sein, dass Du sie jetzt überforderst mit Deiner neuen Situation, mit deinen Problemen (auch wenn Du nicht jammerst) und zuviel an Offenheit. Vielleicht hatten Deine Bekanntschaften gar nicht die Chance zu wachsen und Du überspringst jetzt einfach mal ein paar Schritte und switchst um auf Freundschaft.
Waren die gemeinsamen Bekannten eher Freunde von Dir oder von Deinem Mann?
Auch Deine Beziehung. So aus dem Nichts ist die nicht zerbrochen. Es gab Probleme, denen Du Dich aber anscheinend nicht gewidmet hast. Du hast es "laufen lassen". Vermutlich wie die Freundschaften, die ja eher Bekanntschaften zu sein scheinen.
Hast Du Deine Situation von vor 7 Jahren mal analysiert? Warum haben sich die Leute da zurückgezogen? Was ist geschehen? Wie hast Du Dich verhalten, wie haben die anderen reagiert?life's a beach
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07.10.2017, 18:37
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07.10.2017, 19:37
AW: Ich verliere fast alles auf einmal....zum zweiten Mal im Leben
Vor sieben Jahren habe ich eine große Veränderung durchgemacht.
Ich merkte, dass meine beste Freundin und ich auf völlig Verschiedenen Ebenen waren. Ich hatte den Eindruck, ihr nachlaufen zu müssen. Als ich dann schwer erkrankte, zog sie sich zurück. Daraufhin beendete ich die Freundschaft.
Es passte vieles nicht mehr, ich kann nicht genau sagen was.
Allerdings scheint es doch ein Muster zu sein, das ich bediene: ich verliere mich im Außen und dann mich selbst.
Jetzt ist wieder viel passiert. Ich hsbe mich auf jeden Fall weiterentwickelt, bin authentischer geworden, wärmer, mit einem tiefen Zugang zu mir selbst.
Und dann kam die Trennung und der Tod.
Die Trennung ist ok, wir sind in total unterschiedliche Richtungen gelaufen. Ich kann gar nicht mehr anders, als immer weiter zu mir selbst zu finden. Mein Ex wollte wieder so sein, wie er war. Er sagte, er hätte versucht sich anzupasssen und wurde darüber unglücklich. Er mag sich so gar nicht mit sich selbst beschäftigen, und das ist ok.
Und zu den Rückzügen: eine ist eine alte Bekannte, die ich zufällig Wiedersah.
Sie auch getrennt, wir hatten interessante und tiefe Gespräche. Dann wurde sie immer einsilbiger und reagiere auf nachfragen immer knapper.
Die andere, eine Nachbarin, hat mich am Anfang oft eingeladen und ich sie. Sie ist auch Alleinerziehend. Hatte aber eine gute Freundin die einen riesigen Freundeskreis hat, und als ich bei einer Veranstaltung sehr still war, weil meine Mutter gerade verstorben war, wurde ich nicht mehr eingeladen. Auch ihre Nachrichten wurden immer knapper, keine Fragen mehr, ich rannte auch ihr irgendwie nach, ohne dass sie Interesse an mir zeigte.
Sie hat ja ihre Leute und ich war wohl nicht lustig genug oder so.
Dann zog sich eine Freundin zurück, die auch solo ist und sehr speziell. Sie war jahrelang in meinen Krisen da, aber nie gelang es uns, auch Schönes gemeinsam zu erleben. Wir hatten immer Problemgespräche. Ich versuchte sie an meinem Leben teilhaben zu lassen, lud sie ein,,.. sie blockte ab.
Eine weitere ist verheiratet, wir verstehen uns super, gleiche Wellenlänge, wir schreiben uns viel, da sie kleine Kinder hat.
Sie ist auch sehr beliebt, und ich hatte sie nun schon mehrfach eingeladen oder versucht sie zu treffen, sie konnte immer nicht oder es passte nicht...und auf eine Schreib-Freundschaft habe ich keine Lust. Mit anderen trifft sie sich ja auch.
Es ist mir nicht so ganz klar, was passiert. Ich finde, dass ich wirklich warmherzig und offen bin, ich mache anderen gern eine Freude, aber offenbar ist das immer einseitig und das Interesse an einer Freundschaft mit mir nicht groß.
Ich wünsche mir von Herzen viele gute Kontakte. Trubel, Leben, ein immer offenes Haus für meine Gäste.
Aber irgendwie fühle ich mich aktuell, als hätte ich eher eine abstoßende Wirkung.
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08.10.2017, 11:43
AW: Ich verliere fast alles auf einmal....zum zweiten Mal im Leben
Ja.
Die Warnung ist mehr, das Baby nicht mit dem Bade auszschütten. Wenn man mit jemandem 20 Jahre durch dick und dünn ist, oder er der eine Mensch unter Hundert ist, der das gleiche exotische Liebelingshobby hat wie man selber, dann stehen die oben auf der Liste von Leuten, die es am meisten wert sind.
Neue Leute kennenlernen ist immer gut, aber es ist auch immer Aufwand, und die neuen sind nicht unbedingt besser als die alten. Und wenn man das in einer Krise tut, sind es oft so Krisenbekanntschaften, wo man nichts mehr miteinander anzufangen weiß, wenn die Krise vorbei ist.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **


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