Noch ein Gedanke: unsere Psyche funktioniert so, dass sie jede Entscheidung im Nachhinein als "gut" interpretiert. Das ist wichtig, um unser Selbstbewusstsein zu stützen (also je weniger Selbstbewusstsein, desto eher finden wir im Nachhinein unsere Entscheidungen richtig <-- meine Vermutung), anders würden wir's psychisch nicht aushalten. Das sage ich, weil ich vermute, dass du (wie ich) Angst hast, die "falsche" Entscheidung zu treffen und es nachher zu bereuen.
Antworten
Ergebnis 21 bis 30 von 36
-
04.10.2017, 12:19Inaktiver User
AW: Wie lernt man eigentlich selber zu entscheiden?
-
04.10.2017, 13:31
AW: Wie lernt man eigentlich selber zu entscheiden?
Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.
-
04.10.2017, 13:48
AW: Wie lernt man eigentlich selber zu entscheiden?
Bin ich mit dem "Du" gemeint?
Falls ja:
Nein, ich habe keine Angst vor falschen Entscheidungen, mir geht es darum, den Prozess von Entscheidungen etwas genauer zu durchleuchten, eben wie ich sagte, weil ich glaube/festgestellt habe, dass vielen Menschen das gar nicht bewusst ist, - so auch mir, denke ich, zumindest bis zu diesem erhellenden Beitrag.
Also könnte man vielleicht sagen: ich möchte lernen, bewusst(er) zu entscheiden. Ich finde es spannend zu sehen, dass wir Menschen scheinbar "bewusster" entscheiden können, je bewusster wir uns selbst sind. Also: was hat mich zu dem gemacht, wie ich bin und welche "Knöpfe" funktionieren bei mir, wen lasse ich die Knöpfe drücken (Mutti vielleicht schon, aber die garstige Nachbarin nicht usw.) ...
Das Thema Fremdbestimmung haben wir, glaube ich, geklärt, so oberflächlich das hier eben möglich ist, da natürlich die individuellen Komponenten total unterschiedliche ausfallen können - nun also zur Angst vor falschen Entscheidungen.
Also ganz lapidar sagt man ja, dass Angst ein schlechter Ratgeber sei.
Wichtig ist, denke ich, auch die Frage, woher die Angst kommt.
Ich würde ja eher sagen, dass "je weniger Selbstbewusstsein, desto schlechter findet man im Nachhinein die Entscheidung", Stichwort Selbstzweifel.
Oder?
Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.
-
04.10.2017, 14:35
AW: Wie lernt man eigentlich selber zu entscheiden?
Ich weiss nicht , ich habe eher den Eindruck die Psyche arbeitet mehr Subjektiv bei bewussten existentiellen Entscheidungen. Ist im Entscheidungsprozess erstmal neutral, allerdings beim Ergebnis, dass jede Entscheidung (also wichtige Entscheidungen) so mit sich bringt dann wieder rückführend so auf die Psyche wirkt, dass man eben zufrieden ist oder acuh nicht.
Entscheidungen haben doch oft so ein großes Fragezeichen: Wie geht es aus, was kommt dabei raus. Und auch weiss man oft im Vornherein, wie etwas ausgehen mag. Wenn man nciht gerade Glücksritter ist.
Ich bin nur froh darüber, dass ich nicht zu viele Neuentscheidungen treffen muss und meine Ruhe davor habe. Und ja die täglichen Entscheidungen sind fast zur Routine geworden.
- Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
von Bruce Lee
-
04.10.2017, 14:39
-
04.10.2017, 14:42Inaktiver User
AW: Wie lernt man eigentlich selber zu entscheiden?
Ja, mit "du" hab ich dich gemeint. :)
Es geht darum, dass die gemachte Entscheidung schon zum Teil deines neuen (= nach-der-Entscheidung) Lebens geworden ist und es für deine Psyche subjektiv besser ist, die Entscheidung im Nachhinein gut zu finden / zu rechtfertigen (z.B.: Rationalization in Decision Making / Die Rationalisierung von Entscheidungen). Selbstzweifel hat man meiner Erfahrung nach vorher. Gibt ja so Lieder sogar, "Je ne regrette rien", "I did it my way" etc. Dass man alles im Nachhinein ok findet, heißt nicht, dass es objektiv super war! Aber man ordnet es zwangsläufig dann so ein, dass es für einen selbst super / ok ist. Auch wenn eine Erfahrung schlecht war: "zumindest hab ich das und das daraus gelernt" etc. Oder wenn Leute sagen: "Ich würde auf meine (schlechten) Erfahrungen nicht verzichten wollen, denn sie haben mich zu dem gemacht, wer ich bin."Geändert von Inaktiver User (04.10.2017 um 14:51 Uhr)
-
04.10.2017, 15:36
AW: Wie lernt man eigentlich selber zu entscheiden?
Unbewusste Entscheidung wären, - bleiben wir beim Kuchen-Beispiel - , dass ich das Stück Kuchen der Mutter nehme und gar nicht so genau weiß, wieso, und mir das im schlimmsten Fall sogar noch ein doofes Bauchgrummeln verschafft.
Oder ich entscheide mich gegen - beispielsweise - einen Urlaub, weil alle sagen, das Land sei viel zu gefährlich ..., aber irgendwann stell ich dann fest, dass eine Frau xyz es "trotzdem" gemacht hat (oder einfach gemacht hat) und dann ärgere ich mich im schlimmsten Fall drüber.
Anders wäre es in beiden Beispielen, wenn man sich die Vorgänge bewusst macht. Das Kuchenbeispiel haben wir ja ausführlich diskutiert, bei dem Reisebeispiel wäre es dann evtl. der Zwischenschritt, sich bewusst zu machen, dass man aufgrund der Ratschläge und Erfahrungen von anderen verzichtet, weil man denen vertraut usw., diese Menschen natürlich auch irren können usw., man sich aber trotzdem dagegen entscheidet ... was dazu führt, dass die Entscheidung bewusst(er) getroffen wird und man dann kein blödes Gefühl hat, wenn man wen kennenlernt, der es trotzdem gemacht hat.
Vielleicht wird das jetzt klarer, sind aber nur Beispiele.Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.
-
04.10.2017, 15:52
AW: Wie lernt man eigentlich selber zu entscheiden?
@Impulsina
Ich lese aus dem Beitrag, dass es der Psyche bei Entscheidungen darum geht, diese rationalisierbar zu machen (Warum tu ich es?). - Und dass die Menschen das oft nicht können, gerade, wenn es eine dritte Variable gibt - und deshalb nicht das tun, was sie eigentlich wollen, sondern wieder das tun, was sie eigentlich vorher nicht tun wollten.
So wie Dee, die sich eigentlich mit a.)Sally treffen und b.) nicht arbeiten wollte, sich dann aber für die Arbeit b.) entscheidet, weil sie keine Lust hat, ihre Freundin c.) im Krankenhaus zu besuchen. (Die sie zwischenzeitlich angerufen und für ein moralisches Dilemma gesorgt hat.)
Dee entscheidet jetzt vordergründig rational und gewichtet die Arbeit plötzlich stark, in Wirklichkeit hat sie aber eine moralische Scheu davor, ihr Ding mit Sally zu machen, wenn ihre Freundin c.) im Krankenhaus liegt und eigentlich ihre Hilfe braucht. Arbeit vorzuschieben ist aber für sie okay bzw. "logisch". (Für mich allerdings nicht.)
Denn: gerade dieses Beispiel zeigt doch eigentlich, wie unbewusst wir Menschen oft entscheiden. Wirklich durchdacht erscheint mir das, was Dee da macht, nämlich nicht. Was beispielsweise hindert Dee eigentlich daran, ihrer Freundin im Krankenhaus zu sagen, dass sie schon mit Sally verabredet ist, aber gerne am nächsten Tag vorbei kommen würde?
Ansonsten gebe ich Dir Recht, dass es gesund und sinnvoll ist, sich nicht von vermeintlich falschen Entscheidungen runter ziehen zu lassen, bzw. im besten Fall zu sagen, dass das alles schon ganz richtig war.Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.
-
04.10.2017, 15:57
AW: Wie lernt man eigentlich selber zu entscheiden?
Interessanterweise wird dieses Verhalten der Rationalisierung im Artikel ja auch als Abwehrmechanismus bezeichnet.
Und die laufen ja, meines Wissens, eher unbewusst ab.Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.
-
05.10.2017, 13:06Inaktiver User
AW: Wie lernt man eigentlich selber zu entscheiden?
Vielleicht ist das so gemeint: für das Wertesystem, innerhalb von welchem sich Dee bewegt (also ihr Kulturkreis, ihre eigene Erziehung, was in ihrer Firma so üblich ist etc.), gab es das "Postulat", dass, wenn eine kranke Kollegin besucht werden will, "unwichtige" Sachen (= "früher Feierabend machen und mit Freundin feiern") automatisch hintanzustellen sind, weil "kranke Kollegin" die höchste Priorität hat. Das heißt, Dee hätte in ihrem Wertesystem keine sozial akzeptable Rechtfertigung gehabt (= "ich mag nicht ins Krankenhaus" zählt da irgendwie nicht), früher von der Arbeit wegzugehen, um mit ihrer Freundin zu feiern. So wie der Fall dargestellt ist, nehme ich als gegeben hin, dass sie bei der kranken Kollegin mit einem "Nichtbesuch ohne Angabe von triftigen Gründen" nicht durchgekommen wäre oder einfach vielleicht sogar beruflich Nachteile gehabt hätte, wer weiß. Das heißt, Dee hatte keine "stichhaltige" Erklärung. Wenn sie mit der Freundin feiern gegangen wäre, hätte sie ein schlechtes Gewissen gehabt (vgl. Bsp. "Schokolade"), aber keine rechtfertigende Erklärung ("Antioxidantien, stimmungsaufhellend!"). Und im Artikel steht, was man sich so quasi nicht "schönerklären" kann, das macht man dann auch nicht (wenn ich es richtig verstanden habe). Deshalb war Dee gezwungen, auf die bereits vorhandenen Optionen zurückzugreifen, d.h. "ich muss leider arbeiten" versteht jeder.


Zitieren

