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  1. Inaktiver User

    AW: Aushalten nicht gemocht zu werden - raus aus der Harmoniesucht

    Mehrmals täglich überlegst du wer dich mag und wer nicht? Oder wer sich wie schnell auf WA oder FB meldet?

    Wieso ist dir das so wichtig? Was würde es ändern nicht darüber nach zu denken?

    Harmoniesucht, so es denn so ist, heißt ja auch jedem Streit und jeder Meinungsverschiedenheit aus dem Weg zu gehen und immer der Meinung des Anderen zu sein.

    Langweilig oder? Also ich mag Menschen die einen eigenen Kopf und Willen haben und diesen auch mal durchsetzen.

    Menschen die einem nach dem Mund reden kann ich dagegen nicht leiden. Da findet doch kein Austausch statt.

    Ich kann mich nicht mal erinnern mir je Gedanken darüber gemacht zu haben ob mich Andere mögen oder nicht. Das ist nicht mein Aufgabe.

    Wer mich mag kennt mich - die Anderen können mich.

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    AW: Aushalten nicht gemocht zu werden - raus aus der Harmoniesucht

    Liebe Liane,

    mir ging es in jüngeren Jahren ein bisschen wie dir und ich finde, Beitrag #15 von Avocado Diaboli trifft es auf den Punkt: Je mehr ich bewusst (!) geübt habe, mich zu lieben, zu akzeptieren, hinter mir zu stehen sozusagen, und zwar so, als wäre ich ein Mensch in meinem Leben, also eine regelrechte Beziehung zu mir selbst zu entwickeln, desto unabhängiger würde ich von der Zustimmung anderer. Ein herrliches, befreiendes Gefühl - ein neues Lebensgefühl!

    Ich würde meinen: Du versuchst, deine eigene mangelnde Aufmerksamkeit und Zuwendung dir selbst gegenüber und die fehlende Unterstützung deiner Person durch dich selbst durch Bestätigung von außen zu kompensieren. Das klappt nicht und es ist ein Fass ohne Boden, weil dir ja eigentlich etwas anderes fehlt.

    Liebe Grüße
    Lil

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    AW: Aushalten nicht gemocht zu werden - raus aus der Harmoniesucht

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Man sollte mit negativen Mutmaßungen grundsätzlich vorsichtig sein. Selbst wenn sie stimmen sollten, hat es oftmals einen traurigen Grund, weshalb ein Mensch sich so entwickelt. Gründe, die nicht ausschließlich an ihm selbst liegen.
    Das sehe ich genauso. Aber dann muss die TE diese Gründe herausfinden und daran bzw. an sich arbeiten. Vielleicht mit einer Therapie?

    Denn ihr Umfeld wird ihr diese Arbeit niemals abnehmen. Und andere Menschen werden sich auch nicht, nur aus dem Grund, weil sie einsam ist, mit ihr anfreunden.

  4. Moderation

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    AW: Aushalten nicht gemocht zu werden - raus aus der Harmoniesucht

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Finde ich überhaupt nicht. Ein ruhiges Leben, in dem ab und zu auch mal was Angenehmes passiert und in dem man gesund und zufrieden ist und ein paar gute Kontakte zu lieben Menschen hat, finde ich nicht langweilig
    Ich nehme an, das ist Temperamentssache, auch wenn es mir als Definitionssache erscheint.

    Wenn es nichts zu tun, zu entdecken, und zu lernen gäbe, würde ich ganz schnell am Rad drehen. Deswegen langweilt mich Drama, und ich habe nur wenig Geduld mit Grübeleien. Auf mich wirkt Grübeln und Nabelschau wie eine Ausweichhandlung, als würde man das gleiche Buch zum 15. Mal lesen, weil man gerade keinen Nerv hat, sich auf neues einzulassen, nur erscheint mir "Grübeln" (im Fall der TE darüber, daß andere Leute nicht so über sie denken könnten, wie sie es gerne hätte) als nicht so angenehm wie ein gutes Buch, und nicht so aufbauend, wenn man emotional oder intellektuell gerade mal eine Pause braucht.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

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    AW: Aushalten nicht gemocht zu werden - raus aus der Harmoniesucht

    Ich glaube nicht, dass die TE sich für "übermäßig wichtig" nimmt. Viel eher denke ich, dass das auch damit zusammenhängt, was die Konsequenzen sind. Mich erinnert ihr Beitrag nämlich sehr an meine Vergangenheit. Daher ein kurzer Exkurs:

    Ich war immer ein beliebtes Kind. Natürlich gibt es immer irgendwelche kleinen Streitereien, aber alles in allem beliebt, Klassensprecher etc. . ... Als ich dann älter wurde und mich auch nicht mehr so verbiegen wollte, da gab's dann schon Leute (auch innerhalb der Familie), die so agiert haben: Wenn du nicht das tust, was ich von dir will, dann dieses und jenes.

    Quasi, wenn der Andere nicht dem entspricht, was sich Person XY vorgestellt hat, dann wurde gestichelt, öffentlich diffamiert, gemobbt etc. ... Und wenn man so ein Umfeld hat, oder nur ein paar solcher Personen in seinem Umfeld hat, denen man auch nicht direkt auskommt, dann muss man seiner selbst Willen schon aufpassen, wer einen mag und wer einen nicht mag, weil es ansonsten sehr schwierig und anstrengend werden kann. Wenn Leute einen bewusst bei jeder Gelegenheit ansticheln, etwas zu Fleiß tun, einen öffentlich diffamieren, gezielt falsche Gerüchte und Unwahrheiten verbreiten etc., das macht einem schnell den Garaus. Und zu erwarten, dass Andere in so einer Situation für einen einstehen, kann manchmal sehr schwierig sein.

    Was ich damit sagen will: Je nach Umfeld ist es enorm wichtig zu wissen, wer einen mag und wer nicht. Ich erlebe mich selbst immer wieder dabei (auch heute noch), mir genau zu überlegen, wer konkret etwas gegen mich haben könnte und wer gegen mich intrigieren könnte. Natürlich jetzt nicht in dem Ausmaß, aber ich vergesse tatsächlich nichts und ich habe Gott sei Dank eine sehr gute Menschenkenntnis. Und ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die über "kleine Sticheleien" oder Ähnliches einfach hinwegsehen, schon gar nicht, wenn ich im Recht bin. Ich finde, da sollte man die Grenze sehr klar definieren, denn es gibt leider viel zu viele unverschämte Menschen.

    Ich bin bis dato Gott sei Dank gut durch's Leben gekommen, aber auch deshalb, weil ich mich diesem Umfeld komplett entzogen und viele Kontakte abgebrochen habe. Und bei manchen Leuten hilft einfach nur das. Auch bin ich sehr stur, was das angeht. Es ist nicht immer einfach, aber man muss aktzeptieren, wenn es zwischen Menschen nicht passt. Idealerweise läuft das dann so, dass man sich aus dem Weg geht. Sollte es aber so sein, wie oben von mir beschrieben, dann kann ich deine Gedankenwelt schon verstehen. Dann solltest du dort aber auch weg.

    Und auch so banale Fragen wie "Warum braucht XY so lange zum Zurückschreiben" haben ihre Berechtigung, denn manche Leute verarschen Andere. Ich habe das bei anderen Leuten oft genug beobachtet und auch mir selbst ist das passiert. Es gibt einige Leute, die tatsächlich "Macht und Kontrolle" über Andere ausüben wollen, indem sie sich rar machen und versuchen, den Anderen so zum Spielball ihrer selbst zu machen. Meist sind das Leute, die mit ihrer eigenen Situation unzufrieden sind. Gott sei Dank ist die Anzahl dieser Menschen aber sehr klein und oft interpretiert man hier wirklich nur das Falsche hinein.

  6. Inaktiver User

    AW: Aushalten nicht gemocht zu werden - raus aus der Harmoniesucht

    Hallo Zusammen,

    ich möchte mich für die zahlreichen Beiträge bedanken und mich entschuldigen, dass ich mich jetzt erst zurück melde. Es war privat immens viel los.
    Versuche jetzt mal allgemein zu antworten und hoffe, dass ich die meisten Fragen etc.. beantworten kann.
    Kommen wir gleich zum 1., weil jemand schrieb, ob es mir langweilig ist. Nein eben überhaupt nicht. Ich habe wirklich genug zu tun.
    Aktuell bauen wir ein Haus, ich bin beruftstätig (ein paar Stunden) und habe ein kleines Kind. Das ist ja das was mir eben auch zu schaffen macht. Das ganze Gegrübel etc.. raubt mir unheimlich viel Energie und ja es nervt mich tierisch. Weil ich weiß, dass das nicht sein muss. Aber ich komme einfach nicht raus. Es ist wir eine schwarze Wolke, die mich immer und immer begleitet.
    Selbst, wenn ich wirklich „krampfhaft“ versuche, nicht darüber nachzudenken oder mir da ein dickeres Fell zuzulegen, holt es mich immer ein.

    Wir leben aktuell in einer Kleinstadt, ziehen jetzt aber dann bald in das Dorf, in das ich aufgewachsen bin und noch viele von meiner Familie leben. Jeder kennt jeden, für mich eher Fluch wie Segen. Aber da wir da uns jetzt ein Eigentum aufgebaut haben, ist es natürlich schwierig zu sagen, och das machen wir jetzt doch nicht. Und prinzipiell freue ich mich auch darauf in der Nähe meiner Eltern zu leben.

    Eine Userin schrieb, dass sie sich noch nie ernsthaft Gedanken darüber gemacht hat, wer sie mag oder nicht mag. Spontan beim Lesen habe ich mir nur gedacht, och was bin ich neidisch und auch ungläubig. Gerne hätte ich auch so eine Denke. Mich nicht ständig in Frage zu stellen, warum mich jemand nicht mag, nicht mit mir befreundet sein will, mich nicht spannend und interessant findet usw…
    Hilfe das liest sich wirklich als würde ich ständig um mich kreisen. Aber das will ich nicht. Ich möchte einfach selbstbewusst sein (oh ja da hapert es sehr). Ich habe nie wirklich bedingungslose Liebe kennengelernt. Liebe war immer mit Bravsein, Liebsein, Angepasstsein verknüpft. Selbst, wenn ich das auch weiß, dass da meine alten Gedankenmuster greifen, schaffe ich es nicht mich nicht schlecht zu fühlen. Es ist einfach schrecklich

  7. Moderation

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    AW: Aushalten nicht gemocht zu werden - raus aus der Harmoniesucht

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich habe wirklich genug zu tun[...] Das ganze Gegrübel etc.. raubt mir unheimlich viel Energie
    OK, das folgende ist lang, weil es viele "Wenn das, dann vielleicht das" enthält... Ich habe versucht, es etwas zu sortieren.

    Komischerweise grübelst du nicht über die Sachen, die du zu tun hast (Haus und Kind und Job managen, also vermutlich Zeit-/Geldfragen) sondern was Leute von dir denken, oder ob sie dich mögen.
    Ist es angenehmer, sich mit unlösbaren Problemen (Hellsicht, Telepathie, Gedankenkontrolle) zu befassen als mit den Problemen, die du lösen könntest und müßtest? Weil du nicht weißt, wie du die lösbaren Probleme lösen kannst? Weil du fürchtest, es nicht hinzukriegen? Weil sie langweilig und nervtötend sind? Weil sie dir trival erscheinen, und die Lösungen ohne Wert? Weil sie einfach immer wieder kommen?

    Dann ist die Lösung des Gegrübels, das Machbare vom nicht Machbaren zu unterscheiden, das Nötige vom Unnötigen und das Dringende vom Rest, und sich um das Machbare, Nötige und (bevorzugt) Dringende zu kümmern. Dabei wird es Hindernisse geben, die man identifizieren und umgehen oder beseitigen muß. Aber jeder Erfolg bildet eine Gewohnheit, Probleme zu lösen, und vermittelt ein Gefühl von Kompetenz und Autarkie. Selbst bei doofen und sich wiederholenden Problemen.

    Hast du das Gefühl, daß du gerade sehr viele Bälle in der Luft hälst, keine weitere Belastung erträgst, und jeder, der sich irgendwie anders verhält als du gerne hättest, könnte sich in ein Problem verwandeln, um das du dich auch noch kümmern mußt?

    Dann mußt du lernen, nein zu sagen, und die Leute werden erst mal ein paar Sekunden oder ein paar Tage oder wie lange es eben dauert, bis sie was besseres zu tun finden, gnatschig sein. Das führt wieder zum Kernproblem:

    Hast du das Gefühl, nicht ausreichend abgesichert und auf das Wohlwollen Fremder (oder loser Bekannter) angewiesen zu sein? *Bist* du auf das Wohlwollen Fremder und loser Bekannter angewiesen, um dein Pensum zu wuppen?

    Dann ist die Lösung des Gegrübels nicht, es sich zu verbieten, sondern aktiv zu werden.

    Du brauchst eine realistische Risikoeinschätzung. Was können dir die Leute tun? Wie wahrscheinlich ist es, daß sie das tun? Wie kannst du sie davon abhalten oder sie umlenken, oder damit umgehen?
    Woran merkst du, daß die Lage sich zum schlechteren wendet oder eskaliert? Dein Gefahrensinn scheint auf zu empfindlich gedreht zu sein. Du nimmst alles als Gefahr wahr. Das macht es schwer, mitzubekommen, wann etwas wirklich dabei ist, aus der Kurve zu fliegen.
    Welche Maßnahmen kannst du *jetzt* treffen, um sicherer zu sein? Wie kannst du Autarkie und Handlungsspielraum gewinnen?

    Angst macht dumm. Paranoia macht wunderlich. Die Unfähigkeit, Grade der Gefahr zu unterscheiden, macht angreifbar. Wer dumm, wunderlich und angreifbar ist, zieht Geier an.
    Finde ein Fundament unter den Füßen, Resourcen, mögliche Alternativen. Das Vertrauen, daß du Krisen managen kannst, daß du Handlungsoptionen hast. Finde Leute, die zu dir stehen. (Freund = Leute, die dich in deinen schlimmsten Momenten kennen und dich trotzdem mögen.)
    Halte von Geiern respektvollen Abstand, aber laufe nicht davon, denn dann mußt du ihnen den Rücken zuwenden. Sei wachsam, aber nicht panisch. Belohne Leute, die gut zu dir sind, mit Freundlichkeit und Aufmerksamkeit.
    Löse Abhängigkeiten: Zeitlich, finanaziell, emotional. Wenn du auf jemanden nicht angewiesen bist, ist es viel einfacher, mit ihm locker und neutral umzugehen!
    Eine Abhängigkeit ist etwas, das du selber erzeugst, indem du andere benutzt, um zu tun, was du nicht tun kannst und wofür du niemand anders findest. Sobald du etwas selber tun kannst (oder anderweitig tun lassen), hast du die Abhängigkeit aus einer Beziehung entfernt. (Deswegen würden viele Frauen lieber Geld auf ein Problem werfen, als einen Gefallen anzunehmen. Aber das ist gar nicht nötig.)

    Beispiel:
    - Du ziehst um und nur ein Mensch, den du kennst, hat einen Laster und kann ihn fahren. Wenn der dich hängen läßt, stehst du mit deinem Kram auf der Straße. => abhängig.
    - Du ziehst um und könntest einen Umzugswagen mit Fahrer bestellen, aber es wäre netter und günstiger, wenn dein Kumpel mit dem Laster dir hilft. => nicht abhängig.
    - Dein Kumpel mit dem Laster zieht weit weg und du bist unglücklich, weil du ihn magst und ihn vermissen wirst => nicht abhängig
    - Dein Kumpel mit dem Laster zieht weg und du bist in Panik, weil du noch einen Wohnzimmerschrank von Tante Trude abholen mußt, und es nur mit diesem Kumpel und diesem Laster kannst => abhängig

    Sich nie Gedanken machen zu müssen, wer einen mag oder nicht, heißt das man "jemand mag mich nicht" nicht als Risiko empfindet. Das kann ein Zeichen von Macht sein, ein Urvertrauen in den Anstand der Menschen, ein großes Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Schaden zu vermeiden, oder purer Pragmatismus: Man tut, was man kann, über das, was man nicht tun kann, braucht man nicht nachzudenken.

    Wenn du als Kind nie das Gefühl hattest, bedingungslos geliebt zu werden, kannst du es als Erwachsener nicht nachholen. Niemand wird dich je genug lieben können, daß du es nicht hinterfragst. Das geht aber vielen so. Man kann drumrum arbeiten.

    Etwas zu tun kann das Gegrübel abstellen, aber meist tut es das nicht, oder nicht sofort, weil das Gegrübel zu einer Angewohnheit geworden ist. Was da helfen kann, ist z.B. Tagebuch schreiben. Das fängt die Probleme und die Ergebnisse ein, oder demonstriert die Vergeblichkeit des Grübelns, so daß man es vielleicht eher lassen kann. Oder man setzt sich jeden Tag eine feste Zeit, zu der man grübelt. (Eine halbe Stunde nach dem Mittagessen zum Beispiel.) Wenn man außerhalb der vorgesehenen Zeit grübelt, vertröstet man sich auf die geplante Zeit dafür.

    Wenn deine Gewohnheiten zu fest sitzen, und du sie nicht in Eigenregie losgeschüttelt bekommst, such dir professionelle Hilfe. Dazu gibt's die.

    ***

    Noch eine kleine Anekdote zum Thema "Gemocht werden müssen":

    Als ich 15 war, habe ich versucht, reiten zu lernen. Auf halbwilden Haflingern, vor denen ich eine Heidenangst hatte. Das einzige, was ich von Pferden wußte war, wenn sie die Ohren nach hinten stellen, sind sie böse. Also habe ich verucht, das arme Tier dauerzubespaßen, damit es die Ohren immer nach vorne gestellt lies. Ich war fürchterlich gestreßt, und das Pferd war nach einer Weile fürchterlich genervt und hat mich gebissen...
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  8. Inaktiver User

    AW: Aushalten nicht gemocht zu werden - raus aus der Harmoniesucht

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    OK, das folgende ist lang, weil es viele "Wenn das, dann vielleicht das" enthält... Ich habe versucht, es etwas zu sortieren.
    Sehr interessant auch für mich, danke!

  9. Inaktiver User

    AW: Aushalten nicht gemocht zu werden - raus aus der Harmoniesucht

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Eine Userin schrieb, dass sie sich noch nie ernsthaft Gedanken darüber gemacht hat, wer sie mag oder nicht mag. Spontan beim Lesen habe ich mir nur gedacht, och was bin ich neidisch und auch ungläubig. Gerne hätte ich auch so eine Denke. Mich nicht ständig in Frage zu stellen, warum mich jemand nicht mag, nicht mit mir befreundet sein will, mich nicht spannend und interessant findet usw…
    Hilfe das liest sich wirklich als würde ich ständig um mich kreisen. Aber das will ich nicht. Ich möchte einfach selbstbewusst sein (oh ja da hapert es sehr). Ich habe nie wirklich bedingungslose Liebe kennengelernt. Liebe war immer mit Bravsein, Liebsein, Angepasstsein verknüpft. Selbst, wenn ich das auch weiß, dass da meine alten Gedankenmuster greifen, schaffe ich es nicht mich nicht schlecht zu fühlen. Es ist einfach schrecklich

    Das war ich. Und tja es erleichtert das Leben ungemein.

    Allerdings hatte ich auch eine tolle Kindheit und ein ausgeprägtes Selbstbewußtsein. Ich könnte dir nicht einen Grund nennen wieso mich interessieren sollte wenn jemand mich nicht mag.

    Da ich nicht erverbodys Darling sein will gibt es mit Sicherheit Menschen die mich nicht mögen - aber die interessieren mich nicht.

    Das kann man aber lernen - mit nein sagen fängt es an. Üben üben üben und du merkst, selbst wenn du mal nein sagst, mögen dich Leute noch.

  10. User Info Menu

    AW: Aushalten nicht gemocht zu werden - raus aus der Harmoniesucht

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    OK, das folgende ist lang, weil es viele "Wenn das, dann vielleicht das" enthält... Ich habe versucht, es etwas zu sortieren.

    Komischerweise grübelst du nicht über die Sachen, die du zu tun hast (Haus und Kind und Job managen, also vermutlich Zeit-/Geldfragen) sondern was Leute von dir denken, oder ob sie dich mögen.
    Ist es angenehmer, sich mit unlösbaren Problemen (Hellsicht, Telepathie, Gedankenkontrolle) zu befassen als mit den Problemen, die du lösen könntest und müßtest? Weil du nicht weißt, wie du die lösbaren Probleme lösen kannst? Weil du fürchtest, es nicht hinzukriegen? Weil sie langweilig und nervtötend sind? Weil sie dir trival erscheinen, und die Lösungen ohne Wert? Weil sie einfach immer wieder kommen?

    Dann ist die Lösung des Gegrübels, das Machbare vom nicht Machbaren zu unterscheiden, das Nötige vom Unnötigen und das Dringende vom Rest, und sich um das Machbare, Nötige und (bevorzugt) Dringende zu kümmern. Dabei wird es Hindernisse geben, die man identifizieren und umgehen oder beseitigen muß. Aber jeder Erfolg bildet eine Gewohnheit, Probleme zu lösen, und vermittelt ein Gefühl von Kompetenz und Autarkie. Selbst bei doofen und sich wiederholenden Problemen.

    Hast du das Gefühl, daß du gerade sehr viele Bälle in der Luft hälst, keine weitere Belastung erträgst, und jeder, der sich irgendwie anders verhält als du gerne hättest, könnte sich in ein Problem verwandeln, um das du dich auch noch kümmern mußt?

    Dann mußt du lernen, nein zu sagen, und die Leute werden erst mal ein paar Sekunden oder ein paar Tage oder wie lange es eben dauert, bis sie was besseres zu tun finden, gnatschig sein. Das führt wieder zum Kernproblem:

    Hast du das Gefühl, nicht ausreichend abgesichert und auf das Wohlwollen Fremder (oder loser Bekannter) angewiesen zu sein? *Bist* du auf das Wohlwollen Fremder und loser Bekannter angewiesen, um dein Pensum zu wuppen?

    Dann ist die Lösung des Gegrübels nicht, es sich zu verbieten, sondern aktiv zu werden.

    Du brauchst eine realistische Risikoeinschätzung. Was können dir die Leute tun? Wie wahrscheinlich ist es, daß sie das tun? Wie kannst du sie davon abhalten oder sie umlenken, oder damit umgehen?
    Woran merkst du, daß die Lage sich zum schlechteren wendet oder eskaliert? Dein Gefahrensinn scheint auf zu empfindlich gedreht zu sein. Du nimmst alles als Gefahr wahr. Das macht es schwer, mitzubekommen, wann etwas wirklich dabei ist, aus der Kurve zu fliegen.
    Welche Maßnahmen kannst du *jetzt* treffen, um sicherer zu sein? Wie kannst du Autarkie und Handlungsspielraum gewinnen?

    Angst macht dumm. Paranoia macht wunderlich. Die Unfähigkeit, Grade der Gefahr zu unterscheiden, macht angreifbar. Wer dumm, wunderlich und angreifbar ist, zieht Geier an.
    Finde ein Fundament unter den Füßen, Resourcen, mögliche Alternativen. Das Vertrauen, daß du Krisen managen kannst, daß du Handlungsoptionen hast. Finde Leute, die zu dir stehen. (Freund = Leute, die dich in deinen schlimmsten Momenten kennen und dich trotzdem mögen.)
    Halte von Geiern respektvollen Abstand, aber laufe nicht davon, denn dann mußt du ihnen den Rücken zuwenden. Sei wachsam, aber nicht panisch. Belohne Leute, die gut zu dir sind, mit Freundlichkeit und Aufmerksamkeit.
    Löse Abhängigkeiten: Zeitlich, finanaziell, emotional. Wenn du auf jemanden nicht angewiesen bist, ist es viel einfacher, mit ihm locker und neutral umzugehen!
    Eine Abhängigkeit ist etwas, das du selber erzeugst, indem du andere benutzt, um zu tun, was du nicht tun kannst und wofür du niemand anders findest. Sobald du etwas selber tun kannst (oder anderweitig tun lassen), hast du die Abhängigkeit aus einer Beziehung entfernt. (Deswegen würden viele Frauen lieber Geld auf ein Problem werfen, als einen Gefallen anzunehmen. Aber das ist gar nicht nötig.)

    Beispiel:
    - Du ziehst um und nur ein Mensch, den du kennst, hat einen Laster und kann ihn fahren. Wenn der dich hängen läßt, stehst du mit deinem Kram auf der Straße. => abhängig.
    - Du ziehst um und könntest einen Umzugswagen mit Fahrer bestellen, aber es wäre netter und günstiger, wenn dein Kumpel mit dem Laster dir hilft. => nicht abhängig.
    - Dein Kumpel mit dem Laster zieht weit weg und du bist unglücklich, weil du ihn magst und ihn vermissen wirst => nicht abhängig
    - Dein Kumpel mit dem Laster zieht weg und du bist in Panik, weil du noch einen Wohnzimmerschrank von Tante Trude abholen mußt, und es nur mit diesem Kumpel und diesem Laster kannst => abhängig

    Sich nie Gedanken machen zu müssen, wer einen mag oder nicht, heißt das man "jemand mag mich nicht" nicht als Risiko empfindet. Das kann ein Zeichen von Macht sein, ein Urvertrauen in den Anstand der Menschen, ein großes Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Schaden zu vermeiden, oder purer Pragmatismus: Man tut, was man kann, über das, was man nicht tun kann, braucht man nicht nachzudenken.

    Wenn du als Kind nie das Gefühl hattest, bedingungslos geliebt zu werden, kannst du es als Erwachsener nicht nachholen. Niemand wird dich je genug lieben können, daß du es nicht hinterfragst. Das geht aber vielen so. Man kann drumrum arbeiten.

    Etwas zu tun kann das Gegrübel abstellen, aber meist tut es das nicht, oder nicht sofort, weil das Gegrübel zu einer Angewohnheit geworden ist. Was da helfen kann, ist z.B. Tagebuch schreiben. Das fängt die Probleme und die Ergebnisse ein, oder demonstriert die Vergeblichkeit des Grübelns, so daß man es vielleicht eher lassen kann. Oder man setzt sich jeden Tag eine feste Zeit, zu der man grübelt. (Eine halbe Stunde nach dem Mittagessen zum Beispiel.) Wenn man außerhalb der vorgesehenen Zeit grübelt, vertröstet man sich auf die geplante Zeit dafür.

    Wenn deine Gewohnheiten zu fest sitzen, und du sie nicht in Eigenregie losgeschüttelt bekommst, such dir professionelle Hilfe. Dazu gibt's die.

    ***

    Noch eine kleine Anekdote zum Thema "Gemocht werden müssen":

    Als ich 15 war, habe ich versucht, reiten zu lernen. Auf halbwilden Haflingern, vor denen ich eine Heidenangst hatte. Das einzige, was ich von Pferden wußte war, wenn sie die Ohren nach hinten stellen, sind sie böse. Also habe ich verucht, das arme Tier dauerzubespaßen, damit es die Ohren immer nach vorne gestellt lies. Ich war fürchterlich gestreßt, und das Pferd war nach einer Weile fürchterlich genervt und hat mich gebissen...
    sehr schön geschrieben!!! das druck ich mir aus :)
    lieben Gruß jocely


    "Man ertrinkt nicht, weil man unter Wasser taucht, sondern weil man unter Wasser bleibt"

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