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  1. Inaktiver User

    Hätte ... hätte ... *nerv*

    Hallo zusammen!

    Ich brauche mal euren Rat. Eigentlich führe ich ein schönes Leben. Eigentlich. Bin nun in den mittleren Dreißigern, wohne in einer größeren Stadt, habe einen lieben Freundeskreis, einen tollen Partner (schon seit vielen Jahren) einen gutbezahlten Job, ein kreatives Hobbie und manchmal geh ich auch zum Sport.

    Allerdings habe ich für all das auch sehr kämpfen müssen, insbesondere mit mir selbst, weil ich leider in eine Familie hineingeboren wurde, die alles andere als liebevoll und selbstwertstärkend gehandelt hat.
    Noch heute hardere ich mit meinen Eltern, die ich nur selten sehe. Wenn ich sie sehe, geht es mir meistens schlecht danach. Sie haben selber ihre Geschichte und wir konnten auch schon über "früher" reden (das ging einher mit meiner Therapie, trotzdem werden sie sich nicht mehr großartig ändern und das, was geschehen ist, lässt sich schon gar nicht ändern.
    Ich kann nur damit leben, mich so akzeptieren, wie ich geworden bin.

    Und ich habe es in vielen Bereichen auch "geschafft", bin groß und stark geworden.

    Aber.
    Mir fehlt so eine innere Sicherheit, dass das, was ich tu auch das "richtige" ist. Durch die Therapie ist es viel besser geworden, doch ich habe immer noch - immer mal wieder - Phasen, in denen ich mich selbst fertig mache für Dinge, für die ich eigentlich gar nichts kann. Ich habe erkannt, dass da ein altes Muster (Kindheit, Eltern-Ich) hinter steckt. Aber ich schaffe es noch nicht, das ad acta zu legen oder dem einen Riegel vorzuschieben. Zum Glück gibt es mittlerweile deutlich mehr Tage, an denen ich mich nicht damit belaste.

    Trotzdem.
    Ich fände es schön, wenn vielleicht jemand, der möglicherweise ähnliche Erfahrungen gemacht hat, etwas dazu schreiben mag.

    Das, was mich in solchen Phasen wie heute umtreibt, sind Gedanken über Situationen, in denen ich mir vorwerfe falsch gehandelt zu haben oder nicht konsequent genug gewesen zu sein. Wenn ich die Situation einzeln betrachte, dann komme ich zu dem Schluss, dass ich es gar nicht anders hätte machen können, zumindest nicht alleine. - Es sei denn, ich hätte vielleicht mehr Unterstützung und/oder Selbstbewusstsein gehabt, was mir aber nun leider aus externen Gründen fehlte.

    Ich würde gerne damit abschließen, um mich einfach auf das Hier und Jetzt einlassen zu können.


    Besten Dank schon mal


    Veilchenrose

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    AW: Hätte ... hätte ... *nerv*

    Ich denke, man handelt injeder Situation für sich richtig. Allein die Entwicklung drauf gibt einem zu denken. Aber man kann nichts rückgängig machen.

    - Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
    von Bruce Lee



  3. Inaktiver User

    AW: Hätte ... hätte ... *nerv*

    Liebe Veilchenrose,

    ich kann dich gut verstehen! Mir geht es oft ähnlich, ich hadere oft mit mir und meinen Entscheidungen bzw. Wahrnehmungen, weil ich immer alles richtig machen möchte. Irgendwann habe ich erkannt, dass das der Grund (alles richtig machen, fair sein) für meine Grübelei ist und ich es mir selbst schwer mache. Mein Therapeut meinte mal, ich denke immer so vorausschauend und von allen Seiten, das machen andere gar nicht unbedingt. Ich hinterfrage mich sehr und bin sehr selbstkritisch - in der Tat kenne ich viele Menschen, die da selbstbewusster sind.

    Einfach mal dem Bauch folgen und mit dem Ergebnis umgehen lernen. Naja, leichter geschrieben als getan, aber Babyschritte in die Richtung helfen.

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    AW: Hätte ... hätte ... *nerv*

    Das "richtige" gibt es nicht. Man muß sich zwischen einigen Dingen entscheiden. Ich glaube, daß es wichtig ist, in dem Moment zu erkennen was für einen wichtig ist und bei der Entscheidung nicht nur das negative sehen, sondern man hat sein Bestes gegeben und keinem anderen geschadet. Jede Entscheidung hat auch gute Seiten.

    Ich habe mit der Zeit gelernt, daß ich meinen Wahrnehmungen trauen kann und darauf verlasse ich mich.
    Und immer wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem.
    Dornröschen hätte gar keinen Prinzen gebraucht, nur einen starken Kaffee
    Friedvoll zu sein bedeutet, von Erwartungen frei zu sein und nichts von anderen zu wollen.
    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)

  5. Moderation

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    AW: Hätte ... hätte ... *nerv*

    Veilchenrose: mir ist es früher öfter ähnlich gegangen. Mittlerweile nicht mehr. Wie ist das gekommen?

    Kurz gefasst: meinen "Animus" integriert, dadurch ist die überkritische innere Stimme weggefallen. Und mich an Leonard Cohens "Anthem" gehalten und das "perfect offering" vergessen.
    that was the river - this is the sea


    Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum

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    AW: Hätte ... hätte ... *nerv*

    Hallo, liebe Veilchenrose,

    Das Problem ist in der einen oder anderen Ausprägung ein Verbreitetes. Ich kenne jemanden, der dies mit professioneller Unterstützung bei sich untersucht. Vielleicht wäre das etwas?

    Dann einige markige Sätze, die Dir vielleicht helfen, mit Deinem Puzzle umzugehen:

    - Ein Amerikanischer Präsident, ich glaube es war Harry S. Truman, wurde gefragt, wie er das nur aushalte. Seine Anwort war: "Ich überlege mir die Dinge nicht mehr, wenn ich einmal entschieden habe." Ich selbst habe das verinnerlicht und es hilft mir. Denn es legitimiert es, sich nicht wegen Vergangenem zu zermartern. Wie Julius Caesar gemäss Suetonius gesagt haben soll: "Alea iacta est." - "Der Würfel ist gefallen."

    - Mein allererster Chef, ein absolut brillanter Ingenieur, sagte öfters: "Nachher ist man immer klüger!" Es hilft, wenn man sich einmal klar macht, dass man mit DEM entscheiden muss, was man bei der Entscheidung hat, und dass alles Spätere einfach noch nicht vorliegt. Ist so - und nicht Deine Schuld.

    - Dann der Optimierungswahn: Du brauchst nur eine erträgliche, idealerweise sogar gute Lösung und nicht die EINE, die alles in den Schatten stellt. Irgend wann muss man mit dem Optimieren aufhören, sonst kann man angesichts der ungeheuren Vielfalt beinahe identischer Produkte nicht einmal mehr Frühstücksflocken kaufen. (NB.: Eigentlich wären Haferflocken ohne alles viel gesünder!)

    - Nicht für alles, was nicht ganz rund oder sogar schief läuft, gibt es einen echten Schuldigen. Du brauchst diese Rolle nicht zu spielen. "Shit happens ..."

    Grüsse und alles Gute auf Deinem noch dornenreichen Weg Isambard

  7. Inaktiver User

    AW: Hätte ... hätte ... *nerv*

    Danke euch.

    Ich habe eine ganz hilfreiche PN erhalten, da ging es darum, sich verschiedene Persönlichkeitsanteile mittels "Stühlen" bewusst zu machen. (Also einfach mal hinsetzen und mit sich selbst "sprechen", durch die verschiedenen Anteile/Stimmen.)

    War ein wenig verrückt, aber mir hat es ein wenig die Augen geöffnet, woher eigentlich meine innere Kritik stammt.

    Ansonsten habt ihr natürlich Recht mit allem, was ihr geschrieben habt.

    Das aber emotional zu integrieren ist wahrscheinlich wirklich noch ein längerer Weg.

    Die letzten Tage habe ich meinen Frust auch einfach mal bewusst zugelassen. Siehe da: es eröffnen sich gerade neue Optionen und Sichtweisen.

    DAS ist also vielleicht auch eine Variante. Einfach mal ein paar Tage richtig scheiße drauf sein, das zulassen und feststellen: es geht irgendwann auch wieder anders.

    (Hab so oft davon gelesen, dass man negativen Gedanken was positives entgegen setzen soll usw. Das hat bei mir nicht funktioniert, zumindest die letzten Tage nicht.)

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    AW: Hätte ... hätte ... *nerv*

    Gestern kann man nicht ändern, die Zukunft kann man nicht sehen, deshalb sollte man heute, im jetzt leben!

  9. Moderation

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    AW: Hätte ... hätte ... *nerv*

    Was ich da machen würde, wäre mir anzugucken:
    - Was war die Situation?
    - Was war im Nachhinein betrachtet die optimale Handlungsweise?
    - War das zu dem Zeitpunkt als optimale (oder günstige) Handlungsweise erkennbar?
    - Was es möglich, diese Handlungsweise umzusetzen?
    - Wie hätte das ausgesehen, bzw, wie hätte die Situation sein müssen, damit das möglich gewesen wäre?
    - Was wären die möglichen Ausgänge gewesen?
    - Was würde ich einer Freundin in der Situation raten?

    Dann komme ich entweder auf eine gute Vorstellung, wie ich in Zukunft mit ähnlichen Situationen umgehen kann, oder ich stelle fest, daß ich nur anders hätte handeln können, wenn Schweine fliegen könnten, oder ich sehe, daß die Alternativen risikoreich gewesen wären. Oder eine beliebige Kombination davon.

    Um das ständige "wieder-von-vorne-Anfangen" beim Nachdenken zu verhindert, hilft es mir, es einer Freundin zu erzählen, oder es aufzuschreiben, Wenn ich dann wieder damit anfangen will, sage ich mir "Vorgang abgeschlossen". Aber meistens habe ich nach der Analyse und mit dem Ergebnis in der Hand (oder im Kopf) kein Verlangen, wieder damit anzufangen.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  10. User Info Menu

    AW: Hätte ... hätte ... *nerv*

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen




    Aber.
    Mir fehlt so eine innere Sicherheit, dass das, was ich tu auch das "richtige" ist. Durch die Therapie ist es viel besser geworden, doch ich habe immer noch - immer mal wieder - Phasen, in denen ich mich selbst fertig mache für Dinge, für die ich eigentlich gar nichts kann. Ich habe erkannt, dass da ein altes Muster (Kindheit, Eltern-Ich) hinter steckt. Aber ich schaffe es noch nicht, das ad acta zu legen oder dem einen Riegel vorzuschieben. Zum Glück gibt es mittlerweile deutlich mehr Tage, an denen ich mich nicht damit belaste.

    Trotzdem.
    Ich fände es schön, wenn vielleicht jemand, der möglicherweise ähnliche Erfahrungen gemacht hat, etwas dazu schreiben mag.

    Das, was mich in solchen Phasen wie heute umtreibt, sind Gedanken über Situationen, in denen ich mir vorwerfe falsch gehandelt zu haben oder nicht konsequent genug gewesen zu sein. Wenn ich die Situation einzeln betrachte, dann komme ich zu dem Schluss, dass ich es gar nicht anders hätte machen können, zumindest nicht alleine. - Es sei denn, ich hätte vielleicht mehr Unterstützung und/oder Selbstbewusstsein gehabt, was mir aber nun leider aus externen Gründen fehlte.

    Ich würde gerne damit abschließen, um mich einfach auf das Hier und Jetzt einlassen zu können.


    Besten Dank schon mal


    Veilchenrose
    Kennst du denn irgendeinen Menschen, der immer und zu jeder Zeit richtig gehandelt hätte?

    Ich nicht, keinen einzigen.

    Daher würde ich an deiner Stelle über deine Erwartungshaltung dir selbst und dem Leben gegenüber nachdenken. Eine Erwartungshaltung -nämlich immer die richtige Entscheidung treffen zu müssen- muss einen ja zermürben, weil man ihr zwangsläufig nicht dauerhaft gerecht werden kann. Du schießt dich damit quasi selber ins Aus .
    Man wandelt nur das, was man annimmt.

    C.G. Jung


    Nein ist ein ganzer Satz.


    Keine Ahnung von wem

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