Was interessiert denn was Dein Partner in seinem Hunger-üble-Laune-Wahn sagt? Und wenn hundert Fehler drin sind, wenn es einer kauft, ist es dann Kunst. Bist Du immer so unsicher?
Dein Glaubenssatz hier beantwortet eigentlich Deine ganze Frage schon. Und wenn, dann würde wohl eher ein trauriger Smiley passen (weswegen ich Deinen fröhlichen auch nicht mitzitiert habe).
Antworten
Ergebnis 11 bis 14 von 14
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27.07.2017, 14:13
AW: Wann ist dem Selbstausdruck besser Genüge getan?
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27.07.2017, 16:55
AW: Wann ist dem Selbstausdruck besser Genüge getan?
Es sind immer viele Leute kreativ. Kreativität ist der menschliche Normalzustand.
Kreativität und Austausch sind wie Kaffee und Schokolade: Sie gehen gut zusammen.
Früher haben Leute sich über ihre kreative Tätigkeit mit ihren Vereinsfreunden, ihren Nachbarn, ihrer Familie, oder ihrem Hobbyisten-Club ausgetauscht. Heute ist (scheinbar) jeder Austausch, egal wer seine Adressaten sind, der ganzen Welt sichtbar.
Es wird angenommen, daß jemand, der etwas tut, was ihn freut, und die Möglichkeit hat, sich darüber auszutauschen, glücklicher ist als jemand, der das nicht tut/hat.
Es wird angenommen, daß jemand, der etwas hat, was er selbstbestimmt tut, glücklicher ist als jemand, der nur fremdbestimmt lebt.
Diese beiden Aspekte werden unter "Selbstverwirklichung" zusammengefaßt.
In einer Art von Cargo Cult hat "Selbstverwirklichung" ein schlecht definiertes Eigenleben als vages Glücksversprechen und damit in unserer glücksverpflichtenden Zeit als Pflicht bewertet.
Wieso sich Leute unzureichend fühlen, wenn sie etwas nicht tun, was als Pflicht bewertet wird, würde den Rahmen eines Postings sprengen.
Davon, daß Leute sich unzureichend fühlen, leben ganze Industrien.
Die Grenze der Selbstverwirklichung ist der Mut und der Eifer, den man aufbringen kann, und die Verhältnisse, die halt so sind, oder nicht so sind. Man muß seinen Lebensunterhalt verdienen, sich um sich selber und seinen Kram kümmern, sein soziales Netz und seine Familie pflegen, für seine Interessen eintreten. All das ist Selbstverwirklichung. Aber all das kann scheitern. Das kleine, bunte Tortenstück der "l'art pour l'art" ist einem da sicherer, aber die Anforderungen des Lebens verbannen es manchmal auf die hintersten Plätze. Shakespeares Schwester hat der Nachwelt nichts überliefert. Sie mußte den Haushalt machen und die Kinder bespaßen und ihren Mann versorgen, sie hatte keine fünfhundert im Jahr und kein Zimmer für sich allein.
Aber man kann es immer versuchen. Das Streben nach Glück, der Wunsch, nach einem besseren Leben, scheint mir ein sehr mächtiger Antrieb, der in der Verfassung der USA, dem Geist der Aufklärung und der Rebellion gegen die Standesgesellschaft geschuldet, zeitgeistgerecht seinen Niederschlag fand. In DE, in einem anderen Jahrhundert, nach einer anderen Erfahrung, wurde statt dessen die Würde des Menschen als Leitsatz angegeben.
Betrachtest du "Business" als kreatives Unterfangen? Und wenn ja, läßt dir die Kreativität, die du brauchst, um ein Geschäft profitabel zu betreiben, die Zeit, Energie, und die Leidenschaft für andere kreative Tätigkeiten?
Verwirklichst du deinen Anspruch an dein Selbst? Wirst du damit mehr die Person, die du sein willst? Oder ist das zu hoch gehängt und du willst nur für etwas, das du ohnehin tust, ein paar Euro fuffzig kriegen? Bedeutet Geld für dich Anerkennung? Wie fremdbestimmt machst du dich dadurch?
Keine Kunst ohne Kritiker.
Genau wie es immer ein paar Leute gibt, die das total toll finden, gibt's auch immer ein paar, die das total schrecklich finden. Egal, was es ist.
Viel Spaß!
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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27.07.2017, 17:01
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30.07.2017, 22:28Inaktiver User
AW: Wann ist dem Selbstausdruck besser Genüge getan?
Hallo Nadu,
Deine Frage kann ich nachvollziehen, glaube ich, da ich selbst ähnliche Überlegungen angestellt hatte.
Meine Entscheidung war, es nicht zu tun.
So kam ich dazu:
Ich habe mir angeschaut, wie andere Leute ähnliche Dienstleistungen wie die, die ich anbieten wollte, unter's Volk bringen. Das Thema Akquise nahm einen sehr großen Teil ihrer Zeit ein - das hat mir schon mal nicht gefallen. Verkaufen ist nicht meins.
Zweites Gegenargument war, dass ich mich mit einer Webseite selbst unter immensen (Pflege-)Druck setzen müsste. Nicht fortgeführte Uralt-Webseiten sehen einfach blöd aus. Ich habe einige Newsletter von Bekannten abonniert, die Webshops betreiben, und irgendwann kamen keine Newsletter mehr, aber auch keine Erklärung. So etwas würde meinem Anspruch an mich selbst entgegenlaufen.
Fazit: Das würde mir mehr Druck als Freude bringen. Im Leben wird schon genug Druck ausgeübt, da muss ich mich nicht noch selbst unter Druck setzen.
Eine Alternative wäre für mich, klein (= lokal) anzufangen, wozu ich im Moment noch nicht gekommen bin. Genau das zeigt mir allerdings, dass ich für den großen Wurf erst recht keine dauerhafte Kapazität gehabt hätte.
Das war jetzt meine persönliche Sicht. Vielleicht hilft's Dir weiter...



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