Diese Generation, von der Stecher aufgezogen wurde, ich fürchte, da war dieses Vorgehen fast üblich....Wir können uns sowas heute Gottlob nicht mehr vorstellen. Aber was meinst du, was die Eltern von Stecher in ihrer eigenen Kindheit erfahren mussten? Vermutlich eine enorme Steigerung dessen, was Stecher dann abgekriegt hat. Absurd, dass dann vermutlich das den Eltern gar nicht mehr so brutal vorkam...
Ich wuchs ja wegen des frühen Tods meiner Eltern bei meiner Oma auf. Nach außen supermodern, chick, elegant - nach innen zerfressen und konservativ. Und bei mir wars exakt wie bei Stecher, wenn es um Wegfahren oder Urlaub ging: Was willst du da, Zuhause ist es am schönsten, was da alles passieren kann, als ich damals in Ägypten war, wollte man mich entführen, weil ich blond war etc. pp. Bis heute habe ich Probleme mit in-Urlaub-fahren.
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Thema: Spatzenmamas....
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28.07.2017, 08:47
AW: Spatzenmamas....
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28.07.2017, 08:53
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28.07.2017, 09:05
AW: Spatzenmamas....
...wobei eigentlich ist dieses Abgeschnittensein ja tatsächlich (?) so tief verborgen, dass derjenige das gar nicht mitbekommt. Wie ein blinder Fleck, der gar nicht wahrgenommen wird. Denise hat sich ja mitbekommen in ihrer kochenden Wut innerlich und der Eiszeit im Außen. Hohe Ambivalenz.
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28.07.2017, 09:14Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Das was Denise beschreibt ist nicht kalte Wut, sondern schon heiße.
Die kalte Wut ist tatsächlich nicht wahrnehmbar für einen selbst ich war vollkommen abgeschnitten davon ich nahm nichts war vollkommen abgespalten, wenn wie bei Denise schon ein Gefühl spürbar ist wie "es brodelt in mir" dann ist das ja schon bewusst.
Was bei Denise war ist, daß die Wut aber nicht geäußert werden kann, ist genauso schädlich für sich.
Das Gegenteil sind die Choleriker, die alles sofort rauskotzen und in einer übertriebenen Art und Weise, die dem Ergeignis nicht angemessen erscheint.
Dann gibt's noch die Jähzornigen, bei denen staut sich das auf, da brodelt es konstant und dann bricht es raus.
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28.07.2017, 09:30Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Für meine Eltern war dieses Erziehungsverhalten völlig normal! Für mich traumatisierend zumal ich eh schon adoptiert wurde weswegen mich die derzeitige Politik kleine Babys und Kinder schon in die Kita zu bringen völlig fassungslos macht.
Die größten Probleme hatte ich in der Erziehung meiner eigenen Kinder, denn ich hatte mir geschworen, daß ich niemals so handeln würde wie es meine Eltern mit mir gemacht hatten. Das führte aber dazu, daß ich bei sämtlichen Konfliktsituationen mich mental so stark mit der Unterdrückung des Schlagimpulses zu kämpfen hatte, das ich nicht adäquat reagieren konnte. Laut meiner Ex-frau war ich zu weich. Ich musste mühsam neue Verhaltensweisen lernen, denn das was mir beigebracht wurde war das Letzte.
Ich möchte hier aber nicht das beschreiben weil ich jetzt Zuspruch benötige sondern weil es vielleicht jemanden helfen kann, der ähnliches erlebt und es Wege daraus gibt auch wenn es nicht einfach war die letzten 25 Jahre.
Mitlerweile kann ich verschiedene positive Aspekte daraus ziehen, die für mich auch Kraftquellen im Alltag und in meiner Arbeit mit anderen darstellen.
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28.07.2017, 09:48Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Ja, die Erziehung der eigenen Kinder und der Wunsch, alles besser / richtiger zu machen....und doch machen wir alle Fehler, nur dann eben andere.
Laut meinem Ex-Mann war ich auch zu weich, aber er hat so manches Mal aus der Situation heraus völlig überzogen reagiert, kam von irgendwo angestürmt und brüllte die Kinder an, ohne überhaupt zu wissen, was gerade los war. Vor allem war ich gerade mit den Kindern im Gespräch und sehr wohl in der Lage, die Situation allein aufzulösen. Ich wusste sogar, um was es geht
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Meine Erziehungsarbeit ist nach der Trennung gefühlt deutlich besser geworden, auch wenn ich nach all der Arbeit mit mir selbst entsetzt bin, wieviel ich noch versäumt habe, ihnen beizubringen.
Ja, tatsächlich hat all das auch "stark" gemacht und ich möchte gar nicht anders sein als ich heute bin. Es ist ein schönes Gefühl, sagen zu können: Ich bin toll wie ich bin. Ich habe Fehler, aber die haben alle und mit meinen kann ich gut leben.
Trotzdem bewegt es schon sehr, was du schreibst
Mit dir würde ich mich echt gerne mal treffen, wir hätten bestimmt interessante Gespräche.
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28.07.2017, 09:54Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Puh, das geht hier bei mir alles ganz schön ans Eingemachte
, aber das war mir letztlich auch klar und ich wollte das auch.
Ich versuche gerade, rational zu analysieren, wo die Gemeinsamkeiten sind, die der Thematik zugrunde liegen und habe das Gefühl, daß es ein Gefühl für Verantwortung und Loyalität zu bestimmten geliebten Menschen ist, was so "bindend"" ist, daß man sich als Spatzenmensch-Typus nicht abgrenzen kann gegen Dysfunktionales, das man durchaus versteht, wo man es sonst nur für sich viel leichter könnte.
Bei Denise und ja-aber las ich es so, daß sie sehr wahrscheinlich ihre Ehe weit früher hätten verlassen können, um sich selbst zu schützen oder diesem unguten Konstrukt aus bestimmten, extrem partnerschaftssabotierenden Verhaltensweisen ihres Mann mit aller Kraft hätten entgegen stehen können, hätten da nicht die Kinder (= ihre geliebten Menschen) drangehangen, also die Familie.
Denise schrieb sehr bezeichnend von den Kinderseelen.
Ich habe das Gefühl, das ist das verbindende Element.
Für sich selbst hätte man wahrscheinlich weit früher eingestanden, auch gut gekämpft,
hat eine massive Eskalation aber vermieden, weil andere noch mehr betroffen und verletzt worden wären.
Ich bin mir nicht sicher, wie Ihr es erlebt habt, aber weil das Thema "Streitkultur" aufkam,
kann es sein, daß Ihr auch in Euren Familien gelernt habt, daß Streits tatsächlich Familien und Freundschaften zerstört haben?
Bei mir war das so- ich wußte immer (und weiß es letztlich noch heute), daß bei mir Streit tatsächlich die Familie zerstören würde.
Damals und heute.
Ich bitte eindringlich, das Folgende nicht zu zitieren, ich möchte es wieder löschen, es soll nicht dauerhaft hier stehen, aber um zu verstehen, wie tief Verlustängste manchmal sitzen, wodurch sie geprägt wurden und was für unsägliche Verhaltensweisen auch ein ansonsten durch und durch liebevoller Mensch bringen kann, der aber selbst ein verletztes kleines Kind war:
Mein Vater bricht Ehen, Familienverbindungen und Freundschaften rigoros ab, wenn ihm jemand gefühlt nicht gerecht wird (dabei ist meist ER das Problem).
Da da aber jemand betroffen ist, der das auch jetzt noch nicht aushalten würde, meine Mutter, fühle ich mich gefesselt und hilflos.
Stecher beschrieb die Diskrepanz zwischen dem, was gesagt wurde und dem, was dann geschah, wie sein Vertrauen mißbraucht wurde und er doch bestraft wurde.

Bei mir war es subtiler, aber auch verheerend, wie ich erst als längst Erwachsene verstanden habe, als alte Gefühle aufbrachen, die ich lange sehr erfolgreich verdrängt hatte.
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xxx (gelöscht wie angekündigt, da sehr persönlich) xxx
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Stecher schrieb ebenfalls, daß er kaum Erinnerungen an seine Kindheit hat, das geht mir genauso- und ich halte es mittlerweile tatsächlich für einen Schutzmechanismus.
Das war nun schon sehr persönlich und ich bitte nochmals, nicht zu zitieren, aber eines noch,
meine Mutter war die Liebevolle bei uns, ein Mensch, den ich heute noch oft als "Engel" wahrnehme und die selbst auch noch heute unter so vielem zu leiden hat.
Himiko schrieb auch von Loyalität und Schutz, bingo -
ich habe mittlerweile verstanden, daß das mein Lebensthema ist und warum ich dieses emotionale Schutzbedürfnis wohl stärker habe als andere.
Gerade, weil ich Schutz und Loyalität auch nicht in mir genügendem Maße erfahren habe,
brauche ich sie umso mehr- und wenn ein neuer naher Mensch sie mir nicht schenken kann, dann läuft "mein Film".
Wenn ich jetzt Mütter wie Denise und ja-aber lese, dann nehme ich an, daß sie (für mich völlig logisch und verständlich) den Schutz ihrer Kinder weit über den eigenen stellen, weil sie diesen Schmerz so wie ich auch kennen und geliebte Menschen dem nicht aussetzen wollen.
Bei mir war das sogar der Grund, mich gegen Kinder zu entscheiden,
mein Partner hätte diesen Schutz nicht leisten können, weil er ein anderweitig verletztes und vernachlässigtes Kind war - und ist, und das wußte ich.
Da ich ihn damals sehr liebte und mein Leben mit ihm verbringen wollte, war es keine schwere Entscheidung für mich, aber sie gründet eben doch in den Kindheitsverletzungen und was die in mir ausgelöst haben.Geändert von Inaktiver User (28.07.2017 um 23:07 Uhr)
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28.07.2017, 10:23Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
@Sternenfliegerin

Wie gewünscht möchte ich dich nicht zitieren, aber ja, das mit dem Vater kenne ich sehr gut und ja, du hast vollkommen Recht: Meine Ehe hätte ich weit früher verlassen und das Wohl und Wehe meiner Kinder stand und steht weit über meinem.
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28.07.2017, 10:51
AW: Spatzenmamas....
@Sternenfliegerin:

Ich schließe mich Denise in allem Respekt an.
Man sucht sich das, was man kennt und gewohnt ist, aus. So wählte deine Mutter eben genau diesen Mann aus mit denselben Attributen, die damals ihr Vater hatte. Sie selbst konnte auf ihre eigene Mutter keine emotionale Resonanz nehmen - so war in ihr gar kein Raum entstanden, in dem du als kleines Mädchen dich hättest ruhend und vertrauensvoll einbetten können.
Aber....dennoch....wie sehr lese ich dich in soviel Wärme, soviel Intelligenz, in soviel Reflektion.
Wie hoch in der Eigenverantwortung...
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28.07.2017, 10:55


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