Antworten
Seite 38 von 42 ErsteErste ... 283637383940 ... LetzteLetzte
Ergebnis 371 bis 380 von 417
  1. User Info Menu

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Limonadenbaum Beitrag anzeigen
    Hallo,

    ich denke, auch ich bin ein Spatzenelter!
    Lieber Limonadenbaum,
    ich komme erst jetzt zu Deinem Beitrag. Ich hoffe, Du liest noch mit.

    Ich bin eine Spatzenmama seit ich denken und mich erinnern kann, habe jedes verletzte Tier – auch Spatzen - mit nach Hause geschleppt, Verstoßenes aufgepäppelt, und auch Freude daran gehabt, mich um Blumen und Pflanzen zu kümmern. Meine dingliche Spielwelt war beseelt, dazu kam die Fantasie, dass es z.B. Trolle geben muss, denen ich etwas zu essen hinstellte.
    Das ist ein interessanter Kommentar - denn ursprünglich war der Begriff ja gar nicht auf "richtige" Spatzen bezogen. Aber ich finde mich trotzdem darin wieder. Ich weiß noch, dass ich als Kind stundenlang mit meinen beiden Kanarienvögeln "spielen" konnte. Also, man kann die ja nicht anfassen, sie fliegen so ziemlich hin, wo sie wollen und sprechen tun sie auch nicht. Jetzt als Erwachsene weiß ich leider gar nicht mehr, wie ich das gemacht habe. Ich nehme an, ich habe mir Geschichten ausgedacht, in denen wir eben alle vorkamen. Aber ich weiß noch, dass ich mich, wie gesagt, Stunden damit beschäftigen konnte und dass ich das schön fand. Es war so friedlich, und ich war in einer Welt, in der alles gut war. Als ich 10 Jahre war, sind sie weggeflogen, und ich habe gedacht, ich werde nie wieder glücklich. (Meine Mutter hatte aus Versehen das Fenster aufgelassen, und im Rückblick ist das irgendwie schon typisch. Aber damals habe ich darüber nicht nachgedacht.)

    Und, wie stecher schreibt: Nix davon soll nach außen dringen…
    Ich habe heute zufällig "The show must go on" wieder gehört. Ich mag das richtig gern.

    Als älteres Kind und als Teenager kam mir meine Familie immer etwas merkwürdig vor, ich dagegen kam mir richtig vor.
    Da hast Du mehr gemerkt als ich. Ich habe gedacht, meine Familie ist ganz normal. Ich habe das auch nicht in Frage gestellt, als ich anfing, mir in die Arme zu schneiden (obwohl man ja eigentlich meinen sollte, dass einem da auffallen könnte, dass das irgendwie ungewöhnlich ist).

    Eigentlich war ich mein ganzes Leben völlig zufrieden damit, eine Spatzenmama zu sein, und bin es heute immer noch. Es passt zu mir. Welchen Nutzen ich dadurch habe? Ich fühle keine Macht o.ä., sondern Freude. Grundsätzlich machen mir Menschen, Tiere und Pflanzen Freude. Es macht mir Spaß zu füttern, und wenn der Spatz dadurch wächst, dann noch mehr.
    Ich habe irgendwann mit Anfang 20 bewusst gemerkt, dass ich gar nicht so bin, wie ich sein möchte. (Irgendwie hatte ich immer die Idee als Kind und Jugendliche: wenn ich gross bin, dann mache ich alles anders - und dann ging das aber nicht... )
    Als ich anfing, mich bewusst wahrzunehmen, habe ich gemerkt, wie hungrig ich bin, also emotional, vollkommen ausgehungert. Krank vor Sehnsucht. Und ich wusste gar nicht, wie ich das ändern soll. Ich habe viel versucht, aber es schien nichts wirklich zu helfen. Heute denke ich, dass das alles schon richtig war. Das dauert eben, und die ersten unvermeidlichen Schritte sind halt eine Bestandsaufnahme und die macht keinen Spaß, weil Du erst mal merkst, wie schwierig das alles wirklich ist.

    Aber heute geht mir das nicht mehr so, sondern mehr so wie Dir. Deswegen mag ich Deinen Beitrag auch gerne. Ich habe gelernt, mich selbst zu füttern, und jetzt, wo ich selbst satt bin bzw. weiß, was ich tun kann, wenn ich selbst was brauche, finde ich es auch wirklich schön, diese fürsorgende Seite zu haben. Wichtig ist, dass ich selbst bestimme, ob und wie weit ich für jemanden sorge, dass ich nicht mehr das Gefühl habe, das ist etwas, was andere ausnutzen können und mir selbst nur schadet.
    Ich mag das gern, eine Atmosphäre erschaffen zu können, in der sich Menschen wohl, sicher und geborgen fühlen, und ich rechne das auch nicht nach, was mir da jeder zurückgibt, weil es aus einem überquellenden Gefühl der Fülle kommt, aus einem: "Es ist genug für alle da."
    (Und wenn ich das Gefühl nicht habe, mache ich es nicht.)
    Ich kann die Spatzen in meiner Umgebung mit wohlwollender Zärtlichkeit ansehen. Sie kriegen auch ihren Anteil am Sonnenschein, der für alle da ist, aber - auf spezielles Gebettel um Zusätzliches reagiere ich nicht. Oder mit: "Du bist doch schon ein gaaaanz großer Spatz - Du kannst das. Da habe ich Vertrauen."

    Es ist schön gerade. Meistens. Viel schöner, als ich gedacht hätte, dass es werden könnte.
    Ich weiß nicht, wie lange es hält. Manchmal frage ich mich das. Aber auch wenn ich nur die Hälfte des Glücks hätte, das ich jetzt habe, wäre das immer noch ziemlich schön.

    Es fühlt sich für mich richtig an, eine Spatzenmama zu sein, denn die war ich schon immer, ich würde verbogen sein, wenn ich es ändern wollte. Ich muss nur aufpassen, nicht wieder in einen Käfig gesteckt zu werden. Was Lockvögel betrifft, habe ich inzwischen aber einen richtig guten Riecher.

    Was ich damit sagen will? Wenn man unter dem Stern Spatzenmensch geboren ist, ist es doch voll ok, auch eine solcher zu sein!
    Ja, so wie ich es jetzt bin, bin ich es gern. So wie manche Menschen gerne malen und andere gerne Häuser bauen, so sorge ich gerne für andere.
    Wichtig ist für mich nur, dass ich es selbstbestimmt tue. Wann ich will und wo ich will und für wen ich will. Und wenn nicht, dann nicht!!!

    Insofern nochmal hierzu:
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich glaube, es gibt zwei verschiedene Typen von Spatzenmamas. Einmal die, denen es wirklich Freude macht, sich zu kümmern und die auch einen gewissen "Nährwert" aus der Situation ziehen und dann die, die aufgrund eines vor ihnen sitzenden Spatzen in diese Rolle gedrängt werden, obwohl sie eigentlich zu dieser Person eine ganz andere Rolle einnehmen wollten.
    Ich glaube eigentlich nicht, dass das zwei unterschiedliche Typen sind. Ich jedenfalls kenne selbst beides. Für mich ist es der entscheidende Unterschied, ob ich in so eine Rolle gezwungen werde, z. B. weil ein Partner /Teamkollege etc. seinen Teil an der gemeinsamen Verantwortung nicht übernimmt oder weil ich über mein schlechtes Gewissen erpresst werde o.ä.
    Wenn das alles nicht ist – und ich achte sehr darauf, da nicht wieder hinein zu geraten, also z. B. auch darauf, mit wem gemeinsam ich Verantwortung für was immer übernehme bis dahin, in welche Gespräche ich mich hineinziehen lasse oder eben nicht – sondern ich es freiwillig, bewusst und aus einem Gefühl inneren Reichtums heraus tue, dann finde ich es, wie gesagt, schön, und es macht mir Freude.
    We are born to be happy, not perfect.

  2. User Info Menu

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Aber daraus erfolgt nicht der Schluß, es sei relativ einfach zu lassen. Das ist ganz unterschiedlich für die jeweils Betroffenen. Es kommt sehr darauf an, wie durchgehend das Muster erlernt wurde, wie stark andere Erfahrungen auch zugegen waren ("Ausnahmen"), wie viel Unterstützung und Ressourcen zugänglich waren, wie viel im Kielwasser der ersten Überforderungen und Grenzüberschreitungen an weiteren Verletzung und möglicher Traumatisierung dazugekommen ist.

    Auf der Ebene der Affekte und Affektbildung und -wahrnehmung ist es unter Umständen so, dass seit vielen Jahren der Zugang zu den eigenen Affekten wie abgeschnitten ist.
    Danke, Mary.

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Für mich würde es spannend, wenn konkrete, "kleine" Erfahrungen hier mit einfließen. Also zum Beispiel, was genau geschieht mit mir in dem Moment, in dem ich das dringende Gefühl bekomme, mich zuwenden, kümmern, eingreifen zu müssen. Wenn es noch "meins" ist. Nur dort ist ja auch der Ansatz, an dem ich eine Veränderung erreichen kann.
    Also von mir würde ich sagen, dass es in den ersten Jahren diesen „Moment, wo es noch meins ist“ gar nicht gab. Weil ich nicht unterscheiden konnte zwischen meinen Gefühlen und denen meiner Umgebung. Und ich merke, dass ich das gar nicht so vermitteln kann, wie es war, denn wenn ich darüber spreche, zwingt mich ja die Sprache, zwischen „meinen Gefühlen“ und „den Gefühlen meiner Umgebung“ zu differenzieren, zwei unterschiedliche Begriffe zu verwenden, weil mich sonst niemand verstehen würde. Aber das gibt die Realität nicht wieder, denn da waren keine unterschiedlichen Begriffe. Wollte ich das genauer „übersetzen“, müsste ich eigentlich sowas sagen wie: Gichefmeinumgebühlanderen. Ja, kapiert dann halt keiner... Das ist mir schon klar. Aber so ungefähr fühlte es sich an. Unverständlich. Orientierungslos.

    Mein Gefühl war irgendwie völlig verdreht und verwirrt. Deswegen habe ich mich lange Zeit auf mein Denken verlassen. Ich hatte ja keinen Begriff von so Dingen wie „Grenzen“ oder „Verantwortung“. Ich – ich will gar nicht sagen: ich dachte, sondern: ich war sozialisiert zu fühlen – dass ich die Verantwortung für die Gefühle meiner Eltern (und – by extension – der ganzen Menschheit ) hatte. Wenn es anderen schlecht ging oder sie sich beklagten, war ich nie sicher, ob ich mich schuldig fühlen sollte. Im Zweifel ja. Aber selbst wenn ich mich selbst ausklammerte, die anderen wollten ja auch jeweils unterschiedliche Dinge. Und es allen recht machen, konnte ich nicht. Von daher war irgendwie immer ein potentieller Anlaß für ein schlechtes Gewissen. Andererseits war ich ja nicht doof, mir war schon klar, dass man es nicht allen recht machen kann. (Ist ja auch eine Binsenwahrheit, die einem so gut wie jeder auf Anfrage mitteilen wird.) Aber wann war ich nun wirklich schuld, wann nicht und welche Rechte hatte ich?

    Was mir immens geholfen hat, waren die Bücher von Harriet Goldhor Lerner. Sie hat einen familientherapeutischen Hintergrund und hat mehrere populärwissenschaftlichen Bücher geschrieben, in denen sie anhand ganz simpler, dem Alltag entnommener Fallbeispiele erklärt, wie ich erkennen kann, für welche Anteile einer Situation ich verantwortlich bin, was ich verändern kann und wie. Und wofür ich eben keine Verantwortung trage und was ich nicht verändern kann. Die Bücher sind ziemlich leicht lesbar, und ich nehme an, ein normaler Mensch hat die ziemlich bald durchgelesen. Ich hingegen habe die regelrecht studiert, weil ich eben versucht habe, das für mich ganz andere Realitätskonzept zu verstehen. Und dann habe ich erste Versuche gemacht, meine Beziehungen zu verändern. Und zwar habe ich, weil ich wusste, dass ich mich auf mein Gefühl im Moment nicht verlassen konnte, ziemlich viel Briefe geschrieben. Über das, wie ich etwas sehe, was ich gerne hätte etc. Rückblickend würde ich sagen, dass es an meinen damaligen Beziehungen praktisch erst mal nicht viel verändert hat. Aber m. E. wäre das auch zu viel verlangt gewesen. Was ich damit trainiert habe, war, eine bestimmte Struktur in meine Wahrnehmung zu bringen, so dass ich anfing, mich orientieren zu können und dann allmählich auch in einer Situation, nicht nur am Schreibtisch: das sehe ich so, und das sehe ich so. Ich habe gründlich über meine Wertvorstellungen nachgedacht und konnte eine Position beziehen, derer ich mir (für mich) relativ sicher war.

    Das klingt erst mal sehr kopfig, und das war es auch. Aber für mich war das der einzige Weg. Erst als ich mir über den Kopf eine gewisse Struktur, Orientierung und Sicherheit erarbeitet hatte, konnte ich es riskieren, mich gefühlsmäßig mehr auf Situationen einzulassen, also ein eigenes, spontanes Gefühl zu haben. Weil ich vorher für mich theoretisch abgesichert hatte, dass ich das Gefühl vertreten kann, dass es o.k. ist. Dass ich so fühlen darf.

    Deswegen würde ich übrigens auch sagen, dass es ein unverzichtbarer Zwischenschritt sein kann, über Spatzen zu schimpfen. Das, was für andere offensichtlich ist – nämlich, dass es eben nicht o.k. ist, wenn, wie Strolinka das hier formulierte, ein Spatz Dir den letzten Euro vom Konto abräumt, den Silberschmuck stiehlt, die Kinder irgendwo vor der Schule hängen lässt, selbst in die Ferien abdüst und dann noch 1000 Euro verlangt, damit er sie im Casino verzocken kann, das ist für eine Spatzenmama mit ihrer verzerrten Wahrnehmung nicht notwendigerweise klar. Jedenfalls, wenn es sie selbst betrifft. Bei anderen sieht sie das auch. (Nicht-Spatzenmamas rollen natürlich nur die Augen und sagen: „Ja, logisch!“ )

    Ich weiß, das klingt super kompliziert und bietet massenhaft Schwachstellen zum Angreifen für alle, die der Ansicht sind, das müsste doch auch viel einfacher gehen. Mag sein. Ich glaub´s nicht, aber wie auch immer. Das war der Anfang meines Weges. Und ich bin froh, dass ich ihn gefunden habe.
    (Das alles ist jetzt ungefähr 20 Jahre her, und natürlich ist seit damals noch ganz viel passiert und weiter gegangen.)
    We are born to be happy, not perfect.

  3. gesperrt

    User Info Menu

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    "Sei mal wütend" funktioniert nicht wirklich. Es geht ja darum, in einer akuten Situation, unter Stress (!), die Wut zuzulassen.
    Das ist wirklich nicht so einfach und kann auch einmal überwältigend sein. Wenn man davor Angst hat oder das rational ablehnt (will nicht SO sein) - wo ist dann ein Weg?
    Früher oder später kommt mal der Sprung ins kalte Wasser. Man kann sihc darauf vorbereiten, alles darüber lesen, sich die geeignete Ausrüstung besorgen... aber irgendwann springt man, und dann ist trotzdem alles neu, und überfordernd, und überwältigend. Und das ist völlig in Ordnung so.

    Diesen Mut, den Schritt ins Unbekannte zu machen - ich weiss nicht, ob man das lernen kann. Vielleicht kann man sich selbst dazu überlisten.


    Aber man muss schon mindestens rational die Sache durchdenken und sich selbst die Erlaubnis dazu geben, sonst wird es schwierig.

    gruss, barbara

  4. Moderation

    User Info Menu

    AW: Spatzenmamas....

    @Himiko: was du schreibst, ist für mich sehr spannend zu lesen. Und ich erkenne was wieder, glaube ich.

    Ich bin nicht in dem Sinne eine "Spatzenmama", aber ich habe in Teilen sehr früh gelernt, mich zu kümmern und bin immer nach vorne durchgestartet, um nicht festgehalten zu werden. Dominant, aber nicht zu fassen. Und meine Gefühle waren auch sehr unsicher, weil mir so viel Verdrehtes reininterpretiert worden ist, dass ich mir selbst oft die schlechtesten Motive unterstellt habe, um auf Nummer sicher zu gehen. Daher habe ich auch viel durch Denken geregelt, was immer meine starke Seite war. Kam mir dadurch aber auch kühl und zerebral vor.

    Meine Öffnung kam über die Durchbrüche der "kleinen Mary", wie ich sie nannte. Ich habe gelernt, sie nicht von mir zu schieben und anzunehmen. So wurden meine Gefühle sicherer.

    Das ist lange her. Inzwischen erlebe ich mich als ziemlich integriert, wenngleich ich alte wunde Punkte habe, die immer noch ab und zu schmerzen, wenn dran gerührt wird. Aber ich kenne sie und falle nicht tief. Ansonsten lebe ich zufrieden, bin oft froh. Früher wenn ich aufwachte, brachte ich oft traurige oder lähmende Gefühle aus den Träumen mit hoch und begann meinen Tag schon belastet.
    that was the river - this is the sea


    Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum

  5. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Blue2012 Beitrag anzeigen
    Wie wurde denn in deiner Herkunftsfamilie gestritten? Wie ist man da mit Konflikten umgegangen?
    Ich möchte das hier lieber nicht öffentlich ausbreiten, aber kurz gefasst: nicht gut.

    Streit ist für mich eben etwas "Böses", wo man mit Macht und Gewalt dem anderen seinen Willen aufzwingen will. So empfinde ich es und so wurde es mir vorgelebt. Konflikte wurden mit Streit "gelöst". Der Stärkere gewinnt und hat Recht.

  6. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es gibt noch eine dritte Möglichkeit: zwischendurch ein wenig Druck ablassen um einen katastrophalen Ausbruch zu vermeiden.
    Wie bei einem Dampfkochtopf.
    Ja, das wäre auch meine Antwort gewesen:

    Zitat Zitat von Himiko Beitrag anzeigen
    Dass Problem ist - falls es bei Denise so war wie bei mir - dass es sich nicht um einen Dampfkochtopf handelt. Sondern um eine Sektflasche...
    Und da gestaltet sich das mit dem "ein bisschen Dampf ablassen" leider schwierig. Die Mechanik gibt das nicht her.
    Eine stark geschüttelte Sektflasche würde ich noch ergänzen, wobei mir der Vulkan immer noch besser gefällt. Eine Sektflasche macht nur ein bisschen nass und klebrig, wenn sie explodiert. Ich mache viel mehr als "nass und klebrig", wenn ich wütend bin.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ja, ich kenne das auch - in meiner Familie wurde NIE gestritten und wenn dann doch mal, dann gings ums Leben - gaanz großes Drama.

    Ich hatte Angst vor Streit und habs mir gleichzeitig ersehnt, als Teenager, statt dieser Pseudoharmonie in entsprechenden Situationen. Da war ich aber schon längst "geeicht".
    Pseudoharmonie gab es bei uns nicht. Es wurde selten gestritten, dann aber heftigst.

  7. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ....
    Diese kalte Wut hat mich körperlich angegriffen und zum ersten Mal im Leben habe ich diese Wut jetzt gespürt als mein Vater gestorben ist und meine Mutter meinte ich hätte gefälligst diesen Platz zu besetzen und fing an mich erneut zu bemuttern. Ich dachte erst ich bin im falschen Film, eine Frau mit 80 will mir plötzlich vorschreiben was ich zu tun habe und was nicht.
    .....
    Ich will jetzt nicht das ganze Post zitieren, aber ich bin auch mundtot gemacht worden.

    Hängen geblieben bin ich aber an deiner "kalten Wut". Mein Ex-Mann hat sich beschwert, ich wäre so kalt. Gerade, wenn wir gestritten haben. Ich habe das nie verstanden, weil ich innerlich gekocht habe vor Wut und mich echt nur mühsam beherrscht habe, um nicht zu platzen, aber nach außen hin war ich offensichtlich wie eingefroren und das trifft auch den Zustand, den ich gefühlt habe: Das Innen kochend und brodelnd vor Wut, das Außen eiskalt und beherrscht, damit von dem kochenden Inneren nichts zu merken ist. Wie in Kindertagen. Nichts anmerken lassen, jede "falsche" Gefühlsäußerung wurde reglementiert, also zeigt man lieber gar keine mehr.

    Danke dafür

  8. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ....weil diese für die Eltern selbst eine so große Bedrohung darstellen?

    "Erzähls mir was passiert ist, Du brauchst keine Angst haben ich bestrafe Dich nicht!"
    Ergebnis: Kochlöffel, Hand
    ....
    Ehrlich, wenn ich das so lese, bin ich schon am frühen Morgen wütend. Das kommt gerade mit aller Macht in mir hoch. Nicht wir Kinder haben eine Bedrohung für unsere Eltern dargestellt, sondern unsere Eltern waren eine Bedrohung für uns Kinder mit ihrem unberechenbaren und/oder zwar berechenbarem, aber falschen Verhalten.

    Was ist denn das, wenn die Personen, zu denen man als Kind bedingungsloses Urvertrauen haben müsste, genau die sind, die einen am meisten und effektivsten hintergehen?

  9. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Hm. Ich finde das Buffet-Beispiel bei allem Spaß nicht ganz passend für das, was ich will.

    Vielleicht eine Variante: ich weiß, mein Partner liebt heiß und innig Sesambrötchen. Und ich auch. Blöderweise ist beim Frühstücksbuffet nur noch eins da. Ich bin zuerst am Buffet.

    .....
    Die normale Partnerin würde vielleicht das Brötchen vertikal durchsäbeln und teilen.
    ....

    Und ich arbeite an mir, das einfach ohne schlechtes Gewissen zu tun. Es ist eine innere Hölle irgendwie. ......
    Dazu kann ich nur sagen, such dir einen Partner, der "normal" ist. Dann passiert nämlich genau das: jeder achtet auf den anderen, schaut, dass es ihm gut geht und man teilt. Freude und Leid. Man hat dann endlich einen PARTNER an der Seite und keinen Spatzen.
    Einen Adler, mit dem man gemeinsam fliegen kann, selbst als Adler und da oben in der Luft gibt es keine Grenzen mehr und man genießt gemeinsam den Blick auf das, was unter einem liegt und all der Kleinkram, der vorher das Leben bestimmt hat, wird bedeutungslos angesichts der Weite, die vor einem liegt.

  10. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Die Angst vor Schmerz ist ein ungeheuer wirksamer Faktor für die Menschen.
    Ja, das ist unglaublich. Was habe ich schon alles von jetzt auf gleich gelernt aus Angst vor Schmerz. Nicht schön, aber sehr effektiv.

Antworten
Seite 38 von 42 ErsteErste ... 283637383940 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •