Antworten
Ergebnis 321 bis 330 von 417
Thema: Spatzenmamas....
-
27.07.2017, 13:55
AW: Spatzenmamas....
-
27.07.2017, 13:57
AW: Spatzenmamas....
Das stimmt, das würde ich auch so sehen. Das Problem liegt aber woanders, nämlich auf der Wahrnehmungsebene. (@ja-aber und Denise, Ihr hattet darüber gesprochen, ich komme nur nicht hinterher: dass Dein Spatz Dich an der Nase rumführen kann, weil Du Deiner Wahrnehmung nicht vertraust (oder irgendwie so), gehört m. E. zentral zum Thema.)
Meine Wahrnehmung wurde doch völlig verdreht, als ich ein Kind war – ein Beispiel oben im Post an Sternenfliegerin: wenn ich selbst Hunger habe, spüre ich kein Hungergefühl, sondern meine, ich müsste andere füttern.
Das ist ja genau das Problem, dass ich mich auf mein Gefühl nicht verlassen kann. Das heißt, mittlerweile kann ich das oft und tue es auch. Das ist aber Ergebnis eines langen Heilungsprozesses. Und in Konfliktsituationen kann ich das u. U. immer noch nicht. Ich kann also nicht einem spontanen Gesamtgefühl folgen, das sozusagen alles beinhaltet. Sondern ich mache das, wie ich das am Anfang meines Heilungsprozesses lange und – wie ich finde – sehr erfolgreich gemacht habe (dazu schreibe ich später noch was): ich denke nach. Und da sind es eben in einer Situation u. U. schon Gegensätze.
Kommunikation ist ja immer etwas, was den anderen auch mitdenkt, weil sie sonst nicht funktioniert. (Ich würde hier z. B. nicht auf Englisch schreiben.) Es gibt nicht das: ich äußere einfach mal, unabhängig vom Gegenüber, wie ich mich fühle. Sondern ich passe das an. Schon das "nicht Anpassen" kann rücksichtslos sein. Zu einem Partner sage ich vielleicht ganz direkt und emotional: „Du, Dein ewiges Geknacke mit dem Kugelschreiber geht mir so tierisch auf den Zeiger, ich könnte laut losbrüllen. Läßt Du das bitte mal sein?“ Für ein vierjähriges Kind würde ich das Anliegen (hoffentlich) anders formulieren. Und einem 1jährigen nehme ich vielleicht einfach den Kugelschreiber weg... Wenn Du den 1jährigen aber behandeln würdest wie den Erwachsenen, nur damit Du Dich spontan authentisch ausgedrückt hast, dann wäre das in meiner Welt rücksichtslos. Kommunikativ berücksichtigst Du immer auch Dein Gegenüber und die Gesamtsituation. Und wenn Du das über Dein Gefühl nicht kannst, machst Du das über den Kopf, und da gibt es diese Gegensätze.
Übrigens: auch wenn das, was Du über Dein „inneres Mädel“
schreibst, mir scheinbar widerspricht, scheint es mir doch, dass wir da auf unterschiedliche Art etwas Ähnliches tun: wir verteidigen beide unser Recht, in unserem heutigen Verhalten noch Spuren aus unserer Kindheit zeigen zu dürfen – Du, indem Du hie und da zutrittst
, ich, indem ich das bin, was andere möglicherweise als übervorsichtig bezeichnen würden. Damit entziehen wir uns beide dem Perfektionsanspruch: "Du bist ein erwachsener Mensch und ein erwachsener Mensch hat die Kindheit endgültig hinter sich gelassen zu haben und sich so und so zu verhalten."
Auf solche Perfektionsansprüche reagiere ich als Spatzenmama eigentlich nahezu reflexartig mit schlechtem Gewissen und eiligen Optimierungsversuchen. Und ich finde es gut für mich, die abzuwehren und zu sagen: „Nö, ich bin nicht perfekt und habe auch gar nicht den Anspruch, das zu sein.“ Meinem Eindruck nach – korrigier mich, wenn Du das anders siehst – tun wir das beide, nur auf unterschiedliche Weise.
Absolute Zustimmung. (Was nicht heißt, dass Du nicht ein sehr gutes Leben führen kannst.)We are born to be happy, not perfect.
-
27.07.2017, 13:59Inaktiver User
-
27.07.2017, 14:04Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Mich würde irgendwie doch interessieren, ob es gelingen kann, einen Spatz als "ganz normalen Menschen" zu behandeln und ihn so zu behandeln. Ich würde solche Leute lieber nicht kategorisch aus meinem Leben aussortieren und ignorieren müssen. Das bedeutet doch jedesmal Misstrauen und irgendwie Arbeit und Auseinandersetzen. Ich wäre lieber unempfindlicher gegen dieses Spatzenverhalten.
Hoffe, das ist irgendwie verständlich. Ich möchte mich nicht ständig aktiv schützen müssen. Und ich denke, das ist einfach ein Prozess.
So sehe ich auch meine Double-Bind-Entwicklung. Jahrzehntelang war ich Mitglied des Systems. Bis ich durch einen Zufall erfahren habe, dass es diese Kommunikation gibt. Zwei, drei Jahre lang habe ich ALLES auf Double-Binds gefiltert. Und auch welche gefunden, wo keine waren. Und SEHR empfindlich/aggressiv reagiert. Ich brauchte Übung. Und irgendwann hab ich dann gemerkt: aha, Double Bind. Und konnte mich kommunikativ dagegen wehren. Ich rechtfertige mich nur noch selten, früher war das unausweichlich nach einem Double-Bind.
Ich habe eine nicht-mehr-so-gute Freundin, die vehement bestreitet, dass sie Double Binds benutzt, aber mich zum Teil in Rechtfertigungsfallen lockt... wir haben gerade mal wieder Eiszeit, weil sie merkt, dass ich nicht wie früher reagiere. Vielleicht ist das sogar auch so ein Spatzendings. Sie empfindet mich als hilf- und antriebslos. Ich sehe mich gar nicht so. Sehr spannend irgendwie.
Heute würde ich sagen, dass ich gelassen mit Double-Binds umgehen kann. Sie sind da. Ich setze sie bewusst ein. Ich höre sie bewusst. Und ich weiß mich zu "wehren", wenn es ernst wird.
So weit bin ich bei den Spatzen noch nicht. Hier und da wäre ihre Strategie am Ende vielleicht auch gar nicht verkehrt, denke ich manchmal. Muss ich mir wirklich immer selbst helfen? Darf ich auch mal andere Leute schamlos ausnutzen, die sich vielleicht sogar freuen, mir auch mal einen Gefallen tun zu können? Sowas treibt mich gerade um.
-
27.07.2017, 14:06Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Ja, ich kenne das auch - in meiner Familie wurde NIE gestritten und wenn dann doch mal, dann gings ums Leben - gaanz großes Drama.
Ich hatte Angst vor Streit und habs mir gleichzeitig ersehnt, als Teenager, statt dieser Pseudoharmonie in entsprechenden Situationen. Da war ich aber schon längst "geeicht".
Streiten habe ich tatsächlich von und mit meinem Exmann gelernt. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar, auch wenn es nicht immer konstruktiv war.... besser als diese Ruhe, die ich ich oft als Desinteresse oder wie vergiftet empfunden habe. jedenfalls nicht authentisch.
-
27.07.2017, 14:06Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
-
27.07.2017, 14:20
AW: Spatzenmamas....
Hier kommt mir spontan in den Sinn: Wieso ist es für Dich Ausnutzen, wenn Du von jemandem, der Dir offensichtlich einen Gefallen tun möchte, etwas annimmst? Klar kannst Du das machen. Nehmen lernen. Ohne grosses Trara, einfach annehmen und gut ist. Und man muss auch nicht immer was zurückgeben, manchmal ist ok, etwas einfach anzunehmen und zu sagen, "Dankeschön, das habe ich tatsächlich verdient. Schönen Tag noch!"
-
27.07.2017, 14:23
AW: Spatzenmamas....
TT, jetzt mach ich mal einen Versuch.

Ich sag mal, wieso ich die Irritation Dir gegenüber hier teilweise verstehe: Ich hab das Gefühl, dass Du Dich selbst nicht eingibst.
Also Du beratschlägst und sagst was Dich stört, aber ich spüre Dich nicht. Hier, meine ich, in diesem Strang. Dich triggert doch auch was hier, echt jetzt.
Daran ist doch nix verkehrt. Bring Dich doch mal ein. Zeig mal Deinen Schatten!
Ne, und der ist bei Dir nicht die Wut, die zelebrierst Du ja glaub, wie Du in anderen Strängen schon gesagt hast, du kannst gut wütend sein und das ist toll! Aber wo ist denn die Schwäche, die Fragilität, die Dich hier hinzieht?
-
27.07.2017, 14:27Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Ich hätte nach Eurer Spatzen-Definition verstanden, dass ich eben NICHT bin als Spatz.
- tatsächlich verdienen
- dankbar sein
Und ich überlege eben, ob es nicht auch mal okay sein kann, sich wie ein Spatz zu verhalten und mal ganz unberechtigt die Sahne abzuschöpfen. Ohne schlechtes Gewissen obendrein.
-
27.07.2017, 14:28
AW: Spatzenmamas....
We are born to be happy, not perfect.



Zitieren

