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    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Streit ist für mich immer etwas "Böses".
    Wie wurde denn in deiner Herkunftsfamilie gestritten? Wie ist man da mit Konflikten umgegangen?

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    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Strolinka Beitrag anzeigen
    Der Gegensatz, den Du aus meiner Perspektive schaffst: Entweder man ist mitfühlend und im Verständnis für den anderen und zeigt seine eigene Wut/Trotz/Trauer nicht ODER man zeigt das und erniedrigt somit den anderen und ist ungerecht und tut dem anderen was an.

    Diesen Gegensatz gibt es für mich in gesunder Streitkultur nicht. Du kannst Wut, Trotz, Trauer, Bedürfnisse zeigen, ohne den anderen zu erniedrigen.
    Das stimmt, das würde ich auch so sehen. Das Problem liegt aber woanders, nämlich auf der Wahrnehmungsebene. (@ja-aber und Denise, Ihr hattet darüber gesprochen, ich komme nur nicht hinterher: dass Dein Spatz Dich an der Nase rumführen kann, weil Du Deiner Wahrnehmung nicht vertraust (oder irgendwie so), gehört m. E. zentral zum Thema.)

    Meine Wahrnehmung wurde doch völlig verdreht, als ich ein Kind war – ein Beispiel oben im Post an Sternenfliegerin: wenn ich selbst Hunger habe, spüre ich kein Hungergefühl, sondern meine, ich müsste andere füttern.
    Das ist ja genau das Problem, dass ich mich auf mein Gefühl nicht verlassen kann. Das heißt, mittlerweile kann ich das oft und tue es auch. Das ist aber Ergebnis eines langen Heilungsprozesses. Und in Konfliktsituationen kann ich das u. U. immer noch nicht. Ich kann also nicht einem spontanen Gesamtgefühl folgen, das sozusagen alles beinhaltet. Sondern ich mache das, wie ich das am Anfang meines Heilungsprozesses lange und – wie ich finde – sehr erfolgreich gemacht habe (dazu schreibe ich später noch was): ich denke nach. Und da sind es eben in einer Situation u. U. schon Gegensätze.

    Kommunikation ist ja immer etwas, was den anderen auch mitdenkt, weil sie sonst nicht funktioniert. (Ich würde hier z. B. nicht auf Englisch schreiben.) Es gibt nicht das: ich äußere einfach mal, unabhängig vom Gegenüber, wie ich mich fühle. Sondern ich passe das an. Schon das "nicht Anpassen" kann rücksichtslos sein. Zu einem Partner sage ich vielleicht ganz direkt und emotional: „Du, Dein ewiges Geknacke mit dem Kugelschreiber geht mir so tierisch auf den Zeiger, ich könnte laut losbrüllen. Läßt Du das bitte mal sein?“ Für ein vierjähriges Kind würde ich das Anliegen (hoffentlich) anders formulieren. Und einem 1jährigen nehme ich vielleicht einfach den Kugelschreiber weg... Wenn Du den 1jährigen aber behandeln würdest wie den Erwachsenen, nur damit Du Dich spontan authentisch ausgedrückt hast, dann wäre das in meiner Welt rücksichtslos. Kommunikativ berücksichtigst Du immer auch Dein Gegenüber und die Gesamtsituation. Und wenn Du das über Dein Gefühl nicht kannst, machst Du das über den Kopf, und da gibt es diese Gegensätze.

    Übrigens: auch wenn das, was Du über Dein „inneres Mädel“ schreibst, mir scheinbar widerspricht, scheint es mir doch, dass wir da auf unterschiedliche Art etwas Ähnliches tun: wir verteidigen beide unser Recht, in unserem heutigen Verhalten noch Spuren aus unserer Kindheit zeigen zu dürfen – Du, indem Du hie und da zutrittst , ich, indem ich das bin, was andere möglicherweise als übervorsichtig bezeichnen würden. Damit entziehen wir uns beide dem Perfektionsanspruch: "Du bist ein erwachsener Mensch und ein erwachsener Mensch hat die Kindheit endgültig hinter sich gelassen zu haben und sich so und so zu verhalten."
    Auf solche Perfektionsansprüche reagiere ich als Spatzenmama eigentlich nahezu reflexartig mit schlechtem Gewissen und eiligen Optimierungsversuchen. Und ich finde es gut für mich, die abzuwehren und zu sagen: „Nö, ich bin nicht perfekt und habe auch gar nicht den Anspruch, das zu sein.“ Meinem Eindruck nach – korrigier mich, wenn Du das anders siehst – tun wir das beide, nur auf unterschiedliche Weise.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich meine auch, dass man nie mehr "draußen" ist. Man weiß halt, dass das irgendwie schädlich ist für einen. Ich würde das in etwa - ohne tatsächlich mitreden zu können - wie beim trockenen Alkoholiker sehen. Ich nehme für mich jedenfalls nicht in Anspruch, immun zu sein gegen diese Kräfte.
    Absolute Zustimmung. (Was nicht heißt, dass Du nicht ein sehr gutes Leben führen kannst.)
    We are born to be happy, not perfect.

  3. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Weil er zerstört. Ich kann nicht "ein bisschen wütend" sein. Das ist bei mir wie "ein bisschen schwanger sein". Es dauert, bis ich wütend werde, aber wenn ich dann wütend bin, dann gleicht das einem Vulkanausbruch, der alles irreparabel zerstört, was sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen kann. Also verhindere ich den Ausbruch, indem ich einen gigantischen Deckel drauf lege und dafür sorge, dass der Ausbruch im Inneren stattfindet.

    Aber du hast im Prinzip natürlich vollkommen recht. Ich darf nur nicht warten bis ich wütend werde, sondern muss die Dinge zur Sprache bringen, solange sie mich "nur" stören.
    Es gibt noch eine dritte Möglichkeit: zwischendurch ein wenig Druck ablassen um einen katastrophalen Ausbruch zu vermeiden.
    Wie bei einem Dampfkochtopf.

  4. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Strolinka Beitrag anzeigen
    Aber was ich sagen will: Du kannst tatsächlich an einen Punkt kommen, wo Dich Spatzen kaum mehr interessieren, wo Du sie wahrnimmst, manchmal ignorierst, manchmal trittst, aber nicht mehr in Dein Leben lässt.
    Mich würde irgendwie doch interessieren, ob es gelingen kann, einen Spatz als "ganz normalen Menschen" zu behandeln und ihn so zu behandeln. Ich würde solche Leute lieber nicht kategorisch aus meinem Leben aussortieren und ignorieren müssen. Das bedeutet doch jedesmal Misstrauen und irgendwie Arbeit und Auseinandersetzen. Ich wäre lieber unempfindlicher gegen dieses Spatzenverhalten.

    Hoffe, das ist irgendwie verständlich. Ich möchte mich nicht ständig aktiv schützen müssen. Und ich denke, das ist einfach ein Prozess.

    So sehe ich auch meine Double-Bind-Entwicklung. Jahrzehntelang war ich Mitglied des Systems. Bis ich durch einen Zufall erfahren habe, dass es diese Kommunikation gibt. Zwei, drei Jahre lang habe ich ALLES auf Double-Binds gefiltert. Und auch welche gefunden, wo keine waren. Und SEHR empfindlich/aggressiv reagiert. Ich brauchte Übung. Und irgendwann hab ich dann gemerkt: aha, Double Bind. Und konnte mich kommunikativ dagegen wehren. Ich rechtfertige mich nur noch selten, früher war das unausweichlich nach einem Double-Bind.

    Ich habe eine nicht-mehr-so-gute Freundin, die vehement bestreitet, dass sie Double Binds benutzt, aber mich zum Teil in Rechtfertigungsfallen lockt... wir haben gerade mal wieder Eiszeit, weil sie merkt, dass ich nicht wie früher reagiere. Vielleicht ist das sogar auch so ein Spatzendings. Sie empfindet mich als hilf- und antriebslos. Ich sehe mich gar nicht so. Sehr spannend irgendwie.

    Heute würde ich sagen, dass ich gelassen mit Double-Binds umgehen kann. Sie sind da. Ich setze sie bewusst ein. Ich höre sie bewusst. Und ich weiß mich zu "wehren", wenn es ernst wird.

    So weit bin ich bei den Spatzen noch nicht. Hier und da wäre ihre Strategie am Ende vielleicht auch gar nicht verkehrt, denke ich manchmal. Muss ich mir wirklich immer selbst helfen? Darf ich auch mal andere Leute schamlos ausnutzen, die sich vielleicht sogar freuen, mir auch mal einen Gefallen tun zu können? Sowas treibt mich gerade um.

  5. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ja, alles andere ist für mich eine Unterhaltung, ein Austausch. Streit ist für mich immer etwas "Böses".
    Ja, ich kenne das auch - in meiner Familie wurde NIE gestritten und wenn dann doch mal, dann gings ums Leben - gaanz großes Drama.

    Ich hatte Angst vor Streit und habs mir gleichzeitig ersehnt, als Teenager, statt dieser Pseudoharmonie in entsprechenden Situationen. Da war ich aber schon längst "geeicht".

    Streiten habe ich tatsächlich von und mit meinem Exmann gelernt. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar, auch wenn es nicht immer konstruktiv war.... besser als diese Ruhe, die ich ich oft als Desinteresse oder wie vergiftet empfunden habe. jedenfalls nicht authentisch.

  6. Inaktiver User

  7. gesperrt

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    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Hier und da wäre ihre Strategie am Ende vielleicht auch gar nicht verkehrt, denke ich manchmal. Muss ich mir wirklich immer selbst helfen? Darf ich auch mal andere Leute schamlos ausnutzen, die sich vielleicht sogar freuen, mir auch mal einen Gefallen tun zu können? Sowas treibt mich gerade um.
    Hier kommt mir spontan in den Sinn: Wieso ist es für Dich Ausnutzen, wenn Du von jemandem, der Dir offensichtlich einen Gefallen tun möchte, etwas annimmst? Klar kannst Du das machen. Nehmen lernen. Ohne grosses Trara, einfach annehmen und gut ist. Und man muss auch nicht immer was zurückgeben, manchmal ist ok, etwas einfach anzunehmen und zu sagen, "Dankeschön, das habe ich tatsächlich verdient. Schönen Tag noch!"

  8. gesperrt

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    AW: Spatzenmamas....

    TT, jetzt mach ich mal einen Versuch.

    Ich sag mal, wieso ich die Irritation Dir gegenüber hier teilweise verstehe: Ich hab das Gefühl, dass Du Dich selbst nicht eingibst.

    Also Du beratschlägst und sagst was Dich stört, aber ich spüre Dich nicht. Hier, meine ich, in diesem Strang. Dich triggert doch auch was hier, echt jetzt.

    Daran ist doch nix verkehrt. Bring Dich doch mal ein. Zeig mal Deinen Schatten! Ne, und der ist bei Dir nicht die Wut, die zelebrierst Du ja glaub, wie Du in anderen Strängen schon gesagt hast, du kannst gut wütend sein und das ist toll! Aber wo ist denn die Schwäche, die Fragilität, die Dich hier hinzieht?

  9. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Strolinka Beitrag anzeigen
    "Dankeschön, das habe ich tatsächlich verdient. Schönen Tag noch!"
    Ich hätte nach Eurer Spatzen-Definition verstanden, dass ich eben NICHT bin als Spatz.
    - tatsächlich verdienen
    - dankbar sein

    Und ich überlege eben, ob es nicht auch mal okay sein kann, sich wie ein Spatz zu verhalten und mal ganz unberechtigt die Sahne abzuschöpfen. Ohne schlechtes Gewissen obendrein.

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    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es gibt noch eine dritte Möglichkeit: zwischendurch ein wenig Druck ablassen um einen katastrophalen Ausbruch zu vermeiden.
    Wie bei einem Dampfkochtopf.
    Dass Problem ist - falls es bei Denise so war wie bei mir - dass es sich nicht um einen Dampfkochtopf handelt. Sondern um eine Sektflasche...
    Und da gestaltet sich das mit dem "ein bisschen Dampf ablassen" leider schwierig. Die Mechanik gibt das nicht her.
    We are born to be happy, not perfect.

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