Unterlasse es. Bitte.
Klartext genug?
Zweite Option: Du lässt mal selbst exemplarisch die Hosen herunter und berichtest konkret von eigenen, kleinen Erfahrungen in deinem Leben. Und versuchst, deine Haltung: "Jeder ist sich selbst der nächste" grundlegend zu überdenken (den Job sogar mal abgezogen und da bist du ja als Ärztin umso mehr ethisch-moralischen Grundlagen verpflichtet - siehe Beziehungsleben etc. pp.)
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Thema: Spatzenmamas....
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26.07.2017, 19:54
AW: Spatzenmamas....
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26.07.2017, 20:00
AW: Spatzenmamas....
Ok. Ein Beispiel.
Ich hatte es so verstanden, dass man sich als Spatzenmama (ich mag den Begriff auch gar nicht!) eben so sehr verantwortlich, so sehr verpflichtet fühlt und so sehr emotional eingebunden ist, dass es hier gar nicht ums Freiboxen geht, indem man sich Respekt verschafft. Denn da ist diese schreckliche Ambivalenz.
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26.07.2017, 20:00Inaktiver User
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26.07.2017, 20:01Inaktiver User
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26.07.2017, 20:03
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26.07.2017, 20:05Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Ich bin ja nicht die Sternenfliegerin. Aber für mich kann ich das beantworten. Wieder ein Beispiel: als wir diese Müll-To-Do-Liste machten, haben wir die Sachen 50:50 aufgeteilt, er macht dieses, ich mach jenes. Ich war damals aber "nur" (seine Sicht, wie ich später feststellen durfte) halbtags aushäusig (war 2 Tage im Büro, 3 Tage im Homeoffice, reduzierte Stundenzahl 28). Sprich: ich war für viele Dinge einfach vor Ort, während er eben nicht da war.
Nun kam es also dazu, dass eine seiner Tätigkeiten fällig war. Papiermülltonne rausstellen, vorher die Hausmülleimer diesbezüglich leeren. Er hat die Tonnen nicht rausgestellt, der Müll war noch da. Morgens verließ er das Haus, ich war daheim. Gesprochen haben wir über das Thema nicht. Ich glaubte natürlich, er hat das erledigt und begegne in der Früh der vollen Papiermüllkiste, Nun hatte ich also zwei Optionen.
a) ignorieren, seine Baustelle
b) ihn daran erinnern, dass das noch gemacht werden muss
ich habe mich zumeist für b) entschieden, weil ich das Zeug ja weg haben wollte. Damit ergab sich eine 50:50 Chance:
a) er macht es (und ich überlegte: soll ich das positiv erwähnen, dass ich mich drüber freu... oder ist das muttimäßig)
b) er hat keine Zeit mehr, muss los, ob ich das nicht eben schnell ausnahmsweise machen könnte
wohl wissend: Homeoffice, ich muss jetzt halt nicht los. Klar könnte ich sagen: Hasilein, das war doch Deine Aufgabe und warum hast Du die denn nicht gemacht wie vereinbart? Willkommen im Double-Bind. Vorwürfe. Streit. Mein Kindheitstrauma. Klar habe ich das trotzdem gemacht. Wir bekamen nicht selten den schönsten Streit über solche Dinge. Und am Ende blieben mir dann idR. die Optionen
a) ich lass es auch liegen weil sein Job
b) ich mach's halt, ausnahmsweise
Und bei b) hab ich dann halt auch irgendwie erwartet, dass er sich freut, danke sagt, das irgendwie wertzuschätzen weiß, dass ich seinen Teil mitgemacht habe. Was ich lange und mühsam lernen musste war: nö, niemals, das ist einfach selbstverständlich. Nicht selten hab ich das dann mal einfließen lassen, dass er ja auch mal für mich was übernehmen könnte, weil ich für ihn ja auch... ja, aber er ist ja nicht da und hat Stress und ach und weh.
14 Tage später wiederholt sich das Theaterstück. Wir hatten immer wieder die schönsten Konflikte über solchen Mist. Der Müll wurde für mich schon zum roten Tuch, ganz ehrlich. Es hat mich mehr und mehr genervt. Ich konnte aber Grenzen setzen, das thematisieren, das ignorieren, das klaglos erledigen wie ich wollte, er saß für mich gefühlt am längeren Hebel.
"Warum regst Du Dich denn über solche Kleinigkeiten so auf?" war seine Waffe. "Ist doch egal" sein Credo.
Hier sah es zunehmend aus wie in einer Messiebude, weil ich einfach keine Lust hatte, ihm jeden Kram hinterher zu räumen. Nachdem er mich ja auch - irgendwie wie bei Denise - verlassen hatte, weil ihm die Streits zu viel wurden, war ich - erleichtert. Ich habe dann ungefähr 3 Jahre Stück für Stück ausgemistet. Es war ein schleichender Prozess.
Ich will sagen: ich habe mich gewehrt, ich habe diskutiert, wieder und wieder und wieder. Und ich "musste" Verantwortung übernehmen, weil er es einfach ums Verrecken nicht getan hat. Aber verlässt Du einen Mann, weil er nicht zuverlässig den Müll rausbringt, seine Kaffeetassen verstreut, vergisst den Hund Gassi zu führen? Immer mit diesem "warum regst Du Dich denn auf, Leben läuft doch" Lächeln im Gesicht?
Ich habe alles gegeben, Familie, Job, Haushalt unter einen Hut zu bekommen, aber ich hatte überhaupt keinen Partner dabei. Als er weg war hat sich in unserer Familienstruktur nichts, aber auch gar nichts geändert. Ich war doch eh schon für alles verantwortlich. Das finanzielle Loch war sehr erschreckend, das war auch "sein Thema" und ich hatte nicht die Zeit mich darum auch noch zu kümmern. Unterversicherungen, falsche Versicherungen (noch auf die Wohnung, nicht aufs Haus), irrwitzige Abos und Mitgliedschaften, vertrödelte Rechnungen und eine hanebüchene Hausfinanzierung... am Ende habe ich ja das Haus übernommen. Er denkt heute noch, ich hab ihn über den Tisch gezogen damit, aber leider hätte ich sonst all das hineininvestierte Geld (meiner Eltern) verloren. Er kam mit nichts und ging mit nichts. Und hat im Grunde trotz der langen Ehejahre kaum Spuren hinterlassen.
Ich hätte ihn direkt wieder verlassen "müssen", aber mir hat nach einem sehr dominanten Partner, den ich davor 9 Jahre hatte, total gefallen, dass er mich "machen lässt". Meine Güte, ich hab das überhaupt nicht erkannt!
Ich kann ihm nicht mal das Blutegel unterstellen, ihm ist das WIRKLICH nicht wichtig.
Sehr langer Rede kurzer Sinn: ich hab mich gewehrt, wieder und wieder das Gespräch gesucht, ihn angemotzt, ihm Vorwürfe gemacht, es ausgesessen, whatever. Aber ich hab's irgendwann dann doch gemacht. Und mich gefragt: Nur weil ich es halt anfangs ihm zuliebe ausnahmsweise gemacht habe?
In meiner Welt ist das eher so ein "eine Hand wäscht die andere". Ich bring Dir ein Getränk von der Bar mit, Du gehst das nächste Mal. Und immer und überall sind dann da diese Spatzen, die denken: geil, sie ist gegangen, sie kennt den Weg, sie kann es wieder tun. Sowas kommt in meiner Denke nicht vor! Wenn mir jemand hilft, helfe ich ihm auch mal oder ich zeige ihm, dass mich das echt freut. Das ist meine Baustelle, anscheinend. Ich bin zu nett zu anderen.Geändert von Inaktiver User (26.07.2017 um 20:10 Uhr)
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26.07.2017, 20:09Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Ich bin eine der letzten, die ein dichotomes Weltbild bzgl. Seele/Körper hat. Ich wurde nur schwer gereizt durch den Vorwurf, ich würde Schwere nicht ertragen können. Und wenn ich mir so meine Patienten anschaue, die ich tagtäglich besuche, die mich in meiner Praxis beehren, dann weiss ich nicht, ob es - außer in Kriegsgebieten - noch größeres Leid geben kann. Wahrscheinlich schon. Aber es wird eher selten sein. DAS wollte ich nur gesagt haben. Und natürlich wiegen seelisches Leid, Kindheitstraumata etc. schwer... Wenn man allerdings meine Patienten in den letzten zwei Tagen erlebt hat, dann relativieren sich manche Dinge. Und ja - ich schreibe nur aus meiner subjektiven Sicht, in meinen Schuhen laufend. Mitunter hilft es sogar weniger Kranken in meinem Wartezimmer, wenn sie neben einem Schwerstkranken sitzen. Diese Erschütterung - was es noch so alles an Leid gibt auf der Welt - lässt manche Dinge in einem anderen Licht leuchten. Aber - wenn allgemein gewünscht - bin ich jetzt still.
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26.07.2017, 20:11
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26.07.2017, 20:17Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Mit der Bezeichnung "Spatzenmama" bleibt euer Anliegen "verniedlicht" auf der kindlichen Ebene. Zwar ist das Muster da entstanden und will verstanden werden aber was ich bisher so beim Querlesen mitbekommen habe, scheinen die Meisten hier auf dieser Ebene stecken geblieben zu sein.
Da scheint es noch Anteile zu geben die diese Rolle glorifizieren, in Widerstand sind.
Mit der Bezeichung Spatz holst Du Dein Gegenüber auf die kindliche Ebene und reagierst, Deinem Muster entsprechend selbst auf der kindlichen Ebene. Da ist aber ein erwachsener Mensch der ein Problem hat.Ein Spatz hat aber zu dem Zeitpunkt sehr deutlich Bedarf signalisiert, sein Thema vor mir ausgebreitet, darunter sichtlich gelitten, um sich dann aber bei nächster Gelegenheit wieder eine blutige Nase woanders zu holen und mir diese danach verletzt zu zeigen.
Damit habe ich - bisher- ein Problem.
Und leider ist es mir bisher kein bißchen egal, daß meine Spatzen-Typen sich blutige Nasen holen.
Zu dem Punkt muß ich wohl kommen.
Und was mich persönlich extrem daran stört ist die Opferrolle in die ihr euch begebt! Was ist so schwer daran Verantwortung für sein eigenes Leben, Gefühle zu übernehmen? Was ist so schwer gleichwohl die Verantwortung beim anderen Menschen zu lassen?
In mir tauchen beim Lesen jede Menge Aggressionen auf.
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26.07.2017, 20:20
AW: Spatzenmamas....
Ich liebe deine Bilder, Strolinka.
Stell dir dein Flussbeispiel vor (Wasser als Symbol für Emotionen, Rausch, Bewegung - excellent!).
Ein Mensch kommt in dein Stück Land der Ruhe. Möchte dich zum Fluss bringen (in den Fluss? Go with the flow?) --
aber anstatt nein zu sagen, empört zu sein und ihn vom Grundstück zu schmeißen, lächelst du. Und gehst mit...Du weißt alles. Kennst jede seiner Bewegungen.
Am Fluss angekommen steht ihr beide vor dem Gewässer. Er ist ratlos. Denn er weiß nicht, was zu tun ist.
Wieder lächelst du. Denn du ertrinkst nicht mehr im Wasser.
Vor dir ein Flaggschiff. Erschaffen aus deinen Händen.
Du gehst lächelnd an Bord. In der Steuerzentrale nimmst du das Ruder in die Hand. Dein Kompass. Du weißt genau, wo du hinwillst.
Du blickst hinaus. Der Spatzenmensch ist verschwunden...Wo mag er hin sein? Ists wichtig?
Nein. Denn du navigierst auf der Strolinka, deinem Flaggschiff.




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