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    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und genau diesen Automatismus sehe ich nicht zwangsläufig. In so einem Harmonie-bedürftigen Umfeld bin ich auch aufgewachsen, habe aber daraus nur die Erkenntnis gewonnen, dass nichts wichtiger als meine Autonomie ist. Es gibt unverhandelbare Dinge, über die niemand einfach so steigen kann, ohne auf massiven Widerstand zu stoßen.

    Mich interessiert wirklich der innere Widerstand derjenigen, sich selbst als autonome Person zu begreifen.
    Nein, automatisch ist nichts.

    Aber ich meinte nicht Harmoniebedürftigkeit der Eltern. Ich meinte eher Verwahrlosung. Wo Du dann als Kind quasi ums Überleben kämpfst.

    Also in meinem Fall war es so, dass wir nach aussen ne schöne heile Familie mit genügend Geld und allem, was Du an Materiellem brauchst, waren, aber gegen innen waren meinen Eltern emotional uninteressiert an uns Kindern, wir dienten quasi vor allem zum Vorzeigen. Und wenn ich meinen Geschwistern nicht geschaut hätte, dann hätte ihnen niemand geschaut, so einfach ist das, da hat bei meinen Eltern nix geholfen, nicht Schreien und Weinen und Grenzsetzung und gewaltfreie Kommunikation und Therapie und was weiss ich was, weil es sie einfach nicht interessierte. Und da ich die Stärkste war, wurde dann noch so gern alles auf mich abgeschoben. Wenn ich da gesagt hätte: Nein, mach ich nicht, dann wären meine Geschwister in gewissen Situationen ziemlich gefährdet gewesen, und so was setzt kein normaler Mensch aufs Spiel, nur um gerade die eigene Grenzsetzung zu demonstrieren.

    Wenn Du also zum Beispiel so aufwächst, dann hast Du eben diese innere Stimme und Alarmbereitschaft, dass, egal was passiert, Du schauen musst (wenn Du grundsätzlich ein fürsorgliches Naturell mitbringst).

    Ich musste das als Erwachsene umlernen, ich musste lernen, dass das in gesunden Beziehungen so nicht funktioniert.

    In einem Punkt gebe ich Dir recht, ich wollte unbedingt autonom sein und dieses Wollen hat mich angetrieben, ich hatte einen riesigen Drang mich von meinen alten Mustern zu emanzipieren.

    Wenn hier einige noch einen inneren Widerstand spüren, autonom zu sein, dann ist das aus meinem Empfinden noch das kleine Kind, das trotzig sagt: Ja aber ihr seid doch die Eltern, IHR hättet schauen müssen, nicht ich. Und dieses kleine trotzige Kind arbeitet sich am falschen Partner ab und sagt: DU müsstest doch jetzt endlich, DU müsstest Dich doch jetzt endlich verändern. Dabei sind eigentlich die Eltern gemeint.

    Die gute Nachricht, wenn man es durchschaut, was man selber da tut, oder was das trotzige innere Kind da eigentlich tut, kann man als Erwachsene eingreifen und mit dem trotzigen Kind reden und ihm sagen: Stop, ich übernehme jetzt ab hier, Du darfst spielen gehen, bist ja noch ein Kind, nicht wahr.

  2. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Strolinka Beitrag anzeigen
    Und wieso ist das so? Weil Dir das als Kind so beigebracht wurde, über Jahrzehnte, dass Du schauen musst, dass alles funktioniert, obwohl es Scheisse ist und sich für Dich nur schlecht anfühlt und Du zu kurz kommst dabei. Du musst auf Deine Geschwister schauen, auf Dich selbst, vielleicht sogar noch auf die Eltern. Oder Deine Eltern sind eben schon früh verstorben und Du musstest alleine schauen oder es gibt sogar Missbrauch und so weiter, hier liest man ja die verschiedensten Geschichten.
    Es gibt ja mehrere Dinge, die da aufeinanderprallen, da geht's auch um kollektive Dinge und ganz persönliche:

    1. In unserer Gesellschaft wird die Familie ganz oben angesiedelt (in Wirklichkeit passiert das genaue Gegenteil was uns als Propaganda verkauft wird)
    2. Unsere Eltern waren in der Regel Schicksalsgemeinschaften, da blieb man zusammen, da musste man aushalten, denn wenn die Ehe in die Brüche ging war die Existenz gefährdet, nicht nur der der Frau sondern auch die des Mannes.
    3. Unsere Eltern haben es zu einem materiellen Wohlstand gebracht (unseren Kindern solls mal besser gehen) aber was haben wir davon wenn die geistige Entwicklung auf der Strecke bleibt und wir jetzt in einer Konsumgesellschaft ersticken weil Gefühle ständig verdrängt und verleugnet wurden?
    4. religiöse Anschauungen, für meine Eltern war die Scheidung eine persönliche Katastrophe und löste völliges Unverständnis aus, ebenfalls für Schwiegervater, der mich als Mann für das Scheitern der Familie verantwortlich gemacht hat.

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    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Strolinka Beitrag anzeigen
    Wenn hier einige noch einen inneren Widerstand spüren, autonom zu sein, dann ist das aus meinem Empfinden noch das kleine Kind, das trotzig sagt: Ja aber ihr seid doch die Eltern, IHR hättet schauen müssen, nicht ich.
    Und dieses kleine trotzige Kind arbeitet sich am falschen Partner ab und sagt: DU müsstest doch jetzt endlich, DU müsstest Dich doch jetzt endlich verändern. Dabei sind eigentlich die Eltern gemeint.
    So wertvolles Gedankengut.
    Ich nenne das "meinen Quengelanteil".

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    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Strolinka Beitrag anzeigen
    Wenn ich da gesagt hätte: Nein, mach ich nicht, dann wären meine Geschwister in gewissen Situationen ziemlich gefährdet gewesen

  5. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    doppelt

  6. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ThirdThought,
    tja es ist schwer und wenn Dir die Leichtigkeit fehlt, wenn Dir das schon wert ist es zu erwähnen dann frage ich Dich: Kannst Du die Schwere vielleicht nicht selbst ertragen? Einfach mal aushalten, daß es im Leben nicht nur Leichtigkeit gibt sondern auch den Gegenpol.
    Vielleicht bist Du auch schon so abgestumpft, daß Du das unangenehme Gefühl der Schwere einfach schon sehr lange beiseite geschoben hast?
    Stecher, das hier ist wirklich dreist. Und normalerweise schätze ich deine Beiträge sehr, wie du weißt.
    Ich behandle jeden Tag schwerkranke, sterbende Menschen, junge, unheilbar kranke Menschen, Menschen, die überhaupt keine Hoffnung haben.

    Weshalb ich die Schwere hier in diesem Strang tatsächlich ziemlich übertrieben finde. Natürlich bringen Beziehungsprobleme keine große Lebensfreude. Ein falsch ausgesuchter Partner kann einen an den Rand seiner Belastbarkeit bringen, keine Frage. Und dann schau ich mir das an und überlege, was besser gemacht werden könnte. Und wenn ich ein Problem in meinem Verhalten erkenne, dann ändere ich das. Das ist manchmal nicht so einfach wie man sich das wünscht, aber trotzdem mit Ausdauer trainierbar und umsetzbar. So funktioniere ICH. Andere Leute scheinbar nicht. Sei's drum.

    Aber mir Abgestumpftheit und Nicht-Ertragen von Schwere zu unterstellen - no way. Ich geh jetzt wieder zu den Sterbenden, die freuen sich erstaunlicherweise über meinen Frohsinn und meine nichtdestotrotz in reichen Mengen vorhandene Empathie.

  7. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Stecher, das hier ist wirklich dreist.
    Nein das ist die Pille, die Du anderen verordnest!

    Und normalerweise schätze ich deine Beiträge sehr, wie du weißt.
    Ich behandle jeden Tag schwerkranke, sterbende Menschen, junge, unheilbar kranke Menschen, Menschen, die überhaupt keine Hoffnung haben.
    Glaubst Du, das Du die einzige bist, die mit solchen Menschen zu tun hat?

    Aber mir Abgestumpftheit und Nicht-Ertragen von Schwere zu unterstellen - no way.
    Na anscheinend stimmts ja...

    Ich geh jetzt wieder zu den Sterbenden, die freuen sich erstaunlicherweise über meinen Frohsinn und meine nichtdestotrotz in reichen Mengen vorhandene Empathie.
    Und wie gehst mit Deiner Trauer um?

  8. gesperrt

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    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Blue2012 Beitrag anzeigen
    Danke blue, bei mir ist es ähnlich wie bei Dir... Ich bin heute versöhnt mit der Unversöhnlichkeit, mit Trauer, mit Wut, und wenn das heute noch ab und zu rauf kommt, dann darf das auch einfach sein. Weil neben dem gibt es so viel Schönes, Berührendes, Bezauberndes.

    Und: es geht mir heute gut und ich führe ein gutes, autonomes, zufriedenes Leben mit gesunden schönen Beziehungen auf allen Ebenen. Dafür bin ich auch sehr dankbar.

    Und wenn ab und zu ein Spatz meint, er müsse an meinem alten Spatzenmama-Dings rumzerren, dann kriegt er nen kräftigen Tritt, und der macht mir sogar ein bisschen Spass.

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    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Strolinka Beitrag anzeigen
    rumzerren... kräftigen Tritt, und der macht mir sogar ein bisschen Spass.
    ..."in hohem Bogen über den Zaun geworfen"
    Muss ich dazu was sagen oder siehst du es selbst?

  10. Inaktiver User

    AW: Spatzenmamas....

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und wie gehst mit Deiner Trauer um?
    Ich habe Mitgefühl. Manchmal weine ich leise mit. Manchmal schweige ich. Manchmal kläre ich auf, wo aufzuklären notwendig ist. Und ich nehme mir Zeit.

    Und dann lasse ich das Ganze dort, wo es hingehört. Bei diesem einen Menschen, bei dem, der krank ist, bei dem, der sterben wird, bei den Angehörigen. Mehr kann ich nicht tun. Unheilbar. Sterbend.

    Und ja. Früher saßen alle die Menschen, die ich behandelt habe, abends neben mir in Gedanken auf meiner Couch. Das geht nicht lange gut. Da gibt es irgendwann ein Burnout. War ich kurz davor.

    Also hab ich mir das angeschaut. Und seitdem ziehe ich meinen Arztkittel nach Feierabend aus, lasse die Trauer in den Kitteltaschen und genieße mein Leben, denn es könnte jeden gottverdammten Tag zu Ende sein!

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