Nein, automatisch ist nichts.
Aber ich meinte nicht Harmoniebedürftigkeit der Eltern. Ich meinte eher Verwahrlosung. Wo Du dann als Kind quasi ums Überleben kämpfst.
Also in meinem Fall war es so, dass wir nach aussen ne schöne heile Familie mit genügend Geld und allem, was Du an Materiellem brauchst, waren, aber gegen innen waren meinen Eltern emotional uninteressiert an uns Kindern, wir dienten quasi vor allem zum Vorzeigen. Und wenn ich meinen Geschwistern nicht geschaut hätte, dann hätte ihnen niemand geschaut, so einfach ist das, da hat bei meinen Eltern nix geholfen, nicht Schreien und Weinen und Grenzsetzung und gewaltfreie Kommunikation und Therapie und was weiss ich was, weil es sie einfach nicht interessierte. Und da ich die Stärkste war, wurde dann noch so gern alles auf mich abgeschoben. Wenn ich da gesagt hätte: Nein, mach ich nicht, dann wären meine Geschwister in gewissen Situationen ziemlich gefährdet gewesen, und so was setzt kein normaler Mensch aufs Spiel, nur um gerade die eigene Grenzsetzung zu demonstrieren.
Wenn Du also zum Beispiel so aufwächst, dann hast Du eben diese innere Stimme und Alarmbereitschaft, dass, egal was passiert, Du schauen musst (wenn Du grundsätzlich ein fürsorgliches Naturell mitbringst).
Ich musste das als Erwachsene umlernen, ich musste lernen, dass das in gesunden Beziehungen so nicht funktioniert.
In einem Punkt gebe ich Dir recht, ich wollte unbedingt autonom sein und dieses Wollen hat mich angetrieben, ich hatte einen riesigen Drang mich von meinen alten Mustern zu emanzipieren.
Wenn hier einige noch einen inneren Widerstand spüren, autonom zu sein, dann ist das aus meinem Empfinden noch das kleine Kind, das trotzig sagt: Ja aber ihr seid doch die Eltern, IHR hättet schauen müssen, nicht ich. Und dieses kleine trotzige Kind arbeitet sich am falschen Partner ab und sagt: DU müsstest doch jetzt endlich, DU müsstest Dich doch jetzt endlich verändern. Dabei sind eigentlich die Eltern gemeint.
Die gute Nachricht, wenn man es durchschaut, was man selber da tut, oder was das trotzige innere Kind da eigentlich tut, kann man als Erwachsene eingreifen und mit dem trotzigen Kind reden und ihm sagen: Stop, ich übernehme jetzt ab hier, Du darfst spielen gehen, bist ja noch ein Kind, nicht wahr.![]()
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Thema: Spatzenmamas....
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26.07.2017, 13:21
AW: Spatzenmamas....
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26.07.2017, 13:25Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Es gibt ja mehrere Dinge, die da aufeinanderprallen, da geht's auch um kollektive Dinge und ganz persönliche:
1. In unserer Gesellschaft wird die Familie ganz oben angesiedelt (in Wirklichkeit passiert das genaue Gegenteil was uns als Propaganda verkauft wird)
2. Unsere Eltern waren in der Regel Schicksalsgemeinschaften, da blieb man zusammen, da musste man aushalten, denn wenn die Ehe in die Brüche ging war die Existenz gefährdet, nicht nur der der Frau sondern auch die des Mannes.
3. Unsere Eltern haben es zu einem materiellen Wohlstand gebracht (unseren Kindern solls mal besser gehen) aber was haben wir davon wenn die geistige Entwicklung auf der Strecke bleibt und wir jetzt in einer Konsumgesellschaft ersticken weil Gefühle ständig verdrängt und verleugnet wurden?
4. religiöse Anschauungen, für meine Eltern war die Scheidung eine persönliche Katastrophe und löste völliges Unverständnis aus, ebenfalls für Schwiegervater, der mich als Mann für das Scheitern der Familie verantwortlich gemacht hat.
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26.07.2017, 13:46
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26.07.2017, 13:48
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26.07.2017, 14:02Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
doppelt
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26.07.2017, 14:04Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Stecher, das hier ist wirklich dreist. Und normalerweise schätze ich deine Beiträge sehr, wie du weißt.
Ich behandle jeden Tag schwerkranke, sterbende Menschen, junge, unheilbar kranke Menschen, Menschen, die überhaupt keine Hoffnung haben.
Weshalb ich die Schwere hier in diesem Strang tatsächlich ziemlich übertrieben finde. Natürlich bringen Beziehungsprobleme keine große Lebensfreude. Ein falsch ausgesuchter Partner kann einen an den Rand seiner Belastbarkeit bringen, keine Frage. Und dann schau ich mir das an und überlege, was besser gemacht werden könnte. Und wenn ich ein Problem in meinem Verhalten erkenne, dann ändere ich das. Das ist manchmal nicht so einfach wie man sich das wünscht, aber trotzdem mit Ausdauer trainierbar und umsetzbar. So funktioniere ICH. Andere Leute scheinbar nicht. Sei's drum.
Aber mir Abgestumpftheit und Nicht-Ertragen von Schwere zu unterstellen - no way. Ich geh jetzt wieder zu den Sterbenden, die freuen sich erstaunlicherweise über meinen Frohsinn und meine nichtdestotrotz in reichen Mengen vorhandene Empathie.
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26.07.2017, 14:13Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Nein das ist die Pille, die Du anderen verordnest!
Glaubst Du, das Du die einzige bist, die mit solchen Menschen zu tun hat?Und normalerweise schätze ich deine Beiträge sehr, wie du weißt.
Ich behandle jeden Tag schwerkranke, sterbende Menschen, junge, unheilbar kranke Menschen, Menschen, die überhaupt keine Hoffnung haben.
Na anscheinend stimmts ja...Aber mir Abgestumpftheit und Nicht-Ertragen von Schwere zu unterstellen - no way.
Und wie gehst mit Deiner Trauer um?Ich geh jetzt wieder zu den Sterbenden, die freuen sich erstaunlicherweise über meinen Frohsinn und meine nichtdestotrotz in reichen Mengen vorhandene Empathie.
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26.07.2017, 14:20
AW: Spatzenmamas....
Danke blue, bei mir ist es ähnlich wie bei Dir... Ich bin heute versöhnt mit der Unversöhnlichkeit, mit Trauer, mit Wut, und wenn das heute noch ab und zu rauf kommt, dann darf das auch einfach sein. Weil neben dem gibt es so viel Schönes, Berührendes, Bezauberndes.
Und: es geht mir heute gut und ich führe ein gutes, autonomes, zufriedenes Leben mit gesunden schönen Beziehungen auf allen Ebenen. Dafür bin ich auch sehr dankbar.
Und wenn ab und zu ein Spatz meint, er müsse an meinem alten Spatzenmama-Dings rumzerren, dann kriegt er nen kräftigen Tritt, und der macht mir sogar ein bisschen Spass.
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26.07.2017, 14:28
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26.07.2017, 14:31Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Ich habe Mitgefühl. Manchmal weine ich leise mit. Manchmal schweige ich. Manchmal kläre ich auf, wo aufzuklären notwendig ist. Und ich nehme mir Zeit.
Und dann lasse ich das Ganze dort, wo es hingehört. Bei diesem einen Menschen, bei dem, der krank ist, bei dem, der sterben wird, bei den Angehörigen. Mehr kann ich nicht tun. Unheilbar. Sterbend.
Und ja. Früher saßen alle die Menschen, die ich behandelt habe, abends neben mir in Gedanken auf meiner Couch. Das geht nicht lange gut. Da gibt es irgendwann ein Burnout. War ich kurz davor.
Also hab ich mir das angeschaut. Und seitdem ziehe ich meinen Arztkittel nach Feierabend aus, lasse die Trauer in den Kitteltaschen und genieße mein Leben, denn es könnte jeden gottverdammten Tag zu Ende sein!



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