Genau das ist das Problem und ja, man merkt es auch immer wieder, wenn man in entsprechenden Strängen postet, dass gewisse Thematiken offenbar von Nicht-Betroffenen nicht verstanden werden.
Mir hat tatsächlich das hier geholfen:
Seit ich das so handhabe, geht es mir deutlich besser und diverse Spatzen machen ihren Kram jetzt allein oder haben gar keinen Kontakt mehr mit mir.
Natürlich hat man sehr lange Zeit diesen Säbelzahntiger-Stress in sich, aber da habe ich mir dann immer versucht zu sagen:
Wäre die Not wirklich so groß wie geschildert, würde der andere etwas ändern. Er ändert nichts, also IST die Not nicht so groß, egal was er mir gerade erzählt.
Aber bis man zu diesem Punkt kommt, muss wirklich viel passieren. Ich persönlich war irgendwann so überlastet und fertig, dass ich einfach nicht mehr konnte. Das hat mich "hart" gemacht, hat mich um mich schlagen/beißen lassen und Stück für Stück jeden Energiefresser vertrieben inklusive meinem Ex-Mann, aber es geht mir besser damit.
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Thema: Spatzenmamas....
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26.07.2017, 09:09Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
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26.07.2017, 09:10Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Das ist ja ein Phänomen, das bei fast allem auftritt, was neu und ungewohnt ist.
Diesen Druck gilt es einmal ganz bewußt auszuhalten und zu schauen, was dann passiert?
Da kommen ja unterbewußt Ängste aus der Kindheit auf, die mit körperlicher Existenzangst gleichzusetzen sind. Wenn die Mama sich nicht kümmert, weil das Kind vermeintlich was Böses getan hat oder die Mutter einfach nur ignorant ist, dann wird das Kind krank, stirbt in freier Wildbahn ganz einfach. Also ist Liebesentzug der Mutter für ein Kind potentiell lebensbedrohlich. Daher dieser simple Überlebensinstinkt als Kind, wie Mary das schon skizziert hat. Der Mechanismus ist tief eingegraben in die Hirnphysiologie. Auch als Erwachsener noch. Nur, dass ein Erwachsener im Gegensatz zu einem Kleinkind eben auch bewusst entscheiden kann.
Das Hirn schaltet in ähnlichen Situationen als Erwachsener in genau den gleichen - komplett überflüssigen - Alarmmodus. Den kann man abschalten. Einmal bewußt aushalten, diesen Druck. Und schauen, ob irgendwas Schlimmes passiert - außer dass dieser Druck da ist und ne Runde größer und größer wird. Und weiter aushalten.
Und der Situation zuschauen: Fällt irgendwer tot um?
Ganz bewußt diese Frage!!!
Es geht ja schließlich um kindliche Existenzangst. Und ich wage zu behaupten, dass niemand tot umfällt. Weder man selbst noch der vermeintlich Hilfsbedürftige.
Dieses Spiel ein paar mal bewußt durchmachen, dann geht dieser Druck weg. Dekonditionierung quasi. Der Druck kann nämlich dann einer Leichtigkeit weichen, die Distanz und gesundes Austarieren von Bedürfnissen und vor allem auch das klare Grenzensetzen ermöglicht.
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26.07.2017, 09:18Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Ich will nicht das ganze Post zitieren, aber in der Theorie hast du das sehr schön dargestellt. Das Problem, was ich z.B. habe ist, dass ich zwar mittlerweile durchaus auch mal "nein" sagen kann, aber mich innerlich ganz schrecklich fühle und das erst wieder gut wird, wenn ich mich auf andere Art und Weise versichern kann, dass der andere mich noch lieb hat.
Ist mein "nein" quasi der letzte Dialog zwischen uns, dann macht mich das fertig. Buchstäblich. Ich kann an nichts anderes mehr denken als daran, ob das jetzt meiner Beziehung zu dem anderen geschadet hat, während der - ganz gesund und "normal" - überhaupt nicht mehr daran denkt oder allenfalls als "schade, aber okay" und ich brauche ein postives Feedback, um aus dieser Endlosschleife herauszukommen.
Solange ich das nicht habe/bekomme, geht die Endlosschleife in mir so weit, dass ich überlege, ob ich mich nicht schlußendlich weniger schlecht fühlen würde, wenn ich mache, was mir nicht gut tut als jetzt, wo ich mich ebenfalls nicht gut fühle, weil ich "nein" gesagt habe.
Natürlich fällt niemand tot um, aber in mir drin fühle ich mich abgelehnt und ungeliebt.
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26.07.2017, 09:24Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Würdest du diesen Rat auch jemandem geben, der an Panikattacken oder Depression leidet, an selbstverletzendem Verhalten, an einer Suchterkrankung?
Kindliche Existenzangst aufzulösen, die sich verfestigt hat und die bis ins Erwachsenenalter das Leben bestimmt, ist kein Spiel.
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26.07.2017, 09:33Inaktiver User
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26.07.2017, 09:33
AW: Spatzenmamas....
Danke für Deinen Beitrag. Das war so in meinem Fall, ich musste schon sehr früh erwachsen sein und eigentlich die Elternrolle übernehmen.
Und wenn man das Elternhaus dann verlässt und in die Welt rausgeht, da nimmt man dieses Muster sehr unbewusst mit und knallt ein paar Mal ganz schön an die Wand. So ging es mir jedenfalls - zum Glück früh genug, so dass ich es früh erkennen konnte, dass mir da was komplett falsch beigebracht wurde. Umprogrammieren geht, aber es ist nicht einfach, weil es wirklich tief in einem verankert wurde, man muss neue Nervenbahnen legen und sie immer wieder befahren, neue Autobahnen im Hirn anlegen. Das dauert.
Wie hier einige geschrieben haben: Nein, es geht nicht mal per se drum, dass Spatzenmütter ihre Hilfe regelrecht aufdrängen. Es ist nicht das Übermutter-Glucke-Syndrom. Sondern es geht darum, dass man sich dann auch als Erwachsener auf Menschen einlässt, die das ausnutzen wollen.
Denise hat das schön beschrieben: Das sind dann Menschen (die Spatzen), die es zum Beispiel fertig bringen, das eigene Kind nie vom Kindergarten abholen, obwohl sie es sagen. Und auf solche Menschen lässt die Spatzenmutter sich zu Beginn unbewusst ein (zu Beginn sieht man das ja noch nicht, dass jemand sein eigenes Kind sitzen lassen würde), und wenn sie das dann merkt, dann trennt sie sich nicht, sondern übernimmt aus dem alten Muster heraus all diese Aufgaben, denn man kann ja die Kinder nicht einfach stehen lassen, und der andere, der Spatz, der sitzt das tatsächlich aus, der würde das Kind bis Mitternacht nicht abholen. Und so übernimmt und übernimmt die Spatzenmutter aus der alten Konditionierung, bis ihr die Kraft ausgeht.
So war es jedenfalls bei mir, bis ich mein Muster durchschaut habe.
Mein persönlicher Weg war jedenfalls, alle Spatzen radikal aus meinem Leben zu streichen. Verbringe ich meine Zeit mit "Nicht-Spatzen", wird mein Muster kaum getriggert, weil ich ja eben gar nicht per se helfen "will", sondern es einfach getan habe, weil meine Familie sonst ein Totalausfall gewesen wäre, meine Geschwister irgendwo verwahrlost auf der Strasse rumgelungert wären und so weiter.
Mit "normalen" Menschen falle ich nicht in mein Muster, sondern habe normale Fürsorge. Deshalb gab es für mich keine andere Möglichkeit, als gewisse Menschen einfach zu meiden.
Das Beispiel von bae, das handhabe ich heute eben so: Wenn jemand an meiner Bürotüre vorbeilaufen würde mit der manipulativen Aussage "es hat keinen Kaffee mehr", dann würde ich heute sogar so weit gehen, für den Rest des Tages die Bürotüre zu schliessen oder direkt ne Ansage zu machen "geh selbst Kaffee kaufen, tschüss". Ich werfe Spatzen heute mit hohem Bogen direkt aus meinem Leben, aus reinem Selbstschutz.
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26.07.2017, 09:39
AW: Spatzenmamas....
Druck bewusst aushalten lernen ist auf alle Fälle Teil dessen, was ich unter Erwachsenensein verstehe.
Das Gegenstück davon - jedem Impuls, der kommt, sofort nachzugeben, nachzugeben müssen - ist kindliches Verhalten.
und ja, so etwas kann sehr tief geprägt sein, und sehr schwierig loszuwerden. Wenn man es aber noch nicht mal versucht, kriegt man es definitiv nie los! und mildert die Sache auch nie, entschärft sie nie.
Bei Entzug/Sucht gehört es auf alle Fälle dazu, den Drang nach dem Suchtmittel mal einfach stehen zu lassen und auszuhalten. Aber bestimmt doch. Feststellen "da ist der Drang. und jetzt?" - für manchen mag es ein grosser Schritt sein, wenn er dann nicht gleich sofort losdüst, um sich die nächste Dosis zu besorgen, sondern fünf oder zehn Minuten Zeit verstreichen lassen kann, bis der Autopilot einsetzt... nur schon das.
Was wäre bei selbstverletzendem Verhalten denn die Alternative? "Oh, du hast Drang nach schneiden, warte, ich geb dir gleich noch die Rasierklinge in die Hand, viel Spass noch"? - ist ja wohl auch nicht ernsthaft ein sinnvolles Verfahren.
wobei eine spielerisch-sportliche Haltung "mal gucken, wie weit ich es dieses Mal schaffe" keineswegs falsch sein muss.Kindliche Existenzangst aufzulösen, die sich verfestigt hat und die bis ins Erwachsenenalter das Leben bestimmt, ist kein Spiel.
Leicht ist es auf keinen Fall. Was lediglich heisst, dass man Beharrlichkeit und Geduld und Beständigkeit aufbringen muss, wenn man daraus rauskommen will.
gruss, barbara
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26.07.2017, 09:49
AW: Spatzenmamas....
Du fühlst dich abgeleht mit allem was du bist - oder ist das nur ein Aspekt, eine Facette von dir, die es geschafft hat, sich so dominierend in den Vordergrund zu drängen, dass nur noch diese Facette sichtbar und fühlbar ist? (<- mein Verdacht)
Rational erkennst du es ja - du machst dir oft Gedanken wegen gar nichts, wenn du die Beziehung tatsächlich überprüfst - die andere Person hat's schon längst wieder vergessen, es ist gar kein Problem.
Womöglich kannst du dich selbst mal dahingehend beobachten, ob wirklich "alles, was ich bin" sich abgelehnt oder ungeliebt fühlt - oder nur ein Teil von dir? womöglich ein kleiner (aber lauter und aufdringlicher) Teil? - und wenn es da noch andere Aspekte und Facetten von dir gibt - was sagen denn die?
und der noch:
machst du dir auch Gedanken dazu, ob diese Beziehung es überhaupt wert ist, dass man besondere Pflege oder Aufmerksamkeit in sie steckt?ob das jetzt meiner Beziehung zu dem anderen geschadet hat,
gruss, barbara
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26.07.2017, 09:55Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....
Nein - würde ich selbstverständlich nicht. Weil das ganz andere Kaliber sind, teilweise tatsächlich lebensbedrohlich sogar.
Hier das "Spatzenmama-Sein" allerdings... das kann durch eine einfache Verhaltensänderung aufgelöst werden, die anfangs sicherlich unangenehm und ungewohnt ist und vielleicht auch nur schwerfällig funktioniert. Es funktioniert aber, wenn man wirklich will. Strolinka hat das sehr schön dargestellt. Stecher hat das auch durch. Das sind die Positivbeispiele.
Manche Dinge kann man auch unheimlich verkomplizieren und beschweren... Wenn man dann das Ganze als Experiment, eben einfach mal als Spiel sieht, dann wird das Schwere etwas leichter. Und eben weil niemand tot umfällt oder verletzt wird (wie bei deinen anderen Beispielen, die durchaus physisch gefährliche Konsequenzen haben können), kann man hier auch mal ein wenig Leichtigkeit reinbringen.
Der Strang strotzt ja nur so vor Schwere.... Die ich nicht nötig finde, weil es wirklich Schlimmeres gibt. Und ja, ich weiss, dass es für die Betroffenen.... Ich habe gestern mit einer unendlich traurigen Frau gesprochen, deren Sohn gerade mit 28 an einem Hirntumor stirbt. Nur mal so als Beispiel.Geändert von Inaktiver User (26.07.2017 um 10:00 Uhr)
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26.07.2017, 09:58Inaktiver User
AW: Spatzenmamas....



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