Hallo liebe BriCom,
ich (43) möchte es gerne schaffen, ein bisschen gelassener durchs Leben zu gehen.
Kurz vorweg, ich habe einen sehr liebevollen Mann und Familie und fühle mich sehr glücklich und zufrieden. Ich denke oft daran, wie gut es uns geht; alle gesund, keine Geldsorgen etc.
Dennoch möchte ich es schaffen, folgende Probleme in den Griff zu bekommen, denn sie stressen mich sehr.
Regelmäßig passiert es, dass ich mich
a) über Dinge, die ich nicht beeinflussen oder ändern kann, total aufrege bzw mir
b) über Sachen im Voraus einen Kopf mache, dass es mir schlaflose Nächte bereitet.
Beispiel a)
jemand überholt mich sehr rücksichtslos an einer völlig unübersichtlichen Stelle. Das macht mich unheimlich wütend, weil er damit mich und andere gefährdet und ich verstehe so ein Verhalten nicht. Ich schreie dann aber nicht rum oder so, sondern merke, dass es in mir brodelt und mein Puls geht dermaßen hoch, dass es mir fast Angst macht.
Es dauert, bis ich mich wieder beruhige.
Grundsätzlich bin ich sehr empfindlich, wenn jemand dreist, rücksichtslos oder unfreundlich ist. Keine Ahnung wieso, aber ich empfinde das schnell als persönlichen Angriff (obwohl ich weiß, dass das völliger Blödsinn ist).
Zu b)
es steht eine Reise an. Ich mache mich völlig fertig durch Gedanken wie, was wenn die Kleine ins Auto kotzt? Wenn wir verschlafen, eine Autopanne haben, den Flieger verpassen, die Koffer nicht ankommen? Wenn es schneit und ich im Graben lande?
Ich weiß natürlich, dass sich Dinge meiner Kontrolle entziehen, man auf Vieles keinen Einfluss hat und es somit unsinnig ist, sich deswegen zu stressen. Aber es passiert einfach und ich kann es nicht abstellen.
Ich behalte diese Gedanken für mich und versuche, mir meinen Stress nicht anmerken zu lassen. Aber es zermürbt mich und ich möchte es so gerne ändern.
Vielleicht hilft noch die Info, dass ich selbst ein Mensch bin, der ungern aneckt. Ich passe mich möglichst an, versuche mich stets rücksichtsvoll zu verhalten und kann auch mit Streit nicht gut umgehen ("harmoniesüchtig" trifft es wohl ganz gut). Ich weiß das, kann aber nicht aus meiner Haut und mit Anfang 40 werde ich diesen Charakterzug wohl nicht mehr groß ändern können.
Damit komme ich aber auch gut klar.
Lediglich oben genannte Dinge machen mir manchmal das Leben schwer und verderben mir so manche Vorfreude. Außerdem denke ich, dass mir meine Reaktionen auch gesundheitlich nicht guttun.
Habt Ihr Tipps für mich, wie ich wenigstens etwas gelassener werden kann in solchen Situationen?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 82
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08.07.2017, 21:21
Wie schaffe ich es, gelassener zu bleiben und mir weniger Sorgen zu machen?
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08.07.2017, 21:24
AW: Wie schaffe ich es, gelassener zu bleiben und mir weniger Sorgen zu machen?
Machst du Sport? dich regelmässig anstrengen und austoben könnte etwas Ruhe bringen.
gruss, barbara
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08.07.2017, 21:28
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08.07.2017, 21:33
AW: Wie schaffe ich es, gelassener zu bleiben und mir weniger Sorgen zu machen?
Dann wäre vielleicht Meditation hilfreich. Meditationen zum Thema Dankbarkeit könnte womöglihc gut sein, so etwas wie das hier
http://seelen-nahrung.com/dankbarkeit-erzeugt-fuelle-meditation/
aber es gibt auch noch viele andere Meditationen, da muss man womöglich etwas suchen, bis man eine findet, die passt.
gruss, barbara
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08.07.2017, 21:38
AW: Wie schaffe ich es, gelassener zu bleiben und mir weniger Sorgen zu machen?
So wie du es beschreibst, gibt es bestimmte Schlüsselsituationen, die dich in übergroßen und unangenehmen Streß bringen. Letzteres schließe ich daraus, dass du lange brauchst, bis du dich auch körperlich wieder herunterreguliert hast.
Solche Reaktionen sind oft erlernt durch sehr frühe Erfahrungen mit zu großer Unsicherheit , Bedrohung und/oder Überforderung. Und zu wenig erwachsener Hilfe, damit umzugehen. Daher der überschiessende, unregulierte Stress. Ich gebe dir recht, das ist auf Dauer nicht gesund.
Man kann da an mehreren Punkten ansetzen. Einer wäre, über Körperarbeit/-therapie, ein weiterer über Streß-Reduktion durch Achtsamkeit/Mindfulness. Heißt auf englisch mindfulness-based stress reduction (MBSR) nach Kabat-Zinn und hilft innerhalb von kurzer Zeit, sich wesentlich mehr sowohl zu entspannen als auch wahrzunehmen. Das wäre, was ich dir als erstes empfehlen würde. Auch, weil du dadurch mehr Übersicht und Kontrolle erlebst.. Eventuell kann es sinnvoll sein , danach auch eine körperorientierte Therapie anzuschließen.that was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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08.07.2017, 22:39
AW: Wie schaffe ich es, gelassener zu bleiben und mir weniger Sorgen zu machen?
Zu a) kann ich leider nichts beitragen, da erscheint mir maryquitecontrarys Beitrag hilfreich.
Was b) angeht, das ist doch gar nicht so schlimm. Du legst dir einfach für jede Sorge eine Gegenstrategie zurecht!
- Das Kleine kotzt ins Auto. Frische Klamotten griffbereit haben, eine Flasche Wasser zum Reinigen, einige Putzlumpen, Plastiktüte für verschmutze Kleidung.
- Verschlafen. Zweiten und dritten Wecker/Smartphone aktivieren.
- Autopanne. Hoffentlich Mitglied beim Autoclub. Rufnummer der Fluggesellschaft griffbereit halten wegen Umbuchung auf anderen Tag. App mit günstigen Hotels wegen Übernachtung bis zum Abflug auf Smartphone haben.
- Koffer nicht angekommen. Medikamente ins Handgepäck, ebenso eine Zahnbürste, Slip, Socken, T-Shirt, ev Badeanzug . Damit übersteht man die ersten zwei Tage im Hotel, danach sollte der Koffer nachgeliefert worden sein.
- Auto im Graben? Autoclub anrufen
Einige der oben genannten Dinge sind mir (Koffer) und Bekannten (Flug verpasst) bereits passiert. Definitiv ärgerlich, aber kein Weltuntergang. Es gibt für alles eine Lösung. Du kannst davon ausgehen, dass keines deiner Probleme so exotisch ist, als dass es nicht schon tausendmal passiert wäre. Die beteiligten Stellen haben da oft sehr viel Routine mit Umgang damit. Mein Koffer war dann auch nach 2 Tagen da, die Freunde sind mit 1 Tag Verspätung auf ihrer Ferieninsel gelandet."Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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08.07.2017, 23:17Inaktiver User
AW: Wie schaffe ich es, gelassener zu bleiben und mir weniger Sorgen zu machen?

Mama, bist du das? Und warum hast du dich 25 Jahre jünger gemacht?
Spaß beiseite. Eins zu eins wie meine Mutter. Mit zweitem Vornamen auch als Hauptbedenkenträger bekannt. Ein feiner Mensch, nichtsdestotrotz
Und sie wird jedes Mal aufs Neue positiv überrascht. Weil all die Horrorszenarien, die sie sich so ausdenkt, einfach nicht eintreten. Ist echt prima.
Gehe immer vom Schlimmsten aus und du wirst nie enttäuscht. Sie wird bald 70 und statt 75 Bedenken vor dem Gang zum Briefkasten hat sie jetzt vielleicht nur noch 73... Und ist trotzdem fröhlich und meistens guter Dinge. Und die ganze Familie liebt sie inniglich und grinst sich eins, wenn sie wieder Panik schiebt...
Und was den Verkehr betrifft: Das ist in meinen Augen eine vollkommen normale und gesunde Reaktion. In Lebensgefahr, oder was unser Hirn als solche einschätzt, gehen alle Flucht- und Angriffssysteme unseres Körpers los. Nur dass wir sitzend im Auto so schlecht losrennen können. Also werden wir die ganzen Stresshormone nicht so gut los. Lautes Rumschimpfen im Auto hilft.
(Hab mal eine Studie gelesen, dass die fluchenden und zeternden Autofahrer die entspanntesten sein sollen.)
Liebe TE, entspann Dich. Ist alles nicht schlimm.
Und wenn es dich trotzdem nervt, dann implantier dir einen Ohrwurm:
"Versuch's mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit..."
*pfeifend_ab*
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08.07.2017, 23:27Inaktiver User
AW: Wie schaffe ich es, gelassener zu bleiben und mir weniger Sorgen zu machen?
Ergänzend empfehle ich die CD "Torwege zum Jetzt" von Eckhart Tolle.
Lass Dich vom Untertitel, Die drei Techniken zu höherem Bewusstsein, nicht abschrecken. Es geht darum in der Gegenwart anzukommen.
"Unsere Gedanken verfangen sich unentwegt in dem, was war, und in dem, was sein wird. So sind wir getrennt vom jetzigen Augenblick und damit getrennt vom wirklichen Leben."
Du beschreibst das hier:
Nach seinen einführenden Worten zum Thema stellt er drei Techniken vor. Die Wahrnehmung des eigenen Körpers, die Stille und schließlich das Annehmen dessen was ist.
Gerade die Wahrnehmungsübungen des Körpers kann man meiner Erfahrung nach gut in den Alltag einbauen und sich so immer wieder zurück holen.
Es ist tatsächlich nicht möglich gegenwärtig und gleichzeitig unglücklich zu sein.
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09.07.2017, 07:40Inaktiver User
AW: Wie schaffe ich es, gelassener zu bleiben und mir weniger Sorgen zu machen?
Hallo GreenEye,
Du kannst die Situationen reflektieren und das ist richtig gut und sehr viel wert!
Was mir dabei vor allem auffällt ist, dass du dich über deine "unguten Gefühle" aufregst, ärgerst, sie am liebsten weghaben willst- und...
Deine Gefühle zu dieser Situation sind absolut stimmig.
Wie locker oder entspannt sollte denn- in deinen Augen- jemand bleiben, dessen Leben gerade bedroht wird?
In so einer Situation Angst zu bekommen, ist einfach nur passend und da wir Angst ungerne spüren, weichen wir alle gerne in Ärger oder Wut aus- auch das ist ganz normal.
Was dann für dich schwierig wird ist:
und das liegt daran, dass du diese Gefühle möglichst gleich wieder löschen möchtest- dich dafür verurteilst und sie ganz schnell "weggehen" sollen.
Genau DAS funktioniert aber nicht- wie du merkst
Die Lösung liegt darin, dass du ihnen erlaubst, dasein zu dürfen.
Du darfst Angst haben, du darfst auch wütend werden und ja- man darf darüber auch motzen wie ein Rohrspatz
Das geschieht sooo häufig bei Autofahrten und die Menschen machen es genau genommen richtig-- sie werden den Stress dieser Situation durch Rummeckern und sich-laut-aufregen los.
In dir bleibt dieses Stresslevel aber erhalten und so dauert es logischerweise serh lange, bis du wieder ruhig wirst.
Und du musst nun gar nicht laut rumbrüllen- du kannst aber diese Gefühle ernst nehmen- dich damit ernst nehmen- und schon damit wird es dir besser gehen. Du musst nichts verdrängen sondern alles darf da sein.
Und ist es schlimm, wenn man sich aufregt und das dann im Auto auch ausspricht? OFt reden dann doch auch alle mit, weil es andere auch bemerkt haben-- es entsteht eine schöne Gemeinschaft im Auto
Ich übersetze das gerade mal:
Es gibt Verhalten, welches du als dreist, rücksichtslos oder unfreundlich bewertest- be-ver
- urteilst.
Wenn man sich Situationen ansieht, dann gibt es immer Aktion- Reaktion. Noch dazu ist keine Aktion je isoliert sondern nur eine Folge auf etwas, was vorher war.
Bedeutet: was auch immer geschehen ist- es ist nicht nur als isolierte Situation zu sehen (was wir gerne machen) sondern immer in ein größeres Geschehen eingebunden.
Und so wie du dann eine Situation wertest (diese Wertung kommt aus deiner Lebensgeschichte)-
so ist das Verhalten des Gegenübers genauso nur eine Folge aus seiner Lebensgeschichte.
Gleichzeitig wollen wir uns alle immerzu irgendein Bedürfnis erfüllen.
wichtig ist zu verstehen:
Was der andere macht, tut oder sagt- zeigt letztlich NUR, wie er sich fühlt oder was er gerne hätte.
Er spricht sozusagen NUR über sich selbst!
Wie übrigens auch deine Aussage "ich nehme es persönlich" auch zeigt, wie sehr du nur aus deiner Welt heraus agieren kannst.
Hier hilft es, in die Situationen hinein zu gehen und sich anzuschauen, was der andere wohl für "gute Gründe" hat, um so zu reagieren.
Und es geht nicht um entschuldigen sondern darum zu erklären und zu verstehen.
Verstehen, dass immer das Eigene im Vordergrund steht und wir alle so sind.
Und bei diesem Betrachten des anderen und seinen Bedürfnissen- auch immer die eigenen Interesssen im Auge haben. Alle ( ich und der andere) sind "gleich wichtig".
Ich würde dir die Gewaltfreie Kommunikation empfehlen- in deren Kursen genau das gelernt und geübt wird.
Was sind unsere Bedürfnisse? (das ist am Anfang ganz schön schwierig zu erkennen)- was sind meine Ziele? Was sind die Bedürfnisse des anderen? Und wie gehe ich mit beidem so um, dass es mir gut geht.
Hier geht es auch um Vertrauen, welches dir fehlt.
Vertrauen in die Welt, dass es "gut gehen wird"- wie schon geschrieben worden ist- ist das ja eine ältere Geschichte, die einen Knopf hat, der dann gedrückt wird.
Mithilfe dem "Hier und Jetzt" kann man sich ganz wunderbar aus den unguten Gefühlen ziehen- ebenso mit Achtsamkeit, bei der man ja auch den Fokus auf die Gegenwart legt.
Vielleicht wäre es gut, sich einmal Dein Vertrauen näher anzusehen.
Dass du alles für dich behälst und deine Gedanken nicht teilst, wird damit auch zu tun haben......es wird also ganz viel "Arbeitsfläche" geben um das Ganze zu entschärfen und bestenfalls aufzulösen.
Dich selbst ernst zu nehmen und anzunehmen- halte ich auf jeden Fall für einen wichtigen Schritt.
Sagt sich leicht und ist nicht so einfach umzusetzen........
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09.07.2017, 11:00
AW: Wie schaffe ich es, gelassener zu bleiben und mir weniger Sorgen zu machen?
Danke Euch allen für Eure Denkanstöße.
Mary,
ich bin sehr glücklich und behütet aufgewachsen. Das Verhältnis zu meinen Eltern war und ist sehr liebevoll, auch konnte ich stets auf sie vertrauen bzw mich auf sie verlassen. Ich weiß wirklich nicht, warum ich in einigen Dingen so ängstlich bin.
Meine Außenwelt nimmt mich auch eher als jemanden wahr, der alles spielend auf die Reihe kriegt. Ich möchte auch keinesfalls, dass meine drei Kinder das Gefühl bekommen, ich sei unsicher oder ängstlich, sondern ihnen das Gefühl von Sicherheit geben.
Darum musste ich schmunzeln, liebe ThirdThought ;-), als Du mich als Deine Mama "wiedererkannt" hast.
Melde mich später noch ausführlich, wollte nur kurz Rückmeldung geben, dass ich aufmerksam mitlese.
Euch einen schönen Sonntag🙋


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