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  1. Inaktiver User

    AW: Mit nicht ergriffenen Chancen abschließen - wie?

    Also in meinem aktuellen Zustand, da ich gerade schon von einem gehaltvoll-beschwipsten Brunch komme: @ Karlina & all

    Um für mich zu sprechen: nein, es ist nicht nur die Trauer um und Sehnsucht nach einem altem Lebensgefühl.

    Und nein, ich denke persönlich auch nicht, daß man sich arrangieren soll. Also ja, natürlich immer das Beste aus jeder Situation machen, nicht ewig um Vergangenes heulen und darin verharren, aber, wenn man nicht abschließen kann, dann kann man auch überlegen, die Weichen neu zu stellen. Ich überlege gerade, ob das noch einmal geht - der Strang trifft da genau meinen Nerv, das geht mir nämlich seit ein paar Tagen/Wochen wieder sehr verstärkt nach.

    Mal angenommen, eine Frau hat sich damals für Kinder und gegen eine Berufstätigkeit entschieden, obwohl sie sogar ein Studium samt Examen absolviert hat. Und nach 10 Jahren wünscht sie sich eigentlich immer noch, in ihrem Beruf auch mal zu arbeiten. Dann kann sie natürlich versuchen, das Beste draus zu machen, sich ehrenamtlich in einem anderen oder ähnlichen Bereich zu engagieren und all ihre Zeit darauf aufwenden, eine so tolle Mutter wie möglich zu sein und nebenbei noch ein Fernstudium absolvieren und ihrer Nachbarin die Buchhaltung machen. Sie könnte es aber auch wagen und schauen, ob sie es nicht schafft, genau in ihrem Beruf doch noch einzusteigen. oder zumindest irgendwo wirklich zu arbeiten und Geld zu verdienen.

    Wenn nun gerade Krieg ist oder sie in einem Land lebt, wo Frauen nicht arbeiten dürfen, dann wären Ehrenamt/Nachbarschaftshilfe/Trümmer sammeln/Überleben und trotzdem Singen wohl das Beste, was sie aus ihrem Leben machen könnte. Hier aber, in Europa/Deutschland, könnte sie es schlicht versuchen, wirklich das zu tun, was sie immer wirklich wollte.

    Das ist nicht mein Fall, nur als Beispiel gedacht.


    Was mich angeht: Es ist schon etwas, das ich wirklich wollte... aber die Sache ist etwas komplizierter. Es ist nicht an meiner Eignung gescheitert, und ich hatte mehr als ein Silbertablett vor der Nase, aber ich habe auch ein paar Ohrfeigen kassiert - und ich bin weggelaufen. Dazu kam eine Männergeschichte... Vielleicht konnte ich damals nicht anders entscheiden. Vielleicht kann ich es heute. Denn jetzt bin ich wieder frank und vogelfrei. Finanziell - tja, das wäre eine Sache. Aber nichts, was sich nicht irgendwie organisieren ließe. Wenn ich noch eine offene Tür finde - oder jemand, der mir öffnet, wenn ich klopfe. Dafür sammle ich gerade noch Mut. Danke.

    Sin

  2. Inaktiver User

    AW: Mit nicht ergriffenen Chancen abschließen - wie?

    zum beispiel mit der mutter kann ich nur sagen: sie hat doch getan, was sie immer wollte - und man kann nicht alles haben. wie viel wahrheit in diesem satz steckt, wird mir immer klarer, je älter ich werde.

    zu deinem fall, @sin: ich habe ähnliche sachen erlebt, inclusive weglaufen... zum anklopfen schicke ich dir eine portion mut rüber!
    zum hadern: sei nicht zu streng mit dir. du bist eben auch nur ein mensch. du bist nicht perfekt. du hast schwächen! - und das ist ok!

  3. Inaktiver User

    AW: Mit nicht ergriffenen Chancen abschließen - wie?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    und man kann nicht alles haben.
    In dieser Absolutheit wäre mir das zu negativ.

    Ich sehe das eher so, dass man im Leben sehr vieles (wenn nicht sogar alles) haben kann, nur aber eben nicht gleichzeitig. Wer mit dem aktuell Erreichten hadert, hat oft einen von zwei Fehlern gemacht: entweder sich auf zu vielen Hochzeiten verzettelt und dabei weniger erreicht als gewünscht, oder alternativ den "Schalter" zwischen zwei Phasen nicht rechtzeitig umgelegt. Mir ist bewusst, dass es nicht immer einfach ist, diese Veränderungen einzuleiten, aber das Leben ist nun mal kein Ponyhof. Kürzlich in einem Buch gelesen: "And God says: 'Take what you want, and pay for it'." - alles, auch das Positivste, hat am Ende seinen Preis, und die Frage ist, ob man bereit ist, den zu bezahlen.

    Allerdings wundert es mich, dass so viele der Überzeugung sind, dass eine andere Entscheidung in der Vergangenheit das allein Seligmachende gewesen wäre... woher wisst ihr das denn so genau? Die alternative Vergangenheit kennt ihr doch gar nicht, ihr sucht euch lediglich die "Sonnenseiten" heraus, also eure positiv gefärbte Vision von dem, wie es hätte sein können. Es hätte aber auch ganz anders, hässlich, unangenehm sein können...

    Bei der Entscheidungsfindung ist oft das Einbeziehen eines guten Querschnitts von "Schwarmintelligenz" ganz hilfreich. Wenn wirklich sehr viele sehr unterschiedliche Leute sagen: "Das ist keine wirklich gute Idee", ist das meistens auch so. Sparringspartner sind wichtig, sehr wichtig sogar.
    Geändert von Inaktiver User (18.06.2017 um 17:15 Uhr)

  4. Inaktiver User

    AW: Mit nicht ergriffenen Chancen abschließen - wie?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    zu deinem fall, @sin: ich habe ähnliche sachen erlebt, inclusive weglaufen... zum anklopfen schicke ich dir eine portion mut rüber!
    zum hadern: sei nicht zu streng mit dir. du bist eben auch nur ein mensch. du bist nicht perfekt. du hast schwächen! - und das ist ok!
    Ich danke Dir, Ambiva!

    Ich beginne, wieder darüber zu reden - und zur ganzen Wahrheit zu stehen. (Und das mir, die ich immer sehr, sehr ehrlich bin - ich habe da einiges vergraben, weil es nicht anders ging, das geht wirklich tief.) Das ist ein erster, sehr wichtiger Schritt. Und wenn er "nur" zur Akzeptanz führt. Ich hoffe aber auf mehr!

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    AW: Mit nicht ergriffenen Chancen abschließen - wie?

    Zitat Zitat von Karlina84 Beitrag anzeigen
    Ich finde Arabeskes Haltung toll. Ich glaube, das ist eine Fähigkeit, die man sich erarbeiten kann.
    Danke für die blumen . Aber ich bin mir da nicht so sicher, wenn ich bedenke, wie viele jahre ich das nicht wirklich loslassen konnte. Und jetzt habe ich zwar den eindruck, es wird besser, traue dem frieden aber noch nicht so wirklich. Irgendwie ist da zumindest noch die befürchtung, schmerz und trauer über diese "vertane gelegenheit" könnten doch noch wieder zurückkommen.

    Zitat Zitat von Platzhalterin Beitrag anzeigen
    terry pratchett spielt mit der idee der paralleluniversen.
    in einem seiner "hexen"-bücher erfährt oma wetterwachs, die eine alleinlebende, sehr erfolgreiche hexe mit einer unerfüllten liebe zum erzkanzler der unsichtbaren universität ist, dass sie in einem paralleluniversum eine glückliche partnerschaft mit ebendiesem erzkanzler lebt, aber deshalb dort keine erfolgreiche hexe wurde.

    diese idee hat mir sofort gefallen.
    Ja, interessante vorstellung.

    arabeske
    Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.

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    AW: Mit nicht ergriffenen Chancen abschließen - wie?

    Paralleluniversen ... und dazu dieses Zitat von Kara_Thrace

    Allerdings wundert es mich, dass so viele der Überzeugung sind, dass eine andere Entscheidung in der Vergangenheit das allein Seligmachende gewesen wäre... woher wisst ihr das denn so genau? Die alternative Vergangenheit kennt ihr doch gar nicht, ihr sucht euch lediglich die "Sonnenseiten" heraus, also eure positiv gefärbte Vision von dem, wie es hätte sein können. Es hätte aber auch ganz anders, hässlich, unangenehm sein können...
    Ich denke, es ist bis zu einem gewissen Grad "gesund" und "normal" auch mal melancholisch vergangenen Chancen hinterher zu trauern. Wichtig ist, dass das dann eben ab einem gewissen Punkt vorbei ist und man sagen kann: "Paralleluniversum", oder eben erkennen kann, dass der eine, vergangene Weg auch in eine so oder so geartete Richtung (die einen nicht ausschließlich zufrieden macht) geführt hätte.
    Das ist dann, denke ich, normal und gesund.

    Den Gedanken, das, was man verpasst hat, im Besten Sinne in der Gegenwart (so es möglich ist oder "so wie" es möglich ist) nachzuholen, finde ich einleuchtend und gut.
    Ich möchte meine Chancen diesbezüglich noch stärker ausloten.

    Ich habe allerdings gemerkt, dass mir dieses Grübeln über vergangene Chancen den Blick auf die Gegenwart versperrt. Ich möchte mich davon lösen.
    Das kann ich, indem ich das, was ich bedauere, als das erkenne, was es letztendlich ist.
    Die Suche/ Sucht oder das Programmiertsein auf "Bedauern".

    Ich lerne gerade, damit umzugehen. Es fühlt sich "richtig" an.

    Und das schönste daran ist: es scheint mir auch den Weg zu ebnen, meinen Traum vielleicht doch noch leben zu können. - Auf eine etwas veränderte Art und Weise.

  7. Inaktiver User

    AW: Mit nicht ergriffenen Chancen abschließen - wie?

    Zitat Zitat von Karlina84 Beitrag anzeigen
    Ich denke, es ist bis zu einem gewissen Grad "gesund" und "normal" auch mal melancholisch vergangenen Chancen hinterher zu trauern. .
    :
    Mag sein, aber ist es denn auch "hilfreich"? Ansonsten ist es doch vertane Zeit.

  8. Inaktiver User

    AW: Mit nicht ergriffenen Chancen abschließen - wie?

    Zitat Zitat von Karlina84 Beitrag anzeigen
    Ich habe allerdings gemerkt, dass mir dieses Grübeln über vergangene Chancen den Blick auf die Gegenwart versperrt.
    Zumindest dann, wenn ich dort stecken bleibe und es mir jede Kraft nimmt, nach vorne zu gehen.

    Zitat Zitat von Karlina84 Beitrag anzeigen
    Das kann ich, indem ich das, was ich bedauere, als das erkenne, was es letztendlich ist.
    Die Suche/ Sucht oder das Programmiertsein auf "Bedauern".
    Der Blick zurück ist im Leben immer wieder wichtig- man kann sich reflektieren, ansehen, abgleichen und vergleichen.
    Bleibe ich in diesem "Bedauern" stecken, dann muss mir das erst einmal klar werden.
    Auch das hat- wie alles andere- einen guten Grund und diesen zu verstehen, ist letztlich ein wichtiger Schritt um loszulassen.

    Es geht doch auch um die tiefe innere Zustimmung zu dem, was man selbst gemacht hat, wie man war.
    Sich selbst annehmen mit dem, was gewesen ist. Mit sich in einen Frieden gehen, der einen liebevollen Blick auf sich selbst beinhaltet.

    Wenn ich mich so ablehne mit den angeblich falschen Entscheidungen von damals- wie kann ich dann davon ausgehen, dass meine Wahl von heute mir nicht auch morgen Bauchschmerzen bringt?
    Damals hätte ich es besser machen können........genau das kann ich aber hinterher immer sagen!
    Was erklärt denn den Fehlentscheid von damals- doch wohl, dass es mir heute nicht so gut geht, wie ich es gerne hätte.
    Was, wenn es mir dann aber morgen- trotz der angeblich-jetzt-richtigen- Entscheidung- auch nicth so gut geht?
    Dann muss ich doch zwangsläufig wieder in dieses Karussel steigen und habe dann "Weiterfahrt unendlich" gebucht, oder?
    Denn- "hinterher ist man immer schlauer"....

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    AW: Mit nicht ergriffenen Chancen abschließen - wie?

    Liebe Karlina,

    ich kann deine Gedanken / Gefühle und dass du unter ihnen leidest, gut verstehen, denn mir ging es früher genauso. Reue, Hadern, Zeit am liebsten zurückdrehen wollen, denken, man hat etwas unwiederbringlich "verpasst", die falsch Abzweigung gewählt, hätte man doch nur, wäre es heute ganz anders...

    Ich glaube, der größte Trugschluss, dem du hier erliegst, ist der, dass deine übergeordnete Lebenssituation dein gefühltes Lebensglück bestimmt. Gefühlte Lebensqualität, "Glücklichsein" hängt meiner Erfahrung nach (und den Erkenntnissen vieler weiser Menschen) viel viel weniger davon ab, wie die Lebensumstände sind, sondern vielmehr, wie der Blick ist, den du auf sie richtest. Wie deine Einstllung ist, welchen Fokus du auf welche Wahrnehmung legst, wie du alltägliche Situationen genießen kannst, dankbar sein kannst, Freude verspürst wegen kleiner Winzigkeiten.

    Wie lange habe ich gehadert und gedacht, wenn nur wäre, wenn nur hätte, wenn nur... Dann bekam ich zwei große Chancen, "Versäumtes" nachzuholen. Und es hat an meiner Befindlichkeit nichts geändert, fühlte sich z. T. anders an als in der Fantasie des "hätte ich doch nur", veränderte mein Leben(sgefühle) in weit geringerem Ausmaß, als ich mir das immer ausgemalt hatte.

    Du haderst mit den Umständen und suchst nach dem Glücksgefühl. Ich schwöre dir, das würdest du auch tun, wenn du die Entscheidungen heute als magische Zeitreisende umkehren könntest.

    Suche nach dem Knopf, der deinen Blickwinkel ändert, nach dem Dreh, der deinen inneren Kritiker und Kritisierer und Optimierer erschüttert. Suche nach der Seite von dir, die alles, was sie heute hat, geringschätzt gegenüber dem, was sein wird oder war oder sein hätte können. Diese Lebenseinstellung nimmst du in alle Lebenssituationen mit. Auch die aus derzeitiger Sicht idealen sind dann schnell suboptimal.

    Geh davon aus, dass du alle Entscheidungen richtig für dich getroffen hast und alle Lebensumstände richtig sind, aus dem einfachen Grund, weil SIE SIND.

    Du würdest dich heute kein bisschen besser fühlen, wenn du eine andere Entscheidung getroffen hättest. Dass ist nur dein innerer Saboteur, der das-was-ist schlecht macht. Lass den Saboteur los, und du merkst, wie ideal dein Leben mit allen Wendungen verlaufen ist. (Das klingt jetzt, als wäre das eine Sache von 5 Minuten, ist es natürlich nicht. Aber es geht allmählich.)

    Vielleicht verstehst du ein wenig, was ich meine, und kannst damit etwas anfangen.
    -Lil-

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    AW: Mit nicht ergriffenen Chancen abschließen - wie?

    Zitat Zitat von -Lil- Beitrag anzeigen

    Vielleicht verstehst du ein wenig, was ich meine, und kannst damit etwas anfangen.
    -Lil-
    Liebe Lil,

    Danke.
    Ich verstehe ganz viel von dem, was Du geschrieben hast und lerne gerade, etwas damit anzufangen.

    Karlina

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