Niemand möchte mittelmäßig sein, jeder will als besonders und überdurchschnittlich gelten.
In den sozialen Medien feiern Leute sich selbst, beschönigen ihr Leben so wie ihre Bilder. Eltern erzählen ihren Kindern, dass sie alles werden können was sie wollen, nie gab es so viele angeblich Hochbegabte wie heute.
Jeder sieht angeblich jünger aus als die Gleichaltrigen, die eigene Meinung ist immer die Richtige, die eigene Menschenkenntnis überdurchschnittlich, wenn man im Leben nicht so richtig klar kommt, ist man hochsensibel.
Ganz ehrlich, begegne ich mal jemandem, der bescheiden auftritt und seine Grenzen kennt, sich nicht aufspielt sondern neugierig und auf Augenhöhe kommuniziert, finde ich das fast schon erfrischend...
Was macht so Angst vorm Mittelmaß? Warum machen so viele ihre Zufriedenheit davon abhängig, besonders zu sein und andere zu übertrumpfen?
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Thema: Die Angst vor dem Mittelmaß
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27.05.2017, 13:42
Die Angst vor dem Mittelmaß
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27.05.2017, 14:04
AW: Die Angst vor dem Mittelmaß
Oh, das kann ich jetzt so nicht bestätigen.
Ich bin super gern mittelmäßig, das ist nämlich schön entspannt, man fällt nicht auf, braucht sich nicht so viele Sorgen machen, muss nicht soviel Energie aufwenden, um den Status Quo zu halten und ich bin sehr zufrieden damit.
Für mich bedeutet es mittelmäßig zu sein
- meine Zeit/Kraft/Resourcen gut einzuteilen, mich auch mal zu fordern, mir aber auch mal eine Pause zu gönnen
- mich auf der Arbeit nicht in irgendeinen Konkurrenzkampf zu begeben, im Miteinander zu arbeiten und auf Augenhöhe miteinander zu sprechen
- mir und meiner Familie auch ihre Fehler/Macken/Schwierigkeiten zu zustehen und nicht zu erwarten, dass immer alles gut/perfekt läuft. Dinge dürfen auch mal schief laufen, man darf sich auch mal streiten, etc.
- ich muss nicht die Schönste/Schnellste/Beste sein, meine Tochter auch nicht
- ich kann mittlerweile gut zu meinen Schwächen und Fehlern stehen
Ja, soweit. Ich kriege übrigens trotzdem viel auf die Reihe, habe aber auch nicht so den totalen Superanspruch, ergo arbeite ich überhälftige Teilzeit, laufe den Halbmarathon eben nur in 1:50h und nicht mehr schneller, promovieren werde ich auch nicht mehr und mir reicht es nachmittags aufmerksam mit meinem Kind zu beschäftigen, brauche da kein Superprogramm.
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27.05.2017, 14:08
AW: Die Angst vor dem Mittelmaß
Mittelmass - oder positiv formuliert, die goldene Mitte - ist dem Seelenfrieden äusserst zuträglich.
"andere übertrumpfen" liegt stark in unserer leistungsorientierten Kultur, die Botschaft ist: wenn du nicht besser bist als die untersten xx %, wird das nichts. Für viele ist es in der Tat eine beständige Anstrengung, ihren Job zu behalten und zu verteidigen, und jedes "weniger" mit enormen Ängsten verbunden.
gruss, barbara
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27.05.2017, 14:10Inaktiver User
AW: Die Angst vor dem Mittelmaß
Im Grunde genommen ist jeder Mensch besonders. Jeder ist die Summe von zig tausenden kleinen Bausteinen und man kann sich schwer jemanden vorstellen, der tatsächlich in allen Punkten Mittelmaß ist.
Oder anders betrachtet: Wäre ein Mensch in jeder Hinsicht durchschnittlich, dann würde ihn das zu etwas besonderem machen.
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27.05.2017, 14:16Inaktiver User
AW: Die Angst vor dem Mittelmaß
Ich kann das nicht bestätigen, aus zweierlei Gründen nicht.
Zum einen kenn ich jede Menge Menschen, die ganz gern unauffällig im Strom mitschwimmen und niemand was beweisen müssen, zum anderen gibt es Menschen, die aus sich heraus irgendwie spezieller sind, aber eher darunter leiden und froh wären, nicht immer irgendwie aufzufallen.
Ich denke, das sicherste Kennzeichen dass jemand eher mittelmäßig ist ist dieses "was Besonderes sein wollen".
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27.05.2017, 15:46Inaktiver User
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27.05.2017, 15:56
AW: Die Angst vor dem Mittelmaß
Hört sich gesund an.
Das ist wohl so. Und ist das nicht eine menschenfeindliche Einstellung? Denn wenn ich nur was wert bin, wenn ich besser bin als... was ist dann mit denen, die weniger leisten oder darstellen, können oder wollen?
Natürlich. Das hat aber nix mit dem glänzen und positiv herausstechen wollen zu tun, um sich besser als der Rest zu fühlen.
Ich hingegen höre oder lese nur selten von Menschen, die sich selbst als durchschnittlich bezeichnen. Oder gar als unterdurchschnittlich... Und wenn doch, dann wird gleich ein psychisches Problem unterstellt, dabei muss es den unteren Durchschnitt rein logisch ja auch geben.
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27.05.2017, 16:06
AW: Die Angst vor dem Mittelmaß
Es ist meine Beobachtung, und haltlos ist diese nicht... Es gibt genügend Untersuchungen dazu, dass Menschen zur Selbstüberschätzung neigen.
Darüber hinaus beobachte zumindest ich Machtkämpfe, die Unfähigkeit, Fehler einzugestehen und das Bedürfnis vieler Personen, sich zumindest in einer Sache anderen deutlich überlegen zu sein, ansonsten scheint das eigene Selbstwertgefühl gefährdet.
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27.05.2017, 16:25
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27.05.2017, 16:25Inaktiver User
AW: Die Angst vor dem Mittelmaß
Mal unabhängig von dem Fettgedruckten- kann man noch mehr pauschalisieren??- kann ich dem so gar nicht zustimmen.
Ich habe schon mehr als einen Menschen getroffen, der von Herzen gerne "mittelmäßig" wäre- sich aber weniger (wert) gefühlt hat!
Und jeder will überdurchschnittlich gelten??
Der Mensch ist ein Rudeltier und in jedem Rudel gibt es eine Hierarchie.
Automatisch folgt damit für ein Sozialwesen eine Stellungssuche- wo im Gefolge stehe ich?
Man muss nicht immer ganz oben stehen, aber auch in den untere Rängen gibts gerangel......wie bei einem Hühnerhaufen
Und wir Menschen "messen" uns dann gerne in Äußerlichkeiten- was gerade wundbar zu der Nabelschau bei facebook etc passt.
Tatsächlich läuft das doch nur so gut WEIL die anderen hinschauen!
Gleichzeitig - so glaube ich- steckt in jedem Menschen eine tiefe Polarität, mit der sich schwierig leben lässt.
Denn einerseits sind wir alle "gleich"- lass uns als Beispiel nehmen dass wir alle Äpfel sind- und gleichzeitig ist jeder Apfel einzigartig.
Und wir wollen auch alle Äpfel sein- wollen aber auch alle in unserer Einzigartigkeit gesehen werden.
Diese Einzigartigkeit- ist vielleicht das, was Du jetzt als "überdurchschnittlich" beschreibst.
Und wer seine Einzigartigkeit deutlich zeigen will, der wird auch gerne als unangenehm empfunden (auch wenn man ihn bei facebook verfolgt
).
Spannend ist ja, dass wir alle einzigartig sind und die ganzen Bemühungen, das bedeutsam zu zeigen, eher das Gegenteil sind (dafür machen das doch zuviele
) - noch dazu geht es doch um ganz andere "Marker" als die Zurschaustellung seines "Könnens".
Und eher kann in solchen Bemühungen der tiefen Wunsch gesehen werden- dass man wenigstens "Durchschnitt" ist, da man sich tatsächlich im tiefsten Innern klein und sehr wenig fühlt.
Kurz- wer sich tatsächlich überdurchschnittlich fühlt- dem fehlt nur das Erkennen seiner Einzigartigkeit, denn in der ist er genauso viel mehr, wie jeder andere auch!


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