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  1. Inaktiver User

    Vom Umgang mit (mini) Enttäuschungen

    Hallo zusammen!

    Ich habe vor ein paar Tagen im Freundschaftsforum gepostet und bin durch den Strang darauf aufmerksam geworden, dass ich noch lernen "muss" mit kleineren Enttäuschungen umzugehen.

    Mir ist aufgefallen, dass ich vieles auf die Goldwaage lege, worüber sich andere Menschen nicht oder kaum Gedanken machen.

    Habe mal etwas in meiner Vergangenheit gekramt und festgestellt, dass ich leider ein wenig vorbelastet bin, was Enttäuschungen anbelangt. Will sagen, in früheren Jahren bin ich in engen Beziehungen sehr oft enttäuscht oder verletzt worden und das trage ich leider auch jetzt noch mit mir rum.

    Mir fällt es schwer emotional zu unterscheiden, was ich (an anderen Menschen) persönlich nicht mag und wo ich vielleicht überreagiere, weil ich eben entsprechend geprägt worden bin. - Und wie ich darauf reagieren "soll". Seltsamerweise oder glücklicherweise komme ich mit großen Enttäuschungen, z.B. durch das Leben an sich/Umstände o.ä., relativ gut klar. Mich stören insbesondere Kleinigkeiten in mehr oder weniger engen (also freundschaftlichen) Beziehungen.
    Mal ein Beispiel, was ich meine:

    1.
    Eine Freundin hat kurzfristig ein Treffen abgesagt, weil sie krank geworden ist. Das hat mich enttäuscht. Wir hatten uns lange nicht gesehen und ich hätte extra eine sehr weite Anreise auf mich genommen. Natürlich kann sie nichts dafür, dass sie krank geworden ist. Das ist mir klar. Trotzdem nagt da so ein Zweifel an mir, ob sie die Krankheit nicht vielleicht einfach nur vorgeschoben hat, um mich nicht zu sehen.
    Das lag auch daran, wie sie die Absage formuliert hat. Sehr kurz, knapp ... kein "Mist" oder "Schade" oder so. Einfach nur "Ich bin krank, wir sehen uns ein andermal". Abgesehen davon hat sie noch geschrieben, dass sie an dem Tag noch zu ihrem Freund fährt. Hm.
    Ich habe ihr gute Besserung gewünscht und ebenfalls geschrieben, dass wir uns dann ein andermal sehen.

    2.
    Neulich hat mich eine Bekannte zu ihrer Lesung eingeladen. Sie hat die Einladung so direkt formuliert, dass sie überhaupt keinen Widerspruch duldete. "Du kommst dann auch." - Also nicht mal als Frage formuliert. Ich war erstmal etwas baff, habe das aber damit erklärt, dass ihr diese Lesung sehr, sehr wichtig ist. Vielleicht hat sie auch Angst, dass nicht genügend Leute kommen. Andererseits empfand ich diese direkte Aufforderung auch als ein wenig dreist.
    Am Wochenende der Lesung war ich dann den Tag vorher auf einer Geburtstagsfeier und Sonntag war auch schon komplett verplant, so dass ich ihr für Samstag Abend sehr freundliche absagen musste. Ich wäre eigentlich gerne dorthin gekommen (sogar sehr gerne), aber es war eben auch nicht gerade um die Ecke (sondern 1 Stunde Anfahrt) und ich brauche auch ein wenig Zeit für mich, kann nicht immer nur unterwegs sein. Nun.
    Die Bekannte hat dann mit "Das ist ja schade" und niedergeschmettertem Emoticon reagiert. Mehr nicht.
    Und das fand ich schon ziemlich traurig irgendwie - und hatte dann ein schlechtes Gewissen.
    Ich hätte mir irgendwie gewünscht, dass sie sowas schreibt wie: "Okay, erhol dich gut und selber schuld" Zwinkersmiley ... komme also nicht damit klar, dass sie mir ihre Enttäuschung so offenkundig mitteilt und hatte ein sehr schlechtes Gewissen.

    Und so könnte ich es ewig weiterführen.
    Mir ist bewusst, dass das Kleinigkeiten sind, für andere kaum der Rede wert. Aber mir persönlich bereitet das viel Kopfzerbrechen, weil ich so Hin und Hergerissen bin zwischen dem Gefühl, was sich bei mir einstellt, und der Tatsache, dass ich auch selber irgendwo weiß, dass das eigentlich ziemlich unnötige Gedanken sind.

    Im Freundschaftsforum gab es schon ein paar sehr gute, hilfreiche Tipps ... die mich zu der Erkenntnis geführt haben, dass es so ist, wie es ist.
    Ich würde das gerne noch etwas weiter aufdröseln.

    Danke für´s Lesen!
    Geändert von Inaktiver User (13.05.2017 um 13:07 Uhr)

  2. User Info Menu

    AW: Vom Umgang mit (mini) Enttäuschungen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ... kein "Mist" oder "Schade" oder so.

    Ich hätte mir irgendwie gewünscht, dass sie sowas schreibt wie: "Okay, erhol dich gut und selber schuld" Zwinkersmiley ...
    Eines Deiner Probleme liegt sicher darin, dass Du eine sehr vorgefasste
    Erwartungshaltung hast.

    Nicht jeder Mensch tickt wie man selbst.
    Und wenn es um Bekannte oder gar Freunde geht, dann kennt man diese
    ja - samt ihren Eigenarten und ihrer Art und Weise, mit den Dingen umzugehen.

    Du kreist viel zu viel um Dich selbst, was Dich geradezu blockiert und Dich
    hindert, andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind.

  3. Inaktiver User

    AW: Vom Umgang mit (mini) Enttäuschungen

    Zitat Zitat von schafwolle Beitrag anzeigen
    Eines Deiner Probleme liegt sicher darin, dass Du eine sehr vorgefasste
    Erwartungshaltung hast.

    Nicht jeder Mensch tickt wie man selbst.
    Und wenn es um Bekannte oder gar Freunde geht, dann kennt man diese
    ja - samt ihren Eigenarten und ihrer Art und Weise, mit den Dingen umzugehen.

    Du kreist viel zu viel um Dich selbst, was Dich geradezu blockiert und Dich
    hindert, andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind.

  4. Inaktiver User

    AW: Vom Umgang mit (mini) Enttäuschungen

    Zur Lesung:
    Vielleicht hatten ihr bereits mehrere abgesagt und sie war enttäuscht. Genauso wie du als deine Freundin den lang geplanten Besuch wegen Krankheit absagte.
    Sie war wegen der Lesung sicher auch aufgeregt, ob alles klappt und genügend Leute kommen. Nichts ist doch frustrierender als wenn man sein Buch präsentiert und dann ist der Saal nur halbvoll.

    Zum anderen wusstest du sicher länger, dass du Freitag und Sonntag etwas vorhast. Du hättest auf ihr:"du kommst auch!" gleich antworten können: Nein, das geht leider nicht, tut mir wirklich sehr leid, aber ...(Begründung)...".

    Wieso gestehst du der befreundeten Autorin keine Enttäuschung zu, wenn du im andern Fall auch enttäuscht warst?

    Zum ersten Fall: gut möglich, dass deine Freundin keine Lust mehr hatte. Aus den gleichen Gründen wie du nicht zur Lesung gehen wolltest. Zuviel vorgenommen und dann wurde ihr das alles zu viel. Dann lieber die Ausrede:"ich bin krank!" damit sie dich nicht vor den Kopf stößt.

    Überlege dir warum du der Autorin nicht gleich gesagt hast:"ich komme nicht". Du wolltest sie auch nicht vor den Kopf stoßen. Vielleicht kannst du dann deine andere Freundin, falls sie eine Krankheit vorgeschoben hat, besser verstehen.

  5. Inaktiver User

    AW: Vom Umgang mit (mini) Enttäuschungen

    Zitat Zitat von schafwolle Beitrag anzeigen

    Du kreist viel zu viel um Dich selbst, was Dich geradezu blockiert und Dich
    hindert, andere Menschen so anzunehmen, wie sie sind.
    Inwiefern? - Sorry, ich meine die Frage ernst, ich sehe das nämlich nicht/kann es nicht sehen. - Ich würde sagen: ich denke doch an die anderen!

  6. Inaktiver User

    AW: Vom Umgang mit (mini) Enttäuschungen

    Ich finde es schwierig, aus dieser Schreiberei und Emoticons-Inflation ernsthafte Gefühlsempfindungen herauszulesen. Mal ehrlich, wie oft im Leben ist man tatsächlich niedergeschmettert? Hoffentlich nie.

  7. Inaktiver User

    AW: Vom Umgang mit (mini) Enttäuschungen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Zum anderen wusstest du sicher länger, dass du Freitag und Sonntag etwas vorhast. Du hättest auf ihr:"du kommst auch!" gleich antworten können: Nein, das geht leider nicht, tut mir wirklich sehr leid, aber ...(Begründung)...".

    Wieso gestehst du der befreundeten Autorin keine Enttäuschung zu, wenn du im andern Fall auch enttäuscht warst?


    Überlege dir warum du der Autorin nicht gleich gesagt hast:"ich komme nicht". Du wolltest sie auch nicht vor den Kopf stoßen. Vielleicht kannst du dann deine andere Freundin, falls sie eine Krankheit vorgeschoben hat, besser verstehen.
    Gute Fragen. Warum ich der anderen ihre Enttäuschung nicht zugestehe? Wahrscheinlich, weil ich mir meine Enttäuschung nicht zugestehe (blinder Fleck). Der Freundin, die mir abgesagt hatte, habe ich nicht geschrieben, dass ich "enttäuscht" bin, obwohl ich es war. Aber ich wollte sie da nicht "unter Druck" setzen, weil sie schrieb, dass sie krank sei ...
    Also ja.
    Ich gestehe mir selbst die Enttäuschung nicht zu bzw. dieses Gefühl anderen mitzuteilen und deswegen mag ich das wahrscheinlich bei der anderen auch nicht/ es setzt mich unter Druck.


    Ich habe ihr nicht gleich gesagt, dass ich nicht komme, weil ich ... ja, weil ich irgendwie meinte, subtil zu spüren, wie wichtig ihr das ist. Ich konnte da einfach nicht einhaken und nein sagen, - obwohl ich ja auch das Gefühl hatte, "hey, das ist aber jetzt ganz schön dreist" - hab das also für mich damit erklärt, dass ihr das super wichtig ist und mir irgendwie gedacht "lalala, da sage ich jetzt mal nichts zu, lalala".
    Wollte vielleicht auch keinen Konflikt?

  8. Inaktiver User

    AW: Vom Umgang mit (mini) Enttäuschungen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich finde es schwierig, aus dieser Schreiberei und Emoticons-Inflation ernsthafte Gefühlsempfindungen herauszulesen. Mal ehrlich, wie oft im Leben ist man tatsächlich niedergeschmettert? Hoffentlich nie.
    Das stimmt schon auch. Würdest du sagen, das gilt auch für Gefühle im echten Leben? Letztendlich ist ja das, was man meint wahrzunehmen, immer etwas, das man irgendwie selber empfindet. (Abgesehen davon vielleicht, wenn jetzt jemand wirklich eindeutig rumschreit, weint oder lauthals losprustet.)
    Ich meine eher so die subtilen Empfindungen. Sind die alle "hausgemacht"/eingebildet?
    Geändert von Inaktiver User (13.05.2017 um 13:54 Uhr)

  9. Inaktiver User

    AW: Vom Umgang mit (mini) Enttäuschungen

    Das ist ja der Haken:
    Dadurch dass du so spät abgesagt hast, ist sie vielleicht enttäuschter als wenn du gleich abgesagt hättest.
    Da ist deine Denke unlogisch.
    Denn den "Konflikt" hast du nur verschoben oder überhaupt erst produziert, als wenn du gleich abgesagt hättest.
    Sicher hättest du nicht schreiben müssen:"ganz schön dreist!", sondern nur, dass du nicht kannst und warum.

    Du gestehst Dir die EnttäuSchung schon zu, sonst würdest Du hier nicht schreiben. So blind ist dieser Fleck nicht.
    Irgendwie meine ich, du stellst die Beispiele nicht nur ein, um zu überlegen, wie du mit Enttäuschungen besser umgehst, sondern auch, um von anderen zu erfahren, ob sie in ähnlichen Fällen nicht auch enttäuscht gewesen wären, um dich zu entlasten.

    Und geh mal vom Thema: meine Enttäuschung anderen nicht zumuten weg zu der Ursache der Enttäuschung:
    Du gestehst Dir selbst zu, spontan abzusagen, wenn du keine Lust/Energie hast.
    Warum anderen nicht?

  10. Inaktiver User

    AW: Vom Umgang mit (mini) Enttäuschungen

    Soziale Zugehörigkeit ist ein menschliches Bedürfnis und Ablehnung tut weh. Das sind zwei wissenschaftlich erwiesene Tatsachen.

    Ich erlebe es so: wenn ich mich im Grunde geborgen fühle, dann kann ich mit solchen Erlebnissen, wie Du sie hier beschreibst, ganz locker umgehen. Es verletzt mich nicht, wenn ich im Grunde geborgen bin. Nun bin ich des Berufes wegen schon mehrere Male umgezogen und musste sozial neu anfangen. Da kam es dann vor, dass ich einsam war und Kontakte ebenso enttäuschend erlebt habe. Ich finde, mein Gefühl hat mich da nicht getrügt, die Kontakte konnten oder wollten mir nicht geben, was ich gebraucht hätte, nämlich Zuverlässigkeit, Respekt und positive Resonanz. Nur sagt das so niemand. Da tut eben auch ein Smilie weh.

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