Liebes Forum,
Ich habe hier schon ein paar Mal hilfreiche Denkanstöße erhalten und befinde mich derzeit in einer Situation, in der ich mal eine Sicht von außen gebrauchen könnte. Ich hätte es auch im "Kennenlern"-Forum einstellen können, da der Anlass die Bekanntschaft mit einem Mann ist. Aber prinzipiell ist mir klar, dass es eher mit mir zu tun hat.
Mein Bauchgefühl war zu Beginn gut, es war sehr entspannt und ich konnte ganz ich selbst sein. Wir wohnen etwas weiter auseinander und berufsbedingt ist es sehr schwierig, Treffen unter einen Hut zu bekommen. Irgendwann bekam ich das Gefühl, die treibende Kraft dahinter zu sein und von ihm eher ausweichende Reaktionen zu erhalten. Ich habe es nach einiger Zeit angesprochen. Zusammenfassend lässt sich sagen: er ist mehr von der unemotionalen Sorte und ich solle ruhig dreimal fragen, das sei nicht absichtlich. Ich hingegen bin recht extrovertiert und direkt. Nun könnten auch sagen, gut, passt nicht, der Nächste bitte. Und solange und viel ist auch noch nicht passiert.
Allerdings brachte mich dieses Gespräch wieder zurück an die Wurzel meines Problems: ich weiß bereits, dass ich im Quervergleich sehr emotional und harmoniebedürftig bin, ich möchte, dass Leute mich mögen und es ist so, dass ich aufgrund meiner Familiengeschichte immer mehr dafür tue, um Anerkennung zu erhalten. Rückblickend erkenne ich mich auch in meinen früheren Beziehungen dahingehend wieder, habe mir in jungen Jahren Männer ausgesucht, die distanzierter waren (die mich aber auch geliebt haben, nur ich konnte es nicht wirklich annehmen).
Dann habe ich versucht, mit einem anderen "Typ" Mensch Beziehungen zu führen, diejenigen, die von sich aus anhänglicher waren, von sich aus für mich da waren. Das hat allerdings dann mich auf Dauer überfordert, dass mich jemand täglich sehen wollte und mir keinen Freiraum ließ. Ich war total genervt, wenn jemand näher an mich ran wollte.
Lange Rede, kurzer Sinn: wie ich es auch drehe und wende, ich scheine mit keiner der beiden Varianten zufrieden oder glücklich zu werden. Ich falle immer wieder in meine alte Denkweise zurück. Im beruflichen Kontext habe ich das gut in den Griff bekommen, aber auf der ganz persönlichen Ebene fühle ich mich manchmal immer noch zutiefst verunsichert.
Was kann ich tun, um meine ureigene Unsicherheit zu überwinden oder zumindest im Griff zu haben? Rational weiß ich, dass andere mich mögen und ich dafür keinen Handstand mit Überschlag machen muss. Ich bin hübsch, klug, beruflich erfolgreich, habe tolle Freunde. Aber irgendwo tief in mir drin piekst mich eine kleine irrationale Zelle und flüstert mir zu, dass ich nicht "genug" bin. Die gewinnt gerade Überhand.
Ich bin sicher, ich bin damit nicht alleine. Was kann ich tun? Langfristig möchte ich in einer Partnerschaft leben - oder gehöre ich zu den Menschen, die besser alleine bleiben sollte? In meinen Singlezeiten bin ich auch meistens glücklich gewesen, nur möchte ich nicht ohne regelmäßigen Körperkontakt alt werden... und Affären sind nichts für mich.
Ich habe es versucht, so komprimiert wie möglich zu beschreiben, aber antworte sehr gerne auch auf Nachfragen :)
Palimpalim![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 13
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01.05.2017, 09:02
Mit der eigenen Unsicherheit klarkommen.
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01.05.2017, 09:07
AW: Mit der eigenen Unsicherheit klarkommen.
Ich denke, dass du die Ursachen deiner Unsicherheit - diese liegen vermutlich in deiner Familiengeschichte? - herausfinden und bearbeiten musst. Hast du mal an therapeutische Hilfe gedacht?
Keinesfalls solltest du die Unsicherheit hinnehmen und akzeptieren, denn diese hat Ursachen und ist meiner Meinung nach niemals etwas "Angeborenes", mit dem man "klarkommen muss".
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01.05.2017, 09:38
AW: Mit der eigenen Unsicherheit klarkommen.
Ja, klar geworden ist mir das im Rahmen einer therapeutischen Begleitung - es war keine ganzheitliche Therapie. Ursächlich ist die Trennung meiner Eltern und das Verhältnis zu meinem - ebenfalls sehr unemotionalen - Vater. Ich habe damals das Gespräch gesucht und weiß, dass ich ihn nicht ändern kann, sondern einen Weg finden musste, damit zurechtzukommen. Tatsächlich habe ich damals verstanden, warum er so ist, dass es nichts mit mir zu tun hat und wir beide bewusst einen Schritt aufeinander zugehen mussten. Er gibt sich seitdem auch Mühe im Umgang mit mir. Es ist natürlich nicht optimal, andererseits kann ich auch nicht erwarten, dass sich alle so verhalten, wie ich es mir wünsche (er ist kein schlimmer Mensch, nur einfach sehr nüchtern und analytisch - das komplette Gegenteil vom mir und sagt er sogar selbst, dass er meine ausgeprägte Empathie bewundert).
Das hat mir immerhin geholfen, diese Situationen zu erkennen und nicht kopfüber in alte Verhaltensmuster zu verfallen. Ich weiß, dass meine Angst bzw. Unsicherheit unbegründet ist. Mit dem "Klarkommen" meine ich auch nicht, damit so einfach weiterzuleben, sondern dieses als Teil meiner Persönlichkeit und Geschichte anzunehmen und, nunja, mich damit zu versöhnen...
Allerdings hat damals eine Psychologin zu mir gesagt, dass seien eben "Urängste", die man im Kleinkindalter aufgrund von Erfahrungen entwickelt. Diese seien nicht endgültig loszuwerden, man müsse eben damit zurechtkommen.
Ich möchte keine Therapie machen, nur weil ich - im akuten Fall - in der Beziehungsanbahnung nach der erstem Phase unsicher werde. Ich schaffe es auch ganz gut, bei mir zu bleiben, meine Bedürfnisse zu formulieren und niemandem hinterherzurennen, aber es ist manchmal schwer auszuhalten...
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01.05.2017, 09:55Inaktiver User
AW: Mit der eigenen Unsicherheit klarkommen.
Kannst du es nicht von außen aufrollen, hm?
Also so als Gedanke: Du (emotionaler Typ) meldest Dich. Sofort machst Du ein winziges Symbol in Deinen Kalender. Dann freut er sich, wie es scheint ... und ihr unternehmt etwas ...
Dann hältst Du es aus und lebst dein eigenes Leben. Dann meldet er sich irgendwann mal. Sofort machst Du ein winziges, aber anderes Symbol in Deinen Kalender. Dann freust Du Dich und ihr unternehmt etwas.
Dass Du euer Meldeverhalten in Deinem Kalender ankreuzelst, musst Du niemandem erzählen - außer und hier natürlich
.
Das ganze lässt Du dann so laufen.
Ich bringe mal ein eigens Beispiel:
Ich habe seit einigen Jahren möblierte Untermieter, Studierende, Promovierende, kulturelle FSJler. Das läuft so ganz gut ... Nun habe ich eine seit einem halben Jahr, deren verbales Verhalten sich im Wesentlichen auf ja und nein beschränkt. Sie freut sich jedoch (im Wesentlichen mit Ja und Nein), wenn ich sie mal mit auf eine Wanderung nehme oder vorschlage, gemeinsam Tee oder Kaffee zu trinken ... ich besuche dann ab und zu ihre Konzerte ...
Am Anfang hat mich das fast wahnsinnig gemacht und ich habe echt die Krise gekriegt, wie man so schön sagt. Denn mein verbales und soziales Verhalten liegt genau am entgegengesetzten Ende. Inzwischen finde ich es ganz entspannend so - und bin selbst entspannter, als wenn ich ständig denke, ich muss für ein soziales Klima sorgen.
Ich kopfe jetzt mal dreimal auf Holz ... Von meinen Sorgen darüber weiß sie nichts. Möglicherweise freut sie sich, dass ich nicht mehr so viel rede
. Das weiß ich wiederum nicht.
Und red' lieber nicht so viel mit ihm drüber. Am besten gar nicht. Auch analytische und nüchterne Typen melden sich, wenn sie wollen ... ---> meine 59-jährige Erfahrung. Bewundern tut er Dich garantiert nicht dafür und das mit der Empathie - das sind Worthülsen von ihm ... kennt man ja manchmal von sich selbst. "Will Dich der Drache fressen, so füttere ihn."Geändert von Inaktiver User (01.05.2017 um 10:01 Uhr)
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01.05.2017, 10:20
AW: Mit der eigenen Unsicherheit klarkommen.
Nein, da habe ich mich wohl unklar ausgedrückt. Ich habe es nun einmal angesprochen, dass mich das etwas irritiert und dann habe ich auch verstanden, dass er anders ist. Ich habe es auch als Übung für mich gesehen, mich mal ein wenig zu entspannen, zu sehen, dass es ganz normal ist, auch anders zu reagieren als ich... und ich werde es bestimmt nicht regelmäßig thematisieren. Ich frage mich gerade nur selber, ob ich damit langfristig zurecht kommen, weil es eben früher schon schwierig war - ich aber auch keine Alternativen sehe. Vermutlich ist es auch diese anfängliche Unsicherheit beim Kennenlernen, die durch die Entfernung und unser beider vollgepackter Alltage schwierig auszuhalten ist. Aber das ist sie ja eigentlich meistens. Es fällt mir schwer, einfach mal auf mein Kharma und die Zeit zu vertrauen.
Das mit der Empathie hat mein Vater gesagt :) Es sollte nur verdeutlichen, dass mein Vater zwar unemotional ist, aber kein schrecklicher Mensch und ich gelernt habe, dass er mich lieb hat. Er kann es eben nur nicht so zeigen, wie ich es tun würde.
Ja... ich bin manchmal anstrengend. Es tut gut, es einfach mal aufzuschreiben. Dadurch bekomme ich schon einen klareren Kopf :)
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01.05.2017, 10:42Inaktiver User
AW: Mit der eigenen Unsicherheit klarkommen.
Nein- das bist Du gar nicht

Du möchtest nur Klarheit, Sicherheit und Vertrauen in Deinem Leben spüren und dem nachzugehen ist wunderbar!
Wenn wir Kind sind und nicht das bekommen, was wir bräuchten ( Zuwendung, Anerkennung, Liebe, Angenommen sei,etc) dann bleibt dieses "hungrige Kind" ein Leben lang in uns drin.
Wir werden zwar äußerlich erwachsen, aber in uns drin bleibt dieses Kind erhalten.
Und dieses innere Kind drängelt sich sozusagen immer nach vorne- bei vielen Kontakten im Alltag und will dann das haben, was es sucht- diese allumfassende Liebe des Angenommen - seins.
So erleben sich Menschen dann fordernd, bittend, gebend, sich-aufgebend........alle Register ziehend um letztlich etwas zu erhalten, was doch der Gegenüber niemals geben kann.
Leider kann unsere inneres Kind gar nicht erkennen, wer da vor ihm steht- jeder wird als potentiell Vater/Mutter erkannt.
Genau so beschreibst Du nun auch Dein Verhalten- es ist die Suche und der Wunsch nach einer Erfüllung, die Dir ein Partner eh nicht geben kann (ganz egal wie liebevoll er auch wäre).
Was Dir gut helfen kann ist die Arbeit mit dem Inneren Kind- dass Du mit Deinem inneren Kind in Kontakt kommst.
Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen und damit Richtungen und vielleicht googelst Du einfach mal und schaust, was Dich anspringt!?
Wenn Du diese tiefe Sehnsucht in Dir bearbeitet hast und Dein inneres Kind nicht mehr so dringlich und fordernd sucht- wirst Du in der Lage sein eine Beziehung zu führen (und zu finden), die auf erwachsener erfüllender Ebene möglich ist.
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01.05.2017, 10:54
AW: Mit der eigenen Unsicherheit klarkommen.
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01.05.2017, 11:28
AW: Mit der eigenen Unsicherheit klarkommen.
@kenzia

Manchmal finde ich mich ja selbst anstrengend. Aber so geht es vermutlich jedem Menschen.
Ich habe auch schonmal überlegt, mich mit dem Inneren Kind zu beschäftigen - zumindest über ein eher beruflich ausgerichtetes Coaching ist das schonmal ganz um gelungen. Ich scheue mich ein wenig davor, das jetzt auch aufs persönliche zu übertragen und denke immer, da schieße ich mit Kanonen auf Spatzen; weil es soviel Menschen mit Krankheiten gibt, die dringender einen Therapeuten benötigen.
Hast du eine Buchempfehlung für mich? Ich habe zwar schon gegooglet, aber da gibt es ja so einiges... es muss ja nicht immer gleich das volle Programm sein.
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01.05.2017, 11:42Inaktiver User
AW: Mit der eigenen Unsicherheit klarkommen.
Sich nicht ernst genug zu nehmen und "die anderen sind ja mit ihren Problemen viel wichtiger" ist auch so ein recht "unerwachsener Satz"

Nehme Dich ernst und schau Dich an.
Sollte das alles gar nicht zutreffen, wirst Du das sehr schnell in dieser Arbeit merken- und dann kannst Du mit dieser Erkenntnis ja alles abbrechen.
Und Du bist auch nicht dafür verantwortlich ob andere Menschen in Therapie gehen oder nicht, einen Platz bekommen oder nicht. Lass den anderen Menschen ihr Leben und schau nach DIR!
Erica Chopich: Aussöhnung mit dem inneren Kind
John Bradshaw: Das Kind in uns
Diese Bücher können sicher sehr helfen- sich mit seinen Anteilen richtig in Berührung zu bringen ist mit Unterstützung jedoch tiefergehend.
ich schätze, Du wirst im Internet auch viel dazu finden.
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02.05.2017, 11:25
AW: Mit der eigenen Unsicherheit klarkommen.
Du sollst "ruhig dreimal fragen"?

Deine Reaktion: Ja, der Fehler liegt bei mir, ich geh mal suchen.
Genausogut hättest Du sagen können: "Das liegt mir gar nicht, dreimal zu fragen. Ehrlich gesagt ist das sogar schon eine Zumutung. Komm mir entgegen!"
Was spricht dagegen, schon IN dieser noch recht jungen Beziehung für Deine Wünsche einzustehen?


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